Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 716 (23.1.1921)
- Date
- 1921-01-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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0 Seite 4 Wien. Sonntag Eine rote Armee in Deutschland. Berlin, 22. Jänner. (Wolfs.) Auf Grund des bei den Durcknitchnngen nach dem Bestehen einer Noten Armee am 19. d. M. in Essen. Düsseldorf. Elberfeld und Lünen 'bei Dortmund gefrmdenen Bewcismaterials und der Geständnisse einzelner Festgenommener ist, soweit die Ermittlungen bisher ergeben haben, als feststehend zu erachten. daß in B e r l i n eine militärische Leitung der Noten Armee besteht. An der Geiamtorgani'a- Lion ist seit anfangs Dezember 1920 in besonders verstärkter Weise gearbeitet worden. Die Organisation hat durchaus militärischen Charakter. Die Note Armee wird unmittelbar von der kommunistischen Partei organisiert. Es wurde eine überaus große Zahl von Mobilmachungsplänen, Stempeln roter Formationen, stenographische Berichte über militärische Sitzungen. Nachrichten über Stärke deS inneren Gegners, der als Feind bezeichnet wird usw., ausgefunden. Nach dem Vorgefundenen Beweismaterial find) leichte und schwere.Waffen sowie sonstiges Kriegsgerät in erheblichen Mengen vorhanden. Aus einer Niederschrift ist zu erkennen, daß die bewaffnete Aktion im Anschluß an den Hamborner Streik der Hüttenarbeiter, der zum Generalstreik, proklamiert werden sollte, geplant war. Auf Anweisung der Berliner Zentralleitung sollte indessen die geplante Aktion um vorläufig 14 Tage verschoben werden, weil eine Gesamtaktion im ganzen Neick-e zurzeit noch nicht für möglich gehalten wurde. Der französisch-österreichrsche Schleds» gerichtshof eröffnet die Verhandlungen. Paris. 22. Jänner. (Havas.) Die Sitzungen dv'S franzö, ^^österreichisch » gemischten Schi. d. grr ch ,>» Hofes wurden he me durch den Direktor für ßiuilrmgelegenheUen im Justizministerium. Bricou t. in Vertretung des Just zmiuisters Bounevay eröffnet. Minist rprüiioent B iaid war durch d.n bevollmächtigten Minister Herbette, die österrcichiiche N.gieruug durch den Gesandten Eichhoff vertreten. Ein englisches Unterseeboot gefunken. London. 22 Jänner. (Neuter.) DaS unt rgegang-ne Üntei seeboot „K 5* war emrs d r tetztgebamen. Du Brm.nnung bestand aus 6 O s t i z i r r e n u n d bv M a n n. Der Unfall neignere sich w.stich von Plymouth, etwa ltO Meitea Ion der Küste. Verteuerung der TelephongesprSche Wien—Budapest. DudaPrst» 22. Jänner. (Ung. Tel.-Kovr.<Bur.) Infolge der Erhöhung der öst.rre chiichen Fernsprechgebühren ist die Taxe für ein Telephoug'sprcich zwisch n Budapest und Wien vom 1. Februar an auf 13.50 Kr., für dcingerrde Gespräche auf 40.50 Kr. erhöht worden. Tagesbericht. Die Ausweisungspraxis in Wien. Gegen die Ausweisungen protestierte am 17 d. M. ein« von jüdischso^ialistischer Seite einberufene Versammlung im Hotel .Satirischer Hof". Die Versammlung beschloß eine Resolution gegen die „arbeüerseindiiche Haltung der politischen Behörden, die unter dem Vorwand 'b«r Ausiveisung lästiger Ausländer > gegen schutzlose Arbeiter und A igeslellre mit Brachialgewalt Vorgehen, während sie Parasiten, Wucherer und Preistreiber ungestört ihr die Wirtschaft zerstörendes und die Völker verelendendes Werk vollen.den lassen. Sie fordert den Arbriterrat ats Repräsentanten der Wiener Arbeitecschast auf, durch Anspannung aller Energie das elementarste Recht des Arbeiters aus seinen Arbeitsplatz zu wahren. Nur durch die Bekundung der internationalen pro etarisclre,', Solidarität seitens der gesamten Arbeiterschaft Wiens wird das Attentat auf die primitivsten Arbeiterrechte abgewehrt werden". Diese Nesolution enthält nichts darüber, daß die Ausweisungen sich gegen jüdische Arbeite^ und Angestellte richten und daß sie unter einer sozialdemokratischen Gemeinderatsmehrheit geschehen. Bon dem Appell an die inieritationale pcoletarisä)« Solidarität der gesamten Arbeiterschaft Wiens werden sich die Organe des Bürgermeisters Reumann sicherlich nicht beeinflussen lassen. Wir werden, ja sehen! Die „ArbeÜer-Zejtung" regte sich gestern darüber auf, baß wir die Unterstützung ihrer Partei durch ostjüdische Wähler festgenagelt haben. Das ändert, meint sie. nichts an den Tatsachen, daß die Christlichsozialen, solange es Sozialdemokraten in der Negierung gab, diese beschuldigten, die Ostjuden zu schützen, jetzt aber, da sie selbst an der Reihe sind, zu zeigen, wie leicht man die Ostjuden hinausbringt, wenn, Man nur will, sich darum drücken! Dieses gegenseitige Ausspielen der von der Ausweisung bedrohten oder erreichten Flüchtlinge, gegen dar aufzutreten Nicht Parteisache, sondern Menschlichkeitsfacheseiir müßte (von der die „Arbeiter-Zeitung" herzlich wenig ist bezeichnend für den Tiefstand unserer öffentlichen, Moral. Nock hübscher aber ist die verlogen« Frage der „Arbeiter-Zeitung", die unS als Helfer für die Christlichsozialen verspottet: „Sollte die gegenseitige Eideshelferschaft ein« Frucht dos herzlichen Einvernehmens zwischen Herrn Weiskirchner mV» den jüdischen Dalutaschiebern sein?" Soweit uns bekannt, sind diese jüdischen Valutenschieber ebensogut rnit Weiskirchner wie mit ver Partei der „ArbeUec-Zeituug", die statt ihrer die Mi- Arbeiter jchüanicrl, bekannt. Wiener «lorgenzeurmq Mittciluitgcll ans dcm Publikum. Statt Jeder besonderen Anzeige! Theodora Parnass Ignaz Blaustein Wien. XV. Wi-n, VL empfehlen sich als Verlobte «si Wien, im Jänner 1921. Irene Klein Edmund Erdheim Sered (Slowakei) Wien Verlobte » Wien, Im Jänner 1921. Paula Kohn Dr. Hermann Achtentuch Wien, I. Wien, X. Verlobte » W en, im Jftnner 1921. Berti ßögad Brünn Igo Helwing Wien empfehlen sich als Verlobte mt Wien, im Jänner 1921. Möbel o. Innen- I C 010 fl dekoraiion in (frÖMtcr Auswahl. Nur gediegene "i^t »* >, I 0. 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Die „Union österreichischer Juden", die trotz füngsr Vollzogener Namensänderung augeniche'.nlich ün Mid^ gliederschwund leidet, läßt ihren Sekretär, den übekl» bekannten Herrn Siegfried Fleisch e r,^dLe österreichp schen Lande bereisen, um seiner einzigen Aufgabe Ü« wahlfreien Zeiten, der Sammlung Von Mitgliedsbej? trägen zur Erhaltung des Herrn Fleischer, zu obliegen^ Wie diese Versammlungen verlaufen, darüber belehrlr der folgende, uns zugekommen« Ber'cht aüS Innsbruck; Große Staatsmänner und Pol t^ker werden irt Innsbruck immer feierlich empfangen. So kam es auch'^. daß sich von BOO Juden Innsbrucks 36 am 13 Jänner! versanlmclten, um Siegfried Fleischer, den Sekretär! der „Union", zu empfangen und anzuhören, Hintes dem. wie er sich ausdrückte, der größte Teil der Juden Oesterreichs steht. ^Fleischer wußte genau, was er diese«! Leuten sagen dürfe, um deren „Bsdenständigkcit" sm di« böstzn Zionisten berauben wollen. So konnte etz den Lcutcn erzählen, daß es Jüdischuationale nur in W ie n gibt daß aber auch in Wien der „Kampf mit Feuer und Schwert" Erfolge zeitigte und die Wahle«, in die Wiener Kultusgemeinde ein wirklicher Sieg füv ihn waren. Wußten denn die Leute, daß es zum Beispiel auch in der Tschecho-Slowakei eine anerkannte jüdische Nationalität gibt, haß die Zahl der Jüdischnationale« von einer Wahl zur anderen gestiegen ist? Fünf Minuten später freilich, bei einem Appell zur Mtharbeit, mutzte er gestehen, die Zahl der Union-Mitglieder sei zurückgegangen. Warum sollte er nicht sage«, Dr. ChajeS habe auf die Gleichberechtigung dev Juden verzichtet und sie unter den Schutz der Entente gestellt? Als am Schlüsse dreißig Händepaare ihren .^einmütigen Beifall" kundgaben und «in Komitee zur Gründung einer AniowOrtsgruppe gewählt war, konnte Fleischer den ersten „Sieg" über die Indischnationalen Innsbrucks feiern. M. ÖL * . Daß Fleischer daS schlechteste Mittel gerade «lU ist. weiß jeder, der die Vergangenheit dieses Menschen kennt. Aber daß er. wie uns aus Salzburg berichtet, wird, wo trotz regster Agitation ganze 19 Hörer hepbei* geeilt waren, sich nicht begnügte, die wütendsten Ausfälle gegen die Jüdischnationalen zu richten, deren „frecher Chauvinismus" eine blöde Nachäffung der all**» deutschen Hetzbrüder sei. und seine Ausführungen mit Ausfällen gegen die Ostjuden zu würzen — daß sich Fleischer als eifriger Zionist und einstiger Freund Herzls zu bezeichnen wagte, nur nebenbei — solch?rn sich erdreistrt haben soll, zu behaupl-n, daß die „Wiener Morgenzeitung" von Geldern des Joint erhallen werde, die zur Linderung dev jüdischen Not bestimmt seien, ist denn doch ein starkes Stück! ' Wir können nur schwer annehmen, baß sich unser verläßlicher Perichtersta.ter geirrt habe. Sollt«. Herr Fleischer diese Aeußerungen tatsächlich g^tan haben, die einer niedrigen Verleumdung gleichk.im.n. so müßten wir ihn als einen Verleumder und Ehrabschneider, erklären. 823995