Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 700 (7.1.1921)
- Date
- 1921-01-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis 23 Kronen Pran«meration»preifer Wie«: N«nn Slbhelni m »er Exveditio«, 2. Bezirk. Tabor» strafte i bis oder in einer SersidlrMefie -Trafik!: Monatltrb. . Kronen Vterteljäkirttch .. im- Mit Bostoersairb 'Sr Wie» nn» 4, Ctfftcmltft: Monatlich .. lkronen LO.- Tickiecho.Llowakri: Mpnatttcl, . . Kronen Bixri-Mibr-lrih », - vrtscheqo-slowakisrkierWSHenns Ungarn Monatlich .. Kronen SO.— lvtert ljattrlich „ n<>.- to »nganicker WSdrung ^ugoslawte«: Monatlich . . Dm« vietteltalrrltch » •'•4.— Kr. 700 rener Wien, Freitag den 7. Zönner 1921 in mi n ■maiiwiii^ii.iqniwami&yg-iiii mrnrmi liiiii \i mn Einzelpreis 25 Kronen Pränumerationspreise Polen: j Monatlich .. Mart SOW iüierteliabrlich „ 150^ in polnischer Währung Deutschland: Monatlich. . . Marl 10, Frankreich: Monatlich . . ssrancS 0.-^ Italien: Monatlich .... Lire 0. Rumänien: Monatlich . . , Lei 15««^ Echwekz: u. bat übrige Auslands Monatlich . . . Francs 2.—^ RedaktionAdministration Wien.ü.Be,..Taborstr.t—9), relephone: 440 K, 4331». ab « Uhr avendS Nr.»« Ol ivostsvarlassentonto L80*69Sj »♦4 ■J 3. Jahrgang -- *äm,mmn„m mmk damit nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, an dem Ausbau und an der Vervollkommung der Ideen deS Völkerbundes aktiv mitzuwirken, an . der Ausgleichung der Gegensätze mitzuarbeiten und dem Wiederaufban der Kultur sowie der Aufrechterhaltung des Friedens seine Kräfte zu widmen. Jeder Satz dieses Pflichten-- komplexes wird durch die aktive Freundschaft mit Horthy-Ungarn in sein. Gegenteil verkehrt. Wenn Doktor Mayr dies erkannt hat und sich von den gegebenen Voraussetzungen nicht durch die Befehle der Bürgerkriegs- Hetzer abdrängen läßt, ist es gut für Oesterreich. Friede, Wirtschaft und Ordnung, aber keine Bündnisse! Die ö$ferreicl)iscbe ZtaakMZchalt vor öm LmMMOmch. Der Bundeskanzler bei den ENtenteNertretern. Geständnisse. « —y. W i c n, 7. Jänner. Dem öitereichischen Staat kann gegenwärtig nurt von denen geholfen werden, die heute das Schicksal der Welt in ihren Händen halten und' die. durch die Schaffung dieses Staates die moralische Verpflichtung für seine Erhaltung auf sich genommen haben. Diese Konstatierung, die der Bundeskanzler in seinem.vorgestern erstatteten Exposee vorgenommen hat. bedingt die Zwangsläufigkeit unseres Handelns. Oesterreich muß sich in seinen Lebensäußerungen den Vorschriften anpassen, die ihm von den Mächten gemacht werden. Dr. Mayr, der christlichsoziale Kanzler, nimmt-mitdieser Erklärung die Richtlivien feines ^sozicüdemokraLlichen Vorgängers Dr. Renner wieder auf. Nicht aus freiem Entschluß, sondern unter dem Zwang der Tatsachen, die vor allem ln der Handlungsweise des mit so inniger, gesinnungsverwandter Liebe gesuchten Ungarn liegen. Tie westungarische Frage ist über Nacht zu einer' empfindlichen Erprobung der neuen Freundschaft geworden. Die Mächte hatten die Ausführung des Friedensvertrages noch vor dem Eintritt des Frühjahrs, das. ihnen neue^ schwere Konflikte mit Rußland bringt, ins Auge gefaßt, um wenigstens in ihrem Machtbereich klare Verhältnisse zu schaffen. Sie erwägen aus diesem Grunde die Kredithilfe für Oesterreich und dessen wirtschaftliche Stäpknng durch das westungarische Gebiet, dessen Abtretung ihre und Ungarns Unterschrift trägt. Der Antrag zu dieser beschleunigten' Abtretung ist nicht von Oesterreich ans- . gegangen. wenngleich die christlichsozial^ Presse in allzulauttznr Jubel vom einem Erfolg des^ KabmetLK Mayr - gesprochen hätte. Dieser Lärm hat in Ungarn, dessen Regierung über die Klippen rasch und still hinwegzukomm.en bestrebt war, sehr empfindliche Nerven berührt. Steckt man dazu so viel schönes Geld in die bodenlosen Taschen der Wiener Freunde, daß sie bei der ersten Gelegenheit die Vorsicht vergessen? >, Die Christlichsozialen, die in dem Bunde zwischen Frankreichs Reaktionären und den Horthysten der Tritte spm wollten, hätten aus ihrer ungarischen Extratour allerlei schöne Hoffnungen gezogen: Aufrichtung der Dynastie. Krieg gegen die freisinnige Tschecho-Slowakei. Konspirationen mit der Nadic-Grnppe in Jugoslawien, um den Verband des schismatischen S. H. S.-Staates zu sprengen. Verbindung mit dem Preußen- und protestantenfeindlichen Bayern. Vor allem aber Sturz des republikanischen Systems daheim. Dieses Koüzept verdirbt ihnen jetzt, die Horckhy-Regierung, -deren politische: Bau ins Wanken gekommen ist und die Westungarn Mittel benützen mutz, sich wieder populär zu'machen Hyd die schimmernde Rüstung des Vaterlarrdsretters anzüziehen. 'Die wortreichen Entschuldigungen, die Herr Dr/Mayr in seinem Exposee vorbringt, um Ungarn von der Loyalität seines. Staates zu' überzeugen,' - beweisen die gedrückte Stimmung, seiner Partei. Man hätte die großen' Tiraden -Ungarns, sein' .-Niemals!"- allzu vertrauensvoll angehört. -Der Befehl der Entente schafft reinen.Hsch. und.zwingt Herrn Mayr, das Wesen seiner Politik, hinter der er schon die Bajonette der trcms- 'leithanischen Raubritter glänzen sah,-zu ändern. Er drückt das in dem sauren Entschluß aus, „den jeweils gegebenen Voraussetzungen die zutreffenden Maßnahmen anzupassen... Lassen Sie erst jene Voraussetzungen sich andern, dann werden Sie auch mich mit Freuden neue Möglichkeiten wahrnehmen sehen." Mit Freuden! Aber dhr wohlersonnene Plan, mit Hilfe Ungarns, dem man als Dank die Deutschen im Burgenland opfert, die Monarchie wieder äufzurichten und Oesterreich zum Auf- ^marschräum der Weltreaktion zu machen, hat jetzt ein Loch^ bekommen. Italien, Jugoslawien, die Tschecho- Slowakei erheben schärfsten Protest und' drohen mit der Blockierung Ungarns. Das sind die gegebenen Voraussitzungen, denen Oesterreich sich anpässen muß. '' Die neue Negierung der Siegertckrtei hat sich durch ihre vor den bekannten und unbekannten Geldgebern übernommenen Verpflichtungen dazuverleiten lassen, die Politik der Nichtpolitik zu 'verlassen. Sie hat sich auf daS glatte Parkett des Großmachtspielens hinansgewagt und muß jetzt wieder an die Mächte uMelhercn und sie an ihre moralische Verpflichtung ermnern. Aber Oesterreich hat selbst moralische Pflichten, und deren stärkste liegt darin, den kleinen hungernden Staat dem Wellenschlag der großen Politik fernznhalten. Oesterreich aebört dem Völkerbund an und bat Amtlich wird gemeldet: Der Bundeskanzler hat in den letzten Tagen in Begleitung der Bundcsminifter für Finanzen und Volksernähr^ng bei den in Wien akkreditierten Vertretern der Großmächte vorgesprochen, tun.ihnen die sich : immer kritischer gestaltende ftaatssinanzielle Lage anseinanderzusetzen. Diese Lage werde, wie er aus.ührte, dadurch gekennzeichnet, daß schon in allernächster Zeit neue, in der sich stetig steigenden Teuerung begründete Gehaltsforde tu ngen der StaatsangesteLieii lbevorstehen, deren Desriedignng eine neuerliche Entwertung unseres Geldes hcrbeiznführen drohe.' Die StaatSaNsgaben hätten sihin letzter Zeit derart gesteigert, däß mit, Wrük Z u sam m eü Ü rn ch S t aaLswrrLschaft in allerkürzester' ZeiL Einberufung einer Verkehrs- Konferenz. . Genf, 5. Jänner. Der Vsrsitz des lnrrt Wefchlnft der V'öLkssSAndrrer'NMmlung für Ende Ftzhrrmr nach VareeLona emderufenen Verkelrrs- und Transitksnferen§ w rde dem früheren franZSsifchen Außenminister Hannotarrx übertraberi. Die Konferenz hat sich mit den VsrhL trnffen des Personen- und Güter v e r k e h r s an Lands und zu Wasser zu bsfaffen nnd den Rsgi'.'rungsn. die entsprechenden Maßn a h men vormlchlagen. Sie wird nach eine Aeh^rLinürrnft Mer dis T r a n s i t f r e i h e i t sowie über die B.snützn>ng ber Wafserftraste n « n d Eisenbahnen ansardeiten .und si^ auch mit der Prüfung Statn's intsrnsLionMfierter Hafen 'zu befchL'Li en paben, di? von der prooisorischen Trausirlrommrssio'n des 'VöLkerbrurdss inr ver- LZangensn Winter VorvereiLet wurden. Zur Kouferenz wurden neben Lasten Mitgliedern auch die Ver?inrgLen Staäten und fene Staaten eingeladsu, dre femerZsit vom B.Ukerbund aufgef-ordert' Wurden, sich' an deffen technischer Orgauisation zu.bsLsiLrgeu, wie zmri Beif.üel dis baltischen Staaten. Krasfins BLLhandlungM in -'London.^ ' London, 6, Jänner.- (Reuters K r a f s i n ^at a,'ends mit tfzm Prüsideutsn des Handelsamt7s lronferiert. Er l'^fft, Samstag d -u Entwurf eines tz a n d. e l n e r tv a g-e s, dessen Annahme durch.'.dre^SachzetreKerung 'er zu verlan en. beabsichLigt, nach Nußland Mitnehmen M können. Da fehoch ,K r a s s i n nicht mit den nStigen VoÄmachten ausgeftatket ist, um wirtschaftliche Fragen zu verhandeln, können sich' noch schwer zu überwindende Hind rurff > efafteftr?. L'nLorr 6. Jänner. (Welfs.) . Daily News" melden ö» den e^ ag.'iich-russischen Bchprech Ingen über d te dlnfnot jme der Handelsbeziehungen, einer der S.r.-' -Lp unkte sei. daß die -englische $ Regierung darauf beste .de, die l'U; Vertreter mb d as rnssiiche Bu:eair.in London gerechnet werden mußte, wenn nicht ohne jeden Verzug durch endliche definitive Zusage der von der Reparativnskommission seit Monate» beantragten Auslandsk r e d i t e werterer Entwertung der österreichrsche« Krone und damit neuer Preissteigerung Einhalt geboten werde. Nur durch eine aus diesem Wege erwlgte Stützung u n s e r e r W ä h r u n g könnten in Oesterreich, das unter den gegenwärtigen Verhält:''sien ans eigener Kraft sich nicht zu retten und reicht weiter zu bestehen vermöge, die Produktion belebt^und die noch vor- . handenen Wirtschaftsgüter vor völliger Vernichtung bewahrt werden. Die.Vertreter der Großmächte bekundeten ' für die Darlegungen Und die Notwendigkeit einer röschen Hilfe chekonheresMytereüS' ' und Verständnis Und-DgtE zu, ihre Regierungen «NperZÜglich msormiercn Zn wollen. durchsuchen zu dürfen.' Die .Räteregiecnng ihrerseits verlange, daß ihren Vertretern und ihren ämtlichen Sendungen die diplomatische Immunität zugebilligt werde. ^' Die blutigen Vorfälle in . / Flensburg. Pslvzeifp.itzeL als Änftrfter. — Bisher 14Tyte.' Berlin, 6. Jänner: Der Hauptausschuß der preußischen Landesversammlung beriet heute über zwei Nach- . tragsetats, in denen die wesentlichsten Forderungen, für - die Reorganisation der Polizei enthalten sind.' Abgeordneter Runke (Polizeipräsident in Kölns, Sozialdemokrat) besprach dabei eingehend d'ie. .Stellung - der Alliierten zur F-age der Sicherheitspolizei .und machte Vorschläge, wie der unzweifelhaft zivile Charakteu" der Sicherheitspolizei noch schärfer betont werden könnte. ' Tlnch verlangte er vom Minister Auskunft über dis ' Vorfälle in Flensburg. ' ' ‘ ■ Minister Severing erwiderte, der moralisch. Den antwortliche .für die traurigen Vorfälle sei der De nun- . ziant selbst, der von der Polizei in Flensburg nicht angestellt war, sondern freiwillig gekommen sei, vielleicht in der Hoffnung, für seine Mitteilungen Geld zu erhalten. Die Angaben dieses Mannes seien so unwahr- ' scheinlich gewesen, .daß die Pllizei in Flensburg es ab gelehnt habe, sie weiter zu verfolgen. Der Kommarrdant der Sicherheitspolizei v. Plüskow chabe -ohne, Fühlungnahme-,mit der - Polize'.Verwaltung Hansdnrch*/ suchungen vorgenommen, die ohne Ergebnis verlaufen . seien. Trotzddm 'sei einer der angeblichen Hauptführer. ter Perschwö uttg vcrhaftrL und gefesselt worden. Der gefesselte Mann sei bei einem ang.blichen Flucht- . versuch ersch -ssenworden. Der Oberpräsident habe fpfort eine Untersuchung eingeleitet und Plüskow sowie die,beiden anderen beteiligten Polizeiboamten seien vom Dienst suspendiert. Die Verteidigung der Kaserne durch die Sicherheitspolizei billigte der Minister ausdrücklich, sowohl waZ daS lange Zögern als auch den endlichen Gebrauch der Wa'fr betrifft. 6. Jänner. Der „Vorwärts" meldet auS .Flensburg: Die-Verurteilung des wahnwitzigenPutscheZ auf die Llawrne ist allgemein. Man kann sich die Sache nicht anders vorstellen, als daß Spitzel, die sich den Anschein von Kommunisten gaben, die Hand im Werbe batten, da man weiß, daß die Reaktion nur auf einen Anlaß wartet,, um die «organisierte Arbeiterschaft |i|