Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 701 (8.1.1921)
- Date
- 1921-01-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7Ö1 Wien, Samstag Oesterreichs mit Ungefähr 80 Millionen Franken ^b«- wefsen. Durch einen Kredit in dieser Höhe soll 'bas weitere Sinken der Valuta verhindert werden. Der französische Vertreter in London wirkt energisch dafür, baß England einen Teil dieser Kreditaktion auf sich nehme. Paris, 7. Jänner. (Häbas.) Der Direktor im Finanzministerium Tonnerh wird sich nach Oesterreich begeben, um dessen finanzielle Lage zu studieren Md darüber Bericht zu erstatten. Die westungarische Note der Botschasterkomferenz. Die Note der Botschafterkonserenz, in welcher Ungarn bis Uebergabe des Burgenlandes gemäß dem Friedensvertrag aufgetragen wird, liegt nun im Wortlaut vor. Sie ist an den Grafen Apponyi, als den Präsidenten der ungarischen Foiedensdelegation,. gerichtet und erklärt die Abtretung Westungarns als Derpflichtung der Alliierten. Gezeichnet ist die vom 23: Dezember datierte Note von dem. französischen Ministerpräsidenten Leygues. * In Wiener politischen Kreisen nennt man den 1 März als den Zeitpmrkt der Uebergabe WestungarnZ an Oesterreich. Die Alliiertenkommission in Oedenburg wird die Verwaltung nur formell für einige Tage übernehmen. Oesterreich wird den Sektionschef D a v y im Ministerium des Aeußern zum Gouverneur von Westrrygarn ernennen, der seinen Sitz in Oedenburg haben soll. Die ungarische Regierung hofft, daß ihr Oesterreich die seit längerer Zeit angestrebie Grenzkorrektur bei Zinkendors zugestehen wird, wofür Ungarn einen anderen Grenzort abtreten würde. Gin Steuerstreik der Arbeiter? Die kommunistische Partei hat mit einer lebhaften Agitation in drn Betrieben eingesetzt, die Arbeiter W veranlassen, sich die Einkommensteuerabzüge, -die jetzt, zum ersten Male vorgeno mmen werden sollen, nicht gefallen, zu lassen. Für diesen Steuerstreik haben sich, dey Mitteilungen beS Organs dieser Partei zufolge, die Arbeiterschaft. der Fiatwerke, der Autowerke Frvß-Büssmg, die Arsenalarbeitcr, bist Arbeiter bei Warchalowski, Elßler u. Co., der Lokornotivfabrik, der Simmeriirger Waggonfabrik urch nocheinige andere Betriebe ausgesprochen. Die vorgeschlagene und angenommene «Resolution lautet: Wir zahlen nicht eher Steuer, als bis es den Arbeitern möglich ist, von bsfn jetzigen Lohne sich wsrrigstenS die wichtigsten Bedarfsmittel anzuschaffen, und wir fordern, daß daS jetzige Gteuergeseh überhaupt tut die Nationalversammlung zurttckgesendet werde, damit diese das. Gesetz zugunsten der Arbeiterschaft umarbeite. Wie berichtet, hat bis sozialdemokratische Partei in einer Versammlungder Bertrauensmänner alle Anträge auf Steuerstreik mit großer Mehrheit abgelehnt. Novellierung des Haudluugsgehilfeugesetzes. Die im Vormonat begonnene Enquete Über die Gesetzentwürfe, b treffend die Aende ung des Handlungsgehilfengesetzes, wurde gestern fortgesotzt. Es gelangten bis Abschnitte über den GeltungSumfang des Gesetzes, über den Mindestlohn und über die Neuregelung her Kündigungsfrist, ferner die Bestimmungen, durch welche der Schutz der anhaltend kranken Angestellten verlängert werden soll, zur Verhandlung. Die Beratungen werden heute abgeschlossen. Bor Abschluß des englisch-russischen Handelsverträges. London, 7. Jänner. (Funkspruch.) Der Minister des Aeußern Lovd Curzon hat in einer Note an die russische Regierung die 'wiederholten russischen Vorwürfe, England sei an der Verzögerung der Ratifizierung des Handelsabkommens schuld, widerlegt und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Abschluß des Handelsvertrages bald zustande kommen werde. Der Entwurf deS Vertrages, den Kraffin nach Moskau mitnimmt, sei derart, daß mit Sicherheit angenommen werden könne, daß ihn die russische Regierung annehmen werde. _ Konzentration der russische« Gegenrevolutionäre. Part-, 7. Jänner. (Funkspruch.) Die hervorragendsten Mitglieder der russischen konstituierenden Versammlung, Sozialrevolutionä.v und Kadetten, werden sich unter dem Borsitze Tschernows in Papis vereinigen, Um Rußlands Würde und Interessen im Auslands zu verteidigen. Prllpdeut Masaryk konseriert Mt den Arbeiterführer«. Prag, 7. Jänner. (Tel.-Komp.) Wie die „Tcibuna" erfährt, beablichtigt Präsident Masaryk zur Arbeiterschaft in unmittelbare Beziehungen zu treten und fallweise in Konferenzen mit Arbeiterführern über kulturelle, WH- M'MWW und ÄlgemeiptzofttiW FrsM Wiener MorgenzeiLung 8. Jänner 1921 . Seite Die tuberkulöse l)«i!bar? Aufsehenerregende Mitteilung des Bizedtrektors des Pariser Pasteur-Iustitntss Paris, 7. Jänner.. (Havas.) Dank den geschickten und mühevollen Versuchen des Vizedirektors des Pasteur-Instituts Dr. Calmette, kann nunmehr die fucjite Menschheit verheißungsvolle, Behauptung aufgestellt werden: Die Tuberkulose bei den T i e t e n ist überwunden. Dr. Calmette beschrieb folgendermaßen seine Versuche: . Wir hatten in einem "Stalle fünf tuberkulöse Kühe und hinter ihnen zehn Stück Jungvieh eingestellt. Der Boden Des Stalles war derart geneigt, daß die tuberkelhaltigen Defekte die Streu und das Futter des gesunden Jungviehs ständig beschmutzten. Vier Stück Jungvieh dienten zur Kontrolle. Die sechs anderen wurden dünn mit einer intravenösen Injektion (in die Halsader) von zwanzig Milligramm Tuberkelbazillen, welche auf Glyzerinbouillon gezüchtet worden waren, behandelt. Nach einigen Tagen r m p s t.e man von Liesen sechs Tieren viermit vr? ulenien Tuberkelbazi H M. Diöse beiden Experimente wurden, jedes Jahr, das heißt dreimal in den vieruyddxeißig Monaten, die der Versuch dauerte, erneuert. AIS man M Tiere tötete, wurde festgestellt: Von den vier Jungtieren, die zur Kontrolle dienten und die niemals geimpft worden waren, befanden sich drei in einem Stadium fortgeschrittener Tuberkulose. Von den sechs Der-, suchstieren zeigten die zwei, die bloß die intravenöse Jn^ jektion erhalten hatten, starke Tuberkelknötchen, wähl rend die anderen vier, die dreimal geimpft wor-i den waren, trotz der Stallgemeinschaft mit den tu&er* kulösen Tieren und obwohl sie TuberkulininjektioneN erhalten hatten, nach vierunddreitzig Monaten keine Spur einer Ansteckung aufwiesem Dies ist somiL ein Beweis dafür, daß die Impfung die jungen Tiere vollständig immunisiert hatte. Die Arbeiten werden in der Zuchtstation an großen Affen ans Französisch-Guinea. fortgesetzt tyechen. ' , z Dr. Calmette schließt seine Feststellung mit .Len Worten: Wir stehen erst am Beginne, aber es eröffnen sich ungeheure Möglichkeiten, wenn Witz ■ auf dem nunmehr betretenen Wege fleißig sortarbertender vielleicht einem glänzenden Ergebnisse zuführt. - zr; d^battiexeni- V-on hi'Mm Vorhaben hah.ar di« Gewerkschaften dar.tschecho-slowakischLn fvzial'stischen Partei in Kenntnis gesetztzl und um eine lL'.ste derjenigen Arb-Mr«. fühver ersucht, welche.von ihm zu. diesen Konferenzen einzuladen wären. -r» WiLN§e GsMLlKderat. ■ Sitz««K vom 7; In der gestrrgeir Sitzung berichtete Mzebürgermeifler Emm e-r^rn g über ' die ' GaspreiKfestsetzung und Voraus bezählüng^und über eine Abänderung der'Bestimmungen für den Bezug e l e k irisch e r Energie Er stellte nach eingehender Begründung — unter ' anderem führte er in derselben die Entwertung der- Krowe, die teure Kohle, die ebenso wie die Lohne in den städtischen Werken voraüsbezahlt rverden müssen, folgend«-zwei Anträge: ,;, . Verrechnung und Zahlung für den Bezug elektrischer Energie. Der Betrag für die g «lieferte En er gi« ist bis auf weiteres fechs.wöcheNtlich im nachhinein, die Zähle «miete LjS auf weiteres, fechswöchentlichim vorhin ei n zu bezahlen,'iboch^ sind'die städtischen ElektrizitätN». werk« berechtigt, die Verrechrmng und das Inkasso auch-für' einen kürzeren ^Zeitraum vorzunehmen. DaS Cin° heben der 'fälligen Beträge ' erfolgt durch unifortnierte und legitimierte Kassenorgane. Unabhängig davon ist Lin von der Direktion der städtischen Elektrizitätswerke zu bestimmender, in der Regel dein Achtel deS letzten oder des voraussichtlichen Jahresverbrauches entsprechender Betrag im vorhinein lar zu bezahlen. Die näheren Bestimmungen über diese Vorausbezahlungen trifft der Stadtsenat. A l l e R 6 ch n u n g e n der städtischen Elektrizitätswerke sind bei Präsentation fällig. Wird eine Rechnung nicht bezahlt, so steht den städtischen Elektrizitätswerken das Recht zu, die weitere Stromlieferung unbeschadet ihrer' übrigen Ansprüche einzu st eilen. Die Zahlungspflicht wird durch eine eingebrachte Reklamation nicht aufgehoben. Die Verrechnung der von A f t e r m i e t e r n bezogenen elektrischen Energie kann grundsätzlich nur an den WohnungSinhaber erfolgen. i GaSPreisfestsetzttttg und Vorausbezahlung. 1. Der Gaspreis deS in der ablaufenden Gasabrechnunqs-- periode (Mitte November bis Ende Dezember 1920) abgebenen Gases wird mit K. 7.80 per Kubikmeter festgesetzt. 8. Der GaspreiS für die folgenden Gasabrechnungsperioden ist rückwirkend zu ermitteln, und zwar beeinflußt a) jede Aenderuntz der Kotzlenkostey um 10 Kronen per Tonne den Gaspreis um 1.6 Heller per Kubikmeter, b) jede Aenderung der Personal- und übrigen Kosten, auf den Tag gerechnet, um 10.000 Kronen den Gaspreis im Zeitabschnitt vom 16. August bis 15. November um' 2.6 Heller, vom 16. November bis 14. Februar um 2.1 Heller, vom 16. Februar bis 15. Mai um 2.4 Heller, vom 16.' Mai bis 18. August um 3.1 Heller per Kubikmeter. 3. Der für jede GaSvechnungsperiode rückwirkend gemäß 1 und 2 zu ermittelnde Gaspreis ist dem Stadtsen-rt zur Genehmigung vorzulegen; der spätestens innerhalb acht Lagen zu fastende diesbezügliche Beschluß ist im Amtsblatt der Stadt Wien zu veröffentlichen. 4. Punkt 9 der Gasbezugsbedingungen hat in Hinkunft zu tauten: »Alle Rechnungen der städtischen Gaswerke sind beim erstmaligen Vorzeigen fällig." Der für das bezogene Gas entfallende Betrag wird sechswöchentlich im nachhinein verrechnet. Unabhängig davon ist ein von der Direktion der städtischen Gaswerke zu bestimmender, in der Regel dem Achtel deS letzten oder des voraussichtlchen Jahresgasverbrauches entsprechender Betrag im vorhinein bar zu bezahlen. In der folgenden Debatte übten die Christlichsozialen scharfe Kritik an den Vorlagen, welche sie antisozial bezeichnen. Sie würden eine neuerliche Teuerungswelle im Gefolge haben, obwohl die Sozialdemokraten sich angeblich immer für den Preisabbau einsetzen. In Wahrheit üben und bsgün- Jtigen |iü Mn dic Preistreiberei. Schließlich beantxagtetz sie durch ihre Wortführer Änige -Abänderungen in der Vor. tage. . Gemeinderat Roth» der' Präsident der Hausherrenvereine, verstieg sich zu der Drohung, daß, wenn von Letz Vorausbezahlung nicht abgesehen und den Hausherren nicht , eine Ermäßigung bewilligt würde, diese zu Mtteln greisen würden, welche der . , Gemeinde einen Schaden von hunderten Millionen /: eintragen würden. Der Redner sägte zwar nicht ausdrücklich,, was die Hausherren für den Fall planen, wenn ihre Sorbe* / rung,nicht,erfüllt wird. Nach der Stimmung aber, Die-iw.- den, Hausherrenkreisen zu walten scheint, hat ■ er offenbar; auf / die „Steuerverweigerung" angespielt. „ <; Die Deutschnationalen verurteilten ebenfalls' aufs,'^ schärfste dis Bestimmung der „Vorausbezahlung" des GaStz''"^ Preises, welche sie als unmoralisch Lezeichneten. ' Nach.mehrstündiger Debatte, an welcher.Ldr demjokrätz /leilWhB,. .wurden die Nntryge des/Ms«rsnte»i// welcher in - seinen Schlußausführungen all« Erüwävpe:' und! Angriffe zurücktvies, gegen die Stirnmen der. .ChrtstlichMiU^v' und Deiltschnütionalerr ängenonnnen». •' ' r; * ’ f-'-r'^- ' \; Die Subventionen. ' - Zu einer sehr lebhaften Deöatts. kam es nach 'LsM, Referat der Gemeinderätin. Sei de l über Subventionen iprf'^ Gesamtäusmaß von 8,763.950 Krönen. Die Referentin be->' tonte Nämlich in ihren Ausführunger^ daß vor^ nun an alle . konfessionellen Schulen und alle nationalen Parteiorgans sattonen. .von/ kormnunälen Subd^tionsn ausgefchlossän und' nur sogenannte '„neutral^ Vereine bedächt Werders fölwst/ Dies gab den christlichsozialen Rednern Anlaß, unter njamenr.^ licher Anführung von zahlreichen charitativen Vereine^, den. Sozialdemokraten vorzutverfen, daß sie in d!er Auswahl der. zu subventionierenden Vereine sich von parteipolitische^ Rück-.- sichten leiten ließen und die christlichen Organisationen aus- ., geschlossen haben. . Ihnen erwiderte GemeinberaL Ma^ Winter unter stürmischem Deisäll seiner Parteig«noss«runbf.,^. unter ebenso lebhaftem Protest der Christlichsozialen, daß di« frühere Gemeinderatsmajorität die jetzige Minorität durch volle 25 Jahre ihrer Herrschaft nur - christlichsozialä. v Vereine subventioniert und alle sozialdemokratischen Verein« davon ausgeschlossen habe. Dieses System müsse nun aushör«n.. -- Die Tschechen hatten durch ihren Sprecher Machat di« Subventionierung von drei tschechischen Vereinen, beantrag^ Während der Vorsitzende alle christlichsozialen Anträge, ab- . L, wies, wurden die tschechischen Anträge der geschäftsordnnngs^ mäßigen Behandlung zugewissen. Dies löste bei. den Christlichsozialen die üblichen Tumultszenen aus. / -. P-« Die Vorlage wurde unverändert angenommen und di« Anträge der .Christlichsozialen abgelehnt und die Sitzung, geschlossen. Kleine Palästtna-NachrichLen. Feldarbeit. Im Kreise Jerusalem hat man na^ der Regenperiode bereits mit dem Ackern begonnen. Die Wasserröhren wurden geveinigt und repariert. .Ein! Viertel des landwirtschaftlichen Bodens wm Jericho; ist bereits durchackert. Di« Orangen- und Zitvrnen-. / ernte' ist fast doppelt so groß als im vorigen Jahre. Grippe. Da sich in letzter Zeit die Grippe itt bv« sorgniserregender Weise in Jerusalem verbreitet, hat. die Leitung der Aerztegesellfchast Hadassa ein Runb-i.. schreiben erlassen, in dem die rptweMgen VorsichlAf maßregeln zur allgemeinen Kenntnis gebracht werden-, Die Krankheit nimmt einen milden Verlauf bis jetzt sind nur wenige Sierbesälle zu verzeichnen. \ SchifftchrtSfvagLU« Aus der letzten Sitzung deH' Jerusalemer Handelskammer wurde mitgekeilt, daß bi-oi Regierung bei Untersuchung dar großen Demrung; hetz notwendigen Lebensmittel feftgesteM habe, daß dtztz Teuerung keineswegs ihren Grund in Preistreibtzreß habe. Nach längerer Diskussion über r W, Frage der hohen Transportkosten wurde beschlossen, auf die englischen Sch sfahrtSgesellschaften einzuwirken. Mit ihren Frachtpreisen herunterzugehen, umsomehr, als di« Schiffe der ehemals feindlichen Länder berLüs M L0M«n Lütten«, mit .te mlM-n , M