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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-16 · Heft 709 (16.1.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 709 (16.1.1921)
Date
1921-01-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 709_^ Wien, Sonntag , arbelt sei eine jüdische Volksangelegenheit, die durch das ganze Volk geleistet wird.. Nur eine vereinigte jüdische Welthilftorganisation, an der sich alle: Teile des jüdischen Volkes und alle seine großen Organisationen beteiligen, könnte diesen Gedanken lebendig verkörpern, nur sie hätte die Möglichkeit, unter die einzelnen VolkSLeile gemäß ihrer Leistungsfähigkeit die Pflichten auszuteilen, die das Schicksal uns allen auferlegt hat. Die ernste Warnung gilt für uns alle! Werden, wir auch jetzt nicht ihre deutliche Sprache verstehen? SLaatsKrisen. Die Verhältnisse in Mitteleuropa und am Balkan gestalten sich von Tag zu Tag kritischer. Die bisher nur in poliLi,cher Hinsicht sich äußernden Krisen werden dadurch stets gefährlicher, das; sie i in einer Reihe von Staaten bereits sozialrevolut'.onä.e.Former^ annehmen und zum Bankrott der gesamten äußeren und inneren Politik einzelner Staa.en sich.noch nnt Riesenschritten eine wir.schastliche Ka'ast.ophe hinzugesellt. Besonders bedenkliche Formen nimmt die österreichische Staatskrise an, die. zu den schwersten Verwicklungen in ganz Mitteleuropa sowie auch in den angrenzenden Staaten führen muß. Eine Besserung der total ve.sahrenen Verhältnisse in Oesterreich und eine Behebung der täglich wachsenden wirtschaftlichen Not ist nur dann noch teilweise möglich, wenn die Entente in zwö.fier Stunde sich nhrer Pflicht bewußt' wird, durch ra-scheste und ausgiebigste Hilfe das von.ihr geborene Kind, das jetzige Rumps Oeftt'r.eich, beim Leben zu erhalten. Wenn dies 'nicht geschieht und man'/sich nur auf Proteste gegen den Anschluß an Deutschland und theoretische Betrachtungen von Londoner und Parisern Blättern.über' die -Not-wendigke-it eines wirtschaftlichen Zusammenschiusses der SirkzessionLstackten . beschränkt, dann ist -&tc - wirtschaftliche- Katästrasth^-in Österreich unvermeidlich, de natnrgemäß zü den traurigsten Konsequenzen, auch für - dieanderen SNkzeftiönsftaaieu, führen muß. - - - - - ' - Heute bereits kann man von einer 'Staatskrise in , Tschecho-Slowakien. Polen,' Ungarn' und ' Jugoslawien sprechen, die speziell in der Tfchecho Slowakei >in-'mehr als einer Richtung eine verzweistr-te Aehnlichk.it, 'besonders in wirtschaftlicher - Hinsicht, mit der ' österreichischen hat.. Freilich haben' sich dier Streiks Und^ die änderen Symptome der nahenden Wiätschastlichen Katastrophe, in Tschecho-Slowakien ■ noch'' -sticht 4 fr* gsh'Üüft tRe in Oesterdeich, aber die gesamte Wirtschäftspölitik steuert immer bedenklicher 'jenem PU'rkte zu> an-wrlchemdie^österreichische und polnische beiiei!s-geland"k rstliJn Herr Parlamenten aller dieser Staaten, genau so wie in Üügarn, verschließt man sich dem 'Ernste der wirtschaftlichen Situation, man kultiviert ein kleinliches Parleigezänke um Ministersitze, man peitscht de.n nationalen Chauvinismus, den -Antisemitismus, den Klaff stegoisrnus bis zur Bewußtlosigkeit in die Mass.m, um schiießttch alles Heil von Enqueten und Konferenzen zu erwarten. Diese inneren Wirren, welche Wasser auf die Mühle aller . Oppositionsgrupen, von rechts und links, treiben, schließen auch die ungeheure Gefahr in sich, daß sie in einem gegebenen Moment nvch durch kriegerische Verwicklungengesteigert werden. Wenn das heutige Oesterreich zusammenbrüche und — sei es als Folgeerscheinung innerer Unruhen oder zum Zwecke der Verhinderung des Anschlusses an Deutschland einerseits magyarische, andererseits tschecho-slowakische oder jugoslawische Truppen in Ocsterveich eintückten, dann wäre das ein Signal zu einem neuen Kriegsbrand in ganz Mitteleuropa und.' am Balkan. An diesem Falle würde die Entente eben auch nicht passiv bleiben können; sie müßte. damit das, Chaos nicht immer größere Dimensionen annähme, eingreis.ru, soweit ihre inneren zerrütteten.Verhältnisse und per Gegensatz zwischen Frankreich und -England. einerseits Und Italien andererseits nicht auch noch andere Wei-- wrungen annehmen. Man hat eben durch die ganzen Jahre vor, während und nach dem Kriege vergessen, daN das österreichische Problem ein allgemein euro-' pätsches ist und daß einer, falschen Lösung .früher oder, später dem Zusammenbruch-' Oesterreichs der ganz Europas folgen muß. Nationale Verblendlrüg'.her Chauvinisten aller Völler und .'kurzsichtiger.'. närer Kirch'urmpoliti'er verschiedener Färbung., welche ivie gemeinsamen wir.schastlichcn Interessen,, speziell der Donau- und Balkan voller, übersehen, verhindern allüberall ihre gegenseitige wirtschaftliche Annäherung und verzögern auch die von der (Sntcntt geförderte gemeinsame Wi"tschaftskon''erenA der Suke.csficnlstaatett. .So aber kann es nicht weiter gehen und am aller-' wenigsten haben die. Juden in den einzelnen Staaten noch weiter Lust,, den Prügelknaben abzu-'eben und als Sündtznbock für die Verbohrtheit nationaler, Fanatiker und einer engherzigen, die Wirtschaftsinteressen - des eigenen Volkes wie diejenigen G.'samterrropas aufs empfindlichste schädigenden Wirtschaftspolitik zu diene». - Oesterreich steht vor dem Abgründ. Mit ihm ganz Dr. 6$arota itt Wien. Der olii'.sche G sandte in Wien Herr Dr. Marcel Szaro.a ist bereits von seinem U laub zueückgekehrt Und hat idie Leitung der Geschäfte übernommen.. /Wiener Morffenzeitnnq 16. Iünner 1921_ Seite Die Lage in Palästina. Die wirtschaftliche Lage. — Stockem der kulturellen Tätigkeit. — Die Opfer«, freudigkett der palästiueusische« Zudeuschaft. — Elektrifizierung des Iordaut Beliebtheit des OberdomMiMrs Herbert Samuel. — Eine arabische Hetzet / Das paradiesische Tel-Awiw. i Bon »nsereM^Berichterststter. ä n. I c r tt s a l c m, anfangs J'mni'r Mr stehen noch immer im Zeichen der ökonomisch e n K r i s i s, die seit dem Frühsommer unvermindert im ganzen Lande anhält. Das Angebot an Arbeitskräften , und Waren jeder Art übersteigt, anders wie in Europa, ganz bedeutend den Bedarf und das verfügbare flüssige Geld. Es gibt hier Lebensmittel und Bedarfsartikel — Kleider, Stoffe, Wäsche, Lederwaren, ( Möbel, Juwelen, Instrumente, Tabak und Rauchmaterialien erster Klasse - in solchen Mengen, die Konkurrenz der Kauflente ist so groß, die Preise-für hiesige Verhältnisse so billig, daß man fast glauben könnte, in Palästina wäre nie Krieg gewesen. Die Kauflust ist sehr flau, weil es allgemein an Bargeld fehlt. Für uns äußert sich diese schwere Uebergangszcit besonders schmerzlich in einer Bedrängnis der zionistischen Institutionen (Banken usw.), die infolge der bekannten Haltung der amerikanischen Zionisten eingetreten ist. Aruerika, allein imstande, kräftig mit Geld die Aufbautätigkeit Erez Israels zu fördern, hat von der Londoner Konferenz im Juli 1920 die „Ueberzeugung" mit nach .Haufe genommen, daß die Zionistische Organisation in Palästina zuviel für das hebräische Schulwerk rmd zu wenig für praktische Arbeiten verwendet, und hat demzufolge die Börse zusammengeschnürt, - bis die europäischen Gesinnungsgenossen diesen „Grundfehler" nicht beheben werden. Und so stehen wir ohne 'Geldmittel da, was die Entlassung vieler Beamter und; ganzer Arbeitergenossenschaften, das Aufgeben des Baues der großzügig angelegten Gartenstadt Di lb bei 'Jerusalem sowie die Schließung mehrerer hiesiger An- -statten, .die von den Unterstützungen lebten, zur Folge hatte; noch ist die Reihe der „Säuberungs-" und Der- Minerungsarbeit Nicht beendet, da man auch das hebräische Gesundheitsamt sperren will, was eine Anzahl Aerzte betreffen würde. Das Losungswort heißt „sparen" ohne diel Rücksicht auf die. katastrophalen Folgen' .So befinden sich denn Hunderte von Chulnzim, die trotz des dringenden AbriAens von kompetenter Seite in'' Wien herfnhren, beschäftigungslos,/ in Jaffa und Jerusalem, außer den sehr vielen alteingesessenen, Arbeitern, die jetzt notgedrungen entlassen werden, mutzten. Der Straßenbau wurde ebenfalls zum guten Teil wegen Geldmangels eingestellt und täglich laufen Briefe und Telegramme nach London um Geldsendungen, da sonst die ganze Arbeit' vieler Jahre in Gefahr wäre. Und das einige Monate nach der Erlangung des so heiß ersehnten, von Theodor Herz! nicht mehr erlebten Charters, der Erklärung von San Remo! . . . Die Zionistische Untersuchungskommission (Julius Simon, Robert Sold, Nehemia de L i e m e) hat vor kurzem Erez Israel nach einem Aufenthalt von mehreren Wochen verlassen (von uns bereits gemeldet. — Red.), um in London über die Lage Bericht zu erstatten. Den Herren, die mehr auf die Seite Amerikas neigten, waren die Ausgaben im allgemeinen und besonders diejenigen ftir die hebräischen Schulen und die Chaluzgenossenschäften zu hoch und überflüssig. Sie hatten oorgeschlagen, das Schulwerk aufzugeben und die anderen Institutionen, darunter auch die unvergleichliche „Hadassa", das ausgedehnte sanitäre Hilfswerk, auf schmale Kost zu setzen, um so mehr Barmittel für großzügige Kolonisation zu gewinnen. Doch Ussischkr n, Präses des „Waad Hazirim", einer der Tüchtigsten in Palästina überhaupt, versicherte, er werde es nicht Zulasten. daß auch nur eine einzige hebräische Schule geschlossen oder eine organisierte Arbeitergenossenschaft entj lassen werde. Die 100.000 Pfund, die das gesamte Schulwerk im Lande als llnterstütznngsbeitrag benätrge, werden nicht die Situation retten, wo wir ja Millionen benötigen: ihre Einstellung würde zirka 150 Volk s- und Mittelschulen, einschließlich Kinderg ä r t e n, B e r u f sn n d F ach s ch u l e n zerstören. 660 Lehrer rmd über 10.000 Schüler auf -Me Strotze setzen rmd letzten Endes den Missionären in d i e Arm e i r e i'b cit. Wir werden dann glücklich ] 00.000 englische Pfund erspart, dafür aber die opfervolle Arbeit von. 20 Jqhren, die hebräische--Kultur und die Basis jeder nationalen Arbeit in Palästina,- für immer vernichtet haben. ' , Jedenfalls erwartet man in Kürze als Folge dieses, Besuches eine grundsätzliche Aendcrurrg der Arbeitsweise in feirej Israel., Man widmete bisher leidei? zu wenig Aufmerksamkeit den Sammlungen für den Aufbaufonds, den. „Keren Hajessod". Das kleine und arme Palästina fflttf seinen 100.000 Juden hat in zwei Monaten allein ebensoviele englische Pfund aufgebracht. Wieviel haben die Länder des Galuth mit den vielen Juden, die da und dort auch Geld haben, zusammengebracht? Kamst ein Dreifaches davon — während man 25 Millionen Pfund Sterling braucht! Wo seid ihr, opferwillige Zionisten? j Man erhofft sehr viel von dem bekannten PröjeU des Ingenieurs Ruthenberg, den Jordan für Ge< winnung elektrischer Kraft nutzbar zu machen, und' wartet schon mit Schmerzen auf das Frühjahr,..da er mit den Arbeiten beginnen soll. Man spricht davon, ba$ an die 3000 Chaluzim hiebei beschäftigt werden können, und die Armen freuen sich, daß der Müßiggang endlich ein Ende nehmen wird. Dieses Werk soll ein gewaltiges Ereignis im ökonomischen Leben Erez Israels bedeuten. Höchstwahrscheinlich wird die Elektrifizierung deS Jordan den Anstoß zu einer ganzen Reihe Aufbauarbeiten geben und zu einer gänzlichen Umgestaltung Palästinas führest. ,! Der Oberkommissär Sir Herbert Samuel sorgt wie ein wirklicher Vater in jeder Hinsicht für das Land und hat während der sechs Monate seiner Tätigkeit hier weit mehr für den Aufbau Jerusalems und des Landes überhaupt geleistet als die Türken in den letzten 50 Jahren. Er hatte in der letzten Zeit Gelegenheit, die Gefühle der Dankbarkeit der gesamten Bevölkerung zw konstatieren. Als jüngst seine greise Mutter verschieß trauerten Araber, Christen wie Juden mit ihm. Sämtliche Geschäfte der Stadt waren tagelang schwarz verhängt und zahllose Trauerkundgebungen und Beileidsabordnungen der. dreisprachigen Bevölkerung gaben Zeugnis für die allgemeine Anteilnahme. Kurze Zeit spater hatte Erez Israel Gelegenheit, sich mit dein Gouverneur auf der Hochzeit seines Sohnes Sir Edwisti Samuel mit Fräulein G r a s o w s ky, der schönen Tochter des hebräischen Schriftstellers und Vankviz^- direktors in Jaffa, zu freuen. Wieder beteiligten sich außer den Juden die Araber und verschiedene christliche Volksgruppen an den Kundgebungen der Sympathie. " Englische Offiziere, diverse christliche Notabeln, arabische Scheiks und Grvßkaufteute, jüdische Kultus-, Schul-, Presse-, Kanfmannschafts- und Arbeitervertreter waren , in großer Anzahl vom Oberkommissär Zur Feier ge-' laden worden. j Mitte Dezember tagte in Haifa eine Konferenz christlicher und muselmanischer Araber, - die zum Mandat Großbritanniens jjber Palästina itttJ» zur jüdischen Einwanderung eine äußerst feindlichs Stellung nahm. Sie sandte Protestpamphlete giftigster Art an die Entente und an den Dölkerbundkongreß,! worin die 700.000 Araber Schutz und Hilfe gegen die 100.000 Juden erflehen, die ihnen angeblich das Leben und dem Lande das Emporblühen unmöglich machen... Da Palästina, wie dieser Protest in bewußter Lüge ausführt, selbst für seine gegenwärtige Bevölkerung Zu wenig Raum hat (Beweis der Dichtigkeitsgrad der Bö-, völkerung von kaum 35 auf einen Quadratkilometer und die vorsintflutliche Arbeits- und Lebensweise des größten Teiles der Araber), so dürfe die Wett nicht ruhig Zusehen, wie die Juden millionenweise ins. Land strömen, usw. An den - Oberkommisiär richtete die Konferenz ein Memorandunr mit den bitter- . sten Klagen über die Ernennung jüdischer Beamter, über die Gleich stellung der hebräischen Sprache mit der englischen und der arabischen als. Staatssprache usw. Sie verlangte nichts weniger als" die Anerkennung eines arabischen Staätes Pal ä st i n a. Die Antwort des Sir H q r .6 e r t Sa ittu e l wpr prompt und eiskalt. Die palästinensische Negierung / konstatiere, daß die Haifaer Konferenz aus Abgesandten einiger kleinerer, zusammenhangloser Gruppen und ' Sekten verschiedenen Glaubens bestanden hübe, dis keineswegs gesetzliche Bevollmächtigte des arabischest Volkes gewesen wären. Die Regierung verlange daher, die Vereine, die diese Abgesandten gewählt hatten, sowie die Anzahl der Mitglieder dieser Veroiüe; die auf dc« Konferenz vertreten: waren, kennen zu lernen, bevor sie^ auf die Klagen überhaupt eingehe. j . ' Das ganze Kesseltreiben ist das Werk einiger rm trüben Wasser flschender Elemente unter den christlichen Erst?;" ■Were •- L». jed ui v fff? Toilctte-Selfe En ftsros und en detail «S €> >,6. n ji iji - « -a L» USL j» M» VO«*Ckätig . >- r» ■ .. m s u.i.M., . <: Lund piv.iaNc.ien — iMclitvorr liges wird schnellstone besorgt *.l q? öäsiüi - u? s;3^5 unscira LeSsIvuiss^hlgkeKl rer» «rkeihammer & Go. In Bit

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