Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 706 (13.1.1921)
- Date
- 1921-01-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, Dmmerrläz -.nsiizfa >i Wiener Morgerizett»»s 13. M'7VS? ---■■ ■-■■..--■ ■. ■ «Iler Art liefern rnch sind bi[)jg Wien, H.^raterstrasse 5g H! aGINSBERGaco. Der Bundes Kanzler Dr. Mayr kam zunächst aus die Denkschrift des Zentralverbandes an die Reparattrmdkommission zu sprechen, die er als, sehr interessant gezeichnete und die wirklich eine Unterstützung der Be-- mayungen der Regierung bedeute, ein wahrheitsgetreues Bild über die Lage des Staates und der Staatsangestellten gebe. Dem System der einmaligen Zuwendung siehe er unter voller Würdigung der vorgebrachtrn Gründe persönlich sehr sympathisch gegenüber und - sei der Ueberzeugung, daß dies ein Weg sei, der eine wirkliche Hilfe für die Staatsangestellben bereute. Ein wichtiges Wort aber in dieser Frage habe das Finanzamt zu sprechen und et werde jedenfalls veranlassen, daß die Verhandlungen mit dem Zentvalverbande sofort eingeleitet werden. Sie BerhandluNgen mit der Oesterreichisch-ungarischerr Bank. Zu den Verhandlungen zwischen den Liguidatsren tzrnd den andren Juteressenets» der Oesterreichisch-un- 'garjschen Bank, an welchen für Amerika Widman, für Frankreich Barry, für Italien Luxardo, für Rumänien Lilicianu sowie Vertreter Oesterreichs, Ungarns, der Tscheche - Slowakei Jugoslawiens und Polens und drei Spezialdelegttrte der Pariser Reparationskominission, ein Engländer, ein Amerikaner und ein Serbe Zeilnehmren, wird der Korrefp.. Herzog mitgeteilt: Ende!1917 ist durch die Bank unter Garantie einer Reihe-von Wiener Banken bei der Neederlandsch Uidvoer Maat-' Echappij ein Kredit in der Höhe von 16 Millionen holländischer Gulden, der sogenannte Num-Aredtt, aüft genommen worden, von welchem die erste Rate vorkurzem zur Rückzahlung gelangen sollte. Die von der Pariser Wredergutmachungskommission eingesetzten Liqui-, dockorsn haben jedoch die Rückzahlung dieser Rate-durch die Bank nicht gestattet. Sie vertreten die Ansicht, daß die Bank, da sie sich in Liquidation befindet, Zahlungen an ihre Gläubiger vorläufig .überhaupt nicht leisten könne; zunächst, müsse eine genaue Bilanz, feststellen,- ob die Bank aktiv sei und über welche Aktiven sie verfüge. Die Bank wird also so behandelt, als vb sie jjich im Konkurse befände. Demgegenüber steht die Bankleitung in vollster ttebereiustimmung mit den Regierungen Deutschöstcrreichs und Ungarns auf dem VhandpuukL, daß.die Bant.' sich.nur auf Grund, inter?. tzratioMler .Beifügungen in Ziqmbamn . befinde,. sächlich aber, da ihre Hauptschuldner, Deirtschösterreich kund Ungarn, die . Zahlungen nicht eing-estellt hätten, aktiv sei. M ist ohneweiters klar, welche Bedeutung her nun Levorstehcnden Entscheidung über die Rück-- Zahlungen an die holländische Gesellschaft zukommt. Viegt der Standpunkt der Liquidatoren,, dann wird die Bank tatsächlich in den Znstmrd eines Konkurs-, Schuldners versetzt und es wäre sowohl DenLschysterrLich ktvie Ungarn — für beide Staaten hat die Bank ppo< Viforifch die Rolle, einer Notenbank üöerrwmylen, während die anderen Nationalstaaten sich eigene Noten- Institute geschaffen haben — Saum mehr möglich, auf dem Wege über die Bank irgendwelche Kredite zu er- Halten und es bliebe dann nur noch die Errichtung eines eigenen deutsch österreichischen, beziehungsweise ungari? ßchen Bankamtes übrig, dessen Noten, solange nicht fundierte Noteninftttute" geschaffen werden, ern-enr rvrit größeren Mißtrauen in der Bevölkerung und im Ausilande begegnen würben als die dru t' ch ö\kxreichischeu fSnd ungarischen Kronennoten der Bant. Dckr Biber?. 8stand gegen weitere Zahlungen durch die Bank geht' stört den Nationalstaaten aus, die Ansprüche auf die Aktiven der Bank' erheben. Vor allem hat sich auch, her Delegierte Englands in der Pariser Wiedergitttmachungsdommissivn Bradbury aus den. Standpunkt' der Liquidatoren gestellt. Die jetzt erngeleit^tcn Ver- Handlungen dürften drei Tage in Anspruch nehmen.. Die Getrcidewnchrrer gegen die ., Oftju-e«. . Die großdrutschen @teztze&£ unseres wackzzn Baueruvoltes, das bekanntlich feit Dezember vorigen Jahres dem Staat keine Tonne Getreide geliefert Hat, sind - von schwerem Alpdrücken geplagt. Geht. Ahnen die schwere Not des Volkes s-o zu Herzen? Uber mit derlei Problemen haben sich die Armin-Söhne An ihren Butzeuscheibenstübchen nie abgegeben. lluLriträglich aber äst ihnen der Gedanke an die listigen iOstjuden, die ££ offenbar darauf abgesehen habest, Justament-OesterreichLr zu werden. In der gestrigen Atzung haben 'sich die großdeutfchen Abgeordneten. Dr. Waneck, Pauli) und Genossen zusammengetan und kt« den Bundesminister für Inneres eine Anfrage, bezüglich der „gesetzwidrigen Aufnahme von Ostjuds-n Au den österreichischen StaatSbürgerverband" gestellt Dabei zitierten die Herren den Artikel 80 des Staats- Ertrages von Saint-Germain in der von uns bereits gekennzeichneten dunrntdreisten Art, wie es . bei solchen WerbankpoliLikcru teutschen Geblütes üblich ist. Sie Pellten natürlich den Antrag aus Annullierung der gejmeinteu Optionen. 'Die Herren Demagogen tvezben Mit ihrer Fleißausgabe kein Glück haben. In den alldeutschen Bierkellern 'ist es allerdings mit der richigen Interpretation von fvemdsprach.igen Vertrösten Meine Erlebnisse in Pilisesaba. Don Gmanuel Rosenstingl. m. Kehrbesen gab es bis Mitte Dezember überhaupt nicht. Ungefähr um diese Zeit leiteten wir eine Kollekte .ein, um nicht im Schmutz zu ersticken, und kauften au§ eigenem Gelbe für unsere Baracke drei Reisbesen. Daraufhin ordnete Direktor B o ko Versonsdurchsuchung und Abnahme aller Geldmittel an. Daß es an ararischen Geldern für Reinigungsmittel uicht fehlendürste, kann man daraus schließen, daß fiir Lampen, welche insgesamt höchstens 5000 Kronen kosten konnten, 100.000 Kronen berechnet wurden. Beweis das Kassenbuch der Lagerverwaltung. Von Schutzen und Kleidern, welche von der Israelitischen Kultusgemeinde Budapest aus Spenden gesammelt und nach Pttiscsaba zur' Verteilung geschickt wurden, wird ein großer Teil durch Magazineur Zsuppany verkauft. BrotzuLußen, welche von der Israelitischen Kultusgemeinde oder 8er. amerrkanischen Hrlss- Mission gesandt wurden, wurden auch nicht ein einziges Mal ausgefolgt. Im Gegenteil, vielfach wurde weniger als 250 Gramm und sehr oft überhaupt kein Brot ausgegeben. Namentlich wurde der Brotbezug eingestellt, seit die Kultusgemeinde die Versorgung mit ritueller Kost übernommen hätte.. Von diesem Tage an Wurde auch für die Säuglinge keine Milch mehr ausgegeben, obwohl von der amerikanischen Hilfsmission ^für Kinder und Kranke Kondensmilch gespendet worden war. Dafür ist es aber dem Auffeher Matthias Vasko gestattet, einen Wecken Brot um 65 Kronen, Semmeln per Stück um K.« 3.30, Kaffee, welcher im feinsten Budapester Kaffeehaus 4 Kronen kosten würde, „ um 7 Kronen, Heringe, welche im Dorfe 12- Kronen kosten, um 16 Kronen und auch sonstige Lebensmittel mtt entsprechendem Wuchergewinn zu verkaufen. Die Beteilrmg'. mtt Kleidern und Wäsche erfolgt gleichfalls -so getreros. Oskar O l l m a n n/ ein - wanderndes Skelett, welches sichauf den Drahtmatratzen des .Schubhauses während^ ' seines dortigen > sechsmonatigen * Aufenthaltes ■ feine: Kleider total zerrissen hatte und weder Hemd noch Unterhose hatte, erhieü etwa Mitte Dezember 1926 einen Papierrock und eine Papierstoffhose, welchenatürlich' längst wieder zerrissen sind; bis 27.' Dezember mutzte er sich ohne Wäsche, Decke und Schuhe behelfen. Dabei ist Ollmann gar kein Jude, sondern ein Glaubensgenosie des.Bischofs Prochaszka, der mitgehoffen hatte, , dieses schöne Gesetz christlicher Nächftenttebe -zu schaffen.' ' Da- ^as' Gesetz nicht ausschließlich gegen Juden geschaffen würde, sondern nur zu .98 Prozent gegen solche angewendet wird, mutz nänrlrch wenigstens' ein Prozent' Paradechristen vorhanden sein, Um den Schein zu erwecken, als ob das Gesetz gegen Juden und Christen angewendet würde. Zu bemerken ist noch,.'daß keiner-der-Internierten m irgendeiner Hinsicht vorbestraft oder auch nur ange° klagt war. .Im ganzen rekrutieren sich die zirka 260- bis 300 Jntenrierten aus etwa 40 russischen Kriegsgefangenen, denen seinerzeit der Verbleib in Ungarn gestattet wurde, dis dort gehet ratet haben,- deren Frauen-und Kinder, wovon das jüngste.zur Zeit seiner Ankunft vor zirka vier Wochen vierzehn Tage alt wgr. Schuster- und Schneidergehilfen, Dienstmädchen, Modistinnen. Nähe» rannen, Hausierern, .Handwerkem ■ und kleinen Stauf> reuten, wovon einige 30 bis 40 Jahre in'Budapest ansässig sind, und zirka einem Dutzend Lehrjungen, an deren Gefährlichkeit für das Wirtschaftslebert Ungarns kein errtstdönkender Mensch glauben ivird. '■ Don wirklichen Ketten Händlern, Schiebern sitztauch nicht ein einziger im Schnbhaüse oder m Piliscsaba. Ihnen dienen die Insassen des Schubhanses und die Internierten von Pilisciaba als Schreckgespenst, sie erhalten rechtzeitig den Wink zu verschwinden, oder sie werden^ niit Hilfe von Advokaten, die hiefiir schon die Mlndesitare von 10.000 Kronen normiert haben, welchen Betrag sich ein armer Lehrbub oder ein Dienstrnädchen sonst .irgendein produktiv wirkendes menschliches Wesen uatürlicknicht leisten kann, schon nach einen: oder zwei Tagen befreit und können sich vor neuerlicher Inhaftnahme ihren Raub sichern. wartlgerr Stand, der Dinge nicht voneiner Am Wandlung der kleinen Entente in ein Bündnis unter Betelligung Italiens sprechen. In italienischen polß tischen Kreisen bemerke man, daß man, obwohl sich Italien mit der kleinen Entente über einige Punkte von größter Bedeutung, insbesondere über die Unmöglichkeit der Wiedereinsetzung der H a b sj burger, einig wäre und obwohl der Vertrag voy Rapallo die Schwierigkeiten zwischen Italien und der Tschecho-Slowakei, die der Wiederaufnahme , guter Be^ ziehungen im Wege standen, Zur Halste beseitigt habe, man doch nicht von einem anderen als einem rein w i r t s ch a ft l i ch e n B ü n d n i s sprechen könne Professor K^osta — tschechischer Gessnpter i« Wien. '; 12. Jänner» (DsL-Komp.) Wiedie -,Bidove Noviny" melden, ist. zuM- Lschecho-slowakischeLr' -Gesanö'tLn in Wien de« bisherige GesandtL Leim VatiLan, Professor K r 0 f L a, ernannt - worden, während dem bisherigen Bürgermeister von: Königgrätz und früheren Landtagsabgeordneten Ulrich die Agenden eines-G.en11aliöttsuls übertragen werden - sollen. Griechisch-türkische Kämpfe. Athen, 12. Jänner. (Funkspruch.') Frontbericht vom 10. Jänner. Im Sektor von Brnssa griffen unser» Truppen mächtige Formationen der Kemaltsten östlich von Enighiol an, warfen sie zurück rmd verfolgten sie bis über Nizäk. Im. Sektor von Ushak wurde der Feind aus seinen Stellungen bei Ranas und Sebaspik gej-MMn. Weiter poEckend, trafen unsere Truppe» , ansden Feind beiden Bazartjik-Höhen.' Der Feiyd zieht sich 'in Un-ordnung'-^^zürück und wirft seine Waffe» , weg^ . ' ■ ' " - - ", '' Äthrm. 11. Jänner. (.Havas.) MelLüngerr aus Min. asien . 'zufolge sollen die Kemalisten die griechischen '» LinienHn drei Punkten durchbrochen'haben'und auf'' Ein französischer Kredit für Oesterreich? B-erlr«,. 12, Jänner. (Privat.) Hiesige BlÄtter uerzeichneu daß Gern che. wonach die französische Regrerrrug rnit Rücksicht darauf, daß dre Vsrschläge Sir William G a 0 d e s nicht so rasch erledigt werden könneu, beschloffSte habe, Defterreich womöglich aus e i g e n e n flüssigen Mitteln Kredite in der Höhe dorr 159 bis 200 %RitHvnen Fra u e s einzuräume«. Nur ein wirtschuftttckes Vüudnis . zwischen Ztatten und der Tschecho- Slowaker. Mailands 12. Jänner. (Schweizer Dep.-Agertt.) ^Corriere della Sera" bemerkt Zu der Meldung, wonach der tschecho-slowakische Minister des Äeußern Dr. B e n e s ch anläßlich seiner Reise nach Rom die Absicht habe, über, ein Bündnis zwischen .Italien und der Tschecho-Slowakei zu v e rhAA.de ln, man könne bei dem gegenauf den Abschnitt von- Smyrna zürückzuwerfen. Errrste Ammherr irr Zndierr. " ,'WWch^b,' '11. 'Jidurer. (Reuter.) Die'Polizei ist,- nicht imstande, den Arrfruhr, der sich jetzt hiZ" Sultan-, pür, 68 Meilen südlich von Allahabad, auMe^ttt^. zu. unterdrücken. Zäykrei'che Häuser find in Brand gi:-' sie ckbworden."Von'Lucknvw sind Truppen herbeigerufen, worden.' .'600 Persbnen wurden 'verhaftet.' ' ... ' Rach einer spateren'amüi.chen Ml^'ünst^KMsWÜ^ -die Behörden nunmehr-die 'Lager:'vr’ SLambuttski in m&attp * .' .PHDittest, 11. Jänner. (Damiäu.) Der bulgarischs t Ottmsrerpräfident Stambulrfki ist heute hrer -an<° gekommen. Er hatte eine längere Unterredung, m'.t beyr Minister des Aeußern Takd Jonescu, sodann ibr" serierte. er, längere Kit. mit .dem Ministerpräsidenten tu.' Stambüllski erklärte,' daß er von dem BestvsbLn erfüllt sei,, zwischen, dmr Leiden Ländern ein loyaltzs Freundschaftsverhältnis herzustellen. Auch würde er eß jefyz gerire sehen, wenn ein Wirtschafts^bk'omstn.e.n abgeschlossen werden könnte. '. .Die. poluische Kabinettzkrise. . W-Mschau, 12. Jänner. (Del.-Komp.) Die Besprechungen des Ministerpräsidenten Witos mtt den ^Parteiführern, betreffend die innere Lage und diq Lösung der Kabinettskrise, werden nicht bei dem'Wiederzusammentritt des Sejm Mitte Jänner, sondern erst im kommenden Monat, nach Pilsn^skis. Rückkehr ans' Paris, flnttfinden. •. Kr.asstir nach Moskau ab.gereist.' - 'LMch/>n, 11. Jänner. (Reuter.) KrUssin ist-heute - nach Moölmr abgereist. . -? . .Ärässin hat vor seiner Abreise gegenüber emern' ZeittmgsLerichtLrst.atLer erklärt, baß seine Letzten Be-- sprechungen mit dem Vorsitzenden des Handelsamtes die - Lage nicht wesentliü) geändert hätten. - Kohleymangel der deutsche» Bahnend : Berlin, IS. Jänner. (Wolfs.) Sut dem Brgirr« der Aus- Mrang de- Mvmmenß von Spa hat der Reichseisenbahn-» - verwaltnyg nicht pitfa tiut bm täglichen Bnbrauch entsprrchrM Kohstmnenge zugrstellt werden können. Die Kohleuvorräte der Reichse'rsenbahneu sind infvlgrdcß'en ständig stark zmückgegange«. - Damit nähert sich bte Lage dem Gcfahrpunkt, daß der Betrieb aus Mangel an Diensikohle nicht mehr in vollem Umfange dncch« geführt. Werden kann. Die MLglichkert, daß der Personenverkehr eingeschränkt werden muß, um den norwrndige« Güterverkehr sicherzuftellen, ist nicht ausgeschlossen. Die mecklenburgische Regierung zurückgetreten. . ■ »e*Ihs, l% Jänner. Wie dir Blätter ans Schwee«'. melden,' ist die mecklenburgische Regiernng infolge der gestrigen stürmischen Borfälle m der Sitzung des Landtages znrückgetrete Die. Mission, des Borsttzenden des. Jüdischen Rationalrates für Litauen. Äovms, 10. Jänner. (Jüd. Korr.-Bur.) Der Bor-- fitzend^'dt'.s Jüdischen Nattanalrates für Litauen begM sich nach Amerika,.um sowohl die ameritonische Oefsent-- tichre.it,.als-!, auch die.Washingtoner Regierung für die, Mvrkennnng des Umuischen W Aewinr^y. v