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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-22 · Heft 715 (22.1.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 715 (22.1.1921)
Date
1921-01-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Heile 4 Wien, Gamstag Wiener ÄRvrKettMtüng «ergreifen, um einen ModuZ vivendi zu schaffen und ent« Zprcchendo llebcremkommen Zu treffen. Was endlich die Ententegroßmächte betreffe, welche Poeisellos auf die europäische Politik ausschlaggebenden Einfluß haben, werde Ungarn alles, tun, um sich mit den« selben in ein aufrichtiges und vertrauensvolles Verhältnis zu setzen. Ungarn werde alle Bestrebungen der Entente auf Aufrechterhaltung des Friedens und Forde- Mng der Konsolidierung unterstützen. Die Frage der Drientierung nach der Richtung der einen oder anderen EntentegroßmachL sei gegenstandslos, La die verbündeten Mächte ouf Grund des Friedensverirages kollektiv anf-- ^reten. Tagesbericht. Monistisches LaudeSikomitee für Oestesreich. i Hevtr, SamStas. 8 Ubr abrndZ. in der Anssve'rsnngShaLr brr Sozialen HWgrmttMztt. H., Große Mohrengasse 5, Vertrag Dr. Artur Hautkc (Berlin) Wir »D ie all « e« e ick e - » l i r i s ch e L n g e i «t IS t c a t S m » 8*. Eintritt frei. 1 *■ 4 £ FSH? .<?^. Znsölgr lü Äuwrsrnyrrt Dr. Hantle <5 tt Wien witb ble für Sonntag dr« 23. d. M-, V,10 Uhr, anberanwle Sitzung des Zionistischen LandeSkomttecs nicht Mt der vorgesehent» Ta?es» «rdvung abzrhalten, sondern wird zu aktuelle« zromstischcu An« Uelegmöeitrn Stellung genommen. Die Sitzung beginnt prägse f!k,10 Uhr vormittags im N'.ederofterreichischen Gewerbeverrin' ^chenöachgasse 11. i _ Die „Deutsche Tageszeitung". - Wir haben schon neulich daö Wiener Organ der all« lbLUifchen Kriegshetzer, die „Deutsche Tages z.e i i u n g", herbei erwischt, wie sie ein von der ..Wiener Morgen» Leitung" gebrach res Zitat ihren Lesern ohne Anführungs« Zeichen vsrsetzrr. Wir haben schon damals hervorgohoben, daß küoses Mari Zu unseren eifrigen Lesern gehört. Da es urrL «öS er nicht ,$u verstehen scheint, nimmt es in der Wiedertzabe urrserer Anschauungen gern die Zuflucht gu FÄschuuyerr, grüben Entstellungen und Drohungen. Unseren Artikel. „Von Versailles nach Versailles" erklärt die «Deutsche TageS- Aritung" a!Z. eins Beschimpfung der Deutschen.' Gestern benützt sie unsere Warnungen vor einer UeLereilmrg in der Anschlu^rolii ik, um zu behLUpien» daß wir die Anschluß-- dnhänger als attoholrsierte nationalistische Hurra-Schreier öe» ifchimpfen. Drist frech gcüagen. Daß sie unser^ Kritik der Art, wie die deutsch'. Justiz in letzter Zeit kommune Martz- ^atsn crl§ politische Äste, behandelt, schwer empfindet, wollen wir dem Organ, das als ainzigcZ - in Wien über das Budä- ,Kommunistenurteil ,ist EntzüLengrrist, nicht -bet-' denkrrü Pber,- daß sie' unsere Bezeichnung '„Schwemkerl", Mit der wrr die schmutzige Phantasie eines feigen Arwnym« 8rngs 'rm iDeuischen .Bolksblatt", der sich über das Juden» Ärm unflätig ausgelassen hatte, b-elLgtcn, sofort in die Mehr- Kahl verwandelt und sic aa? Deutsche öezteht, «die für -eine Techdurg jener arischen Mädchen eintreten» die sich mit Auden einlaffen" (solche Deutsche würden tmr höchstens als rmherlbar geisteskrank cruffossersi, lasten wir ihn nicht §m* sehen.' Sie lügt und fälscht. - Schließlich setzt sie m ihren ArtikÄ auch die durchsichtige Einladung an ihre Leser, das Beispiel Sck«nerers im „Neuen Wiener Tagblatt" zu wieder-- iholen,. und nennt in Sperrdruck unsere Adresse. Wir schätzen dieses Manöver richtig, daher kühl ein, teilen aber für alle Fälle mrt, daß sich die Schriftleitung und Verwaltung der »Deutschen Tageszeitung" in Wien, 7. B e g., Bandgasse lL, befindet. Wenn die Staatöamvaltschast das Gesetz über die Aufreizung zu öffentlichen Gewalttätigkeiten anwenden will, so kann sie sich an die mrgcaebenr Miesse wenden. Woran -ie Welt geaese» soL? i Die „Frankfurter Zeitung" berichtet von einer Reichs- SründungSseier, welche der Nalisnalserband deutscher Olnsiete - «rd »ationalgesmnter Soldaten in Berlin veranstaltete. Ueber ha- Lhrmä «Preußen oder Deutschland?" sprach Oberstliktnant S 0 l 8 e r. Sr wirs de raus hin. daß für Deutschland jetzt etst Air große Zeit airbreche: ES gelte, deu großen Nntronalstsat za schassen, der weit über dir Grenzen von 1914 hinavsgehe. und der alles umfass?, waS in Europa Deutsch spreche. Dieser Staat — so erklärte der Redner vn'er starkem Verfall — kann nur em Kaiserstaat und der kommende deutsche Kaiser nur er« HvbenwLrr fei«. Der berüchtigte Chauvinist Grhenmat R v e t h e, Professor der Germanistik a« der Berliner VvlvrrsikLt, U stete sich unter andere« die folgmdes Sätze - Am 18. Jänner 1871 hat sich Wilhelm l. die Krone au'Z Hurvt gesetzt, um zu zeige», daß er sich vnadhän^ig vcm Willen drS- Tolles fühle. Rar d e r rst ein König, der srr« BoU liefet, aber Mehrheit und Masse verachtet! (Stürmischer Beifall.) Bismarcks Werk hat den drei iniernatronalen Mächte»: dem Papfitnyr, der j ü d i s ch e n P l u t s k r «t i e ü»d der Sosialdrmokratie, »icht gmugend midecstaude«. Man möchte am liebste» r» dieser Gegenwart nrcht lebe», wenn man nicht wüßte, daß an3 all diesem Elend doch wieder dre preußische Monarchie empsrsteigen wird! Man könnte verzwerseln, wen» «an sieht, wie blöde daS Berlm« Bolk ist, das erst gestern ,n Schare» hinter siinr» Führern herlief, UL, daS Andenken einer jüdischen RevolutionS- «egäre z» feiern. Aber Berlin ist Gott sei dank »!cht Deutsch, kavd! Der gute W>lle der Deutschen Bolksvar-er hot sich durch Las BündnrS mit den Demokra'en m tm Nrch,S auigetöst Der % « r! amentarisMus muß hi - anfdentrtzt'en .AeKbefoiriztwerde». Mitteilungen nns dem Publikum. Verlobte Wien, XX.. im Jänner 1921 «60 Statt Karten Für die ihnen anlässlich ihrer Vermählung erwiesene Auf* merksamkeit danken bestens Med. Dr. S. Schätzberg und Frau Wien, XX. m> Rosa Klippel Leo Ordower Cilli (Jugoslawien) Wien empfehlen sich als Verlobte Wie«, im JSnner 193! 4&M EaatmaoHaman ®B1L an ne Vll.,ScliottenfeIög.24 0RÖ3STK JDSW1BL iH WIDS- UNB8TIL- SÖEELfi MÄSSICB PRF.I8E 4M 6 RBLLftNTBN, Perlen, Ool«, Silber,Platin «.Uhren ksaft aad »erkicn f76 ETTEK Stotonturmsir. 2S, Karl&hilferstr. 08 *■^5 Restaurant ^2 Wien, ii., Taborstrassa 12 M.Operer »38 Spezialität: Karpfen und gefüllte Hechte OHR E l B Maschinen - grcüta imnU Billigste Preise Leopold Sieinhi$p% Wien,!., Biberstr. 9 Telephon Nr. 4073/VIl! . ~*r*x*rniZ£S3SM Kultes- «s. ftsstizfalare SSmJÄ Spezialisten StudoW Gotdsieln, Schneidermeister. Wien, XL., Tabor* Strasse W. .Ge'srfiEdet' 1S66. .. Telephon 43639. 781 Feine Herrengarderoben beim Schneidermeister Rudolf GoldnSefn. Wien, II., Tabörstrasse 54 Oegiündet 1868 781 Grosses Lager feiner. Stoffe Telephon 45-8-29 Dr. Ephraim Wasohitz hat seine Advokattirskanzlei in Haifa (Palästina) eröffnet. Auskünfte und Vertretung in allen palästinensischen Angelegenheiten. iooi Beschutbigunge« gegen polnische Staatsfunktionäre. Der Warschauer. „R)botu-.^ schreibt: Der „Polnischen Gesellschaft für den Handel mit dem Ausland", welche zu dem Zwecke gegründet wurde, um in ihren Händen den ganzen Handel mit Rußland und der Ukraine zu monopolisieren, ferner den größten Teil des Handels mit Westeuropa bei-sich zu vereinigen, gehören zwei Minister, der Handelsminister Przanowski und der Ernährnngsmrnrster Gradziecki, an. Herr Przanowski hat wohl vor kurzem erklärt, er sei nach der Uebernähme des' Hanbelsportefeuilles aus der Gesellschaft ausgetreten, doch ist dies nur eine Fiktion. Und nun schließt die Regierung mit der Gesellschaft, in toelcher sie so gut vertreten ist, ein Abkommen über den Kauf von Auslandsartikeln, welche für das Heer notwendig sind- Laut, diesem Vertrag muß die Regierung alle Bestellungen dieser Art ausschließlich^ der Gesellschaft, übergeben, sie selbst kann Heeresbedarfsartikel nur von einer anderen Regierung kaufen; wenn sie sie bei einer ausländischen Privatfirma kauft, muß sie der „Polnischen Gesellschaft für den. Handel mit dem Ausland" eine Provision zahlen, wenn diese auch nicht bei der Transaktion interveniert hat. .Die Pwvisionssatze sind nicht zu verachten;' sie betragen bei Bestellungen bis 5 Milliarden 5 Prozent, bei solchen von 5 bis 10 Milliarden 3 Prozent, über 10 Milliarden 2 Prozent. Auf eine ähnliche Sache macht „Goniec Krakowski" in einem Briefe seines Warschauer Korrespöndenten aufmerksam. Dieser schreibt: In Warschauer politischen Kreisen erregt ein Anleihegeschäst d^s polnischen Botschafters in Brüssel Grafen Saban skr LbhaftesInter, esse. Es wurde festgeMlt, Paß der Minister des Aeußern Fürst Sapreha unter eigener Verantwortlichkeit dem Grafen Sabanskr ein Darlehen von 30 Millionen Mark aus Staatsm'tseln gegen Verpfändung seiner Güter gewährte. D.'r damalige Fmanzmirristec Grabski, welcher dringende Ausgaben aus dem' Badge: strich, zahlte dem Grafen Sabrnski ohne Bedenken 15-Millionen a conto ' 22. Iätttttt 1921 Rr. 7L5 wegen der Auszahlung der weiteren 15 Millionen ge« wendet. Der gegenwärtige FinanMinister Steczkowskr hat nun eine Schätzung der in Pfand gegebenen Güter Sabanstrs-angeordnet und dabei hat sich herausgestellt, baß der Wert der Güter nicht mehr als 700.000 Mark beträgt. Der Finanzminister hat sich nun geweigert, den Restbetrag auszuzahlen. In politischen Kreisen wird versichert, daß noch verschiedene andere Aristokraten, welche dem Pariser Komitee nahestanden, von der Regierung Staatsanleihen erhalten habe«. Die jtbssche Schnlfrnge in der Bukowina. Ra» schreibt mir ans Czernowrtz: Am 9. Jäm« fand in Czernowitz eine Konferenz der hebräische» Landesorganisatiou statt, welche den Zweck hafte, einen einheitlichen Verband sämtlicher hebräischer Schulen deK Landes zü - schaffen. Seit der politischen Neuordnung/ steht die Frage der Schulautonomie im Vordergrund des jüdischen Interesses in der Bukowina. Die Angelegenheit erlitt allerdings eine nicht unwesentliche Erschwerung, als bald nach dem Zusammenbruch Oesterreichs und der Bildung des Jüdischen.Nationalrats t« der Bukowina ein heftiger Kampf zwischen den Anhängern des H e b r ä i s ch e n und den Verfechtern - des , Jüdischen entbrannte, welche sich hauptsächlich aus ' den jüdisch-sozialistischen Parteien rekrutieren. Der Jüdische Nationalrat, den alle jüdischen Parteien alK die für die Vertretung der jüdischen Interessen einzig kompetente Instanz ansahen, hat sich vor seiner $£nf« Losung für das Hebräische als offizielle Unterrichts» spraHe entschieden. Die verschiedenen jüdischen Schule» im Lande sind jedoch auf Privater Grundlage errichtet und feie* Schaffung der jüdischen Gemeindeschulen sieht noch aus. Die Bestrebungen um die jüdische -Schul» autonomie hattxn seinerzeit. einen bescheidenen Erfolg aufzuweisen, indem so wie für die anderen Nationalr» täten auch für die Juden ein jüdisches Schulinspek» torat errichtet wurde. Wenn dieses nunmehr aufge» hoben wurde, so trifft die Schuld nicht die Behörden^ sondern die jüdischen Sozialisten, welche gege« den jüdischen Schulinspektor so lange ein Kestettreibe» entfaltet haben, bis die Regierung diesen abberief und damit die Jnsütution des jüdischen Schulinspektorats z» Fall brachte. Die Mischen Agenden wurden betn Sb* kungskrerse des rumänischen Generalinspektors S r m i o* novier zugewiesen. Trohdem aber verfügt zur allge» meinen Unzuiriedenhett der Mischen Lehrerschaft und! Bevölkerung der deutsche Schulinspektor in allen jüdische» Schulangelegenheften. Dieser' Inspektor bemüht sich fett langem, sämtliche Mischen Schulen deZr- .. LandeZ mit LeutschnaLiopalett- Lehrpersonen anzufülle», und m der Tat find die meisten sogenannten ^deutschen" 'Schulen, die fast durchwegs von' Mischen Kindern besucht : sind, Versorgungsstellen für deutschnatiorale Lehrer.' Die mißlichen Verhältnisse im jüdischen Schulwesen des Landes, die. umso krasser sind, als die Bukowina vor der vollständigen Nationalisierung des Schulwesens steht, werden erst dann überwunden werden können, wenn die organisierte Judenhett einmütig und geschlossen ihre Forderungen erheben wird. Der geplante Hnngertod der Irrsinnigen. Am dritttn Elock bei HauIeS, 3. Siejirt, (Sttlgoffe 28,] Wohnte, seit einiger Zeit die 37jLhrige Franziska ülemctz». eine gebürtige Belgierin, mit ihrer 15jährigen Tochter Mia/ Ihr Gatte-ist Ingenieur und weilt in Dresden. Dia rnaleriellL Lage der Frau inuß nicht Übel geweserr sein, da ihr Gatte'sie unterstützte.' Frau Nernetz war aber, MgebliH iüfolge eivcs Ueberfalls, den sie vor elf Jahren in Belgien erlitten hüben soll, geistig nicht ganz norrnal und HE '.sich 'immer für verfolgt. Sie glaubte, man trachte ihr nachf' deck Wen und suche sie und ihr Airrd zu vergiften. In fcrät letzten.Zeit nahm der Wahn so seltsame Formen an, dasi^ daS ‘ Whirlten der Frau Anlaß zur Beunruhigung Seit etwa acht Tagen hielt sie ihre Wohnung sorgsam vev- . schlossen und ließ niemanden ein. ■ Gestern kam der Gekdbriesträg« und brachtefür dr« Frau' eine Sendung bau^ 540 üPlatl von ihrem Gatten autz 'Dresden.'. Nicht einmal' der GelbbrieftrLger bekam Einlaß und 'f mußte unverrichteter Dinge abziehen. Geyern wurden] das PottzeilommissarrLt, die ReLtungsgeselsschast und die Fester^ wehr - verständigt. Die Feuerwehr rückte mit de« Sprungtuch an unh breitete e§ unter, riesigem Aufsehen unter den FerPern atzS, ' Die - RettungSgestllschast war für alle 'FAÜr BmiL Nachdem ' so alle DorsichtSmaßregekn getroffen waren, versuchte der;- Polizeiarzt Dr. Stoiber Einlaß zir erhalten. Da die Frau niemanden einlassen'wollt«, wurde dis hohe Schub< leiter der Feuerwehr hochgezvgsn und Löschmeister kletterten hinauf.^ - Wahrend dieser -Aktton suchte mau durch Gesprächs, , die durch die Türe geführt wurden, die AufmerksamÄit dre Frau abzulenken. Cs gelang auch; als aber die Löschmeistep die Höhe erklommen _ hatten uird ei« , Fenster einschürg«:-, am ms Zimmer zu steige«, hörte Frau Nemetz das '^lirrsu der Scheibe« und, ■ einen Ueberfall vermutend» eilte sie ■ mÄ ihrer Tochter, die sie umklammett hielt, ins Zimmer, scheinbarentschlossen, in ihrer T-gdeSangst mit dem 'Kinde Selbstmords zu begehen. Aber zum Glück waren durch-das Fenster^ schon die Löschm:ister gciommeu; säst gleichzeitig wurde di« Türe geöffnet und die Polizei, drang-ein. Sie bemühten sich, - die. Frau und ihre Tochter zu beruhigen. Die Tochteu

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