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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-07 · Heft 700 (7.1.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 700 (7.1.1921)
Date
1921-01-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Dien. Freitag Wiener Morcsenzeitung 7. Jänner 1921 Nr. 7pO Unbesonnenheiten zu verleiten. Die Zahl der Opfer, hat sich leider auf vierzehn erhöht. In einer gestern abends abgehaltenen Sitzung der ■ Vorstände l:r Gewerkschaften sowieder Partcivcustände der S- P. D. und U. S. P. D. wurde mit sämtlichen gegen neun Stimmen eine Entschließung angenommen, worin jedes fernere Zusammenarbeiten mit dm Kommunisten abgelehnt und zum Ausdruck gebracht wird, daß das Verhalten der bis aufs Blut gereizten Sicherheitspolizei verständlich und gerechtfertigt erscheine Außerdem wurde ein Antrag angenommen, worin die Auflösung des revolutionären Arbeitslosenraies und die Wahrung der Interessenvertretung der Erwerbslosen durch die Vertreter der freien Gewerkschaften gefordert werden. . Die DerwLlLrmgsorganrsaLioA ln der SLswakei. Der „Slov. Dennis meldet, daß in der Slowakei sechs neue Gaue errichtet werden. Der künftige Preßburger Gau würbe um einige Bezirke des alten Gaues Neutra und um einen Teil des Gaues Komorn bis zur Stadt Komorn erweitert. Der neue Neutra r Gau würde sich aus dem Kern des alten Gaues Neutra, aus der Gauexpositur in Goldmorawetz bis zur Waag -und ans der neu errich eten Gauexpositur in Parianyz-siannr.enfassen. Der Wagramer Gau würde aus den Gauexposituren von Trenczan, Turczan und Orawa bestehen, der Gau Soolin aus dem alten Gau Svolin, aus der Expositur in Lewitz und Losonz, der Gau unterhalb der Tatra würde die Gauexpositur in NtmaSzabadka in sich fassen. Der Kaschauer Gäu hätte seinen Kern im alten Gau Abanj sowie Expos'turen in Eprries und Michalowitz. Die neue Gauordnung müßte bis zum 1. Jänner 1922 ins Leben treten; i:n Jahre 1921 hätten die Zupane und Chefs der Gauexposituren wie bisher zu arbeiten. Die Gauexpcslturcn würden auch im Jahre 1922 bleiben, allerdings mit dem Unterschied, daß die Chefs der Gauexpcsiturcn, die außerhalb des' Sitzes der Gaue liegen, langsam die politische Verwaltung ihrer Gaue liquidieren und sie in den Sitz der Gaue übertragen. Die Wahlen' in die GauauSschüsse könnten in den ersten Monaten 1922 erfolgen. _ Tätigkeit und ZrekimftsprograMM der „Erwachenden Angarn". In dem ungarischen Blatte „Magyarsag" gibt einer der Direktoren des Verbandes der „Erwachenden .Ungarn" einen Tätigkeitsbericht dieses zu so trauriger BerühmttzxiL gelangten weitzterroristischen Verbandes sowie dessen Zukunftsprogramm, dem wir die folgenden Stellen entnehmen: Ter Verband der „Erwachenden Ungarn" hat sich nach den Revolutionen mit einer Mttgliederzahl von 15.000 Köpfen auf die nationale Wiederaufbauarbeit geworfen. Heute zählt der Verband bereits eineinhalb Millionen Mitglieder, von denen ungefähr 100.000 auf die Hauptstadt entfallen. In Tatabanya arbeiten '1200 Bergarbeiter in unserem Sinn, in Vrrda- Pest sind die Eisenbahner, die Straßenbahner und die Kleinhändler auf den Märkten bei uns organisiert. In der Provinz haben wir rund 200 Ortsgruppen. Das Ziel unteres Verbandes ist die Erweckung des nationalen Selbstbewußtseins und des ernsten, kräftigen Antisemitismus. Wir erblicken unsere Ausgabe nicht nur im Reden, wir tragen unser Programm in das praktische Leben hinein, wofür als Beweis die Tatsache gelten kann, daß wir schon viele hunderte Menschen auf verschiedene Posten und Stellungen gebracht und vielen zu Trafiken und Gewerbekonzessionen verholfen baden. Beweis dafür ist auch unser, zähes Vorwärtsdringen. durch welches den „fremden" Elementen der Boden unter den Füßen entzogen wird. Ein schhncs Beispiel hiesür hat unsere Debrecziner Organisation geliefert, als sie die den jüdischen Kaufleuten ab genommenen Geschäftslokale christlichen Bewerbern gegen leichte Teilzahlungsbewilligungen überwies. Wir besitzen in der Hauptstadt ein großes Wochenblatt,.sieben im eigenen Verlag erscheinende und zwanzig als unsere offiziellen Organe anerkannte Blätter. Durch planmäßige systematische Propaganda werden unsere Mitglieder dahin erzogen, auf wirtschaftlichem, literarischem. künstlerischem und auf dem Gebiete der Presse sich nach christlichnationalen Gesichtspunkten zu orientieren. Die Tätigkeit unseres Verbandes erstreckt sich auch auf die ausländische Propaganda. Wir stehett in engster Kooperation .mit dem deutschen Schutz- und T r u tz b u n d, und wir hatten großen Anteil an der Einleitung gesinnungsverwandter Bewegungen in Schweden und in Amerika. Das reiche Material unserer jüngst abgehaltenen Präsidialkonferenz wuroe in sechs Sprachen übersetzt und an alle gebildeten Nationen versandt. In Zukunft soll unsere Tätigkeit noch mehr ausgebaut und vervollkommnet werden. In Vorbereitung befindet sich unsere große Gewerkschaft. Bischer und Flugschriften werden demnächst in Truck gehen, die bedeutendsten deutschen antisemitischen Schriften, werden übersetzt. Wir schreiten zu einer, gründlicheren Arbeit, die es verhindern soll, daß die christliche Politik von ihrer ursprünglichen Richtung abgelenkt werde. Karolyis Vermögen ÄsnfisZiert. \ Budapest, 6. Jänner. Wie .Pest: Hirlap" meldet, steht die Konfiskation des Vermögens des Grälen Michael K a r o l y i auf Grund des Gesetzes, betreffend LalLrlrmdsverräter, bevor. Der kntwaMullgskonMt. Konferenz der Alltterten-Premiers am 11. Jänner. Paris. 5. Jänner. (Havas.)' Die Botschafterkonferenz, die durch General No kl et in-Kenntnis gesetzt wurde über die Vergehen, die sich Deutschland in der Ausführung des Vertrags von Versailles und des Protokolls von Spa zuschulden kommen ließ, hat in ihrer am 27. Dezember abgelastcnrn Sitzung b schlossen, diese Frage den verbündeten Negisrungen zu unterbreiten. Gleichzeit''gHat iie Marschall Foch ein geladen, einen Gesamtbericht über die Abrüstung' Deutschlands 'in dem gegenwärtigen S-an"e auSznarbe'ten. Dem Text' des Protokolls Üon SW-MksMkheud, das den 1. Jänner als letz en. TerOiGfstr.M;-Ausführung..der b e u t s che n Verpfl i ch tun g e n'. angegeben hatte, hat die französische Reg'erung um'31. Dezember an den den'scheu Botschafter in;.Paris eine Note gesandt, wo nn erklärt'wird, daß sie davon Kenntnis habe, baß verschirdene Bestimmungen vdN''Deütsch/and noch n'cht vollständig du'ch esi'chrt worden seiest. Die f-anzös'sche Negierung verständig e gleichzeitig die verbünderen Negierungen von der Ueberreichung dieser Note und erklär.e, wie vorteilhaft es wäre, wenn eine Zusammenkunft der, Ministerpräsidenten stattf'inde, und zwar so sch röll als ttrögstch. um zu entscheiden, welche Haltung Deutschland gegenüber eingenommen werden müsse. Diese Ar sicht hat inLen.ihrrbündeten Hauptstad :en günsti ge Aufnahme gesunden. Der gfranzösische Ministerpräsident hat dem britischen Premierminist r den V rsch ag zu einer Z u s am m e n k u n f t i n P a r i s zwischen dem 7. und.12. d. M. gemacht. Das Londoner Kabinett, das den Bericht des Marschall Foch am 2. Jänner erhalten hatte, gab bekannt, daß es die Einladung zu einer Versammlung des Obersten Rates in Pa: iS gerne annehmen würde, daß jedoch weder der Premierminister noch -der S aatSsekretö.r für Auswärtiges sich am 7. Jänner von London entfernen könnten.. Die, englische Regierung/schlage daher vor^ daß die Zusammenkunft am' 12t Jänner statt finden solle, das heißt, sobald die französische Neg'erung ihre Verbindlichkeiten, die ihr die - Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbritrn srwie' die Reise des Marfchalls P ils u d s k i nach Paris, auferlegen,. nachgekommen sein wird. Was Frankreich, anbelangt, so nimmt letzteres gerne, das vorgeschobene Dalum an. Auch die übigen Kabinette haben sich aus dieses Datum geeinigt. . „Petit Paris'en" teilt aus bevollinäch igter Quelle mit,-daß noch niernals-b-sher die-Beziehungen zwischen den beiden Regierungen freundschaftlicher und vertrauensvoller gewesen seien..In dieser Hinsicht werde der Oberste Rat unter den besten Vorzeichen $uiammiene’ treten. Die öffentliche Meinung Englands sei weit davon entfernt, den deutschen Forderungen in der.Frag« ' ter Entwaif uug irgend vie gÄ.'igt zu sein; inr Grgenteil, sie fordere mit aller Entschiedenheit, wie das französische Volk die Durchführung der Bestimmungen von Versailles und Spa. Der Londoner Be ichberstatter des ,.Matin" meldet:. Dis Besprechung der Min'storpräsideuten wird sich auf folgende sechs Punkte erstrec^n: 1. Zerstörung und, Verminderung der Rüstungen Deutschlands, 2. Reichs-- wehr oder stehendes Heer, 3. Sicherheits- und Ordnung^poli^ei, 4. Einwohnerwehren, Or ge sich und ankere Freiwilligcno ganisa.ionen, 5. Einschränkung, der Bestückung deutscher Festungen und 6. Auslieferung der Fabrikationsgeheimnisse für Sprengstoffe und Gase. Die Londoner Kreise geben sich keinerlei Täuschung hin über die Tatsache, daß ein gewisser Teil des deut.chen Kriegsmaterials den Nachforschungen der Kontrollkommission entzogen worden ist. Es wurde beispielsweise festgestellt, daß eine „Berta" (42-Zcntimctrv- Eeschütz), noch nicht abgeliefert worden ist. Ebensowenig konnte auch nur ein Stück der neuen Feldkanonen von 77 Millimeter Kaliber, neuesten Modells, das gegen Ende des Krieges geliefert wu.de, ausgefunden werden. Was den Punkt 2 betrifft, so wisse die englische Regierung genau. daß das erzielte Ergebnis den Erwartungen nicht entspricht. Sie ist daher mehr als je entschlossen, eine wachsame und entschiedene Beaufsich.igung durchzüsühren. Die Auflösung der deutschen Heimwehren. Bis Ende 1821. Paris, 6.. Jänner. (Tel.-Komp.) Nach einem Bericht des „Matin" tritt die englische Negierung dafür ein, Deutschland für die Auflösung der Einwohnerwehren gewisse Fristen einzuräumen. Und zwar ' sollen die Verbände in Abständen von^drei Monaten entlassen werden. Bis Ende 1921 müßten alle Verbände aufgelöst sein. Diese Stellungnahme der englischen Negierung sei besonders mit Rücksicht auf die d r 0 h e n d e G e f a h r d e s Bolschewismus, diktiert worden, da man in englischen Kreisen glaubt, daß Deutschland im Falbe eines etwaigen Zusammenbruches der polnisch-rumänischen Barriere sich dem Vormarsch des Bolschewismus nach dem Westen folg reich widersetzen werde. Wie der. „Matin", hiezu bemerkt, findet dieser Standpunkt in französischen diplomatischen Kreisen den heftigsten Widerspruch. ' Die OpLion. Die Optionk'fr'st erlischt am 15. Iänner 1921. Optieren kann jeder, der aus einem Gebiete des früheren Oesterreich-Ungarn stammt. Das Opti0nsrecht kannyon allen,Personen männlichen oder weiblichen Geschlechtes auZgestbt werden, die am*16- Juli 1920 das Alter von 13 Fahren erreicht haben. Die Option des Ehemannes .^rstrHL.'E^''-Wirkung auch auf die Gattin, die des Vaters auf die. Kinder unter 18 Jahren. Die Anmeldung der Option ist stempelfrei und erfolgt für Personen, die in einer deutschösterreichischen Gemeinde wohnen, mündlich oder schriftlich bei der politischen Behörde (Magistrat, Stadtrat, VezirkShauptruannichaft). Der Optionse.klä' UNg müistn Leigelegt werden: Heimatschetn, Geburtsschein (bei Ver-! heirateten auch Trauschein, sowie .Geburtsscheine der Kinder). Nachweis des Wohnsitzesin Deutschösterreich (Meldezettel) und der deutschen Schulbildung- (Bolksschulzeugnisse). Wer österreichischer Staatsbürger werden will, versäume die Optionsfrist nicht! Die AeSergake WesLurrgarrrs. E ne SBf.tnttttg der Entente an Nrigctrn. „Vecsi Magyar Ujsag" meldet, baß die Wiener Ententemijsionen den ungarischen Gesandten Dr. Gratz von dem Inhalt der EnL-'ntettbLe an Ungarn bezüglich der Uebergabe W.'stungacns mit der Aufforderung in Kenntnis gesetzt haben, diese M'tte'.lüng dringendst nach Budapest gelangen zu la,'sen./Dicse Note enthalte auch eine Warnung an Ungarn, j-öbest übereMn Schritt in der westuugarischen F^-'age zu unterlassen. Ungarn wird hiehei beionders da.auf, ausmerksam gemacht, daß etwaige Retor,ionen gegen Oester.e'.ch auf din Gebiete der Lebensmittelli-eserung als ein gegen die Entente gerichteter unfreundlicher Schri.t mit Sketorsior.en gegen Ungarn beantwortet wü den. Es wurde bei diesem Anlaß, noch.nais betont, daß die UcbernahmerWestungarns von Ungarn und die Uebergabe an Oesterreich auSscht'eßlich von En.eitteossrzieren dürchgeführt werden wich. / Oesterreichs BedrLngnis. Lovdon, 6. Dezember. (Reuter.) In einem „Oesterreichische Bedrängnis" betitelten Lei Artikel führen die „Daily News" aus, daß Großbritannien und Frankre'.ch allein imstande seien, wirksame Schritte zur Rettung Oesterce'.chS aus 'seiner verzweifelten Lage zu unternehmen. Nach Ansicht kompetenter Autori- > täten müsse jede oraauiiierte Reaierung in vier bis fünf Monaten gänzlich' znsammenvrechen und dieser Katastrophe würde nahezu mit Gewißheit die Besetzung des österreichischen Gebietes durch' die H e e r e der N a ch b a r st a a t e n folgen. Falls es noch' möglich sei, Oesterreich mit nicht übertriebenen Kosten zu retten, so sei es ein Interesse sowohl wie eine moralische Pflicht Großbritanniens und Frankreich, dies: zu tun. ___ Kimschak über die „Ostjudenfrage". In einer christlichsozialen Versammlung in Hernals hak gestern Abgeordneter Kunschak den geehrten Spießbm'yern seine Ansichten über politische und wirtschaftliche Tagesfragen ausemandergesetzt. Dabei kam er unter anderem auch auf die „Ostjudenfrage" zu sprechen. Er warf den Sozialdemokraten, die es wuhrlich in diesem Falle nicht verdienen, Laxheit in der Delogierung und Abschiebung jüdischer Flüchtlinge vor.' (Herrn Sever geschieht da bitteres Unrecht!) Die christlichsoziale Leuchte sparte überdies nicht mit Verleumdungen. die nicht einmal in Hernals geglaubt werden. Kunschak führte aus: Die Sozialdemokraten behaupten, die christlichsoziale Regierung könne in dev Ostjudenfrage die Entscheidung herbeiführen. Das Gegenteil ist durch niemand anderen als durch den Bürgermeister von Wien in seiner Eigenschaft als Landeshauptmann durch einen Erlaß an den Polizeipräsidenten aufgezeigt worden. Die Ostjuden können nur nach den Bestimmun,gen der Fremdenpolizei behandelt, werden und deren Handhabung ist nicht die Sache der Staatsregierung, son» dem die der Landesregierung. Ich gebe zu, daß die Situation bereits eine sehr schwierige geworden ist. Der frühere Landeshauptmann Sever und der jetzige Lan- * deshauptmann von Wien haben in der Ostjudenfrage. nur mit papierenen Erlässen gespielt und mit deren Durchführung niemals Ernst gemacht.^ Monate sind so ungenützt verflossen und jetzt sind die Vestimtnungen des Bundesvertrages in Kraft getreten; jetzt ist der Augenblick der Option gekommen, jetzt können auch die Ostjuden auf Grund des Friedensverirages verlangen, daß sie als österreichische Staatsbürger anerkannt werden. Sie brauchen nur den Nachweis einer deutschen Schulbildung zu erbringen, um das Recht der Option für Oesterreich zu erlangen. Einen solchen Nachweis zu fin.gieren bietet, jedoch einem Ostjuden natürlich keine Schwierigkeit. Tie weiften Ostjnden stammen aus Gemeinden, die im Kriege zerstört worden und wo auc^ die

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