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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-21 · Heft 714 (21.1.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 714 (21.1.1921)
Date
1921-01-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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t «fe.7l4 ffittn.’grtftiSfl ■ . ■ •. . -' '----- .'"■■■ /'/■' " ■ Mihänist Küds, Äettfö Sitz William Mey4r.'4weinen verantwortunSsvvllen Posten ebenfalls im indischen Dienst .als High Commissioner beklebet, - der Minister für öffentliche Arbeiten imenglischen Kabinett, Sir Alfred Ron-, der gegenwärtig, von Professor-- Weitzmqnn begleitet, eine Reise nach Palästina angetreten hat, ist aus seiner Tätigkeit für die zionistische Sache in frischer Erinnerung und -gehört, auch der Hjgh Commissioner für Palästina Sir Herbert. Samuel-in diese Reihe. . ' . Der antisemitischen Hetze von alldeutscher Prägung. bietet das Beispiel Englands willkommene Gelegenheit, tzas Schreckgespenst der jüdischen .-Weltherrschaft" ihrem verdummten Kreise zu präsentieren. Einer freieren Geistesverfassung wird Englands' Vorurteilslosigkeit, die sich die politischen Begabungen wählt, ohne erst nach deren Abkunft zu fragenin anderem Sinn als Beispiel Zu dienen vermögen. ■ Das Problem des Zionismus. Die Londoner freisinnige Wochenschrift „The New Statesman" vom 25. Dezember bespricht die Palästina- Frage in ihrem Zusammenhang mit dm jüd 'scheu und arabische» Forderungen und verlangt, daß die Juden während der nächsten Jahre alle Anstrengungen mach'n, die Araber zufriedenzustellen. Das wichtigste aöer für die Zionisten — sagt das Blatt — ist nicht nur, die Quantität, sondern auch die Qualität der Einwanderer sehr sorgfältig zu regulieren. So sehr jedem humanen Menschen, ganz gleich ob Jude oder Nichtjude, daran 'gelegen fein »Nutz, tkn Opfekn der Verfolgungen in den Gl,?tt>os von Marschau und Budapest eine Zuflucht zu bereiten, so wäre es doch Wahnsinn, Palästina zu einer bloßen Zufluchtsstätte für die Elenden aus Europa zu machen. Der Jude in Palästina, wird mit den Händen zu arbeiten haben, aus dem Acker und beim Bauen von Wegen, Häfen, Häusern usw. Wir bezweifeln nicht, daß die neue Generation der Juden dazu erzogen. werden kann, froh an diese Aufgaben zu gehen, und wir glauben, daß die zionistischen Führer sich der Bedeutung des Technischen ebenso bewußt sind wie der anderen Zweige der Erziehung. Die Gefahr, der augenblicklich zu begegnen ist, ist die einer Ueberflutung des Lundes durch eine Masse armseliger Händler und Ausbeuter, die nichts zu handeln und nichts ausznbeuten haben. Die Zionisten haben einige Rückschläge erfahren. Sie beklagen bitter, daß es ihnen nicht gelungen ist.^ volle Entrolle über die Wasserkräfte des Le-ont.es und des Darnnrk zu erhalten. (Diese Frage ist bisher noch entschieden, sondern schwebt zwischen England, Frankreich und den Vertretern der Zionistischen Exe- Ätive. — Red.) Aber wir mochten sie, in aller Freundlichkeit, daran erinnern, daß die Welt sagen wird — strü» mit einigem Recht — daß der Zionismus irgendwie doch ein Gutteil mehr erhalten hat als irgendwer anders. Und die Welt wird, so denken wir, den Erfolg des Zionismus nicht nach dem beurteilen, was er bekommen hat, sondern nach s e i n e m G e i st und seinen Mtön in der allernächsten Zukunft. So ist das Problem für die Zionisten mit einem Male em viel schwereres und höheres als für England. Wir in der zeitweiligen Rolle eines klugen Vaters oder ernsten Polizisten mögen den Zionisten helfen, Palästina zu behalten oder die Wohlfahrt des Landes zü heben. Aber die Zionisten allein können Palästina zü einer Nation machen. Balachowtez rührt sich wieder. Aus dem Gebiet der weißrussischen Aufständischen wird ein Tagesbefehl bekannt, den Balachowicz erlassen hat und in dem es heißt: „Genläß eurem Willen, welcher durch eure Vertreter zum Ausdruck, kam, und mit Einwilligung bsS weißrusstschen politischen Komitees übernehme ich den Oberbefehl über alle aufständischen Gruppen, die sich unter dem Namen „Grüne Eiche" zusammengeschlossrn haben. Ich . rufe alle Kämpfer der „Grünen Eiche" zu äußerst schwerer Arbeit auf. zum Aushalten, zur Aufopferung ihres Lebens mit dem Rufer „Alles Kr hie Heimat!" Ich erkläre, daß ich fest und unerschütterlich auf der Wacht der Interessen unserer Heimat stehen werde; in erster Linie will ich sie von. den Feinden, den Bolschewiken, befreie^ ich will eine starke» gerechte Staatsmacht errichten und die konstituierende Versammlung einberufen." Wieviel jüdisches Blut soll wieder fließen, wieviel Mädchen sollen in diesem „heiligen Krieg" geschändet werden, der das Elend im Osten nur noch steigern fcmn*!; _• . Die „unpolitischen" deutschen Einwohnerwehren. Die Münchener Zeitung „Der Kamps" teilt mit: Am ketzti!» Freitag hielt der von Kassel als Abgesandter des Jungdeutschen Ordens gekommene Kurt We iS hau pt vor der zweiten Riege im 11. Bezirk der Münche ner Einwohnerwehr eine Ansprache, in der er ausführte, daß der Jung deutsche Orde n zwar verfolgt wer.de, baß er aber bereits 80.000 Mitglieder umfasse, die alle für das Ziel eines neuen deutschen Kaiser reiche s eintreten, das die Schmach des Versailler FriadensverträgaZ austilge« müsse. ' Dieser Orden ist eine Unterorganisation der Orgesch, deren Vertreter beständig erklären, daß sie' unpolitisch und verwssungStreu feien und' lediglich die Aufrechterhaltung der Ruhe im Auge haben. Wienet Mvrgenzettnng r 21. Jänner 1921 —' -----— I II. I I...I ■ - iiüiasiri~.~r-!sar~~i-~r > . » ■ .» . «eiteN) Paris, 19. Jänner. (Huvas.) Die Regierungserklärung, die Ministerpräsident Bei and morgen in der Kanirstet und der Minister des Innern Mark and im Senat verlesen werden, Wird dre Grundlagen der Bildung des Kadistetts datlegen und dessen Ziele otvie die Absicht betonen, sich ans eine breite r e p ub l i K a tt i sch e M e h rheir zu stützen, die den Si richtungen der Verfassung treu und entschlossen ist, den Gesetzen über die Vers welLLichnng der Schule Achtung zu verschaffen. Die Erklärung wird das Parlament einladen» sich mit der Regierung zu verbinden, um der Arbeite r k I affe gegenüber eine Politik des Vertrauens und des Zusammen- Wirkens in Ordnung und in gesetzlichen Bahnen zu befolgen. Sie wird ferner den Wunsch anssprechen, die Entwürfe der vorigen Regierung,betreffend die H e r a b s e tz u u g der M i l i 1 a rd i e ti zu verwirklichen» und sich über die FLNünzlage Lüstern, die geieuwärtig von dem Problem . d e r W iederg u u m a ch u n g e rr beherrscht und bedingt sei. Die Regierung werde es sich zur Aufgabe macherH die Durchführung des Friedens« Vertrages durchzusetzen, ohne zu Gewaltmatznahmen zu schreiten, wenn Deutschland seinerseits sich geneigt zeigch feine Verpflichtungen zu erfüllen.; In der Erklärung wird die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der auf den Schlachtfeldern besiegelten Bündnisse betont, damit die Kontinuität in der auswärtigen Politik gesichert w rde, namentlich im Orient, wo Frankreich es sich angelegen sein lassen werde, seine erworbenen und seine traditionellen Rechte zu bewahre«.! Bezüglich Rußlands wird die Er- Klärung neuerlich hervorheben» daß es de« Franzosen freistehe, mit diesem Lande Ham del zu treibe«, datz jedoch die Regierung die Sowjets nicht früher anerkennen werde, als bis sie Bürgschaften dafür geben, daß sie den freien WMensansdrnÄ des rufst- Men Volkes und die internationalen Verpflichtungen der früheren rnffifchen Regierungen achten werden. Der gestrige Tag, den die ganze Vevolkerug Wiens als kritisch notiert hatte, ist;r u h i gv o r b e.i g e. gangen. Die Schieber, die für ihren Hals fürchtetpn, hatten -die Stadt, nachdem sie die Millionengewinne autz der Panik, eingestrichen, verlassen und der Galgen wurde nur demonstrativ von einigen. Kommunisten durch die Straßen der Inneren Stadt getragen. Am Gürtel, wo man-sich unbeachtet weiß, gab es busineß as usual. In der-Veifammlung der Technischen Union, die vorgestern abends den Ruhebeschluß faßte, kam man überein, der Regierung noch zwei Wochen für ihren /Kampf gegen die Preistreiber zu bewilligen: Nach deren Ablauf würden die Massen selbständig Vorgehen, aber nur gegen die „großen Preistreiber", während der gesamten, übrigen Bevölkerung R u h e, D r d n n n g und Sicherheit garantiret. wird. Weiters verlangt die Technische Union von der Regierung die sofortige Einleitung von Verhandlungen Mit der Entente, der die Lebensunfähigkeitdes in Saint--Gennain verstümmelten Oesterreichs und der unbeugsame Wille des Volkes zum Anschluß dargelegt werden soll. Der Anschluß soll sodann am 1. März mit oder gegen den Willen der Entente vollzogen werden. In der gestrigen Sitzung der Preisabbau-Enquete teilte Präsident Dr. Scbechner mit, daß der von der ,-En.rncte gewählte Redaktionsausschuß eine Kundgebnng ausgearbeitet habe, die er dem Plenum vorlege. Er erklärt, ernstlich sagen zu müssen, daß die vorübergehende Beruhigung der öffentlichen Stimmung nicht dahin aufzufassen sei,' daß nunmehr wieder Ruhe eingetreten und wieder Zeit gewonnen sei. Die zu wählende Wirtschaftskommission soll nicht ein Auskunstsmittel sein, um wieder Beruhigung in die Bevölkerung zu tragen. Was die Fundierung der Notenbank anlangt, so wird eine solche durch die Aufnahme von Hypotkekarverpflichtungen empfohlen. Redner verlieft sodann eine Resolution, in der unter anderem gesagt wind: - Es erscheint für unseren Staat eine Hilfeleistung in der letzten Stunde überhaupt nur dann möglich, wenn sie rasch und ausgiebig erfolgt. Getragen von dem Willen, an dem ^Wiederaufbau des Staates ernstlich mitzuarbeiten, rufen daher die Vertreter aller Verufsstände Oesterreichs den Ententemächten die eindringitche Mahnung zu, die seit langem in Aussicht' gestellten Kredite unverzüg« lich und ausgiebig zu gewähren. Im vollsten Bewußtsein ihrer Verantwortung erklären aber die Delegierten gleichzeitig, daß jede Verzögerung in der Gewährung der Kredite unabsehbare wirtschaftliche und soziale Konsequenzen für Oesterreich zur Folge haben würde. ' ,, Der Rsdaktionsaußschuß legt nunmehr der Vollversammlung der Delegierten der "in der Enquete vertretenen Stünde eine. Entschließung vor, in der gesagt wird, die-Regierung möge die im Ausland zirkulierenden Kronen aufsaugen, einen Plan für die Oekononnsierung der Staatsbetriebe im Einvernehmen mit den Arbeitern und Angestellten vorlegen; nach. Erfüllung dieser beiden Voraussetzungen durch die Heranziehung des gesamten mobilen und immobilen Besitzes die Fundierung für eine ins Leben zu rufende Notenbank schaffen. Der unerhörte Luxus, der sich an allen Orten breitmacht, der mit ihm im Gefolge auftretende Wucher müssen won der Regierung mit den schärfsten und rücksichtslosesten Mitteln sofort bekämpft werden. Ein diesen Anforderungen entsprechendes Gesetz gegen Preistreiberei, Wucher und Schleichhandel wie ein Verbot der Einfuhr von Luxusartikeln, soweit sie für den JnlandSkonsum bestimmt sind, wird von der Regierung ehestWs zust Durchführung gelangen müssen. Es toti# ©acfyj der Regierung sein müssen, -ehestens ergänzend« Maßnahmen. durchzuführen. Als solche sieht di« Enquete an:/ i Zwischen den Ländern, im Bundesstaat Hai ftef volle freie Verkehr zu herrschen.^ i Ueberall dort, wo Landwirte ihre Pflicht gegen die Allgemeinheit nicht erfüllen und i(fre Wirtschaft vernachlässigen, die Aecker nicht bestellen, ist die Verordnung vom 3. März 1915, die die rationelle Bewirtschaftung sicherstellt, mit aller Strenge anzuwenden. Der Ausbau Wiens* zu einem Verkehrsknotenpunkt von Nord und. Süd, West und Ost sowie zu einem Mittelpunkt für den Transithandel, speziell' nach dem Osten, ist von der Negierung sofort in Angriff zu nehmen. i / Die Rationierung unentbehrlicher Lebensmittel, deren Erzeugungspreise für das Inland gerecht zu bs» stimmen sind, muß vorläufig beibehalten werden; ihre Bewirtschaftung ist aber den Zentralen zu entziehen und schon bestehenden oder zu bildenden Organisation^ zu übertragen. \ |; Die Regierung wird daher aufgefordert, bis! längstens 1. Februar 1921 im Einvernehmen mit derk berufenen Hauplorgauisationen unter Beachtung der ist der Enquete festgehaltenen Gruppierung eine Wirtschaftskommission einzusetzen, die zur Mitarbeit bei der Durchführung der hier vorgeschlagenen sowiq' aller ähnlichen Maßnahmen berufen ist. . V‘ Die Resolution wird hierauf einstimmig nst gM nommen. , i Budeskanzler Dr'. Mayr bankt yiercmtz namens der Negierung den Mitgliedern de< Enquete und führt aus: Die wertvolle und, ftuej ich betonen möchte, maßvolle. Entschließung, die Sisj einhellig gefaßt haben, ist für die Regierung ein wich-q tiges Programm. Es werde alles Erforderliche geschehen^ um bessere Zustände herbeizuführen- Sozialdemokratie und Oftjudenfragki In der letzten Sitzung des Budgetausschusses? fühlten einige christlich soziale Bolksmänner wieder eittc mal das dringende Bedürfnis, die Frage der Wohnung^ not zur Provozierung der obligaten Ostjudendebatte! zu verwerten. Die Weise der. Herren Ie rz ab e k Nnd^- Baugoin ist ja hinlänglich bekannt, so daß es sich! nicht verlohnt, den Herren mit Gegenargumenten -zw'- begegnen. Interessant war das Verhalten unseres"gewesenen Staatsoberhauptes Herrn 'S e i tz. Sein Antrag, den Bundeskanzler und den Minister des Innern?^ als diejenige Funktionärs, in deren Ressort die Ausweisungsfrage falle, zur Sitzung zu zitieren, ist ei« durchsichtiges Manöver, das bezwecken sollte, die Vorwürfe der Christlich sozialen, daß die Sozialdemokraten . die Ausweisungsfrage verschleppt hätten, auf die Weise . zu entkräften, bä^ die ganze odiose Angelegenheit tettf Chcistlichsozialen zugeschoben würde. Dieses nwrkwürdige Katz- und Mau?sv'el kann man ja schon seit langem' -beobachten und unbekümmert um alle Parteigrundfätze-. die schon längst eine'demagogische Hlaktik erschlagest hät, die alle Bedenken über Borst'Äirft, wenn es' darum geht, den Christlichsozial'qtt best Wind aus -dett Segelst^ zu nehmen,, dieneir die Ostjuden Unseren Svzi>altzemokraten zum Fangball,, den sie von Zeit zu Zeit öM Christlich sozialen zuwerfen. So zeigt sich auch die gestrige „Arbeiter-Zeitung" von den Erklärungen Vesi Staatskanzlers Mayr wenig znfriebengestellt. Herr/ Mayr sage, die Negierung werde „alles" tun, aber? er sage nicht, was sie tun werde. Frage man cm-" mal den cbristlickso^ialen Hanvtminifter und verlange 9 na

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