Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 715 (22.1.1921)
- Date
- 1921-01-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 715 Wien, Samsrag Metfte», große Umzüge durch dis Straßen und Maflenver-- {tanstltj^tgeti abgehalte« werden. Zn diesen soll eine cm die A«effe oer Kulturnationen gerichtete, gleichlautende, dahinzehende Resowtum beschlossen werden, daß die Deutschösterreicher unter keinen Umständen eine Versklavung ertragen vollen, nie «ms das Recht der Selbstbestimmung verzichten werden und daß ihr unverrückbares Ziel der Anschluß an das Deutsche Reich sei./ Gleichzeitig wird der Ratrorvalrat aufgefordert «erden, unverzüglich die Volksabstimmung hmftchttich des Anschlusses durchzuführen. Die Frage der gattzischeu Flüchtlinge in Wie» vor dem Iewish Board of Deputier. London, 20. Jänner. (Jüd. Korr.-Vur.) Der ,Hewifh Board öf Dsputies" beschäftigte sich in seiner Letzten Sitzung unter dem Vorsitz L. Rothschilds mit der Frage der jüdisch-galizischm Fluch linge in Wien. Zufolge einem Bericht des Sekretärs d:sJoint Foreign Committee wandte sich ein' lokaler Wiener' Hilfsverein an das Komitee mit der Anfrage, ob es in Anbetrachtiber drohenden Ausweisungsgefahr nicht möglich wäre, dis in Wien lebenden jüdischen Heimatrosen aus Polen nach dem Westen zu transferieren vnd einen Teil in England unterzubringen. In Beantwortung dieser Frage wies der Sekretär des Foreign Committee auf die Bestimmungen des Friedensvertra-es von Saint-Germain hin und verlangte genauere Mitteilungen über die Anwendung dieser Bestimmungen in Oesterreich zugunsten der Flüchtlinge. Das Komitee stimmte der Aktion des Sekretärs zu und hat Erhebungen über die Wünsche der Flüchtlinge in bezug auf ihre sich audem Friedensvertrag von Saint-GerrOlin ergebenden Rechte, die österreichische Staatsbürgerschaft zu erlangen, angeordnet. Aus demselben Bericht geht hervor, daß der Sekretär des Komitees über die Lage.der Juden in Oesterreich und Ungarn Erkundigungen eingezvgen habe. Äe Lage der Juden in Oesterreich sei unsicher und erfordere ständige Aufmerksamkeit. Die ungarische Regierung sei den Juden feindlich gesinnt, wie dies die Einführung des Numerus clausus beweise. Die Lage dtt galizischen Flüchtlinge in Oesterreich und Ungarn sei gefährdet und die Internierten in Ungarn vielen Leiden ansgesetzt. Das Komitee beschloß, alle festgestellt.n Zacken über den Weißen Terror in Ungarn' Lrm englischen Auswärtigen Amt mitzuteikn. . Die Repräsentanz des englischen Judentums gegen die antisemitische» Maßnahmen in Lettland. London, IS. Jänner. (Füd.- Kyrr.-Bur.) DaS 7 Joint Foreign Committee deö Jewrfh Board of Depution und der Anglo-Jewifh Association erhielt verläßliche Nachrichten aus Lettland über das antisemitisch« Vorgehen der. lettischen Behörden im Zusarnmenhang mit der Rückwanderung der während des Krieges nach R u ß l a n d deportierten lettischen Juden, die von den lettischen Behörden nicht rnS Dar» zurückgelaflen werden. Das' Joint Foreign Committee beschloß daher, bie lettische Gesandtschaft in London darauf aufmerksam zu machen» daß ein derartiges Vorgehen der lettischen Behörden den Juden gegenüber dem Wunsch Seit« Lands um Zulassung zum Völkerbund präjudrziere. Falls diese Vorstellungen keinen Erfolg haben sollten, werde man sich an daS englische Außenministerium wenden. Das »Lodzer Tagblatt" berichtet hiezu: Bekanntlich hat Lle russische Regierung im Jahre 1915 alle Juden auS Lettland vertrieben und sie in zentralrusjische Gouvexnemer^S und nach der Ukraine verschickt. AlS nun der Friede zwischen Lettland und Sowjetrußland geschlossen wurde, wobei zwischen beiden Regierungen bie Vereinbarung zustande kam, daß alle verschickten und evakuierten letttschen Bürger von der Sowjet- «giettmg nach Lettland überstellt werben sollen, wenn, sie eS wünschen, bildeten sich in verschiedenen russische^ Städten Transporte jüdischer Bürger aus Lettland, welche in ihre Heimat zurückkehven wollten. Roch im August 1920 reisten 800 lettische Juden aus Pensa ab. AlS sie zur lettischen Grenze kamen, empfing man sie mit den Rufen: Verräter! Kommunisten! Geht zu eurem Trotzkyk" und gestattete ihnen nicht, die Grenze zu überschreiten. Eie mußte« nach Rußland zurück. Dreimal versuchten die Unglückliche«, unter denen sich auch Greise nr/> Kinder befinden, nach Lettland zu kommen un/» jedeSmal mußten sie. umkehren. Schließlich wurde nur ein kleiner Teil von ihnen nach Lettland Hinei,»Massen; bie übrigen irre« in Rußland umher, aller Mtttel entblößt, ohne Arbeit und ohne Heimat. Zu bemerken ist,- daß alle diese Flüchtlinge Dokumente besitzen, welche ihre lettische Staatsbürgerschaft dartmr. Ebenso erging eS Transporten, welche im September und Oktober an die lettische Grenze kamen. DaS jüdische ZenttalhllfSkomitee in Moskau wandte sich an den lettischen Vertreter in Moskau mit der Anfrage nach den Gründen «btt* so unmenschlichen Behandlung lettischer Juden, , und erhielt die Antwort, die lettische Regierung müsse vor allem -eststellen, warum die Juden seinerzeit verschickt wurden. UebrigenS habe die lettische Regierung ein Interesse daran, daß vor allem die christlichen Bürger Lettlands aus Rußkand zurücüehren und nicht die jüdische». Wiener Morgsuzerrrms , 22. Jänner vm Her Weg m WM. Razzia auf Stim-einer in London. — Irische Führer als Geiseln. — Englisch^ Polizei sprengt Kanfläden in die LM. Lsndsn, 20. Jänner. „Weslminstsr Gazette" meldet, dsft in der r»er anEen Nacht in London von etwa 50 bewaffnet u Polizeibeamte« mit Kraftwagen eine Razzia auf Sin feiner veranstaltet wurde. Etwa acht Häuser in verschiedenen Teilen Londons wurde» durchsucht. Verhaftungen sind nicht vorgenommen worden In allen durchsuchten ALusern wurden trotze Mengen von Dokumenten beschlagnahmt. Der „Pall Mall Gazette" zufolge hat der Befehlshaber des Bezirkes Dublin mitgeteUt, daß bei einer Fortdauer bewaffn neter Angriffe auf die in Fahrzeuge« befinde lichen StreitkrSfte der Krone bekannte irisch« Führer als Geiseln mitqesührt werde« würdet Zn Cork wurden, einer Reuter-Meldung zufolge? von den Militärbehöeden als offiziellE Vergeltung für den am Samstag er-s folgten Angriff auf zwei Detektivs zwei Kauf« rüden in die Luft gesprengt. In ganz Irland sind sieben Polizeibeamte getötet und zwei verwundet worden. Die Pariser Konferenz. London, 21. Jänner.'. Das Reuter sche Bureau meldet: Por der Abreise des Premierministers Lloyd George und Lord Curzons nach Paris wird das Zbabinett zusammenUten, um datstber zu beraten, welche Haltung in den verschiedenen Fragen, die. aufder'^ Pariser Konferenz zur Sprache kommen sollen, zube- ' obachten fei. Wie verlautet, hegt Llotsd George den lebhaften'Wunsch, bezüglich der deutschen Frage ein vollkommenes Einvernehmen zwischen Frankreich und. England zu ersicl.-n und keine Mühe zu scheuen, um dieses Ergebnis , zu erreichen. ' . Die PoLKifche MLrristerkrife SeigelegL. Marschau, 21. Jänner. (Poln. Lel.-Ag.) In einer gestern cibgehaltenen Konferenz des Ministerpräsidenten Witos mit den Vorsitzenden der Parlamentarischen Klubs wurde die Ministerkrife beigelegt. Sämtliche Parteien erklärten sich für. die Beibehaltung des gegenwärtigen Kabinetts mit Ausnahme des Klubs der Linken Vol*s° Partei (Stapinskr). Die nationale Arbeiterpartei, ie Sozialisten und die Nationaldemokratische Partei enthielten sich der Abstimmung über die Frage der Beibehaltung des Kabinetts, Das Kabinett bleibt daher im Amte ohne Teilnahme der Sozialisten und der Nationatdemokraten. Deputierter Bardicki erklärte namens der Sozia-., listen, die Haltung seiner Partei gegenüber dem Kabinett werde vxm dessen Programm abhängen, das auf die Gesundung der ValnLa, ouf die PereinheiLlichung der Provinzen und dem Wiederaufbau der Industrie gerichtet sein müsse. .. - -- - - Fpm MandLLsverzLchL kes Sejm-Depn- .. . . ^tiertL^.AMIrrg.^ .: Mrschau, 20. Jänner. (Privattelegramm.) Wie bekannt. hat der Abgeordnete der Jüdischen Volkspartei I. D. Nom b e r g, sein Mandat im polnischen Sejm zurückgelegt und lebt jetzt in Berlin. An seine Stelle sollte, wie der „Moment" berichtet, Chaim Rosner als Abgeordneter treten, welcher jedoch'das Mandat nicht annahm. Daher wird der nächstfolgende Kandidat S. Mendel so hn än Stelle Nombergs Sejmab geordneter werden. SoWjetLNZland rrnd RuManien. Moskau, 19. Jänner. (Wolfs.) In einem nach Bukarest gerichteten Telegramm, nimmt die Sowjetregierung von der Erklärung der rumänischen Negierung bezüglich der friedlichen und korrekten Haltung Rumäniens gegenüber der russischen und der ukrainischen Sowjetrepublik Kenntnis und betmt. daß die russische Republik ihrerseits keine Einmischungsab sichten in rumänische Angelegenheiien habe und frei von jeder Feindseligkeit sei. Sowjetrußland sei entschlcsFn, in. keiner Weise die friedlichen Beziehungen zu trüben. Die Ermordung der französischen Sozialisten in Rußland. Paris, 21. Jänner. (Funkspruch.) Ein Telegramm aus Reval bringt Einzelheiten über die Ermordung der drei französischen Sozialisten Lesebre, Bergest und Le Petit durch Organe der panrüssischen außerordentlichen Kommission. Die drei französischen Sozialisten, die den Argwohn der russischen Regie.ung erregt hattm, wurden schon seit langer Zeit im'Geheimen überwacht und als sie um die'Erlaubnis zur Heimreise baten, wurde ihnen diese abgeschlagen. Nun traten die drei Franzosen scheinbar eine Reise in. das Wolgagebiet an; eS gelang ihnen, der Wachsamkeit ihrer Mgleiter zu entgehen und nach Norden zu entkommen. In ■ Murmansk, wo sie sich auf ein kleines Boot einschifften, um nach Skandinavien zu gelangen, wurden sie jedoch erkannt und ihre Abreise nach Moskau gemeldet. Ein Fahrzeug der Küstenüberwachung wurde ihnen nachgeschickt und erreichte sie auf hoher See. Nachdem man ihnen sämtliche Papiere abgenommen hatte, würben /ie ins Meer geworfen. Sin Attentat gegen Kemal Pascha. Berlin» 21. Jänner. Die ..Deutsche Allgemeine Zeiiung" meldet aus At>n: Nr.ch Berichten aus Smyrna wurx' g7g n Must ph K mal Pcuchi ein Moria schlag verübt. Der Täler, ein türkischer Offizier, gab drei Schüsse ab,, ohne zu treffen. Er wurde verhaftet. Erfolge der französischen Orienttruppen. 'v Beirut, 21. Jänner. (Havas.) Die Operationenl der Kolonne Goubeau in der Gebirgsgegend von Kosseiv/ wurden in zusriedenstellondster Weise fortgesetzt. 33 Dorfälteste haben, ihre Unterwerfung mitgeteilt. Die Banden haben sich zerstreut. Oestlich von Aleppo ergreifen die?. Banden vor den französischen Truppen die Flucht. In dieser Gegend herrscht vollkommene Ruhe.; ,, Der Soztalistenkongretz tu Livorno) Mailand, 21. Jänner. (Tel.-Komp.) Das Ergebnis der Abstimmung von Livorno Über die Neuorien-, tierung der sozialistischen Partei in Italien lautet nad)j dem ersten Ergebnis: Für die Einheitsrichtung Servati 81.028 Stimmen, für die radikale kommunistische Rich^. tung Bombacci 57.990 Stimmen, für die gemäßigte; Konzentrationsgruppe Turati 17.202 Stimmen. Dia 'kommunistische Richtung Bombaccis, die unerwartet viel Stimmen erhielt, kündigte ihre. Trennung von - de« Partei und die Gründung einer eigenen kommunistische« Partei an. . . ■ 1 * Die herrische Exkaiserin iw Sterbens London,. 21. Jänner. (Reuter.) „Morning Post"s erfährt au§ Amsterdam: Der Zustand der früheren; deutschen Kaiserin hat sich neuerlich verschlimmert ist Bewußtlosighrit eingetreteu. Die Prager Negiermtgskrife. Beratung der Parteien rnit dem Präsidenten AllafärHÜ, ' Pr^g. 21. Jänner. (Tel.-Komp.) Beim Präsidenten^ Ma s a r Y k Uten gestern die Vertreter dsr fünf gvoW. tschechischen Parteien zusammen. Es wurde van Teilnehmern versichert, daß die Möglichkeit nicht ausgeschlossen sei, daß sich die Parteien und die Negierung doch noch über eine Verständigung einigen könnte:^ Die Beratungen werden fortgesetzt werden. Austritt der Linkssozialisten aus dem Prager deatsche« sozialistischen Klub^ Prag, 21. Jänner. Die der. Linken der deutsche«; sozialdemokratischen Partei angehörenden Abgeordnete« Kreibich, Hahn und Warmbrunn haben heute; dem Klubvorstand sowie der Kanzlei des Abgeordneten«; Hauses ihren Austritt aus. dem Klub der Abgeordnete^ der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei angv-, meldet und an den Klub der Abgeordneten der tschech^i scheu sozialdemokratischen Arbeiterpartei (links) da« Ansuchen um Aufnahme als Hospitanten gerichtet. De. Hotovee fährt nach London. Prag, 21. Jänner. Minister Dr. Hotovee reist Samstag früh nach London, um die Kreditverhandlungeq zu beendigen und über ven Ankauf von Mehl zu handeln. Horthq-Ungarns auswärtige Politik^ Eine Kundgebung des Außenministers Dr. Gratz.! Budapest, 21. Jänner. (Ung.- Tel.-Korr.-Dur.) Im Klub der Regierungspartei hielt Minister des Aeußern Dr. Gratz heute abends eine Rede, in der er darauf verwies, daß die auswärtige Politik Ungarns keim andere Richtung haben könne als die Einhaltung des Friedensvertrages von Trianon, um mit einer ökonomischen' und zielbewußten Verwaltung zu neuen Kräfteu zu gelangen. Ich halte eS für bedauerlich, daß zwischen Ungar«! und Oesterreich gerade in dem Augenblick, da alle Vorbedingungen vorhanden wären, die zu einem künftigen besseren Verstehen führen könnten, durch die aufgeworfene w e st u n g a r i f ch e Fr a g e neuerlich ein Keil getrieben worden ist und Oesterreich sich in dieser Frage bisher schroff auf den Standpunkt der Res judicata go stellt hat.! Bezüglich jener neuen Staaten, welche als nähen? oder weitere Nachbarn für Ungarn politisch und wirtschaftlich in Betracht kommen, werde das größte Gewicht auf ein herzliches Verhältnis mit Polen zu legen sein. Der Minister betonte die Notwendigkeit normaler Ver-' hältnsse, hauptsächlich wirtschaftlicher Natur, gegenüber den übrigen Nachbarn trotz der durch die Ereignisse deri jüngsten Vergangenheit heranfbeschworenen GefühlSgegensätze. Der Minister werde -daher jede GesegenheU-