Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 710 (17.1.1921)
- Date
- 1921-01-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2979789--06409-2992358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Einzelpreis SB Kronen Einzelpreis SB Kronen PrjmUmsrattvnsvreNe: Dir«: *Hwtai m' »er fewWflo#, L Bezirk, Teborpnchr i M H, ein in einer . Serschleitzftelle «Trafik»: M«««»»» . . ftventn 50«— vierteliährltch .. 150.- tttt Paftvers««» fftr Dien tnrt Oesterreich: Msvatltch .. Krone» S0.- Tichecha-Slowakei: Monatlich .. Kröne« 15.- BierteljälrrUch » _ 45.- I« tschecha^lowaNicherWührnns Ungar«: MntHM .. Krone« 50.- 5i«ri(l|nrli4 - 150.— tat «ngarischer Dahrnng Ing^iawie«: «onatit» .. D»«r *W DlcrtcMübrli« » S4.- 31t. 710 lener Pranumerationspreif«^ ■ Poiem 1 Moniiilich . . Mart Bierteijniirlich „ in polnischer Währ««, Teutschlan«: v Monatlich. . . Marl 10»»2 Frankreich: _ » Monatlich . . Italien: ' . Monatlich .... Sire 6*-® RnmSnien: Monatlich . . »Sei 15« Schweiz: n. da» übrige ÄnNaa Monatlich . . . IrancS Redaktion«, fildmiuiftratia Evie«.S.Bez..Taborftr.l —^ Telephone: 14« *S( 4»»!», av « Uhr abend« Nr. 15 -KL Vosttparlaifenkonto iS0ü>^ Wien, Montag den 17. Jänner 1921 3. Jahrgang Oe$lerreicb$ finanzielle Krise — eine Gefahr für Europa. Der Oberste Rat wird sich mit dem österreichischen Wirtschaftsproblem befaffen. Die Tschecho-Slowakei und Oesterreich. Interessante Erklärungen des Wiener tschechischen Gejandren Dr. Flieder. W i e «, 17. Jänner. Der Geschäftsträger der Tschecho-flowakrschen Republik in Wien Dr. F l i e d e r ist gestern aus Prag zurückgekehrt und hat seinen Wiener Posten wieder angetreten. Hiedurch werden alle Gerüchte von der Abberufung Dr. Flieders aus Wien, die in den letzten Tagen verbreitet wurden, hinsällig. Gesandter Dr. Flieder empfing einen Vertreter der Preßzentrale und äußerte sich über verschiedene aktuelle, das Verhältnis der Tschecho-Slowakei und Oesterreichs betreffende Fragen. Die guten freundnachbarlichen Beziehungen» die von dem gewesenen Kanzler Doktor Renner so erfolgreich mit der Tschecho-Slowakei ungebahnt wurden, sagte Dr. Flieder, sind trotz der innerpolitischen Veränderungen, in Oesterreich ungetrübt geblieben und es besteht die bestimmte Absicht, daß diese sreundschasttichen BeziehungenHN der nächsten Zeit noch weiter ausgebaut wer den. Seitens der maßgebenden Kreise der tschecho-slowakischen Republik ist man bestrebt. Oesterreich in seiner schwierigen Lage durch ausgiebige wirtschastliche Hilfeleistung beizustehen, und man verkennt in Prag keineswegs die großen Schwierigkeiten, die Oesterreichs Absicht, seine zerrüttete Wirtschaft wieder auszubauen und zu stabilisieren, durchkreuzen. Die Tschecho-Slowakei hat ein ^vitales Interesse daran» wirtschctftlid>e Leben Oesterreichs wiederum; fein. normales Gepräge erhält, und wird daher jede Bestrebung Unterstufen, die daraus gerichtet ist, die österreichische Wirtschaft zu stützen. Diese Absicht ist ein wichtiger Punkt der auswärtigen Polftik der Tschecho-Slowakei und es dürfte nicht allzulange dauern, daß der Erfolg dieser Bestrebungen in volle Erscheinung treten wird. Die wirtschaftlichen Bezixhungen zwischen den beiden Staaten entwickeln sich ' sehr günstig - und durch gegenseitige Förderung dürsten sie bald jene Höhe erreichen, die als Voraussetzung gilt für eine Gesundung der Volkswirtschaft Oesterreichs, an der die Tschecho-Slowakei als der nächste Nachbar .in nicht geringem' Maste interessiert erscheint. Dr. Flieder hegt die feste Ueberzeugung, dost diese wirtschaftliche Wiederherstellung restlos gelingen wird. Wie Wilson die wirtschaftliche Einheit Mitteleuropas zerstörte. Mitteilungen des Professors Seymour. Paris, 16. Jänner. Der meldet aus Philadelphia: Bei der sechsten von. dem Blatte „Public Ledger* veranstalteten Konferenz über' die Geschichte der Pariser Friedensverhandlungen sprach der Professor der Dale- Universität Dr. Seymour, der Vorsitzender der österreichisch-ungarischen Abteilung jer amerikanischen Friedensdelegation gewesen ist, über das Ende Oesterreich-Ungarns. Der Redner führte ans. daß durch die Schaffung e i n e r R e i h e k l e i n e r, u n a bhängiger Staaten eine Gefahr für den künftigen Frieden in Europa e n t ft a n d e n fei, da diese Staaten nicht jene Mäßigung und jenen vorsöhnlichen Geist besäßen, der notwendig wäre. Die amerikanischen Delegierten seien für die Angliederung Oesterreichs an Deutschland gewesen, dych hätte Frankreich dagegen entschieden Einspruch erhoben. Wilson habe sich für die Abgrenzung der neuen Staaten besonders interessiert, mehr als Lloyd George und Clömenceau. Seymour schilderte sodann die Nachtberalung in der Wohnung Wilsons, wo eine große Karte Mitteleuropas den ganzen Fußboden bedeckte und Wilson den anderen Bevollmächtigten, ,dre neben ihm knieten, mit dem Finger, die zu Aiehenden Grenzen der neuen Staaten gezeichnete. Paris, 15. Jänner. Der .Matln* meldet aus London: Im Gegensatz zu den in den letzten Tagen umlausenden Gerüchten hegt Lloyd George , nicht die mindeste Absicht, sich bei der Versammlung des Obersten Rates vertreten zu lassen. Er will dort vielmehr zusammen mit Curzon für die Interessen Englands e i n t r e t e n. Offizielle englische Kreise leien der Ansicht, daß die Besprechung der alliierten. Regierungschefs über die verschiedenen Probleme, an deren Lösung die Entente interessiert ist, außerordentlich dringlich geworden sei, da zu den Fragen der Wieder-, gutnrachungerr und der Entwaffnung Deutschlands, die sich bereits auf dem Programm der Konferenz befinden. nun auch die W i r t s ch aftskrise Oefterr e i ch s getreten s e i. Die .unabsehbaren finanziellen Folgen eines Zusammenbruches Oesterreichs müßten mit aller Dringlichkeit vom Obersten Rate ins Auge gefaßt werden. Ein werteres Zrrwartcn hieße den Gang der Politik der Alliierten in Mitteleuropa in G e s a h r b c i n g e n. .Journal* erklärt in einer Londoner Meldung, es glaube zu wissen, daß das Londoner Kabinett die MsichrchLbe«.Aeift e k;k eckchM ^^urA^i st e u.i Man sei überzeugt, daß Oesterreich, wenn seiner gegenwärtigen Lage nicht abgeholfen werden würde, zusammenbrechen müßte. Im Interesse des europäischen Friedens aber müßten die Folgen eines solchen Zusammenbruches verhindert werden. Nach dem »Journal* habe sich der englische Standpunkt in der griechischen undtürkischen Frage nicht geändert. Die schwere Krise Europas. Eine amerikanische Stimme. LÄldon» 15. Jänner. (Neuter.) Der bekannte amerikanische Verleger McClure, der von einerRundreise durch Europa nach London zurückzekehrt ist, erklä.te einem Berichterstatter der „Times", Oesterreich sei in einer' ebenso schweren Nabrungcmittelnot. wie es Belgien nach der deutschen Invasion war. Die Sukzessionsstaaten zeigte» sich Oesterreich gegenüber ziemlich feindlich rm) der Handel z vischen ihnen und' Oesterreich werde auf jede mögliche Weise gelähmt. Tatsächlich leide Oesterreich unter einer kalben Blockade, die fast dieselbe Wirkung habe wie eine vollständige Blockade, wie sie Belgien zu erdulden halle. Das wichtigste Problem Europas ist die Kohlenfrage. Die künstlichen Trennungen der Völker haben sowohl die Ko'stenals auch die Lebensmntetfrage ungemein verschärft. Das Ideal für Europa wäre, wenn deS daran gehen könnte, als Kontinent zu handeln. Europa geht während der nächsten sechs Monate einer sehr schweren Lage entgegen und diese sechs Monate werden schlechter sein als irgendeine Zeit, die Europa seit dem Dreißigjährrgen Kriege gesehen hat. Wenn ich sage, es müßte als Kontinent handeln, so meine ich damit, daß brährend dieses Zeitraumes die künstlichen Schranken fallen sollen, die teils durch Tarife, teils durch den gegenseitigen Haß aufgerichtct worden sind. Alle Welt blickt auf die Verein i g t e n S t a a t e n, die Hrlfe bringen sollen, auf die Vereinigten Staaten, bei denen sich die absolute Handelsfreiheit über das ganze Gebiet erstreckt. Für die Dbiistung. W shin.^on, 15. Jänner. (Reuter.) Der Ausschuß für Auswärtiges des amerikanischen Repräsentantenhauses hat eine Entschließung gulgeheißen, in der Wilson ersucht wird, eine internationale Konferenz zur Besprechung der Frage der Abrüstung einzuberufen. Ein Amtrag, worin die Teilnchme Irlands und der P h i I r p p i n e n an der internationalen Kon-erenz gefordert wird» wurde vom Ausschuß abgelehnt. Das Ende der französischen Kabinettskrise. Das D Io Millerands. — Briand Ministers Präsident. — Ein Sieg der Vernunft. ( Die gestrige Lösung der französischen Kabinettskrrsß' kann vom Standpunkt der Friedensfreunde und Gegner dkr■ nationalistischen Politik mit Genugtuung begrüßt? werden. Die Versuche der französisch >n Chauvinisten, PoirrcarS zum Außenminister der französischen Republik' ernennen zu lassen» sind glücklicherweise abgewehrt worden., Millerand gab gegen die'Berufung PoinearoS sein Veto' ab und lo scheiterte die Ansicht Perets. ein Kabinett der' Chauvinisten zu'ammenzustellen, das nur eine neue Gefahr; für den Frieden gebildet hätte. Man hofft jetzt, daß eS Briand gelingen wird, die französische Außen Politik in versöhnlichem Smne zu führen. P e re t, dessen. Kabinettsbildung AcUfvucr^ iA hatte das Portefeuille des Aenßern Zuerst. Vid'iaui l und, als dieser abgelehnt, demExpräsidenten-Po rchears angeborem Dieser' häbe^sick^Hö Mrd^MchM>chW,^ .bereit erklärt/ doch Labe PräsioeritiMäM^k'gstld sei.«,. Veto eingelegt,' mit der Erklärung, daß die Besetzung des MinisteriümS des Aeüßerndurch. PoincarS zu großen Schmierigkeiten mit den Verbündeten Frankreichs führen könne. Briands Programm. Paris, 17. Jänner. (Tel.-Komp.) Briand hak sein Programm den Parlameniskollegen kurz folgender-, maßen firiert: Wir können uns nicht auf eine lang-' triftige Politik einlassen, sondern müssen die jetzige Lage zu verbessern trachten. Wir müssen daher möglichst rasch die Summe bestimmen, die Deutschland zu bezahlen hat, sowie den Betrag der Jahresrate» in Gold und in Barem und schließlich den Gewinn- ' anteil der Industriegesellschafterr. Por allem sind auch Vereinbarungen mit den Alliierten zu treffen, um die - von Deutschland ausgestellten Wechsel verwerten und in den Handel bringen zu können. Paris, 16. Jänner. (Havas.) Briand erstattete. heute mittags dem Präsidenten der Republik Bericht über seine Vorbesprechungen» betreffend die Brldrrng des Kabinerrs. Nachmittags wird er an die Bestimmung der ' Staatssekretäre schreiten. Dar Kabinett wird abends tatsächlich gebildet sein: da jedo h die endgültige Zusammensetzung deS neuen Mi'trrsteriums noch nicht festgesetzt ifc dürfte die neue Mimsterliste erst rn der Dienstig-Nummer des Amtsblattes erscheinen. Dementsprechend wird die für Mittwoch anberaumte rnt'ralliierte Konferenz wahrscheinlich verschoben werden müssen. j Paris, 16. Jänner ($aüa$). Briand hat um ■ 6 Uhr nachmittags dem Präsidenten der Republik Millerand die endgiltige Bildung des Kabinetts, mitgeteilt, welches sich folgendermaßen zm'aminensetzt: Präsidium und Aenßeres—D r i a n d. Justiz—B o n n »- v a y, Inneres—M arraud, Krieg—B a r t h o «, Marine— G u i S t h a u, Finanzen—D o u m e r, Unterricht —Berard, Ackerbau—Lese vre du Prey, Handel — Dior, Arbeit—Dayiel Vincent, Pensionen — M a g i n o t, öffentliche Arbeiten—L eTrocquer. Bolksgesundheit—Leredu, Kolonien—Sarraut, Befreite Gebiete—L o u ch e u r. Nachdem Briand daß Ety'ee verlassen hatte, schritt er mit seinen Mitarbeitern zur Ernennung der Unterstaatssekretäre. Parks, 16. Jänner. (Havas.) Es wird gemeldet, daß Briand seine Mitarbeiter zu einem erste» Kabinettsrat berufen wird, der um 6 Uhr 30 Min» abends im Ministerium für öffentliche Arbeiten abgehaltea werden soll. Paris, 16. Jänner. (Funkspruch.) Die Presse begrüßt Brrarrd. der Arm stebenteu Male zur Kabineitsbilduu^