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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-17 · Heft 710 (17.1.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 710 (17.1.1921)
Date
1921-01-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Cctte r fgtew, Montag_ berufen wurde und hebt hervor, daß es seinen Bemühungen in kürzester Zelt gelungen sei, die Mitarbeiter zu finden. Paris. 16. Jänner. Der ,5Temps" schreibt in einem Arrikei über die auswärtige Politik Frankreichs, daß sich Frankreich verständigen möge, damit seine gerechten Forderungen in Deutschland selbst eine Stütze finden bei jenen Parteien, hie i&r Rand lieber unter dem Regime der Demokratie und detz Friedens - wieder emporheben möchten, als die Deutschen in ihrer Gesamtbeit ans der Gemeinschaft der Völker aus» -uschlietzen und dazu zu bringen, daß sie sich hinter einer Nevanchepartei zr'.sammenschließen. Blutige Vorgänge bei einer KomwrmistenKundgebrmg. Berlin, 15. Jänner. (Wolfs.) Heute nachmittags fand im Lustgarten eine Gedä btnisseier der Kommunisten für Karl Liebknecht und Roia Luxemburg statt, an der etwa achttau'cnd Heronen teilnahmen. Die starke Agitation der radikales Führer, die die völlige Arbeitsruhe durckzu'ehen suchten, hatte also leinen Erfolg. Unter den verschiedenen Rednern tat sich besonders der Eleklrizitätsarbeiter Sylt hervor, der die Negierun.g aufs heftigste an griff und ihren baldigen Sturz forderte. Im Anschlüsse an die Demonstrationen im Lustgarten formierten sich etwa 6000 Teilnehmer zu einem Zuge und marschierten unter Absingung der Internationale entlang der Straße Unter den Linden. Sie durchbrachen mehrere Postenketten der Schutzpolizei und zogen nach der ru'si'chen Botschaft, wo sie Hochrufe aus die Sowjetrepublik aus. brachten. Als die Demonstranten die Polizei in der Wilhelmstraße beiseite gedrängt hatten, löste sich p l ö tz l i ch e l n Schuß, demalsbaldmehrerc andere folgten. Die Menge stob nun in wilder Flucht auseinander. Nach -den bisherigen Ermittlungen wurde eine Frau durch einen Bauchschuß verletzt und ein junger Mann durch einen Schuß nieder« gestreckt. Ihre Namen konnten noch nidt festgestellt werden, da sie von ihren Angehörigen sortgeschasst worden waren. Außerdem sind durch Belnschüsse drei junge Leute verletzt worden.' Berlin. 16. Jauner. (Pr>mt.) Auch in Kön'gsberq kam es gestern nach einer Kommunistenver>ammlung zu Tumulten. Demonstranten fielen über Polizisten mit Stöcken und Schlagringen her. Die Polizei sah sich genötigt, blankzuziehen. Die Zahl der Derletzten steht noch nicht fest. Amerikanische Anleihen für die Ausfuhr. Washington» 15. Jänner. (Wolfs.) Die Kriegssinanzkorporalion teilt mit, sie sei bereit, die Gewährung von Anleihen durch Finanzierung der Ausfuhr, wie' dies während des Krieges geschah, in Erwägung zu ziehen. _ Neue Unruhen in Aegypten. London, 17. Jänner. (Tel.-Komp.) In Aegypten sind neue Unruhen ausgebrochen. Es handelt sich um eine gefährliche Gärung, die nicht nur gegen England, sondern auch gegen die ägyptische Delegation in London gerichtet ist. Die Unruhen wurden durch die Haltung des Führers dieser Delegation Zaglül Pascha verursacht, der erklärte, mit der englischen Regierung aus einer Grundlage verhandeln zu können, die die vorherige Annahme der ägyptischen Vorbehalte zu dem Projekt Lord Milners nicht notwendig macht. In Kairo und Alerandria kam es zu heftigen Kundgebungen gegen Zaglül Pascha. Rücktritt des Schah von Persien. Paris, 17. Jänner. (Tel.-Kymp.) Wie „Figaro* meldet, hat der Schah, von Persien auf den Thron verzichtet und ist zurückgetreten. Die Bildung einer persischen Sowjelregierung könne jeden Augenblick erfolgen. ___ Der Krieg in Irland. London 17. Jänner. (Tel-Komp.) In der Nacht von Samstag auf Sonntag befehlen verstärkte engliche Truppen ein Stadtviertel von Cork. Die Truppen waren mit Maschinengewehren und Tanks ausgerüstet und es kam zu heftigen Schießereien, wobei von den Soldaten drei Ziviloer'onen erschossen wurden. Die Truppen verbarrikadierten die Straßen mit Drahtvcrhauen. __ Vor der Unterzeichnung des Nigaer Friedens. Warschau, 16. Jänner. (Funkspruch) Der polnische Gesandte in Lettland. Kamieniecki, hat Vertretern der Presse erklärt, daß der Vertrag von Riga vor der Untersertigung stehe und daß dann endgültiger Friede in Osteuropa einziehen werde. Als besonders wichtig bezeichnete er den Abschluß eines engen Dündnisies zwischen den baltischen Staaten, über das zurzeit beraten werde. Zwischen Lettland und Polen seien auch Unterhandlungen im Zuge, um die lettischen Häjen zur den volmicken Verkehr nutzbar iu machen. Wiener Morgenzeitnng Mitteilungen uns dem Publikum. KULANTEN.?eri«n, OoU.Silber.Platin n.Uhren kisl t SDi Tirkanlt 77» ETTER Rotentttrxna'r. 23, SEarlahllferetr. 98 Der österreichische Ausverkauf. Eins Entscheidung derNeparqtionsstommrssion. Die Wiener Sektion dxr Nepgratronskommission bat einen überm,H wichtigen Beschluß, betreffend die österreichischen Kunstgegenstände. die im Besitz des österreichischen Staates sind, gefaßt. Auf Antrag d-S Herrn v. K! o b n k o w f k i des französischen Dertreters in der hiesigen NeparationSkommission, wurde nämlich die Entscheidung getroffen, eS sei ein N e g i st e r oller tiefer Kunstgegenstände anznfegen, Diese Gegenstände werdeli nun in drei Kolegori-n geteilt: 1. Solche Knnstobjekte, die unter keinen Umständen veräußert werden dürfen, da sie einen integrierenden Bestandteil des österreichischen Staatseigentums bilden sollen. 2. Knnstobjekte« deren Veräußerung nur in Fällen allerböchster Not gestattet werden soll. Ob eine solche Not'vorliegt, wird in jedem einzelnen Falle eigens festgestellt werden. 3. S o s ch e K u n st.g e g e n ft 8 n d ß, d i e den Charakter der Sammlungen nicht berühren. deren Wegfall den Kunst wert der ö st e.r reich! schon Museen nicht verringern würde. Also vor allem Duplikate, die veräußert werden dürfen. Das diesbezügliche Register ist bereits angelegt und auch die Einteilung der Kunstobjekte in die verschiedenen Kategorien ist vorgenommen. Diegeschah nach Einvernahme h er vorragende? Kun st experten. Der Wert iener Kunstgegenstände. welche veräußert werden dürfen, wurde auf zweihundert Millionen französischer Franken geschätzt. Tie Veräußerung wird jedoch nicht setzt stattfinden dürfen, sondern erst, nachdem der Wiederaufbau Oesterreichs in die Wege geleitet ist. und PianS dem Verkauf dieser Kn"staegenstände rotuktierende Summe wird dann der österreichischen «Regier u n g zur Verfügung gestellt werden, damit diese über beträchtliche Barmittel in fremder Valuta verfügen kann. Herr v. Klobukowski. dessen Antrag von der Wiener Sektion der Re"m<it'st"^''"'m'ision angenommen wurde, ließ sich dabei von dem Gedanken leiten, einerseits m . verhindern, daß wirklich wertvolle Stücke ans den öfter-! reichiichen-Sammlungen vielleicht verkauft würden und I dadurch Oesterreich einen nicht zu ersetzenden Schilden erlitte, andererseits, daß die sogenannten überslükstgen Knnstaoaenl't'-ir^e "Nfey?*er Kontrolle der Revarat'.onökommission verkauft werden würden, um so nicht verschleudert werden zu können und auch nicht Gegenstand unlauterer Machenschaften zu werden. Die Nepara'ionskommiision drückt dadn-ch nicht aus, daß d'«e Kunstgegenstände der letzten KlasseOerkauft werden müßten, sondern sie hat nur der jetzigen und jeder kommenden R-'g'.erung die Richtlinien für den äußersten Notfall g'zogen. Tagesbericht. Nach dem Poststreik. Bo2e Wiederaufnahme de- Betriebe«. Die kurze Dauer des Post«, Telegraphen- und Telephonstreiks bat in den Wiener Postämtern allzu große Rückstände nicht entstehen lassen. Insbesondere was die in Wien zur Aufgabe gelangten Poststücke betrifft. war deren Zahl eine sehr geringe, da seit Altsbruch des Poststreikkeine Briefschaften mehr zur Aufgabe kamen und es sich nur um die berejtS vor drei Tagen zur Beförderung der Post übergebenen Poststücke handelt. Im Hauptpostamt sowie bei den B a h n p o stä m t e r n wurde am gestrigen Sonntag fieberhaft an der Aufarbeitung dep Rückstände gearbeitet, die erst zu einer größeren Menge anschwollen, als auch die auf der Strecke liegen gebliebene Provinz- und Auslandspost eiMangte. Der Dienst wurde gestern in zwei Schichten dnrchgesiihrt und die ganze Nacht h i n d u r ch fand die Abfertigung der Brief- und Paketpost statt. Nach Mittettnngen der Postamtsleiter dürsten die Rückstände bis heute zum g'ößten Teile bereits erledigt sein so daß von heute an die Zustellung der Post der letzten drei Tage erfolgen kamt. Bis morgen werden auch die letzten Rückstände aufgearbeitet feim Der Dienst in den Postämtern wickelt sich vollkommen n o r m a l ab. Der Tele rammu' d Tel-pho■■tz'cl So wie auf dem Hauptpostamt der Parteienverkebr ein normaler war, hielt sich auch die Aufgabe von Telegrammen sowie der Fernsprechverkehr vom Anstand und nach dem Ausland in normalen Grenzen. Auch auf dem Haupttelegraphenamt und auf den einzelnen Telegraphenämteru wurden sämtliche rückütindigen T.'l">,ii'-'"'!iiie noch gestern weitergeweben. de»i«>buua»u-eue bejövdert. 17. Jänner 1921 Nr. 710 .Der Telephonstreik und die Bettrmgsgefellschaft. Bis zmn Sonntagmorqen hat der unleidliche Zustand angehalten, daß durch die Abspaltung des Teftphoi - bei NeUungsgesellschaft hie erste Hilfeleistung zum Nachteil« der Betroffenen verzögert wurde. Bis zum Margen des 16. h, M. mußten hei Unfällen im StadtgWtet Bytey ausgesendet werden, um Hilfe zu erlangen. Ist manchen Fällen wurde durch Automaten die Feuerwehr verständigt« Sie hat dann Radfahrer zur Reftungs-. gescllschast geschickt. Selbstverständlich mußte sich der sonst so prompt sunltionierende Rettungsdienst verlangsamen und Verunglückte oder plötzlich Erlranlte mußten warten. Ein glückliches Geschick wollte es, daß gestern bei der Zentrale und bei der Filiale der RettungsgesePchast kein ^Parker" Tag war; aber immerhin beweist der Verlaus des Samstags daß eine Abschaltung per Nummern der ReltnNgsgeskllschast unter Umständen für soundsoviel« dir erste Hilfe Ersehn-nde eine unnütze Berlängerung ihrer Leiden bringen kann. Markant ist der Fall einer Frau, die am l5. p. M, abends bei der Volkspper zusgmmengestürzt ist. Da wurde erst durch Automat die Feuerwehr verständigt; sie schickte einen Radfahrer in die Zentrale der Gesellschaft. Als dann der Hilfszug kam, fand der Arzt die Patientin nicht mehr vor; sie war indessen nach langem Warten mühselig in- Roth child-Spital gebracht worden« Bei der Filiale der Rettungsgesellschaft war seit Beginn des Telephonstreiks die Hilfeleistung in sieben Fällen durch Boten erbeten worden. Einer dieser Bote» mußte um 9 Uhr früh in her Nacht znm 15. d. M. vyn der Schönbrunner Hyfallee zur Filiale am Mariahilfexgürtel eilen, um Mitteilung zu machen, daß eine auf der Straße Gebärende abzuholen sei. In der gleichen Nachs wurde bei einer Tanzunterhaltunq in Weigls Dxeherp-rj eine Besucherin von/schwerer Ohnmacht befallen. Der diensthabende Kriminalbeamte mußte die Bewußtlose in ein Pripatauty laden und brachte sie in die Filiale, wy ihr Hilfe zuteil wurde. Auch zur Hilfeleistung bei einem durch Stich ln die Brust schwer Verletzten wurde die RettuugSgesellschyst in der Nacht zum 16. d« M. durch Boten berufen. __ Aussperrung der Kellner tu Prag, Pxag» 15. Jänner. Die Organisation der Gasiwirlegehilfen fordert, daß dar Trinkgeld abgeschafft und ein 10- bis 80prozentigex Zuschlag ans Kosten der Gäste eingcsührt werde. Zur Durchsetzung dieser Forderung haben die Kellner Repräsentationshauses den Streik begonnen, Um einem allgemeinen Streik zuvorzukommen, hat der Verband der Hoteliers und Gastwirte deschlosfen, dar gesamte Personal auszusperren, so daß in Prag alle Gast- und Kasseehäuser geschlossen sind. __ Kasseneinbrecher in der Wohnung eines ÄechtsanwaUs. Gestern m dm RachrmliaaSstunden wurde ein Kasteminbiuch bei Rechtsanwalt Dr. Norbert L i r b e r m a n n, Rabiostk'S 1, versucht. Dr. piebermanu war um etwa S Uhr nachm itagS nach Hauke gekommen. Kaum bä te er die E naangStär ou^gewmt, alS ibm m stinem Schr ckn aus dem Innern dec Wohuung em etwa 35b S tviähriarr Mann, den der Rechlsanwalt alS wahren BerbrechertypuS bezeichnet, hastig entgcgenkam, Der Pt'on» eilie durch- Bcnimmer zur Tür und als sich Dr. dlkbermann chm rntgrgenstellen wollte, ries der Strolch ans: „JM» Wort, sonst schieß« ich Sie nieder...^ Der Rechtsanwalt gab de Bahn fitt; da auS d m Z mmer ein rwerter Mann ebenso eilig und lief an dem Rechtsanwall vo.über. D»e beiden hasteten die Tre pe hinunter. Dr. Liel'ermann schlug tzarm- Im Haustpre wollte sich die Hausb s-'raerin »bnen entgegeusti-llm. dpch der r«ne Einbrecher stieß sie beiseite. Mir wenigen Lchlincn batten die Strolche die Kä'ntnerstraße erreicht und waren im Gewühl der zahlreichen Pastmt'n verschwu de«. Als Dr L rb rmann dann m die Wohnung trat, fand er dre Spuren eines vrrsuch'en K>rssenk.nbruchrS. Die Täter batten dre Füllung der EingingSiiir herauSoefägt, waren durch die Oesinung iu das Botzrmmer geschlüpft und halten sich IN die Kanck träume und in das Cchlasinnmer b g hen. Dorr haben sie sich an die ei'erne Kaste Hera' geniacht. Sre babm dre Kaste onge äat, das mutiere Schloß blo gelegt, doch die Kaste noch nicht zu östnen vermocht, da daß Schloß noch nicht vollständig berau^enornmen war Da muß die Slö ung ringetretm fein. Gestohlen haben die Einbrecher nichts. Dokior tficldmann b schreibt den Mann, der dre Drohung ausstreß, als mntrlaroß, schlank, mager, m t ring' astenrn Wangen und englisch grstttvtem Schnutibart. deklerdet mit gtanem, kurzem Ucbexrocf, krm welt n Mann als S'r brS S-l Jabre alt. m t blond'm Haar und Schnurrbart, hrl! idtt M'.t dunllem An ua und Nelenock. Auf dem Ta'orte ließen die Schränker tbv Hantwctbeng zurück: r ne Pltztangr, em Brecheisen, einen Me-rl. crn Stück Rohr. ' Dann hlreh auch ein brauner Tchal -u-ttck. DaS Stadtsymm.stariat hat Eichungen zur Festnahme der Tänr eingeleuet. * Unter falsche» Flagge. Anfang- Dezember l. I. erschien der dem Oest-rre chsichenBeiernagSun c,nehmen. I.. Salz« gri's IS, er>reF>au m>r Ausweropavikien tmb iibminhm Mt ^erarbeirnna Barchen! >m Weite von IS.Yv". Sre kam nie mehr w'e^er und s st llt« sich he aas. daß de Pavi-'re aeälichl waren. Du ck de Erhe.uugrn des PoUze lommistarratö O tak>»rg wurde festgestellt, daß die iSjährge H.liSa>be.ren» Ma e Stares XV.. Sreck ach igaste 4 mohnba't. dre Ware enilockt und das ihr dre favu.en Dokumente — Meldezenel und Hermatb.stä iguiig — ,hr Mit rhc wohnender Geliebter, der 34iät,r ge Monteur Josef Wiskort. pegeb n bat. An dem Betrug waren auch die CitQ'tr,. deS Llkbesvaale». e ae Würve und chrr Tochicr» t>,!k Tonn i'.':> ü n. beiril-gt. Den '-larch-ni hg! W'Skoit 'ckoa Uittabu B« faa fcmM mmdt» «ui» Mioümu

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