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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-24 · Heft 717 (24.1.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 717 (24.1.1921)
Date
1921-01-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Heute vormittags begann die mit > so großer Spannung erwartete Pariser Konferenz ihre Beratungen. Die Konferenz wird sich mit der Lösung der zwei .derzeit wichtigsten Fragen befassen. Zuerst soll sie das österreichische Kreditproblem lösen und dann die zwischen der Entente und Deutschland schwebenden Streitfragen bereinigen. Von der geschickten Lösung dieser zwei Fragen hängt die weitere Entwicklung der Dinge in Europa ab. Versag? die Pariser Konferenz, dann stehen wir am Beginn eines neuen Chaos in Europa, dessen Wirkungen schwer abzuschatzen sink Paris. 24. Jänner. Heute vormittags begann im Ministerium des Aeußern im Uhrensaal die Konferenz der Alliierten, wo am 7. Jänner v. I. die Be- Migung des Friedens von Versailles vollzogen worden ist. Die erste Sitzung wird wahrscheinlich der Prüfung der Entwaffnung Deutschlands gewidmet sein. Die alliierten militärischen Sachverständigen scheinen jetzt einig zu sein über die Lösung. «1e Deutschland eine kurze Frist stellen würde, um reinen Verpflichtungen gemäß dem Abkommen von Vpa nachzukommen. Die interalliierte Kontrollkommission wird sich übrigens von der genauen Ausführung dieser Verpflichtungen zu überzeugen haben. Dieser Gegenstand scheint also für nicht mehr als eine Sitzung oie Aufmerksamkeit des Obersten Rares, in Anspruch nehmen zu müssen. Er hätte somit nur den von den militärischen Sachverständigen vorbereiteten Entwurf gutzuheißen. Sodann wsrd der Oberste Rat aller Wahrscheinlichkeit nach die Frage der Kohle nlieferungen anschneiden. Bekanntlich läuft das Abkommen von Spa über diese Lieferungen am 31. Jänner ab. Es ist also für die Alliierten Zeit, bis dahin neue Entscheidungen zu treffen, die zu gelegener Zeit Deutschland mitgeteilt werden. In den folgenden Sitzungen wird der Rat die Hauptfrage der Wiedergutmachung in Angriff nehmen. Der Oberste Rat wird sich noch mit der Finanzlage O e st e r r e i ch s, die sehr bedenklich ist, und mit deren Hilssmöglich- Leiten befassen. Es liegt also Grund vor. zu glauben, daß die Orienlsrage nicht gänzlich verabschiedet werden kann. . Das erste Zusammentreffen zwischen Briand und Lloyd George ist besonders herzlich gewesen und wirst rin günstiges Licht auf d e n 33 e 11 a u f der Verhandlungen Kaum dem Zug entstiegen, halten Lloyd George und Lord Curzon mit Vriand eine Unterredung, die länger als eine halbe Stunde dauerte. Die beiden Ministerpräsidenten gaben' ihrer Freude Ausdruck, rin Zusammenarbeiten fortsetzen zu können, das sie in den schlimmsten Kriegslagen begonnen halten. Sie gaben einander das Versprechen, alles aufzubieten, damit ihre Arbeiten im gemeinsamen Intsresse der beiden verbündeten Rationen und zur Wiederherstellung des Friedens in der Welt die gleichen Früchte zeitigen. Hieraus berieten die drei Staatsmänner das Arbeitsprogramm des Obersten Rates. ' 50 Millionen Pfund Sterling für Oesterreich. London, 23. Jänner. (Reuter.) „Manchester Guardian* erfährt, daß der Oberste Rat beabsichtige, sich sofort mit dem österreichischen Problem zu befassen. Man sei der Ansicht, daß tö durch Gewährung eines über fünf Jahre verteilten Kredits vonb (^Millionen Pfund Sterling zu lösen wäre. Wenn Amerika die Mithilfe ablehnt, werde England die ganze Last zu tragen haben, doch handle eS Kck offenbar um eine gute Investition. L o n - o n, 22. Jänner. Der Vertreter des Teregraphen-Korrespöndenzdursans ist ermachtigt, mit; rteilerr, das; Permlerurin'rstrr Lloyd George die österreichische Fra;e mit größter Sor;e und Sympathie vsrsol t Er geht nach Prrrs, von der Aerrerzeninng durchdrungen, datz die österreichische Frage vielleicht die wichtigste Frage der Konferenz bildet und datz eine Lösung gefunden werden solle. Wenn auch dev britiichr Premier- .minister nicht vergeben darf. dar; , kein Land Staatsschulden im B trazr von acht Milliarden Pfund Sterling, d'e höchste Brllerrernnz Europas «iü> eine MiT on Arbeitslose hat, so fühlt er ooch, daß alles Mögliche getan werden ^rnrrtz. um etwas zu verhindern, was er/und mit ihm die ganze Hoffentlichkeit feines Landes geradezu als Unglück betrachte« würden. * _ Eine amtliche Erklärung. London, 22. Jänner. Das „Reuters -be Bureau* erfährt, daß die vor kurzem veröffentlichte Nachricht ü^er die Haltung der englischen Regierung gegenüber der kritischen Lage Oesterreichs den Zweck halte, die großen Schwierigkeiten tlarzumachen, die den alliierten Machten aus dieser Frage erwachsen, und zu erklären, warum in einer Frage, die allen so nahe ginge, nicht bereits größere Fortschritte zu verzeichnen seien. Die Alliierten, seren fest entschlossen,- das Aentzerste zu tun, um die Verhältnisse in Oesterreich zu besser«, so datz die Angelegenheit ein Gegenstand raschester Beratung sein wird, wenn die Pariser Konferenz Zusammentritt. Es wird darauf hingewiesen, datz die britische und die französische Regierung jedem Plan, der den finanziellen »nd wirtschaftlichen Wiederaufbau Oesterreichs zum Ziele hat, volle Unterstützung zuteil werde« lassen wollen. __ Deutschland sucht eine Verständigung mit Frankreich. Erklärung«» des dentschrn Vertreters. Berlin, 23. Jänner. Das ,B. T.* meldet auS Brüssel: Staatssekretär Bergmann hat ln Paris eine v Vertreter des „Soir* gegenüber erklärt, der deutsche Standpunkt in der Frage der Wiedergntmaä ung bewege sich eher in der Richtung nach einer Gesamtsumme als auf die Festlegung einiger Jahreszahlungen ohne Sicherheit über die Zukunft. Tie gänzliche Ungewißheit erschwere den Wiederaufbau ans beiden Seiten. Deutsch, land sei bereit, über jeden Vorschlag zu verhandeln. Aber es ve» siehe nicht, daß man von ihm Zahlungen durch 42 Jahre verlange. Zahlungen in Gold könne Deutschland gegenwärtig nicht leisten, dagegen besitze er Kohle und die Alljerten wüßten, daß 2 Millionen Tonnen Kohle gleichbedeutend seien mit einer Milliarde Goldmark. s Die Ai beiten der Sachverständigen hakte er für sehr nützlich. Die Schwierigkeit, zu einer Einigung?,n gelangen, liege darin, daß der Frieden«*) rirag eine ReparationSkommission eingesetzt habe, der alle Alliierten zuüimmtcn, während Tent chland glaube, daß es richtiger sei, zu einer direkten Verständigung mit seinen Gläubigern, vor allem mit Frankreich, zu kommen. Mt allen Älli'kiten könne Deuti.i'land sich rasch verständigen, aber es wolle, daß die Hauptvelstündigung mit Frankreich zunächst geschaffen werde. Ganz Deutschland erkenne an. daß Frankreich viel ge litten habe. Biel besser alalle Vereinbarungen wärt jedoch die rascheste Errichtung von 100.000 Häusern in de« verwüsteten Gebieten Frankreichs durch Deutschland. Deutschland wünsche eine Verständigung. Die Festsetzung einer Gesamtsumme wäre von höchstem Nutzen. Wenn Deutschland seine Verpflichtungen kennte, könnte es mit Amerika' sprechen. Staatssekretär Bergmann schloß mit dem Hinweis, daß die Verständigung mit Frankreich eine Veiständigung mit den Alliierten in sich schlösse, da diese dann nicht mehr kompliziert wäre. Der Krieg in Irland. Dublin, 23. Jänner. (Reuter.) Ende dieser Woche wurden aus Irland mehrere Attentate gemeldet. Ein ehemaliger Soldat ist bei Bandon in der Grafschaft! Cork tot aufgefunden worden. Ein an seinen Kleidern angebrachter Zetttl trug die Aufschrift: »Der Spionage; überführt". " ■ 1 In der Grafschaft Menaghan wurden zwei Polizeibeamte durch Gewehrschüsse getötet und einer - verwundet. Drei Personen, die nach ihrer Verhaftung zu entfliehen versuchten, wurden in Headford in der Grafschaft Galway getötet. In der Grafschaft Londonderry wurden zwB Pächter durch verkleidete Männer entführt. Einer der Entführten ist in einem Sumpf mit einer Kugel im Kopfe gefunden worden. * Rach einem Telegramm aus Tuam in der Grafschaft Cavan ist es dort zu Unruhen gekommen, wobest drei Personen dek Jod fanden. Nationalistischer Putschversuch in Fiume. Berlin, 23. Jänner. Die »Deutsche Allg. Zeitung* meldet auS Lnganö: Der ehemalige italienische Abgeordnete Zanella habe den Versuch gemacht, sich Mit H i l f t von Offi ziere n durch eine «Gewalt st reich FiumeS, z u bemächtigen. Die Aufständischen hatten den Posten vor dem RegierungSgebäude entwaffnet und sich m den Besitz einer Kaserne gesetzt. Nach heftigem Kampf, der mehrere Tote und Verwundete gefordert habe, sei die Kaserne von regulären Truppen zurückerobert worden. Infolge dieses Anschlages habe die Negierung von Fiume den General F e r r a r i v ersucht, die Stadt entsprechend dem Abkommen von Abbazia militärisch besetzen zu lassen Gestern feien 760 Carabinieri und 150Infanteristen in Fiume eingctrofsen.‘ Die Auflösung der „Orgesch". Berlin, 23. Jänner. Die »Deutsche Allgemeine Zeitung* meldet auS Genf: Der Londoner Korrespondent deS „Matin* will erfahren haben, daß der englische Mnnsterrat die Erklärungen Briands über die W eder» gulmachung sehr beifällig ausgenommen habe. Auch m der EntivaffnungStzage habe sich die englische Negierung der französischen Auffassung so wert genähert, daß nur eine sehr kurze Frist zur Auflösung der ^.Orgesch* und der Einwohnerwehren zngestanden werden soll. Wahrscheinlich wird die vollkommene Durchführung der Entwaffnung bereits für Ende März oder Anfang Avril gefordert werden. Die Zuckergeschufte Des Ministers Dr. Hotovee. Prag, 23. Jänner. Nach einer Meldung des „Öas* hat der Verband der Zuckerraffinerien an den Präsidenten der Republik und an die Ressortminister eine Denkschrift gerichtet, in der dargelcyt wird, daß infolge der Zuckerpolitik des Handelsministers Dr. Hotovee bis zum 1. Jänner 465.000 Meter" Zentner (gegen 1.602.000 im Vorjahre) verkauft und 281.000 Meterzentner (gegen 871.000 im Vorjahre) expediert wurden. Für die nichlerpedierten, 600.000 Meierzetnee hätten 18 Millionen Dollar gelöst werden Können. Wie das Blatt weiter meldet, hakte Müü'-sr Dr. Hotovee vor feiner Anreise imr'? London, die MehlanKäufen in England gilt. beim Vtäsidenken der Republik eine Audienz. England verlange als Bürg- Einzelpreis SB Kronen Einzelpreis SB Kroneiß PrLn«meratl»a«prelfe r Bien: Am» «»Mt» t» H« SpftltfM, 2. 6c*W. tNftt I M« X »kor in rtne» Srrfitfri Wette (XreRfu PtttMtltl* . . Ihww _/*•— vierte,titdrlich .. ISO.— «RU Postnrrsand fflr Wien on» Oesterreich: Womttlfd) . . 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