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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-24 · Heft 717 (24.1.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 717 (24.1.1921)
Date
1921-01-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Montag schaft für die Bezahlung des Mehles eine L o m b a r- Vierung d es tschechischen Zuckers in England oder zumindest in Hamburg, auf welche Bedingung jedoch die tschecho-slowakische Zucker« Kommission nicht eingehen wolle. Der Minister habe dem Präsidenten neuerlich sein Rücktrittsgesüch Überreicht. über das nach seiner Rückkehr aus England entschieden werden solle. Zum Untergang -es englischen Unterseebootes. London, 23. Jänner. (Reuter.) Der Untergang des Unterseebootes 5* hat sich im Lause von Manövern ereignet, die die atlantische Flotte auf hoher See vornahm. Das Unterseeboot »st nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug sofort gesunken. Zur Zeit des Unglücksfalles nahmen fünf Unterseeboote Tauchübuugen vor. Bloß vier kamen an die Oberfläche zurück. Es wurden Torpedobootzerstörer an die Unglücksstätle entsendet; sie fanden jedoch keine Spur von dem verschwundenen Unterseeboot vor. Die vier übrigen Unterseeboote haben den Befehl erhalten, sich nach Ligo zu begeben. Das jüdische SchulwerK in Wien. Aus dem demnächst erscheinenden Tätigkeitsbericht de» Jüdischen Schulvercins. f Vor einem Jahre, hat der vom Unterrichtsamt ve- JüdisLen Nulionatrares für Deutschösterrerch gegründet« .jüdische Schulverein" seine dem Aufbau eine» inovernen jüdischen SchullverkeS gewidmete Tätigkeit begonnen. ES galt, Schulen zu errichten, dre das gleiche bieten sollten wre di«'bestehenden Staats- und Gemeindefchulen, aber außer, dem der jüdischen Jugend ein möglichst großes Ausmaß an jüdischem Wissen, die gründlich« Kenntnis der Sprache, Literatur uud Geschichte ihres Volkes vermitteln und damit die Liebe zum Judentum anerziehen und »immer mehr ver. tiefen sollten. Deußeve Umstände haben den Jüdischen Schulderem genötigt, seine Tätigkeit mir der Errichtung einer jüdischen Mittelschule zu beginnen. Im Oktober 1619 wurde sie erste Klaff« des »Jüdischen Realgymnasiums" eröffnet. Schon der Umstand, daß die erste Klasse in drei Parallelklassen geteilt werden mußte, beweist zur Genüge, daß die Errichtung dieser Anstalt einem wirklichen Bedürfnis der Wieiier Judcnschaft entsprochen hat. Daß diese- Bedürfnis »fortbesteht und daß die Anstatt sich schon «»ach einjährigem Bestände auf da» beste bewahrt hat, ist aus der erhöhten Zahl von Anmeldungen am Beginn des zweiten Schuljahres zu ersehen. D«e Anstalt umfaßt jetzt drei Parallelklassen der ersten und zwei der zweiten Klasse und wird von 230 Schülern (Knaben und Mädchen) besucht. Der Lehrplan stimmt im ganzer, und großen mit dem der staatlichen Realgymnasien überein. Ein wesentlicher Unterschied besteht dann, daß Hebräisch als' lebende Sprache > in sieben Wochenstunden unterrichtet wird, wodurch erreicht wird, daß die Schüler in Verhältnis,näßig kurzer Zeit bi« Sprache in Wort und Schrift kennen. So sehr aber auch darauf Gewicht gelegt wird, daß die Schüler allmählich die hebräische Sprache kennen lernen, läßt es der Unterricht doch nicht bei einer äußerlichen Beherrschung der Sprache bewenden. ES wird dabei vor allem danach gestrebt, die Schüler mit dem Geist der Sprache und dem Geist der Bibel vertraut zu machen. Tie Resultat«, dre im Hebrüisch-Untcrricht deersten Schuljahres erzielt worden sind, sind überaus befriedigend und erfreulich. Aber auch dir in den nichts üdischen Fächern erzielten Erfolge find durchaus zufriedenstellend. So habe» denn auch die staatlichen Schiilinspcktoren di« Leistungen der Lebrer und Schüler, die Disziplin und den Geist, in dem die Anstalt geführt wird, in der lobendsten Weise anerkannt and die baldige Erteilung de- OeffentlichkeitSrechtes in Aussicht gestellt. ES darf schon jetzt gesagt werden, daß das „Jüdische Realgymnasium" den Vergleich mit den staatlichen Anstalten in keiner Hinsicht zu scheuen hat. Die zweite Schule, die der Schulverein gegründet hat, ist die „Jüdische Volksschule", die am 10. Oktober!92Q im Hause der Toyubee-Halle, 20. Bez., DeniSgaffe 33, eröffnet wurde. Die Schwierigkeit, rechtzeitig ein geeignete- Sckullolal ausfindig zu machen,. und die dadurch verzögerte Ankündigung der Einschreibungen tragen die Schuld daran, daß anstatt der in Aussicht. genommenen zwei Klaffen zunächst nur eine Klaffe mit 24 Kindern (16 Knaben uitd, 8 Mädchen) eröffnet werden konnte. Für das nächste Schuljahr »st ein großer Andrang von Schülern zu erwarten. Denn die Schale hat sich schon in der kurzen Zeit ihre- Beständedank der verdienstvollen Arbeit ausgezeichneter Lehrkräfte einen sehr guten Ruf erworben. Auch hier wird an der Hand von Anschauungsmitteln in fünf Wochenstunden Hebraisch-Unterricht erteilt. Wir beim Realgymnasium ist auch bei der Volksschule die Anreihung weiterer Klaffen von der Beschaffung geeigneter Schullokalitaten abhängig. Die günstigste Lösung dieser für deli Ausbau des CchulwerkeS überaus wichtigen Frage wäre die Erwerbung eines Schulgebäudes. Leider reichen die finanziellen Mittel des SckulvereinS dafür nicht aus. Der Mangel an geeigneten jüdischen VokkSschullebrern hat das .Kuratorium des Jüdischen EchulvereinS destimmi,- einen einjährigen Kurs zur Heraribildung jüdischer Volks, schullehrer einzurichten. Der Kurs, der von einer sehr bewährten Lehrerin geleitet wird, wird von 12 Teilnehinern besucht. Außer den für die Prüfung an der staatlichen Lehrerbildungsanstalt r.;crüvbrdcn Gegenständen wird auch Hebräisch i,>ii?rr>i-rtt.t, und zwar sind die Kursteilnehmer der. l^irüstet, imrerchalb zloerer Jahre diese Sprache in erucm Wrrnsr Mergerrzriturirr solchen Ausmaß zü erlernen, daß st« die Eignung erlangen, an der Volksschule auch den Hcbräisch-Unterricht zu erteilen. Schließlich hat das Kuratorium des Jüdischen Schulvereiüs auch H c i r a t f dj, St u t f c für Anfänger, und Fort, geschrittene unter der Leitung einer ausgezeichneten pädagogischen Lehrkraft eröffnet. Das Lehrziel bestand darin, daß die Hörer bei täglich zweistündigem Unterricht daS Hebräische binnen sechs Monaten so weit erlernen sollten, daß sie imstande wären, fließend zu sprachen und fehlerfrei zu schreiben. An den vom Jüdischen Schulverein erhaltenen Anstalten wird an Samstagen und cm den jüdischen Feiertag»« kein Unterricht erteilt. Dagegen ist Sonntag Schultag. Soll dagroße Werk de- Jüdischen Schulderem-, der mit den aufgezählten Anstalten und Kursen einen vielversprechenden Anfang gemacht hat, erfolgreich fortgesetzt werden. so ist die erhöhte Mithilfe der gesamten jüdischen Ocffcntlichkeit erforderlich. ES ist darum Pflicht eines jeden Juden und jeder Jüdin, denen die jüdische Erziehung unserer Jugend und also die Regeneration de- Judentumam Herzen liegt, durch den Beitritt zum Jüdischen'Schutverein, durch Spenden und durch die Werbung von Mitgliedern die Ziele de- Vereines zu fordern. Jeder Jride, ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit, arbeite an dem Aufbau des jüdischen SchuiwrkeS in Wien, indem er nach Kräften für den Jüdischen Schulveroin spendet und wirbt. Spenden und Beitrittserklärungen werden tot Sekretariat des Schulvereins, S. Bezirk, Laborstraße 20 a, entgegengenommen. Propaganda für de« Jüdischen Schirlverel«. Zwecks Organisierung einer großzügigen, bezirksweise« Propaganda für den Jüdischen Schulverein und seine Institutionen in allen Wiener Gemeindebezirken werden die Kultur, und Propagandareferenten der einzelnen zlonisti« scl>en Dezirkssektionen und Gruppen, beziehungsweise deren Obmänner, ersucht. Montag den 24. Jänner um S Uhr abends im Sekretariat de- Jüdischen EchulvereinS, 2. Bezirk, Taborstraße 20 a, zuverlässig zu erscheine». Tagesbericht. Eins Million Dollar M die europäische Kinderhilfe. Die Spende Nockesellers. New-Aor?» 23. Jänner. (Reuter.) Äoh« Rockefell er Zrm. hat für die europäische Kinderhilfsaktion eine Million Dollar gespendet. . ErIffrmnA der VolksheLLstLLtr irz GriMmensteim Gestern mittags wurde auf dem. Hvchegsi bei Grimmeiistcin eine Heilstätte für 25)0 Kinder eröffnet, die gn Tuberkulose der Knochen uud der. Drüsen leiden. Die Anlage entstand durch die Bemühungen dos frühere« Nnterstaatssekretärs Professor Tandler und' zu den Mitteln des ValkSgesundheitsamteS hat Schweden unter Führung des Prinzen Oskar so viei gespendet»: daß das Werk gedietzen ist. 655.O0Q Kronen schenkten Wiener Kreise, 4,300.000 Kronen schickte Schweden und zahlt noch durch zwei Jahre täglich für jedes Kind 75 Oere (120 Kronen). - Präsident Hainisch und der schwedische Gesandte Ev erlös ei öffneten gestern die von Prost Spitzy geleitete Kinde, beilftäite. Unter den vielen Gästen waren der schwedische Konsul Olafs o n, die oistsirllen Vertreter des schwedischen Roten Kreuzes Gräfin H. Hamilton, des Vereines „Nädda Barnem* Ftt. Bjerkmann und Marcus, des deutschösterreichischen HilsSvereineS in Stockholm Frau Prof. Qu-ensel und Herr St.ruwe, AngVbbrige der schwedischen Kolonie, Vertreter der Bundesmin [tciicn, der Stadt Wien und des Ortes Grimmenstein. Die MdLWen Angestellten drohen mit , einem Streik. Die Fachgruppen des Verbandes der städtischen Angestellten nähmen in gesonderten Besprechungen Stellung zu den in der Vorwoche der Gemeindeverwaltung überreichten Lohnfor derungen. Die Delegierten wurden ermächtigt, das Präsidium des Verbandes zu veranlassen, sich für eine mv siichst rasche Erledigung der Gehaltsregulierung einzusetzen. Angesichts der Anforderungen, welche an die Angestellten jetzt gestellt werden, sei die Geh altSreg nlierung unabbweisbar geworden; sie fei in befcheidenen Grenzen gehalten. Bei den Besprechungen wurde betont, daß zu er* warten sei, daß, die Gemeindeverwaltung in Erkenntnis der tristen Verhältn-sse der Angestellten der Erfüllung ihrer Forderungen keine Schwierigkeiten bereiten werde. Nur dann könnte einem Streik vorgebeügt werden, dessen Folgen gerade in der jetzigen Zeck unabsehbar wiren. D e Teleai'erttn werden ermächtigt. darauf hinzn- ' weisen, daß a n g en ch t s d er er r e g len St im m n n g der, der ärgsten Notlage peeisgegebeiln Angestelltenschaft ein Hinausschieder, der Erledigung die' Arbeitseinstellung aus allen Linien zur Folge haben müßte. 24. Januer 192! Nt. 717 , In Kriegsgefangenschaft verstorbene Jude«. Wir drmarn nachstehend eine Liste der jüdisch'« Kriegsgefangenen. die ,m Gefanaenenlager Beresowka (Oststbirien) { in den Jahren 19?5 bkS 1920 gestorben sind: Lederer HanS Atolfg mg, IR. 33, W en, 1. SCiiaufl ,1913; Schiffer Ede, IR.33. Bnaavest. 1. Mw 1917; Bachner Jsieor, Lc>stJN..31,' 5rfi«tbbS. 4. Oktober l91f>: BerkovicS Jckob, Honv. 11, Jlonza; Büchter Albert, IR- 33. Budapest. 12. Dezembee 1919; Dachner Kalman. Honw 3. 12. Februar 1913; Dak toder Pakl He,m,nn, . Lir. 17, Rieftow. 4.Dez'mber 1915; Fischer De sö. Hir. iS, Budavcst, 24.November 1919: Fischer Mor,Hir.9. Budapest, 3. Jänner 1916} Friedländer R.chnd, FJB 17. Wien, 20. August 1918; FnchS MilloS, Hir. 10, Satoraljaujhely, 27. März 1020; Händler . Jana,. IR. 32. Budovest. 20. April 1920; Hermann Hemuch, t<>r. 1ö. Tropvau, 3. Auaust 19lf>; Hoiowltz David, IR. 55, Podbaiee. 80. Mai 1920; Horovitz Dezso, Hir 1, Budavest»; 2t. August 1316; Kästner FarkaS, Hir. 2t, Szolnok, 30. Dezember 1915; Klein Sieamund, H,r. 10, Budapest, 9. Februar 1915: Knovf Hrrsch, IR. SU, Lubaczow, 24. Ananst 1915; Kobler Karl. Lir. 17, W,cn, 14. Jvl, 191«; ' Kodn Wilhelm, H,r. 10, SzilvaSvarad. 18. Dezember 1919; Landau Jos4. Lir. 85. Zloeww, 14. März 1920; Dr. Lilzlo Gyula. IR- 23, Budapest, 8. Juni 191«; Levai Emch IR. SS, Budapest, 10. Februrr 1919; Mrnheim W'tdelm. IR. 10» Brremyll, 20. November 1919; Maymmn Joach'M, IR. 24, KSln am Rhein. 19. Avril 1918; Mogan^Janac. Hir. 1. Budapest. 10. M8n 1930; Neumann Jakob. IR. 66. Unavar. 23. Novemdcr19l5; Phrliv Abraham. Hir. 33, Nagyilandva, 5. M«ri19l6; Pichler Samuel, A' tR. 1. 20. Dezember 1915; Pottak Josef, IR. 82, Uipest. 29. März 1916; RoNenberg David. H,r. 1, Budapest. 19.Dezember 1915; Rub nsohn Jakob, 12.Juni 1915 Rud'k Markus, Lr. 16 oder 1«, 12. September 1915; Silbetstern Max, IR. 54. 17. September 1-15; Sonnen- »chein Boris, Hr. 13. Nagy'zombal. März 1919;; Siern Samuel, IR 85, Allövifö» 10. Mai 1919; D egler Jakob. IR. 57. Borrzm, 10. Mai 1920; Wgt Ludw'g. IR. 73. Therestenstabt, 10. Jänner 1916; Zivver Ad,ahim. SA. 6, Pn> «v8l. 25. Dezember 1915; Ktang Lazar. Zivilgef., PrzeMPsl»! 1920; Tmtelraub R.» Zivitges., Galizien, 1923. Gestohlene Schreibmaschinen bei de» LiqnidiernngsSmtern. 8m Laufder Jahre 1919 unb1' 1920 wurden aus Verschißen en Abteilungen des Militär-LigudirungSamteS in Wien einundneunzig Schreibmaschinen verschiedener Systeme »ach und nach gestohlen. Es sind darunter Reminaton, Mercedes, Royal, Ideal, Underwood. Adler, Wellington. Continental,' Courier, Pittsburg, Blickensdorf. Die Nummern der meisten gestohlenen Maschinen sind bekannt. Bei einem Durschnittspreis von ungefähr 20.000 Kronen würde der Wett der gestohlenen Maschinen etwa 1,800.000 Kronen; betrage«; „ Der Verbreiter der falschen 500-Lirej Noten verhaftet. j Wie wir bereits gestern berichteten, wurde am I Freitag den 21. d. M. auf Vvranlassung des Mit- Inhabers der Bankfirma Magid u. Komp., in der' Hohenstausengasse, Lazar M i e ses, ein junger Mann, Ungehalten würde, der in der Bank drei Noten zu 000 Lire zum Verkaufe prüfentirttei die Noten waren dadurch verdächtig, daß alle die nämliche Serie, als auch die nämliche Nummer Hatten. Der Angehaltene, ein 23iähriger Mann, der sich als „Schriftsteller" bezeichnet, erklärte. die ^llanknotest von einem anderen Manne zunr Verkauf übernommen zu haben. Dieser junge Mau« wurde gleichfalls angehalten und zum Stadtkonimissarück gebracht. Er nannte sich dort Douwn'ici Gadeschü am i'4. April 1893 zu Mailand geboren, ä. Bezirk, Weyringergafse 27 wohnhaft, und gab an. Vertreter der Firma Toti, HoraS u. Komp, auf der Mariahilfer- Straße 108 zu fein. Er beteuerte, nicht gewußt zu haben, daß die Banknoten falsch seien. Er sagte, die Noten con einem gewissen Girardi, der im Stotel Palace wohne, gekauft zu haben. Gadeschi war beim Verhör sehr aufgeregt und weinte. Der die Nntersnchung führende Polizeikommissär Dr. Schwab schickte den Gadeschi mit einem Kriminalbeamten zur Firma Toti. Heras u. Komp^ wo über den Mann die beste-Auskunft erteilt wurde. Noch konnte man nicht aussprechen, ob er selbst das Opfer oder der Verbrecher sei. Noch während man im Zweifel war, hat Gadeschi den Schuldbeweis gegen sich erbracht, indem er ans dem Vorzimmer des StadLkommiffariats enfc« wichen ist. Man verfolgte ihn lofott. konnte ihn aber nicht erreichen. Kommissär Dr. Schwab hatte aber schon vorher in die Wohnung deS Flüchtlings geschickt und vernommen, daß Gadeschi sie erst am 20. d. M. gegen einen MonatszinS von 1500 Kronen aufgenoiumen und mitgeteilt hatte, daß er nur einen Tag bleiben, dann vereisen und nach kurzer Zeit für lätigere D<iner nach Wien zurückkehren werde. Durch Zufall hatte er auch verlauten lassen, daß Italien sein' Reiseziel lei. Kommissär Dr. Schwab rief noch nachts die Vj.'h«-rden/ der Südbahnstrecke telephonisch auf und sprach auch mit Villach. Er teilte kurz den Tatbestand mit. gab eine PersonSbeschreibung des Verdächtigen, die er auS eigener Anschauung genau kannte. Man wußte, daß Gadeschi eine Schlafwagenkarte hatte. Heute früh ist nun aus Villach ein Telegramm an das Sicherheitöbureau gelangt, daß Gadeschi am 22. d. M. um 7 Uhr früh beim Einlangen des Schnellzuges aus Wien in einem Schlafwagen erkannt und verhaftet worden ist. Er hatte einen Betrag von 200.000 Kronen itnb 400 Lire bei sich. Der Schlafwagenkonduktenr konnte anssagen, daß der Mann im letzten Augenblick vor Abrollen des Zuges anö Wien auf den Waggon aiifgesunmgen ist und daß er kein Gepäck hatte. Gadeschi ist jedenfalls unmittelbar nach seiner Flucht ans dem Stadtkommrssariat zum Siidbahnhof geeilt und hat im allerletzten Augenblick noch den Zug erreicht.

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