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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-21 · Heft 714 (21.1.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 714 (21.1.1921)
Date
1921-01-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wien» Freitag Wiener Morgenzeltmrg Gelte 4" tom ihm Auskunft, fo Hove murr „nichts als teere Redensarten". — Herrn Austerlitz hat Herr Mayr zu wenig gesagt und v wenn sich auch Herr Mayr hinter „leeren Redensarten" verschanze, so ist das eben ein .Beweis für die christlichsvziale Unfähigkeit» ganze Arbeit gu machen. Daß Bürgermeister Reumann die Not- Wendigkeit gewisser Rücksichten immerhin anerkannt hat, - davon nimmt die „Arbeiter-Zeitung" keine Notiz. Die ganze Sachlage beweist wieder einmal, wie Hchr sich das Fehlen eines jüdischen Vertreters in der gesetzgebenden Körperschaft fühlbar macht, der den Herrschaften die offene Wahrheit ins Gesicht sagt. Das Borgehen der „Arbeiter-Zeitung" aber beweist, welche Rücksicht man auf jener Seite auf die ostjüdischen Wähler nimmt, die bei den letzten Nationalratswahlen in Massen sozialdemokratisch gewählt haben, weil sie durch eine Stärkung der Sozialdemokraten ihre Interessen wirksam zu schützen glaubten. ■ Noch deutlicher tritt der Kampf, den die „Arbeiterzeitung" gegen die Christlichsozialen auf bem Rücken der Ostjuden ausficht, in ihrer gestrigen Abendausgabe zutage. Sie wnstatiert mit Behagen, daß die Christlichsozialen in der Ostjudenfrage „umgclernt" haben, weidet sich an Herrn Mahrs Verlegenheit, zeiht die „Reichspost" der Lüge, weil diese behaupte, daß die Sozialdemokraten „eine Lanze für . ihre ostjüdischen Schützlinge eingelegt haben" und nagelt.den Minister des Innern au, der sich drücken wolle. Die Christrichsozial'en werden in aller Form „entlarvt",' daß sie — mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben wollen. Es fehlt nur noch. daß die Galgenpropaganda des Vertreters der „Technischen Union" zur Entfesselung einer antisemitischen Hetze führe. Die „Arbriter-Zeitung" meldet im Innern des Blattes stolz den ersten Erfolg, nachdem sie im Leitartikel von dem verunglückten Nutzer-, nehmen abzurücken versucht hat. Die Schieberwclt (die infolge der erzeugten Panikstimmung Millionen in wenigen Tagen verdient hat) beginnt nervös zu werden »nd viele sollen Wien bereits verlassen haben. Die Kaffeehäuser in gewissen Gegenden, so in der Tabor-- - straße, waren, sagt, sie, in den letzten Tagen auffallend schwach besucht. Wozu nur zu sagen ist, daß sich in den Kaffeehäusern in der Taktstraße auch viele Wähler der Sozialdemokraten bewegen, daß nicht jeder, der ein Kaffeehaus besucht, ein Schieber ist und daß es schließlich 8ein Wunder ist, wenn es-auch anständige Leute infolge der erzeugten Unruhe vorziehen, zu Hause zu bleiben, vm nicht unangenehmen Ueberraschungen ausgesetzt zu werden. England gibt Leinen StaatsLredit. Die das Reuterfche Bureau erfährt» steht die britische Reg-erung dem Projekt des britischen Mitarbeiters Lei der Reparationskommission, Sir William Goo d e, wohlwollend gegenüber und' würde es begrüßen, wenn die französische Negierung diesen Plan annähme oder einen anderen Vorschlag auf Gewährung einer finanziellen Hilfe machtesofern ein solcher Vorschlag die britischen und französischen Steuerzahler nicht in ungerechtfertigter Weise belaste. Es erscheine angesichts der Finanzlage Englands unmöglich, eine öffentliche Anleihe, zu gewähren, doch liege die Gewährung von Privatkrediten im Bereich der Möglichkeit. Die Liquidierung der vesterreichisch» ungarischen Bank. Paris, 20. Jänner. Der Wiener Korrespondent des „Temps" fügt seinem Bericht über die Beratungen des Bundeskanzlers Dr. Mayr mit den- Gesandten der Großmächte in der Frage der Liquidierung der Oefierreichisch-ungarifchen Bank folgendes' .hinzu: Es Zst äußerst wünschenswert, und zwar nicht nur für Oesterreich, sondern für alle interessierten Staaten, daß gewisse Artikel des Fri-edensvertvages' von Saint- Kermain. betreffend die Liuqidierung der Oesterreichisch-. Ungarischen Bank, so namentlich die Artikel 206 und 915, eine geeignetere Interpretation und Anwendung finden, als dies bisher geschah. Die wirtschaftliche Wiederaufrichtung Oesterreichs kann tatsächlich erst von dem Zeitpunkt an beginnen, in dem die Liquidierung irr normaler Weise erfolgt sein wird, und es ist unnütz, tzu wiederholen, wie dringend die Lösung des Problems dieser Diedervusrichtung ist. Die papierene Wand. * Der Minister für sozial« Wohlfahrt, „Dr. Re sch, erklärte in einer Versammlung, wenn man allmonatlich L Milliarden Banknoten drucken müsse; könne die Krone Nicht stabilisiert werben. Nur eine papierene Wand itrennt Oesterreich vom Zusammenbruch. Mit Mehl und Brot sind wir bis April versorgt. Die Regierung müsse die Ablieferung. des Getreides durch die Bauern unter die Strafsanttion von 60 Kronen per Kilogramm stellen. Das Gesetz über die Wohnüngsfürso.rge wird fix nächster Zeit eingebracht werden. Die Regierung, sagt der Redner, wirb von Streik zu Streik gehetzt, »lle Verwaltungsgeschäfte werden sabotiert. Mit Phrasen wird man Oesterreich nicht retten. Aus einem zußammengebrr.'chenen Reich hm man kein Paradies. UNS«* MittcililNM ans dm Publikum. Statt Karten Ata puditisiem Marco Lagstein Heidelberg Wie« Verloljte Eisenach, im Jänner 1921 u Helene Graubart Moritz Roth Wola Midiowa empfehlen sich als Verlobte Ttirka am Stryj (dimit Tseheehe-Slo-rik*!) 87S3 Gratuliere herzlichst meinem Freunde Herrn Leon Diamant zu seiner Verlobung; mit Fräulein Fanny Berlin. Moses Glasmann 8780 . Fodwolocsrsfca (Polen) Anlässlich der Verlobung meiner Schwester Fanny m i Herrn Leon Diamant wünsche ich ihnen ein herzliches Masfcltow. Munio Berlin 8731 Po4woloc7T»k*. (Polen) neisngxcevr! OBIIi anne Tll.,Scbott8Bfeli!g.24 AUSWAHL 18 LUXUS- DSD STILfiÖBELK MÄSSIGE PREISE <40 RIU.ANTEN, Perlen. Gold,Silbe-,Platin tt ühre» k&ntti nnd Ttrk&nft; 770 ETYiEK Roteatarsutfr. 23, HarlaMlforatr. 93 Amsterdam Wien Antwerpen Bester grösste' Käufer für «M B H I I a ü f @ nys Perlen Juwelen #te, RoSiinowitscSij Juwelier |. Bezirk, MaxhniHanstrasse 5, heisst fetzt Mahlerstr. II. 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Die Bundeshahnagcstellten, bx pragmatischen und tnt* p.ragmatisierten Postangestellten, die Telegraphen- und Telephonangestellten, die staatlichen Arbeiter- sowie die Landesbeamten haben bereits diese Vorschüsse erhalten. Auch bei ihnen betragen die gesamten Nachträge zwei M illiard'en, wovon bloß ein Teil zur Auszahlung gelangt. - - Di« wrftungarischeLoyaMLtslizitation. Aus Budapest wird uns geschrieben: Ministerpräsident Graf Teleki wollt« offenbar dem österreichischen Bundesprasidenten und der österreichischen Regierung zeigen, daß auch er sich eine Abordnung von Deutschen aus Westungarn verschreiben kann, die das Gegenteil von dem behauptetwas die Abordnungen in Wien der österreichischen Regierung erzählen. So hat denn Graf Teürki vor einigen-Tagen eine deutsche Abordnung aus den Komitaten Wieselburg, Oedenburg.und Eisenburg empfangen und von ihr die Versicherung der unwandelbaren Treue der Deutschen des Burge'nlandes zu Ungarn und deren Protest yegen die Abtrennung' entgegengenommen. Graf Telrkr nannte den Versuch, bas Burgenland Ungarn zu entreißen, das ungerechteste, unmoralischeste Experiment, schloß jedoch mit dem Ausdruck der Hoffnung, baß Oesterreich seinen Fehler einsehen und daß eH gelingen wer/de, in dieser Angelegenheit eine friedliche Äsung herbeizuführen. Abreise des italienische« Gesandte«. Der italienische Gesandte Marchese della Tor-. ret ta ist gestern abends abgereists um an den Arbeiten der Pariser Konferenz, dir am 34, d. U, Iteftnwtfn. werdLn. deilLuncdmen., d IEL 81. ISmttr 1821 Rr. 714 Sir Alfred Mond und Dr. Weltzmamfi in Jerusalem. Jerusirkem, 15. Jänner. (Jüd. Korr.-Bur.) Stt Alfred M o n d und Dr. Weitzmann sind gestern in I e r u s a l e m eingetrosfen. Sir Alfted Mond ist ich Regierungshaus abgestiegen. Dr. Weitzmann erklärte einem Korrespondenten des ,Haarez", - die Zionisten müssen' die hebräischen Schulen in Palästina/ weitetz u n Le r st ü tz e n. Ein« bssondeve Sammlung der. palL> stinensischen. Jubenschaft zugunsten der Schulen würde dem ,Seren Hajessod" Schaden bringen. Die WirtschastsLouferenz der Sndzef« fionsstaaten. Prag, 20. Jänner. (Tschecho-flow. Preßbur.) Die Nachrichtenabteilung des Ministeriums des Aeußer« meldet: Wie wir erfahren, ist die Vorberatung zur Wirtschaftskonferenz, die in Wien am 24. Jänner dieses Jahres. stattfmden sollte, üuf den 3. Februar vertagt worden. Das Kabinett Witos bleibt. WarfchSA, 20. Jänner. (W. P. G ) Wie die hiesigen, Dlattrr Eteilm, wirb baS Kabinett Witos nach der erfolgten Aussprach« mit den Parteien im Amte verblei b e n. Zum ErüährungSminister wurde Boleslaw G rud z ie c ki ernannt. Im Ginne eines Beschlusses der Partei» führer wurde dir irächfw LaNdtagssihung ans DieriStag vrv-, schoben." Dewtschrr Reichstag. B«N», 20. ISim«, Sin R-sicrAngSverirtl» «klärt, die Interpellation über die Vorgänge in Oberschlesien werde in der geschüftsordnungsmäßigen Frist beantwortet werben. Das- Haus' setzt-nunmehr dis -gestern abgebrochene Debatte über den Antrag der Unabhängigen wegen Außerkraftsetzung des b rtzrischen AusnähmSpäragraphea fort. Abgeordnster S p a h n (Zentrum) wendet sich gegen dis Aushebung des AusnahmSzustanbeS in Bayern. ■ | Abgeordneter Thomas (Kommunist) greift die bayrische ‘ Regierung auf das heftigste an und' wendet sich namentlich - gegen die Volks ge richte, deren Tätigkeit - sich nur gegen politische Verbreche« richte. - - Äbgecrdnetcr S t m o n-Sch Wabe n (Mehrheitsfozialist) erklärt, daß der Ausnahmszustand ein« dauernde'Ein» richtun-g werden würde, und daß die für dessen Bei^ behaltüng vorgebrachterr'Gründe nicht als stichhältig anztt» ' erkennen seien. < Abgeordneter Anterleiiner (Unabhängiger) fügt-dtzch' vielen Einzelheiten über die VachLeile des Dusnahmszustanbqs noch eine Reihe weiterer Hinzu. Während seiner Rede kommt eS zu erregten Zwischenrufen von links wie ' seitens der Rechten. / „Der Antrag wird schlieMch in namentlicher MstrmviEg mit 181 gegen 124 Stimmen ab gelehnt. Das flsWakifche Prsblem. Prag, 20. Jänner. (Lichechs-flow. Preßbur.) I« MgeordnebLnhaus fand.heute eine Besprechung der slowukischen- Parteien statt. .Rach 8>er Debatte einigte. man sich auf folgende Punkte: 1. Daß in Prag ein flowakisches Jnforntationsbureau für slowakische Angelegenheiten, geschaffen werden soll, das die Berichterstattung aus-Prag nach der Slowakei, insbesondere Über die parlawesttarischen Angrtegenheiten, zu organisieren hätte; 2. daß der bevollmächtigte Minister für die Slowakei aufgefordert werde, regelmäßig die slowakischen ^lbgeordneten mrd Senatoren zu Beratungen über dringende Zeitfragen einzubetüfen; 3. daß, auf dem.ganze« (Steife der Slowakei die Gemeindewahlen ehestens, durch geführt werden.' . Drr Mörder des Grafe« Tifza ge-- storbe«. Lwbapest» 20. Jänner.' (Ung- Del.-Korr.-Bur.) Stephan Dv b o, .einer der Mörder des Grafen Stephan Tifza, de> vom Divisionsgericht zum Lode durch den Strang verurteilt worbe« war,-ist heute nüchis im hiesigen Garnisonsspital K« ' LungM schwind sucht gestorben. Znsammentrilt des franzvstsch-öster« reichischen Schiedsgerichtes. Paris, ly. Jänner. Dab gemischte französisch-östeLq reichischc Schiedsgericht, daS .nach Artrlel 336 des Friedens» Vertrages di« sich auv den,wirtschaftlichen Destim« m singen des FriedenövertragLö evgedenden Differenzen zu entscheiden hat, tritt am 21. Jänner nachmittags zu seiner ersten' Srtzung zusammen. Vorsitzender ist der gewesem Präsident der mexikanischen Republik, D e l a b a r r a. Oester» ' reich, ist durch Direktor Ha mm erschlag, Frankreich. durch Fo r ti'n, den ftüheren Präfidialchef des JustizmknLsterü " L'Hopiteäu, vertreten. KleUre Rachrichte«. Rovr, 20. Jänner. (Stefani.) Die fozürliftische! GemeindevertreLung von CasLellamave hatte den Rathausplatz in Spartakusplatz umbenannt. Bei einer' hie ge gen veranstalteten Protestkundgebung wurden aus; dem Rathaus Revolverschüsse abgegeben, wodurch ein Carabiniere verwundet wurde. Es entstand . ein« Schießerei, bei der mehrere Mrsonen getötet-und ver-> . ronrdsn. , - '

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