Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 713 (20.1.1921)
- Date
- 1921-01-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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LXUf-4 £•'(.> MntT9UJ{| Der auttsemittschrKursderslowakischen Behörden. Man schreibt uns aus Bratislawa: Die Retzlcrung-organc in der. Slowakei taisen keine Gelegenhcrt unversucht, um gegen die jüdischen.Jyteress.-y vorzngcl)en. Durch die Verfügung der Negierung, daß in Hinkunft Schank- und Trafiklizenzcn in erster Reik.e an Invalide, Legionäre und Kriegerwitwen zu vergeben seien, eröffnet sich der antisemitisch?« Willkür ein neues dankbares Betätigungsfeld. Dabei nehmen sich die Herren durchaus kein Blatt vor den Mund'. So erfüllen neulich beim Finanzreferenten des Mi'.istniums für die Slowakei Dr. Medveeky eine Deputation von vier Leuten, die ihn bat. eine in Pohore la (Koniitat Gvmör) abgelaufene Lizenz, die sich bisher in Händen eines Juden befand, diesem weiter zu verleihen. ES handelt sich nicht darum, das; dieser Bi te nicht willfahrt wurde, aber der Finanzreferent. der doch, wie man meinen sollte, zur Objektivität verps.ichtet ist,, vcrschnlähte es nicht, den Leuten die lautest.'» Vorwürfe zu machen, daß sie sich nicht schämen, gegen die Interessen des eigenen Volkes zu handeln und für Leute vorzusprechen. welche den Handel in d n H 'n'een haben, und so das Volk unterdrücken und verdrängen. Was d:e Verteilung der Lizenzen anlangt, so zeigt s ich die offene Tendenz, die Jude» wirtschaftlich zu,depossedt-eren und es ereignen sich Fälle, daß reiche Bauern Lizenzen erhallen, weil kein Legionär ausfindig gemacht werden kann., während ande.e.se'.ts j ü d i s ch e Heimke hier. die Lank oder invalid geworden sind, rncht die geringste Aussicht haben, zu ihrem früheren Beruf zurückkehren zu rönnen.. Wie sehr an sich die' Verfügung über die Vergebung neuer Lizmzen zu billigen ist. so darf doch die Tendenz, Kriegsopfer wirtschaftlich zu verso gen. nicht zu einem offen gehandhabten Mittel antisemitischer Willkür aüSarten und es darf Nicht Vorkommen, daß mittellose jüdische Familienvater, welche keinen anderen Erwerb'haben, durch eine Verfügung behördlicher Rücksichtslosigkeit einfach auf die Straße gesetzt werden. - Es wäre Ausgabe der Präger Zentralreg'erung. den slowakischen Behörden endlich klar zu machen, daß auch die Juden nicht außerhalb des Gesetzes 'stehen. Mit dem Kampf gegen den Alkoholismus haben die Verfügungen der slowakischen Lokalbehö.de.l nicht das mindeste zu tun, und es ist eine Tatsache, daß der slowakische Bauer, an dem noch vielErziehungsarbeit zu leisten sein wird, mit dem jüdischen Kaufmann sein bestes Auslangen findet und vielfach den jüdischen Vermittler des Warenaustausches geradezu fordert. Oesterreich und die Tschecho-Slowakei. Aeutzerunirn des Bundes»anders.Dr Mayr. Aeber die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Tschcchv-Slowakei und Oesterreich äußerte 'ich der Bundeskanzler Tr. Mayr unter anderem: '„Das Grundprinzip der österreichischen Außenpolitik war von allem'Anbeginn, gute und freundschaftliche Beziehungen zu' allen Nachbarstaaten zu unterhalten. Dieses Prinzip mußte von der österreichischen Negierung umsomehr bei dem tschecho-slowatischen Nachbarstaat betont werden, da die vielfachen und engen wirtschaftlichen Fäden, die sich von Staat zu Staat ziehen, eine andere Politik geradezu als unmöglich erscheinen ließen. Es hat in den Kreisen her österreichischen Negierung und unserer Öffentlichkeit sehr angenehm berührt, daß diese Notwendigkeit auch von der tschechischen Seite voll anerkannt wird, und als eine gewichtige Stimme in diesem politischen Werdegang gegenseitiger vertrauensvoller Konsolidierung muß ich auch die Aeußenmg des Geschäftsträgers der "chechischen Republik in Wien.-Dr. Flieder, einwerten, und ich kann bei diesem Anlaß nur betonen, daß die diplomatische Vertretung der tschechischen Republik in Wien starken Anteil an der Schaffung der Bereitung des Weges für diese Zusammenarbeit.hat. Ich betone hier ausdrücklich: wirtschaftliche. Zusammenarbeit, die mitbestimmend sein wird für die notwendige Konsolidierung der Republik Oesterreich. Die Republik Oesterreich verfolgt in ihrem Verhältnis zu. den Nachbarstaaten ausschließlich wirtschfttspolitisckze Ziele und unter diesem Gesichtspunkt betrachtet. wird Oesterreich auch gern an einer Wirtschaftskonferenz mit diesen Staaten teilnebmen. da es überzeugt ist, daß wirtschaftspolitische Abmachungen nur günstig für Bestand und. Ausbau der, politische'! Souveränität der aus dem Friedensvertrag wn Smnt° Germain entstandenen Nachbarstaaten sein können.". 'Line Schweizer Stimme zur österreichische« Frage. Die „Baseler Nationalzeitung"- schreibt an leitender Stelle: „Nicht so steht die Sache, daß Oesterreich trotz seiner sinnlos, enge gezogenen Gren'en an sich schon lebensunfähig wäre und deshalb in Deutschland aufgehen müßte. Aber Oesterreich und Wien bedarf dreierlei, wozu es nicht aus eigener Kraft kommen kan» und was bisher die vermeintlichen Netter in Paris ihm nicht verschaffen konnten. Erstens: Eine sachlich^ mwardeiüche Leitung.des Staates, eine ... «*• < t *V * r. J. vtr. 7i<> Mittcilimgcn mildem Pnbliknm. Gdor noch e;nipre Plätze frei. Auskunft bei Frau Klara Ehrlich, IX. 'MQIInerpa^se 31, l. Stock, Tür 6, von 3 bis 5 Uhr nachm tlags. 4$!H OBEL anne Vll.,$chOttehfeIif0.24 GRÖSSTE AUSWAHL IN LJXUS- UND STIL« KOBELN MASSIGE PREISE 440 B ISILLINTSH.?«r'an.Op!fl.?l»lbo .Platin o.ül»rcn kaott and verkaatt 77« ETTEf/* RotentiujKB r. 23, MarlaMlferatr. 98 ßmsteräant Wien Antwerpen Kr fiter rrrflsste Käufer für 4039 B'rSlljrii'tein, Perlen Juwe'en Kabinowüsch, Juwelier I. Bez rk, lAsx'm u'saJtrLSZL 5. Ii Isst jetzt MaHlHrsb*. II. n*‘2irV, Siep‘iani*strass3 3, nu 2 im susaen Hsire Freitag ab 4 Uhr und SamsMtr pe-ch owen H5*en Sie aucu unsere Preise. Te'ephon 8511 und 4513 bl«. Spezlallintts für feine SoÜdcn- (4i. Wolhvirkwaren El*a Lederer, I., GiabcOiBorotlicerg, i GHHEIRmaschio»nlEsHuswafn : - ... _ Billigste Preise firi Leopold Sleinhapf. I Wien. 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ES liegt, so grausam es klingt, auf der Hand, daß diese Negierung mindestens vorerst keineö ft erreich ifche sein darf. Einige entschlossene Angelsachsen als Diktatoren und Reorganisatoren an der Spitze des Staates könnten wahre Munter wirken. Zweitens: Die Sicherung eine? bedeutenden W i r t s ch a f t s g e b i e t e s für Wien, für befftn Industrie und Handel, die Ausnützung der zentralen VerkehrZanlage der Stadt und ihrer in. Jahrhunderten angesammelten Kenntnisse und Erfahrungen für die Bedürfnisse des ehemaligen Reiches. Ob man dies Konföderation nennt oder ein System von gemeinsamen Handelsbeziehungen und Verrechnungseinheiten schafft, tut nichts zur Sache; aber der Neid der em p orgekommenenNeustaaten gegen Wi^n darf nicht mehr entscheidend sein. Die Sieger,Hätten Druckmittel genug zur Hand, um Prag, Belg.rad, Bukarest und Budapest über ihre wahren Interessen zu belehren, die' jetzt bestehenden Erschwerungen des Verkehrs zu beseitigen. du"ch Freijiüg'gke't, .Geldeinheit und Wi.rtschaftsbünd'- nis.se allen. Staaten neben-ihrer neuen Selbständigkeit auch die Vorteile.der-Zugehörigkeit zu e'nem bedeutenden Marktgebiet zu s'chern:, Drillens: Eine Organisation systematischer H'lf', die mi'g'ickst den freien Einkauf der Lebensnottreudigle'len für die Sukzessionsstaaten in. den Ländern, mit Hoch-.v.'ihrung aus schaltet und durch ein System von anste'grn' en Geg n'eiftnngen und fallenden Krediten erlebt. Dies? drei a.enaliuten Dcdinaynarn gelben nicht bloß für Oesterreich, sondern für alle Neu« staateu. deren Schwierigkeiten gemeinsam sind; btt Auflösungszeichen sind Überall da, nur find sie in Oesterreich» das am. härtesten getroffen ist, am ansge« prägtesben. Die Habsburger können nicht Helsen, aber Sir William G 0 0 d e oder ein anderer könnte eS, wenri er mit allen Vollmachten und Druckmitteln der Sieger käme. Dir'se sollten jene, die sie ins Elend gezwungen haben, nun zur Rettung zwingen." — Wenn man von der phantastischen. Idee der nichtösterreichischen, beziehungsweise angelsächsischen Diktatur absieh't> muß man anerkennen, daß die Ausführungen an den Kern der Frage rühren. ■ LeMÜonsrHrt PflüqlVertreter Oesterreichs beim Völkerbundrat. Genf. iS. Jänner. Dcr östrneicdische BmidkömimÜec de^ Aeusiein bak dem Völlerbundsseltetalia e in Genf mitcietrilr, daß d'k öüer:eidnsd'e Reirrüng i?ega>ionsrat Emmnich P f l ü g i ilS B tretrr - Oc'^e rekhs - Nun Böllerbundrat bestimmt - daN n« den Verkehr Oesttrruchs mit dem ^ölleibundrat zu er leicht er» - Die Anichlutzbestrebungen in Tirol. Innsbruck, Ist. Jänner. (Korr.-Bur.) Im Tiroler Landtag wurde heute der großdeutsche DringlichkeitSautrag, betreffend die Vornahme einer Abstiinmung über die Frage des Anschlusses an Deutschland, in Der-, handlirng gezogen. Die Dringlichkeit wurde dem Antrag einstimmig zuerkannt. Handelsminister Dr. Hotsvee kommt nach Wien. Prag, 19 Jänner. (Korr.-Bur.) Handelsministee Dr. Hotovec wird nächsten Montag in Wien ein» treffen, um die soeben wieder in Pragaufgenonrinencn österreichisch-tschecho-slowakischen Zuckerverhandlungen sortzusetzen.' - Särmszenen im Deutschen Reichstag. Die NerchsgrAndrrrtq. — Die Reaktion i» Bayern. Berlin, 19. Jänner. Der Reichstag nahm henie nach der Weihnachtspause seine Vollsitzung wieder atts^ Zu Beginn.der Sitzüng gedachte Präsident Lobe der deutschen Reichsgrüudung. Hieraus hält der Präsident Nachrufe für die ver^ storbenen Abgeordneten Legren und den frühcren Reichs» kanzler Bethmann^Höllwcg,' welche das Harisf stehend anhört. Der kommümstische Abgeordnete Mal zä h n ruft dazwischen: Er war der Kriegsschuldige! (Stürmische Protestrüfe.) Vor Eintritt in die Tagesordnung verliest der' kommunistische. Abgeordnete Dr. Levi, vyn stürmischen Zurufen unterbrochen, einen P.r p t e st g e g e n V i e Erklärung des Präsidenten in Angelegenheit der Fünzigjahr-Gedensfeier. Nachdem Abgeordn.eter Levi seine Ausführungen, geschlossen hatte, bemerkte der- Präsident, er nehme an, daß niemand von dem Proteste Kenntnis zu nehmen gedenke. Hierauf begründete Abgeordneter Sold mann (Unabhängiger) einen Antrag der Unabhängigen, die von Bayern aus Grnud des Artikels 48 der V e r.f a f f u u g für Bayer« getroffenen Maßnahmen außer Kraft zu setzen. Er betonte, daß Bayern der Hort der Reaktion geworden sei, und schilderte die Tätigkeit der Orgesch und der Einwohnerwehren. Redner warf der bayrischen Negierung vor, ohne äußeren Anlaß Gelegenheit zu suchen, ihre Soldate« auf harmlose Leute loszulassen, und meinte, die Tätigkeit, der bayrischen VolkSgerichte laufe auf I u st i z m 0 r d hinaus. Neichsminister Koch betonte, daß die Regierung mit der bayrischen Regierung Verhandlungen eingeleitet habe, daß sie aber nicht in der Lage sei. einzugreifen. Sie hoffe jedoch, auf dem Wege der Verhgndlungen zu einer Verständigung zu gelangen. Die äußerste Linke^ unterbricht die Ausführungen des Ministers durch ständige Zurufe. Staatssekretär S ch w e y e r tritt den Erklärungen des Ministers bei und gibt nähere Aufklärungen, aus denen hervorgeht, daß die Reichsverfassung in Bayern nirgends verletzt wurde. Diese Erklärung nimmt die äußerste Linke neuerlich zum Anlaß, sich in heftigen Zwischenrufen zu ergehen. Als der Redner feststellt, daß die Kommunisten mit allen Mitteln versuchen,' sich der Wafrenabgabe zn^entziehen, kommt es zn ern e uter Unruhe, wahrend deren dte Zurufe: Ränbcrba»de, Geiselmord! erschallen. Der mehrheitssozialistische Abgeordnete . V 0 g e l erklärt, daß die „einstweilige Maßnahme" von Landesregierungen nur znläsiig sei, wenn Gefahr im Verzüge sei. DicS treffe in diesem Falle nicht zn. Das Vorgehen der bayrischen Regierung bedeute einen Vcrsassnngsbruch. der verhindert werden müsse. Mgeordnctcr Emm i n g e r (bäurische Volks- Partei) erklärt, vom AnSnahmsznstand sei jent herzlich wenig zn spüren. lStürmische Protcstrnicder^ onßcrstcn Linken) Der Wnchcrparagraph sei eigentlich . die einzige Folge des ZluSnahmSzuftandrS gewesen.