Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 709 (16.1.1921)
- Date
- 1921-01-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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/ Seite 4_Wien, Sonntag - - und den muselmanischen Arabern man spricht von^ einer Einmischung gewisser französisches Elemente, die im Norden aus Palästina lauern 77-7 keineswegs ist aber das arabische Volk, das ja Aden, Jemen. Arabien, Syrien und Mesopotamien vor sich hat, so an Palästina interessiert, daß seine nationale Entwicklung in Gefahr wäre, wie das Pamphlet weiszumachen versucht. Ja, die hiesigen ernsten arabischen. Zeitungen desavouierten diese Treibereien. In Tel-Awiw, dem hebräischen Villenviertel Jaffas, das dem W ä h r i ftö c r oder Hiehiuger Cottage in nichts nachsteht, höchstens sie durch seine märchenhafte Vegetation von Palmen, Agaven, Orangen-, Zitronen-, Cypressen-. Kaktus-, Del- und Lorbeerbäumen in den Schatten stellt — in dieses kleine 'Paradies, das allen erdenklichen modernen Komfort besitzt, ist jetzt auch elektrisches Licht eingeleitet worden, so daß Straßen. Park, Spielplätze und Häuser nun hell beleuchtet sind. Das Material, znm Teil aus Oesterreich (Kremenezky) stammend, ist erstklassig, zum Beispiel eiserne Stratzensäulen, dreifach geflochtene Kupferseile usw.; da die Motoren und Dynamos ebenfalls sehr leistungsfähig sind. sl> gestattet die Anlage noch eine bedeutende Erweiterung angesichts der vielen neuen Häuser, die Tej-Awiw erheblich vergrößern und die erste hebräische Gartenstadt in Erez Israel zu einer Sehenswürdigkeit ersten Ranges machen werben. - Dr. I. B. Veranlagung der Einkommensteuer von feststehenden Dienstbezügen für 1920. Nach der Personalsteuernovelle vom Jahre 1920 sind die Empfänger von Dienstbezügen. welche dem Steuerabzug beim Tienstgeber gemäß dem bisher geltenden Personalsteuergesetz unterlagen, nach dem Durchschnitt des Einkommens der Jahre 1919 und 1920 zur Einkommensteuer für 1920 zu veranlagen. Zu diesem Zwecke haben die Dienstgeber Anzeigen über die in den genannten zwei Jahren an die Bezugsberechtigten zur Auszahlung gebrachten Tienstbeziige der gedachten Art bei der zuständigen Steuerbehörde einzubringen. Jene Dienstgeber, welche Anzeigen über die im Jabre 1019 ausbezahlten Dienstb.en'ige schon im Jahre 1920 überreicht haben, können sich auf die Einbringung der Anzeigen über die Bezüge des Jahres 1920 beschränken. Die Frist zur Überreichung der Dienstbezrrgsanzeigrn wurde mit 28. Februar 1921 festgesetzt, Drucksorten sind bei den Steuerbehörden erhältlich. Abänderung der Fristen für die Steuerabfuhr von Dienst- und Lohnbeznoen. Die Finanzlandesdirektion Wien teilt uns mit: Degen der bedrängten Lage der Staatsfinanzen hat die Abfuhr der von den Dienst- und Lokmbezügen in Abzug gebrachten Einkommensteuer durch die Dienstgeber nicht viene.jäl'Ng, sondern für alle im Laufe eines. Monats abgezogenen Beträge binnen 14 TEn nach Schluß dieses Monats zu erfolgen; lediglich für die erste Abfuhr des Jahres 1921 wird ein zweimonatiger Abfuhrtermiu zugestanden. Die erste Stcuerabfuhr in diesem Jahre hat demgemäß bis 14. März rücksichtlich aller in den Monaten Immer und Februar abgezogenen Einkommensteuerbeträge stattzufinden. Offener Brief an die Eltern unserer Schützlinge. Bei Müller. Liebe Mernl ' . . Als ich vor zehn Jahren damit begann, mich der sozialen Arbeit zu widmen, war es das Gebiet der Kinderfürsorge. dem ich mich mit besonderer Freude hmaab. Immer ist es das Kind, das dem Herzen und dem Empfinden der Frau und Mutter am nächsten st"ht. Die Mütterlichkeit in uns Fryuen ist ja so groß daß ste sich nicht den eigenen Kindern gegenüber erschövst. Iondern all den kleinen zarten Wesen, die in ihrer Nähe leben, dienen möchte. Es sind auch wirklich die Institutionen für Kinderfürsorge gewesen, welche mir am meisten Freude gemacht haben. Der Mutter- und Säuglingsschutz hat Hunderte der kleinen Wesen, die in der Zeit der bittersten Not und Entbehrung zur Welt kamen, behütet, der Kinderhort, die Kinderliegestätten, unser schönes Kinderheim waren woblgelungen. und es war ihnen vergönnt, den Kindern nicht nur die primitivsten Lebensnotwendigkeiten, Wartung und Nahrung, sondern auch Freude zu geben. Als die Kriegsnot zu Ende war, die wir aber nur für die Leiden des Elendsfriedens eintarischten. suchten wir neue Wege, um den Kindern unseres armen Landes zu helfen. In diesem Augenblick, da die trennenden Schranken, welche die Lander während des K'-eges voneinander abgesperrt batten, gefallen waren, streckten uns unsere Brüder im Ausland die helfende Hand entgegen. Wir baten sie um Liebe und Hilfe für unsere Kinder, und es entstanden die verschiedenen Auslandsaktionon, die euch bekannt sind. Ihr dürft nicht g auben, daß alle diese Aktionen leicht und selbstverständlich ins Leben g.'rusen w-irden. Um eineneinz'g?n Kindertransport,'usamrm'N'ubrt i 'en, bedurfte es rastloser und aufop'ernngIvoll.'r A.be't von Wockftn und Mona eu. Wir sind im Auslande f>'ft .von Hcrus iu Haus, gegangen, wir haben in Vorträgen. Wiener Mor^enzektimi_ Griechisch-türkische Kümpfe. Athen, 14 J"nne-. lHavad.' Bericht degiierhlchen HcmP,c,narie>S vom 13. d M : Die Armee setzt ihren er-qlareichen Bo» mar sch fort BiS jetzt sind drei feindliche Divdionen znstimi worden Ein tiivf scher General wmde ge'angengenommr«. Die Stadt Smy'na hat geflaut. Der polnische Eisenbahnerstrerk. 8B“rf*j<TO. 15. Jänner. (B. P. G.) Der Kongreß der Eisenbahner beschloß gestern, de« projektierten Streik auf einen späteren, für die Austragung des Kampfes geeigneteren Zeitpunkt zu verschi.'ben. Die Warschauer Postbeamten nahmen geste n d'e Acheit wieder auf. _ $ö8c$&eridjt. An unsere auswärtigen Leser! Wegen des Streiks der österreichischen Postbedienstet'n, der Mittwach den 13. d. M. einsetzte und bis gestern abends andauerte, konnten dir tvä rrnd dieser Zeit erschienenen Ausgal en dev „Wiener Morgenzeirung^ nicht befördert werden. Von heut» ab wird die Zustellung nunmehr regelmäßig er olgen. Das Endr des Post-, Telephon- und Telrqrayhenstreiks. Wie wir an anderer Stelle bereits gemeldet haben, kam gestern in später Abendstunde eine Einigung .zwischen der Regierung und den Vertretern des streikenden Post-. Telephonnnd Telegrapbenpersonals zustande. Die eheste Wiederaufnahme des Dienstes wurde beschlossen. Heute. Sonntag, werden bereits Telephon und Telegraph funktionieren und die bei den Balmpostämtern angesammelten Brief- und Paketsendungen, zur Ervedition gelangend Ter gestrige Tag bot ein bedrohliches Bild. Der/AuSstand der Technischen Union war bereits vorbereitet, so daß die allgemeine Abschaltung des Stromes in kürzester Zeit nnd ohne technische Schäden bewerkstelligt werden konnte. Der Streik wurde derart strenge gehandhaöt.^daß weder die behördlichen Stellen noch die Krankenanstalten. weder die a u s w ä r t i g e n M i s s i o n e n, A e r z t e. noch die R eparationskommission, weder die RettungSgesellschaft noch die Feuerwehr telephonische Verbindungen erreichen konnten. Gestern, gegen mittags, kam eS zu Ausschreitungen beim Hauptpostamt auf der Dominikänerbastei. Eine Gruppe von Streikenden sprengte die von etlichen Wachleuten besetzten Tore auf der Dominikänerbastei. drang in das Innere ein und besetzte einige Abteilungen. In dem entstandenen Handgemenge mit der Polizei wurden auch etliche Fenster «r* j schlagen und Türen ans der Füllung gerissen Auch! mittels eines VostautomobilS versuchten eS die Streikenden, das massive Tor einzudrücken. In »mehreren Postämtern erzwangen die I HCT—IW" *1»,,«MVMMWMWWMWWM in Biesen, in'Zei ung^arti'eln gebeten und geworben. Um diesen Gedenken unse en Brüdern im Ausland« ver.raut zu machen, war allein eine Unsumme von Abeit, von Anstre gung körperlicher und ge'st'.ger Art notwendig. Als hr.n unsere Mühe und unsere Arbeit von Erso'g gefront war und die ersten Auslandstransporle zustande kämm, begann die neue Arbeit und b'e neue So g'. We'ches gewal.ige Problem die Anmeldung. die AuSwvh'. die Un ersuchung der Kinder darstellen. was im .Rahmen unserer Bureaus mit einer unverhältnismäßig geringen Anzahl von Beamten zu verrich-en ift — das werden wohl nur die wenigsten richtig, öinschä^en können. Pir haben im Laufe dieser Jahre 10.000 K'rider im Ausla che unergchracht. Wenn wir heute diesan Zeitraum überblicken, muß unS Freude und Stolz erfüllen, denn alte Ausländsaktionen waren durchaus gelungen, und ^as war der Lohn für all die rastlose Arbeit, der wir unsere Tage und Nächte geopfert haben. Könnt ihr begreifen. was diese Ziffer bedeutet? 10.000 Kinder ha^en wochenlang in schönster Umgebung, in behaglichen Heimstätten liebevollste Pflege und So 'gsalt genossen. Nrich beschenkt sind sie heimgekehrt. mit Kleid ungsstü len und Liebesgaben aller Art ausgerüstet. Dies glle-s repräsentiert einen Wert von Millionen, ganz abgesehen von den eth'schon Merlendi^ uns diese Bestätigung der Bruderliebe geschenkt hat. Die. Kin'-er waren wohl durchwegs in den, gastlichen Heimstä'ten glücklich und frohe Freilich haben nicht'alle Eltern-dies anerkannt. Gar manche dach.en nicht an das'Gute, was ihrem e'genrn KiNve geschehe^ wa-: sie h/ick en nur auf das Kind des anderen, das vielleicht ein Kleidchen mehr oder ein paar Krieg amm Le'ensmi tel .mehr m'tgtzbpacht hatte. Wie of: hat dieses Beobachten des an'e en die Freude und Daulba lett der Eltern den gütigen Gastgebern -gegenüber erstickt. Unsere Eltern fingen an. sich ein Recht da auf zu konstruieren, baß ihr Kind im Ausland ausgenommen werde. Für uns soz'ale Fürsorger ist es ein hohes Ideal, daß -einmal einem jeden Er- 10, Jänner 1921_ Nr. 709 ■> Steifenden die Niederlegung de- Ar heit. . Die Filiale und di? Zentrale der Rettung-. gqsetlschgft waren gestern durch den Telephonstreik gleichermaßen in Mitleidenschaft, gezogen. Der Streik machte sich yoH mehr geltend als bei dem vorjährigen Streikt denn diesmal hat nicht einmal die Mikrophonleitung, die Zentrale und Filiale, ohne Inanspruchnahme der Telphonzentrale verbindet, funktioniert. So war die Rettungsgesellschaft vollkommen vom Verkehr ansgeschaltet und es war um den Rettungsdienst recht übel bestellt. Wie in den alten Zeiten wurden Meldungen über Unfälle an die Nettungsgesellschaft durch Boten überbracht. Selbstverständlich war die Folge, daß die Verunglückten länger ohne Hilfe bleiben mußten. Zum Glück scheinen sich gestern in Wien nicht sonderlich viele Unfälle ereignet zu haben. - Fortschreitende Besserung unserer Brcnnstoffversorgung. Enem Belichte des Kohlenimtes aus jüngster Zeit ist m enIntlMkn, daß eS der staackickien Kodlenverw.iliung arlongen ist. die Biennstoslve'loraun'OcstkneickS lteug m bestern. Tl'äbrcnd die G samrliefeiulia in« und anSländi ch r Biennstosfe im Jahre ISIS 4.824 1?3 t umfaßte, ch ste im Jahre 1920 au 6.468 11 r t gestiegen. Noch mehr w rd die günstige Aulwär sen»w cklung unler>-r Kohlen« o rsv'gung durch Gegenüö^stcllung der Mourtsliffern auS Jänner IS'S und Dez mbr> 1S20 ve»dru'l>cht. Im Jänner ISIS deckte die L^eftlung per 361016 t 27'2"/» des vollen Bedarfes. taaepen wnche im D zember 1920 mit 656 284 t « ne Bedarfsdeckung von U^*/« erreicht. Industrie per Jänner 1620 per Oktober ,92» - Drstlisidusttte ....... .17'4°'s 403° « Lktzennduürie . 18 3»/. «»'!".«*' Hol.- urh wnstige Jndttst.it . . b'°U 49 9°«. Pavinindustne....... .32-°« »2 2" >> SonÜioe. Brrgb.me..... .? 1% 42 : ° 0 ' Salin'n. .58-1°. 67- % Eb m'sl e Industrie. . , . . . IW« - 46'.r<> Ke amisckit und. GliS ntuflm . 2-va% 4Hlp., Baußo'imdmlrie ...... . 12*1% 27 7« T ibalmduürie ....... . 26*77« 2 > 2" «.■'- Rahrungsmnirl'n''ustrie. * . .81*97« 3,* ,7« Eilennnd Met'illm, «'Ye . . Sh’1% 48 37« - In ahnl'ck en Belhöltnissen auch e ne Best runa dev Gewerbebelieferung m»elt€ inSbe'andere dadurch, daß im henrigen W nter die Lprrvoischri't n ‘ihr die Benützung von Gas und elckt'b'chem Skrom nicht solche Veischarsungen erfahr n baden w e ,m Boi fahre. Dieser Erfolg der Kodlenverw l'nng konnte emeckeits durch Sicherung erhöiiter Kahlenm'uh-en. andercrse ts durch enng sche Maßnahmen zur Erhöhung der inländ'chen Kodlenfördetung enrickt « rden. Die Kohlrneneugung Oesterreichs hat sich im Jgh,e 1S20 prgrnüt'er dem Borjahre um eip Fünftel gehohen. ne brtläg' 2'.VV0.' 0g q. Ein zionistisches Arbeitssemester der zionistischen Studenten. In der letzten Sitzung des Zionistisch-Akademischen Land:Sv:r^a:ld.'S ln Oesterreich wurde ein Beschluß gefaßt, der Zeugnis dafür ablegt, daß die jüdischen Studenten sich ihrer Pflicht dem Judentum gegenüber voll bewußt sind. Bci der Londoner StudentLn-Weltkonserenz hat Doktor Heinrich Kiwe den Antrag auf Einführung der obligatoriwachsenen und jedem Kinde das Recht auf Erholung und auf Kräftigung seiner Gesundheit gewährleistet werde. Heu.e aber sind wir von diesem Ideal meilenweit entfernt. Wir in unserem armen Lande könnte^ ihm nwhl aus eigener Kraft in absehbarer Zelt überhaupt nicht nahekommen. Wir kö neu Heu e nur Glücklichere um Gaben Litten. Ein solches Geschenk unserer ausländischen Brüdcx ist d'e Aufnahme unserer Kinder in den gastlichen Familien. Wenn die Eltern dies auch nicht einsehen wollen, wir, die wir diese Aktion durchgekämpft und mit unserer Arbeit uns erobert haben, wir wußten da? vom ersten Augenblick an und wir mußten darnach unsere Arbeit einsteljen. Wir haben -für die Auswahl der Kinder uns bte Richtschnur gestellt, die euch allen bekannt ist: Von 'aber Familie dar^ nur ein Kind ins Ausland, bei besonders kinderreichen oder bei besonders berücksichtigungskperteu Umständen höchstens zwei Kinder. Der ärztliche Befund allein ist maßgebend bei der Kinderauswahl. ' Das' schwächste Kind, das allerdings nicht, organisch kipnk sein darf, hat das erste Anrecht, in einen KindertrovH. Port eingereiht zu werden. Nun aber, kamen die Anforderungen aus dem Ausland, die sich unseren schöne« Plänen gegenüberstellten. Viele der Kinder hatten verwandte oder doch bekannte Familien im Auslande, die nun namentlich Kinder anforderten, mehrere auS e'ner Familie oder Kinder, die nicht gerade zu den .illerschwächsten gehörten. Diese Einladungen wieoerholten sich später und wir mußten oft Kinder drei- oder viermal ins Ausland senden, während wir dafür 11:4t blutenden Herzen andere zurücklassen mußten, die, die Erholung, weit notwendiger gehabt hätten. Wir h rben immer wieder durch unsere Briefe und durch mündliche Vorstellungen uns bemüht, den Gasteltern das Unrecht dieses Vorganges v^rzuhalten. Aber wir haben es nicht erreicht, daß von diesen Anforderungen Abstand genommen werde, im Gegenteil, bei jedem weiteren Fortschreiten der Aktion mehrten sie sich nur noch, bei Die ins Ausland gesandten Kinder selbst für ihre Schlvcster-