Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 713 (20.1.1921)
- Date
- 1921-01-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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•9fr. 7f&~ tSßUn, ‘ IM nn-■•.■-r.gffl-tl.r.'-rfr-l ... ,n.. Me deutschen Wiedergutmachungen. Wiedera«snahme der Berya»dl»«ge«. Paris, 19. Jänner. (Havas.) Der deutsche Delegierte btzi der ReparationSkommission, Bergmann, hat-die Besprechungen mit den französischen, englischen und belgischen Kollegen wieder ausgenommen. - -Den Blättern zufolge hätte er auS Berlin eine .ausweich e n d e A n L w o r t auf den Fragebogen - der Entente mitgebracht und. keinegenauere Meinungsäußerung über den Wiedergutmachungsplan, indem das SMem ddr Lieferungen in natura wohl angenommen, Geldzahlungen jedoch abgelehnt würden.! Die deutschen Delegierten erklärten gegenüber Vertretern der Presse, daß sie zu Wiedergutmachungen Ker^it und entschlossen seien, die Frage noch -vor dem „,H§r<N M losen. Sverschlefie». KeMck, 19. Jänner. - Sämtliche Parieren dK UAchstages, mit Ausnahme der Unabhängigen und -der KornmrrnrstLir, haben sine Interpellation Angebracht, Worin die Reichsregierung gefragt wird, ivas sie zu tun gedenke, um die Wiederherstellung der; öffentlichen Sicherheit in Oberschlesien zu sichern, dÄ durch , die An s a m m l u.n g p o l n i f che r Tr up Pen an der obcrschlesischen Grenze geschaffenen Gefahr zu begegnen, sowie die in dem Abstrmmungsreglement fiir' '.Oberschlesien enthaltene Benachteiligung der deutschen ÄbstimmrmgsberechtigLen zu beseitigen. Ei« Ultimatum a« Ziettgomfki. 'Berlin 18. Jünser. Wie der Ostdienst auS Wilna meldtt, hst-Dbnst Chardigny im Namen der KontrvMmmissivn des Völkerbundes an General Z i e l i g o w s k i eine Note gegerchtet. m der dieser aufgesordert wird, Wilna mit sein t n Truppen sofort zn räumen. ForLschretLerr der Rigaer Berharrds Iitstgett; Warschau, *19. Jcinnsr. <W.. % G.) ^Rach' öM neuesten Nachrichten aus Riga ist in . den Arbeiten der Friedenskonferenz ein stetiges Vorschreiten .zu verzeichnen. -Die RedaMonskommission hat bereits Len endgültigen Text der Konvmtion, betreffend die Repa- Mjerung der L^riegsgefangenen, der Geisel. Und der Evakuierten, festgesetzt. Auch das Reglement für die Ah- ArßHüngskommlssion ist beretts erledigt. ' ' </\'- ’ -n Gegenwärtig befaßt sich, die Redaftionskommission mst der endgültigen Festsetzungjendr MrttagsaMel, dre-W. RÜWellirng^ der ' nach Rußland . entführten GKM , betreffen, Jene.Iertragsbestimmünge», - die, sich auf. die. Amnestie, den Schutz 'der nationalen Minder- Wen' und die gegenseitigen Garantien bezüglich der politischen Propaganda beziehen, sind schon endgültig redigiert. . . Die polnische« ParteienvextxeLer bei Witos. , . Warschau, 19. Jänner. (W. P. G.) Montag vormittags empfing der Ministerpräsident W r t o s die Vertreter der einzelnen parlamentarischen Klubs und hielt mit ihnen eine beinahe dreistündige Konferenz ab, Der' Ministerpräsident gab eine genaue Darstellung aller aktuellen Fragen der äußeren Politik, hierauf wandte er sich «deii Problemen der inneren Politik zu und besprach die Valutasrage, das Ernährungsproblem, das Verkehrswesen und andere Vertvüktungsfragen. Er wies auf die Notwendigkeit' einer rqschen Erledigung deö Nerfassungsgese.tzes hin . und bat die. Parteienvertreter, zur gegenwärtigen politischen Lage Stellung zu nehmen. Die Vertreter der Wrteitzn nahmen den Bericht , des Minist-.rpräsidonten zur Kenntnis und ersuchten um eine Vertagung der Ko nferenz, um.sich vorher mit ihren Klubs rns- E'mverrmhnlen setzen zu können. - Der Kampf um die „H»ma«itö". Paris, 19. Jänner. Die.sozialistischen Dissidenten Bracke, Mouret, Long'nst und Blum hüben .den ' in Straßbürg gewählten Berwaltungsrat des sozialistischen Blattes. „HumamLee" embernfen.' Die ^Hurnanitee" veröffentlicht das Einberufungsschreiben, . erklärt^ aber zugleich, daß die Rechte des VeriEungsrates erloschen seien, und daß nur der neue rn Tours gewählte Verwaltungsrat rechtmäßig zur Leitung des sozialistischen Organs berufen sei. ' Die Dissihenten nchcheu geltend, daß hie französische Sektion der Dritten Internationale nicht- -mehr idechisch mit der ftüheren sozialistischen Partei' und daher nicht berechtigt sei, über die „Humanitee" zu vsr- Mekk. Sie beanspruchen das Blatt , für sich. Der neue. Berwaltungsrat teilt hingegen mit, daß er entschlossen sei, Widerstand zu leisten, und beruft sich auf das von Jaures entworfene und dem Kongtetz in Samt-Queiüin im Jahre 1911 beschlossene Statut der „Humamtee". ... Eiu bezeichnendes Dementi der Segrfch. München, 19. Jänner. (Süddeutsches PrcßburÄM.) L)ie Landesleitung der Einwohnerwehren Bayerns teilt wit: In der Presto-loerden Nachrichten über eine Teiln.ahme der bayrischen Einwohnerwehren bei einem b e». vorstehenden Umsturz in Oesterreich verdreilet. Sogar, die Initiative zu einem entscheidenden Vorstoß werde von den bayrischen/ Einwohnerwehren ausgehen. Diese'Nachricht, wie auch die sonst in dresenz Zusanuckenhange über die Einwohnerwehren gebrachten Angaben, sind völlig ans der Luft gegriffen und erflogen. Ei« DsKumerrL der Zeit. Budapest, 19. Jänner«- (Privat.) Der Oberstaats-. anwalt hat in einem Erlaß dem in Wien lebenden.Sozialdemokraten Max P i n t.e r, Staatssekretär in der Regierung K a r o l y r, die Bestätigung erteilt, daß sowohl er als auch fein.e- SamtUc dcm bolichewii rschen Sy st,cmsern g eft an d en sind. Dieser merkwürdige Erlaß, dev: für das jetzige System und . das .Verhalten per Horthy-Offiziere charakteristisch. ist,. wurde im Amtsblatt und auf der Eisenbahn verlautbartt Herr Pinter hat seinerzeit die Handelsverträge. Ungarns mtt der Ukraine und Sryujetrußland abgeschlostsn. . Streik Nr Le« W«rrusborfer Textilfabrike«. Warnsdorf, 19. Jänner. (Tel.-Komp.) Drö Verhäng- Ütnge», die die Angestellten und Werkmeister der hiesigen Terttlarbeiter mit den Arbeitgebern wegen'Lohn-' erhöhung gefiihrt haben, sind gescheitert. Es'war eine 50prozentige Erhöhung gefordert worden, wogegen die Arbeitgeber nur >40 .Prozent .zugeftehen wollten. Die rm Zentral- und Werkmeisterverband. organisierten Angestellten -sind beute in den Ausstand getreten. Hiedtrrch wurde' der Betrieb in den Warnsdorfer Textilfabrtten lahmgelegt. - Tagesbericht. Das Martyrium i« der Ukraine. v. m. Ws «rar die fsdrsche J«geu» J — Die erkaufte leichtere Tovesart. — «Worftar« 1s salataat.“ Wer die Schauöerberrchte über die langsame Äöschlachtung der ukrainischen Juden in den Jahren 1618, 1919 und der ersten HAfte 1920 liest, fragt sich fiebernd: Wo war die jüdische Jugend? Sie hat .doch schonim Jahre 1905 die Schivarzen Hundert mit blutigen Köpfen heimgejagt, .sie hat es doch, insbesondere unter dem Einfluß der neuen . jüdischen Regerteratrpnsbestrebungen, gelernt, .dem Volke ein Hort zu sein.-so daß die Klage Bialiks in seinem berühmten Gedicht: „Nachdem Pogrom" über die trostlose, hündische Angst und Wehrlosigkeit durch, die Latem.dieser Jpgend gottlob anachronistisch wmoe. Und man kennt dis wehrhafte Faust, dieser Jugend aus Schilderungen, neuer Ostjuden, insbesondere aus -dem prächtigM' „Kolaer Gäß°- chen" des Schalom Asch. , :. - / . Und diesmal sollte.sie-es geduldet haben, daß zum Exempel im Städtchen Lubar nach der. Massakrierung von 160 jüdischen Menschen alles jüdische Weibliche vom zwölften Fahre angefangen , .Zusammengetrieben und den Kosaken Bndjennys für volle acht Tage überlassen wurde? Sie hätten das wahnwitzige . Schreien, der Frauen und weiblichen Kinder, die bis zur völligen Ohnmacht.mißbmucht durch „Aderlaß" wieder Uun Leben gel rächt und von den in Reih rmd Glied ange° stellten Kosaken neuerdings geschändet wurden — — die jungen jüdischett Männer hätten dies tatenlos geduldet? Inch.ich habe mir diese Frage vorgelegt. Temkrn hat sie in semer Denkschrift beantwortet und ein jüdisc^r Palästtna-Fahrer aus der Ukraine, Kreisarzt und AugenspeZialist, seines Zeichens, hat es. mir noch deutlicher bestätigt: Die erste Tat der Pogromisten war stets die Entwaffnung u n d N i e d e r in a ch v n g. d e r j ü d i s ch e n I u g e n d. Die Pogrome der Vorknegsjahre wurden ja bloß von gedungenen Banden inszeniert, denen man sich entgegenstellen konnte. Diesmal aber war es sozusagen die „krregfuhrende Macht", welche Zweckmäßig und präzise auf Generalskommando ihr blutiges Werk, vollbrachten. Wo die „Powstances" (die Weiße Garde der Koltschak, Denikin, Petljura, Budjenny) einzogen, wurde zunächst von starken Truppen- .abteilungen die jüdische JungmanNschaft in geordneter Ruhe aus den Häusern geholt und in den Straßen versammelt und entweder in die „Schul" oder auf den Bahnhof, gebracht. ... Dann kam das Vorspiel Zum Pogrom: Die „Schul" samt der jungen, IndenörnL wurde verbrannt, oder am Bahnhof schon um die „Powst'anees" in den richtigen .Vlutrausch zu bringen — in rasender Eile nieoergemacht. s Zum Himmel schreit die Vernichtung der - jüdischen Jugend in der Ukraine! . ' . Mein Gewährsmann wohnte m Bialy Cerkow/drei Stunden von Kiew entfernt. Dort hat er dieses „erste, .Pogromstadium.", mitgemacht, ohtre daß es biß -zuM Bliü> vergießen gekommen Wäre.'. Schon /wären die ftüngeft Juden der Sytmgoge zur Verbrennung verfannnelt, da kamen aus Kiew Mfchewikische Matrosen mit einem Panzerzug an. Dw Powstanees flohen, das Martyrium kam hier über das Stadiurn der grauenhaften Vorbereitungen nicht hinaus. - : , Ir: den Wäldern der Ukraine 'irren, verwilderte Juden herum, hie das Reden verlernt haben, lieber feen Grenzfluß kommen Juden nach-Rumänien, die den Eindruck^ völliger GeifteKMvesenheit rmd Verblödung machert. Wun^rl ihr eucb darüber? Hört^ umsin der aller Art liefe™ nstsh «ad bSSg Wien,ll.,Praterstra8S0 5g. a.GINSBERCsc. „pogromierten", der wehrbaren Jugend beraubter Ukraine von den Ueberlebenden mitangesehen Werder 5 nfußte. In Schito'mir hat ein greiser Vater eine Summt - Geldes dafür erlegt, daß fein Sohn nicht. Massakriert .^ sondern — nur erschossen werde. Der Pakt wurde. cmO gehalten und der Sohn vor den Augen des Vaters durck - die/erleichterte Todesatt des Erschietzens in jene WÄl' befördert. Dieses Verspiel hat Schule gemacht, v V Rust es jedem in die Ohren, det säumig «fer lumpig fein wird ' Leim Hilfswerk für die Pog^mn/ 'Waisen und beim Opfer für den Paläfttna-Aufbaufonds ' In der Ukraine haben Juden Kratzt Summen gezahlt, damit ihr gel-ießtsN Arnb/nicht massakrierL, sondern erschossen werde. Noch ein Beispiel darf ich euch nicht vEnWafteck ' Der erwähnte, nach Palästina übersisdelnde Arzt unL seine Gattin (eine akademisch gebildete Frau, der er« Kind im Eisenbahnwagen starb und deren . sieben« jähriges/Töchterchen immer wieder ruft: „Sie mögsrj schießen! Nur kein Pogrom!") berichten mir: : - In Czerkasforderte der' letzte Pogrom drell tausend Todesopfer. Die Körper wurden von den wahr« witzigen, perversen Schlächtern derart zerschnitten, da§ ' man sie nicht erßmmts, und viele von den Opfern mußte« gewußt haben/ welches Martyrium ihnen bovorstarch! denn , bei einem der Massakrierten, dem Kreißt' rabbiner, fand man im Schuh einen Zettel, irr,' welchem er.seinen Namen und -die Namen seiner Äm gehörigen angab, damit man die Herkunft der ZW. fleischten Leiche aus diesem Zettel feststellen könne..; . ■ Aber die Toten sind, erlöst, wenn auch nach Qualery die nicht einmal die Inquisition ersann. Skt warst nW dabei, Leser, doch -die UeberlebenLen irr der Ukvaim waren dabei, von deren Zustand und Not noch einiges zu sagen sein wird. . . / ..Diesmal nur so viel: Ein ukrainischer Redner be? der'Karlsbader Welthilfskonferenz begann mit der; Worten:, „Morituri te salutant." — „Die tzem Tode. Gelvethten grüßen euch." Die ukrainischen Juden, von Epidemien, von Hunger, von schrecklichem Kindcrsterbep dchintiert,, sehen, sich . von aller. Welt verlassen. r ' Auch mein Gewährsmann sagt, es: „D r e u k r äÄ Nischen Juden glauben, man wolle sie einfa ch aus st erben la s s eiu" Und so ist tatsächlich die Situation: Drei Millionen Juden, dazu noch dslj beste' und hoffnungsvollste' Teil-' unseres Volkes, vo» denen jetztschon 1,200.000 hungm:nLe, herumirrende, im Schmutz verfaulende, ^menschliche Ueberreste sind, toe&i den aus löschen, wenn nicht sofort die jüdische Welthilfe eingreift. s - Palästina steht offen ~ und im ukrainischen Dft«ß fttrbt der lchte jüdische Lebensfunke. In NordaweriÄ^- Argentinien, Südafrika kann man hunderttausend! Pogromwaifen unterbringen a^er die jüdische Oeffent-, lichkeit steht da, in empörender Ahnungslofigkett, sozm« sagen mit den Händen in den Hosentaschen, und iföw sieht ob ihrer lächerlich geringfügigen Tagesnöten die; Kleinigkeit, daß nebenan-im Osten das größte jüdisch«! Unglück der Diaspora den Jammer gefolterter Millwnertz in einem Blutmeer erstickt hat. 0. A.' . - Dr. Artur Ha«tKe t« Wie«. z ' ' BaS jüdische Wien, wird in den nächsten TageÄ Gelegenheit haben, einen geschätzten Gast zu begrüßert. Dr.' Artur Hantke, Mitglied des zimisttschen A.--K. Leiter des wntiuentalen Bureaus des Keven Hajesso^ wird einige Tage in Wien lveilen. Dr. HantLe, der der Wiener Judenschaft als temperanrentvollep Redner in Erinnerung ist, wird Samstag, den 22. Jänner 1921^ um 8 .Uhl» abends, in der Ausspeisungshakte der Sozialen Hilfsgemeinschaft' Anitta «Müller, 2. Bezirk Große Mohrengasfe 5, über: „Die allgemeine Politische Lage rm . Zionismus", ferner Sonntag, den 23. Jänner 1921, um 6 Uhr abends im - Fsstjaale des Ni«derösterreichischen Gelverbe? Vereines, 1. Bezirk,,Eschenbachgasse 11, über: „Die ge genwärtige Situation des 'Zionismus^- spr.'chr'.r.^Zu beiden Vorträgen ist freier Zutri..t^ —-- . * ' *4 . . Die Ausweisungen. Theorie und Praxis.^ ' ..'Me' Möweismrg der Flüchtlings Hort nicht auf) ein dunkles Kapitel in der österreichischen administrative^ Wirtschaft zu bilden. Bon Zeit'zu Zeit meDet sich) irgendein christlichfozialer.Hetzer, um durch demagogische Aüsschtachtung' der Osijüdenfrage die unzufriedene ■%&' völkeruyg von d?.r Tatsache des völligen. Versagens der chr/ftlichfoziä!-e>r Wirtschaft übzulenken und den Ver-i such zu machen, mit diesem bewährten Mittel den Sozial! öenMräieu, - welche nach dieser Nichttmg die christlich". Malen Borwürs-e N'-ehrlich nicht verdienen, eins aufch Zeug zu flicken. Mit dem Inkrafttreten der neuere! Bu'Ndesverfassnlrg ist die leidige Frage aus den Hände^ d-ch Herrn Scpe r 'in'die Kompetenz des BürgernreisterK Re n in a n u i'-rergegattgeu. welcher bei - verschiedene», l/'s-eg'.'iweiLrn össtrntlich' 'erklärte, in der Aüsweisungs^! sragL menschlich rr:rd gerechc voraeyen und' die aV-j j bci-ivv. jt'T; E I:n c r t-e sch)nen zrr rvoliea. '