Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 704 (11.1.1921)
- Date
- 1921-01-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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AK 704 Wie», Dienstag ■ nun ii i l^WL VMBJUJLMISJUUJI l JJ—1—ILW,1-«." femr meinem SbaaLschef, Herrn Oberatamarr Petljura, noch von meiner Regierung Aufträge, welche mit den von Ihnen veröffentlichten übereinstimmend Jyrbesyndere muß ich dagegen protestieren^ daß Muer Mgierung eher mir zugemutet werbe, irgendeine i r re-. dIntistische Aktion her Tschecho-Slowakei unternehmen zu wollen,. nachdem sowohl meine Legierung und gerade ich persönlich den größter; Wert arzf das bestmöglichste Verhältnis mit der, der Ukraine gegenüber nur eine freundliche Gesinnung an den Tag legenden, tschecho-slowakischen Regierung l?gen. Hochachtend: Der betzollmachtigte Minister der U. B.R. und Chef der ukr. dipl. Mission in Berü und Rom: Nikolai Wassilko. Wr hatten in der berichtigten Mitteilung auf Verhandlungen zwischen Herrn von Wassilko und der ungarischen Regierung hingewiesen, die die Erzielung eines gemeinsamen Vorgehens der Petljura-Regierung und Ungarns gegen die Bolschewiken zum Inhalt haben. Ungarn sollte durch das Versprechen der Hervorrufung irreh.entistischer Unruhen iw karpatho-russischen Gebiet gewonnen werden. Herr von Wassilko berichtigt nun, daß er nicht in Budapest, sondern in Wien sei. Wir nehmen von dieser seiner Erklärung loyal Notiz. Der sonstige Inhalt seines Schreibens. vermeidet es sorgfältig, die von uns behaupteten Tatsachen direkt zu dementieren. Herr von Wassilko will lediglich von diesen Dingen nichts wissen. Das muß jeher Gesandte erklären, ebenso wie jede? Gesandte aus das bestmöglichste Verhältnis zu einer anderen Regierung persönlich den größten Wert Ligen muß. Ob die tschechische Regierung der Ukraine — wir verstehen hier unter Ukraine jene Regierung, . die Herr von Wassilko vertritt — freundlich gesinnt fein kann, müssen wir aus guten Gründen bezweifeln. __ OJerrttbbiner Dr. Chajes reist «ach Amerika. Svndon, 6. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung.") (Verspätet.) Dr. ChajeS ist heute in London auf der Reife nach Amerika eingetroffen. Sonntag nachmittags findet im Pavillon-Theater unter dem Vorsitz von Hillel Zlatopolski eine Ma ssenversammlirng statt, in der Oberrabbiner Doktor Chajes über Palästina und das jüdische Volk sprechen wird. Alle jüdischen Dagesblätter und Parteiorgane bringen Berichte über Dr. Chajes' Anwesenheit und veröffentlichen Interviews mit ihm. Die angekündigte Persammlung hat in den jüdischen Massen Londons bas größte Interesse wachgetüftn. .Oberrabbiner Chajes hat vor einigen Tagest Wie» verlassen, um sich über Einladung der zionistischen EKöüriibe von Löndon Mch Amerika zu begeben, wo er für den Aufbau Palästinas sowie für verschiedene Wiener Institutionen tätig sein wird. Oberraöbinet Chajes dürfte zwei bis drei Monate von Wien fernbleiben. Die Zahl der englischen Arbeitslose«. 10. Jänner, (Funkspruch.) Die Zahl der Arbeitslosen steigt in England und beträgt zürzeit bereits dreiviertel Millionen. Wiener Mvrgenzerrrms Die Sitzung des Großen zionistischen Aktionskomitees. Vschan, 9. Jänner. (Jüd. Korr.-Pur.) Die ExekuAve her zionistischen Organisation beschloß, die ur- ' > sprünglich auf den 8. Februar anberaumte Sitzung des Großen Aktionskomitees auf den 13. Februar zu verschieben. Die Sitzung wird vier Tage dauern. Kultusgemeindewahlen i« Mithrisch- Ostra«. Dreißig Zionisten gewählt. Mährisch-Ostrou. 10. Jänner. (Tel.-Komp.) Hier fanden gestern die W a hlest in den jüdischen Kultus" Vorstand statt, an denen sich sieben Parteien beteiligten. Insgesamt gelangten 60 Mandate zur Besetzung, von denen 30 auf die Zionisten, 22 auf die jüdischen Demokraten, 7 auf die Poale-Zivnisten und 2 auf die tschechischen Juden entfielen. Str Alfred Mond nach Palästina abgereist. L»iä»n>, 7. Jänner. (Jüd. Korr>Bur.) Der brttische Minister für öffentliche Arbeiten, Sir Alfred Mond, hat.sich gestern Über Port Said und Kairo nach Palästina eingeschifft. Die polnische So»ialdemokratie für eine demokratisch« Regiernng. Warschau, 10. Jänner. (Poln-Tel.-Agent.) Gestern fand eine Sitzung des Exekutivkomitees und der parlamentarischen Kommission der sozialdemokratischen Partei statt, die sich mit der durch den Rücktritt des Vizepräsidenten Daszyns.ki geschaffenen Lage und der Pariser Reife des Swatschess Pilsudski befaßte Man einigte sich dahiü, daß nur eine w r r k l i ch d e m okratische Regierung, an der keine Vertreter der reaktionären Partei teilnehmen würden, von den Sozialdemokraten unterstützt werden könnte. Die Konferenz sprach sich für ein wirtschaftliches Regierungsprogramm aus, das die Interessen der arbei-, teyden Klassen zu. schützen, und die Sanierung der Staatsfinanzen anzustreben hätte. Eine MaLrosendeprrtation in Moskau verhaftet. MpWagsch 10. Jänner. (Wolfs.) „Bttlingsk Tidende" meldet aus Helsingfors, der Rat habe eine in Moskau ein getroffene Abordnung v o n M a» trofen aus. Kronstadt verhaften lassen, die mit dtr Regierung über die Regelung der Prrbiantzufuhr für die Garnison in Kronstadt und die Flotte verhandeln wollte. Zwischen 5kronstadt ünb Moskau scheine ein sehr gespänn^s Verhältnis zu bestehen. Kalifornien gegen die Japaner. WafPirgban, 10. Jänner. (Funksprüch.) Der kalifornische Senat hat mit allen 29 abgegebenen Stimmen eine Entschließung angenommen, daß der Bundesregierung mitzuteilen fei, Kalifornien werde kein Gesetz, das Utt Japanern die Erlaubnis zum Erwerbe der amerikanischen Staatsbürgerschaft oder von Landbesitz erteile, anerkennen.? 11. Jänner 1921 6Vt& 3 Die Senatswahle« 1« Frankreich. P>Ms, 10. Jänner. (Havas.) Bei den Senats, wählen wurden 96 Senatoren gewählt; zwei Ergebt nisse aus den Kolonien sind noch ausständig. Mandate verteilen sich folgendermaßen: 3 Liberale der Rechten, 13 Progressisten, 30 Linksrepublikanvr^» 43 Radikale und Sozialistisch-Radikale und 8 sozic^^ listische Republikaner. Die Konservativen verlieren und die Radikalen und Sozialistisch-RädMlen 9. Sitzes die Linksrepublikaner gewinnen 8 und die sozialistischtzv^' Republikaner 5 Sitze; die Liberalen der Rechten Und"" die Partei, der Progressisten behaupten, ihre Mandate, Ackerbaummister Ricard ist im Departement Finr-i stete ünterlegen. -?! Paris, 10. Jänner. (Havas.) DieBlättet sM^,- fest, daß infolge des Ergebnisses dev gestrigen .Sen-atAwählen im Kabinett statt zwei nunmehr Ans SeM4 wren sitzen. Die Regierungsblätter betonen den 56»'" deutenden Erfolg der Ministerkandidaten, insbesondere' den des Finanzministers Marlal, der im ersten Wahlgang gewählt wurde. Sie stellen fest, daß die Gegner des Kabinetts vergebens eine Niederlage des nätio-; naten Blocks vorausgesagt hätten, der vielmehr etwas gestärkt aus den Wahlen hervorgegang-en sei. Fast alle! Blätter ziehen aus den Wahlen den Schluß, daß daA Land den Willen kund gegeben habe, eine Politik ' der Reformen und ihrer praktischen Durchführung in Ruhe und Ordnung weiterbefolgt zu sehen. DA' Blätter betonen den vollständigen Mißerfolg der KoM-, mumsten. ' . Eine neue „christliche" OppoMons« Partei. : :'h Dudapesr, 10. Jänner, Wie ,,llj Nemzede^ mHM haben die vor kurzem aus der Regierungspartei «v^ getretenen Abgeordneten, darunter Prinz WindisM graetz, Beniczky, Szmrecsanyi und Bitte. da^e r, gestern eine * vertrauliche Konferenz abg«^ halten, in der die Bildung einer neuen christlichem Oppositionspartei beschlossen wurde. Die Partei zählß bisher zwölf Abgeordnete als Mitglieder. Das Pvo>. gramm der Partei wird in der für das Ende dieses Woche geplanten konstituierenden' Versammlung ver«, öffentlicht werden. Abg. Lindauer erklärte, das Pro-« gramm stimme im großen und ganzen mit dem-iMs November 1918 veröffentlichten christlichsozialen Pro* gramm überein und werde bloß in mehreren inzwischen aktuell gewordenen Fragen ergänzt. Ein geheimes MM gramm habe die Partei nicht. - Die Wiener internationale sozialistische Konferenz. MmsbruS, 10. Jänner. Die von.bdp MnM/ Konferenz eingesetzte Kommission zur Vorbereitung dev internationalen sozialistischen Konferenz in Wien, .. hgp' vom 8. bis 10. Jänner inLnnsbruck getagt. Erschien««! waren: Dr. Adler (Wien), Grimm (Bern), Ledehomj (Berlin), Wallhead (Manchester). Der Vertreter. französischen sozialistischen Parier teilte telegraphisch mitj daß er durch unaufschiebbare Organisationsarbeit der« hindert sei, an der Beratung teilzunehmen, und meldete zugleich die Teilnahme der französischen Partei aw der. Konferenz in Dien an. Die, Konferenz beriet üheA, die Organisation der Wiener Konferenz und beschloß Thesen zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung der Konferenz. Die Beschlüsse und Thesen werden dÄ Psychoanalytiker mögen sich mit den konstruktiver» Einzelheii«i dieser Traumhandkung und mit ihrer Deutung beschäftigen; — für den Musiker ist ihre wiche Symbolik in der GegenDerstellung von Träum und Wirklichkeit, von Leben und Tob, von Vergangenheit und Gegenwart, von himmlischer und irdischer Liebe, ein siuchtbärtr Boden für dramatisches Leben. Neben diesen Kontrasten mag den Tondichter die bis zur Weißglut überhitzte und komplizierte Erotik des Etoffes mächtig angezogeü haben. Während in der ,^8iolanta" ein zwiespältiges Gefühl Liebe und Haß zu Älsonso in ber Erinnerung an die geliebte töte Schwester N ri raems w:rhrn' Üßt, sol in der to «N Stadt durch st Liebe zu einer Lebenden bist geistige Liebe' zü eArk Toten gesteigert werben, und damit die Tote selbst zu neitem Leben erwachen. Dazu glitzert und schimmert es im Orchester M flimmernden Aärben aüf. Um dann wieder dumpf Und schwer in die Vergangenheit zurückzuschauern.. Marietta begehrt nicht de» Kopf des Jochanaan auf ein^r Silberschüssel, sondern in orgiastlscheni Tanze die goldene Haarflechte einer Loten; auch scmst gemahnt e§ in den Trillern und Äläsorkiängl'n an Richarb Strauß, wie auch an manchen schwüle», überhitzten Farben tzeS örchefters Schreier ^.gezeichnet" häi. Ikorngold lebt eben als Kind seiner Zeit unter den Einflüssen seßrelt musikaUschen Ümgebungohne dabei seine eigene Telb» standigkeit irgendwie aufzugeöen. Die persönliche Kornq^ldsche Skruklür ist in jeder Szene der toten Stadt zu erkennen, zu der von der »Biolanta" ein gerader Heg nach aufwärts führt. Schon in der -Äiolania" hat Korngold Sie gleißenden Aarben, die breite, mitunter kombinierte Akkordik, breit ausladende Melodie und reiches dramatisches Leben. In den Gesängen PaulS und Mariettas pulsiert heißer, Temperament und leidenschaftliche Melodik, wobei die Verschiedenheit der Charakters scharf betont ist: Im Gesang, Pauls ist alles unbestimmt, gewissermaßen in unbekannte Fernen gerichtet, w der Nolle Mariettas singt das sieghafte Weibchen, das mit Sicherheit im Lang und im Naüsch vom Mann Besitz ergreift. Das U M IsiMtz in bm lükeu bis. SM Frivole grenzenden Szenen des zweiten Aktes getroffen, in denen sich die Tänzergesellschaft vergnügt. Da erklingt in den Serenaden und Pierrot-Liedern eine leichte, ja allzu leitbte Musik, die sich rasch »ns Ohr schmeichelt und dabei etwas ganz unwirkliches, traumhaft-groteskes an sich hat. — Diese Szenen sind sehr geschickt und kontrastreich eingebettet zwischen dem großen, prunkvollen Monolog Pauls, in. dem er unter Begleitung von tiefen Glocken» und Celestaklängen den Glocken, den «Beichtigern aus Etz", sein Leid cklaqt,. und der an blühendem Gesang reichen Schlußszene des zweiten Aktes zwischen Paul und Märiettm An der bewußten Ausnützung der Kontraste erkennt man immer wieder die bühnenkundige Hand deS jungen Tondichters. So ertönt im ersten Akt die ernste Akkordik der «Kirche der Gewesenen" und der resiguierte Gesang Brigittens,. um gleich darapf in der Erzählung von Pauls Begegnung helles, gegenwärtiges Leben hervorsprießen zu lassen. Er ersehnt den Traum der Wiederkehr und ein schwungvolles Motiv mit einer leuchtenden Nonne erklingt, so wie m der JBtokmto" «aus den Gräbern selbst die Toten" sich in Nonnen- und Septimensprüngen bewegen. Das traurig sentimentale Lied vom treuen Lieb, das in seiner rührenden Einfachheit am Ende der Oper wiederkehrt und eigen ergreifen-: den Abschluß bildet, hebt sich wirkungsvoll von dem folgenden Liedchen Gastons und dem' muschvollen, lebenstollen Sang Mariettas ab. Wie verklärt erklingt dann in weichen, erhebenden Akkorden Maries Bekenntnis ihrer ewigen, zeitlosen Liebe. Reinheit und-Unschuld atmet der Kinderchor, mäcbtig wirken die Prunkszenen mit ihren Glockenchören, wie das Vorspiel zum zweiten Akt und die große Prozession mit all ihrer musikalischen hieratischen Prachtentfaltung, in der daß tote BrüM wieder lebendig wird. . So reich und prunkvoll das Orchester auch auLqestattet ist, laßt etz doch überall der Singstimme Raum, sich frei und ungehemmt zu entfalten. Neben'dem Traumhaften, Prunk» haften und Effektvollen ist eö die große melodische Linie, die Korngold immer wieder bevorzugt. In einer Zeit, tn der. die Auflösung der musikalischen Form weitere Kreise. zi»ht, AiKL fcjc Religion HM Atonalen ossen getzreditzt wird, L-etM Korngold sein Bekenntnis zur Tonalität und zur göschlosienevs Form kräftiger als vorher. Er glaubt auch an die deutUchg Sprache des seelisch fundierten Gesanges, den er noch enbs' schiedener als in der «Violanta" auSbaut.! Mit der Wahl des Swffes und mit der Art der Ve« tonung hat Korngold augenscheinlich auf einen anhaltendst. PMikumserfolg hingearbeitet. Doch ändert dies nichts M/ der Kraft der Erfindung und an der hochstehenden und feinl ausgebildeten Technik, wie sie heute wohl .nur ' weniges Komponisten und keinem einzigen in Korngolds jungen, Jahren zu Gebote steht.;! f Oberregifseur Bymeial war Mit der JnszerrittüNg' dieser Tvaumoper Mit ihren vielfachen Verwandlungen und - Erscheinungen und dem gtoßen Aufzuge des dritten NkteSi'' vor schwierige Aufgaben gestellt, die für die heutigen hält»« niffe, da die Staatsoper, nicht mehr wie einst aus dem V^llen^ schöpfen kann, glücklich gelöst scherüen. Die Sänger köM' glanzvolle Leistungen, allen voran Frau Jetiha, für dte/' Äorngöld ja die Partie der Marietta geschrieben harte. Mik » ihrem künstlerischen Instinkt erfaßt sie alles Triebhafte dieser;^ Rolle und sang Mit ihröm wilden Temperament und khreq^ jauchzenden Höhe über alle Ünwahrscheinlichkeiten hl iweg/, Sfitt Öestwig lief dein rttüdein ausgepeitschtett Wul seM^ edle Stimme und Herr Mayr alö Wtz böt eirke an SchösißE" utid Fülle des Gesanges nicht 8» ÄbtrbkekÄide' Prüchitet^rng« Auch die Damen K i t t e l und R a j dl - soWK! Wiedemann, Maikl und GalloS gaben in ilernereN Stollen ihr Bestes. Direktor Schal & der gute HausgsistMM' Operntheaters, hatte die Oper .eiystüdiert. .Wd.,leÄch»^ynr ^' Umsicht und Temperament die"NÜSg^eichne^?MMWML^. Die Uraufführung dieses. Werkes des heimrHen MndE?E sollte nicht an der Staatsoper stattfmtzen, so hat: nD'daS.^s Publikum der Erstaufführung durch lauten Beifall uyhv zahln^^. reiche Hervorrufe des jugendftchen Tondichters iÜW Sänger fein Urteil über Äorngolds neue Oper fprochen» Dv Erwin Ielbev: