Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 699 (6.1.1921)
- Date
- 1921-01-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I Nr. 699 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzsitrrng 6. Jänner 1921 'Seite 8 basis der Frage der Beziehungen nähertreten. Diese Beziehungen könnten nach der Meinung Keiris günstige sein. In Litauen sei das Verständnis für einen gemeinsamen Schutz gegen Rußland vorhanden. Die Litauer verbergen wohl nicht die Idee einer künftigen Föderation ihii Polen, wünschet eine solche jedoch gegenwärtig nicht, da sie fürchten, die imperialistischen Elemente sn Polen könnten Litauen in einen Konflikt mit anderen Staaten verwickeln. ' ) Dersaffung und französisch-polnische Militärkonnentian. V fr# Aus Warschau wird uns berichtet: Der Einfluß der französischen Diplomatie in Polen ist in der letzten. Zeit wieder so stark geworden, daß es heute mit Ausnahme der aus der. äußersten) Linken stehenden Fraktionen kaum mehr eine Gruppe , im polnischen Landtag gibt, welche nicht für den schleunigen Abschluß eines. französisch-polnischen Militärabkommens zu' haben ist.' Der Unterschied zwischen der Rechten, und der Linken in dieser Frage besteht nur. wie „Kurier Polski" ausMrt, darin, daß die Linke den, Standpunkt vertritt, daß eine Frage von so hoher Bedeutung nicht gut angeschnitten vnd durchgeführt werden könne, bevor Polen' eine alle Hevölkerungsteile befriedigende - V e r f a s s u n g besitzt. Aus diesem Gründe führe die polnische Regierung'jetzt Verhandlungen mit den einKlnen Parteien, um bei iViederzusamnientritt des Landtages eine glatte Abstimmung zugunsten des Verfässüngsentwurfes zu -sichern. 8» diesem Behufe ist die Negierung geneigt,, in eine Reassümicrung der Beschlüsse über einzelne bereits angenommene Artikel der Verfassung,' welche jedoch'bekanntlich in den Reihen der Linken die schärfste Opposition hervorgerufen haben, einzugehen und diese Artikel.- KU Kompromißfassung vor den Landtag zu bringen. Sobald dies erreicht, ist, werde nach „Kurier Polski" dem Abschluß eines Militärabkommens zwischen Polen und Frankreich kein nennenswertes Hindernis mehr im Wege ' Kehen. _ { Tschttscherin Mer die Ausrversrmg Martens. Tschitscheriu hat, wie-ein Funkspruch meldet, kM Vertretern der amerikanischen Presse in Moskau e.ine Unterredung gewährt, in welcher er sich über die Ausweisungdes Vertreters der Sowjetregierung in den Bereinigten. Staaten, Ludwig Martens, aus dem Gebiete. Amerikas geäußert hat. Er sagte unter anderem:-.Der. Entschluß der - Regierung -der. Vereinigen Staaten und? gcrnz besonders seine Begrüydung ist un» verständlich und bedeutet einen förmlichen- Anachronismus. Es könne nicht zugegeben werden, daß diese. Maßnahme der Ausfassung des amerikanischen Volkes und ganz besonders derjeni-en der amerikan'schen Ebeitsrschaft entspreche, da diese in zahlreichen Fällen Beweise ihrer Sympathie für Sowjetrußland geliefert habe. Wir können aber auch nicht glauben, daß durch diesen Entschluß die Anschauungen der amerikan'schen Handels- und Jndüstriewolt zum Ausdruck gelangen, da diese Kreise' durch .die Anknüpfung zahlreicher neuer Handelsbeziehungen un6 durch Anknüpfung bedeutender Geschäftsverbindungen ihren' lebhaften Wunsch zum Aus- ) druck brachten, mit Rußland wieder normale Beziehungen aufzunehmen. Wie dem immer aber auch, fei, die Tatsache der Ausweisung unseres Vertreters aus den Vereinigten Staaten bedeutet für uns, daß wenig- .stens für den Moment der Abschluß von Geschäften welcher Art immer mit Amerika völlig ausgeschlossen . erscheint. Aus der zionistische» OrganiMisü. Ziv nstifches Landerkamitee. «Sitzung vom 2. Jänner 1921.) ' Nach Erledigung von Personalfragen gelangte der Antrag des gcschäftsführenden Ausschusses an das Landeskomitee, von der Exekutive zu verlangen, daß die für den 6. Februar anberaumte A.-C-Sitzung keinesfalls in London, sondern in einer Stadt Mitteleuropas abgchalten wird, was auch dem Wunsche der Majorität der A.-C.-Mitglieder entspricht, zur Abstimmung. Das Landezkomitee hat diesen Antrag einstimmig zum Beschluß erhoben und auch beschlossen, bezüglich des für August in Aussicht genommenen % zionistischen Weltkongresses die gleiche Forderung an die Exekutive zu richten. Hierauf erstattet Dr. Weiner das Referat über den Weitergang der Keren Hajeffod-Aktion in Oesterreich. aus welchem zu entnehmen ist, daß die Parteileitung zur Behandlung aller finanziellen und technischen Fragen ein Kollegium aus erstklassigen Fachmännern eingesetzt und ferner ein Zensorenkom't.'e gebildet hat, welches in jedem einzelnen Falle zu prüfen haben wird, ob ein Zionist mit seiner Zeichnung seine Pflicht voll erfüllt hat und sein Name in die Liste derer ausgenommen werden soll, die dem Ker^n Hajessod das verlangte Opfer gebracht haben. Mit dem Nationalfonds wurde eine Vereinbarung bezüglich seiner Abgrenzung gegenüber den: Krren Hajessod getrossen. Aucb wurde festgesetzt, daß alle neuen Ak.ionen des Nationalfonds nur nach vorheriger Einvernahme mit der Leitung des Keren Hajessod eingeleitet werden sollen, lieber die genaueren Best'.innumgen die-eo llebereinkomme.is weroen d.e Natwiwfr'oiw^ kommt,,äre sowie die Ortsgruppen, Bezirks iertiolien, Sfotttoe ulw. MjtzrechendL ausM.Me er-- Horthys Mache für Westungarn. Einstellnng der LebensMittelsen-nngen nach Oesterreich. BAdsPsst, 5. Dezember: Wre die AöenÄ» hlattev melden, ist die ErrtenLsnoke wegen Westnngarn hier noch immer nicht eingslangt. ,S emLssekreLar Tsrffy erklärte einem ÄUtarSeiker des „MaZhar 5»ir?npE der seftrige Minifterrat habe sämtliche Vest'mmunflen d^s wirticha'tttchen A?bereinkomlkens mit Oesterreich suspendiert. Bisher Oesterreich von Anarn besonders Nullerm2hh Kartoffeln rrnd Gemüse erhalten. Nunmehr habe die Rgierun? bis zur Regelung der westrm-arischen Frage den Transport all^r LebensmitLsL eingestellt. , * Im Ausschuß für AeutzereS erstattete gestern Kanzler Dr.'Mayr seinen Bericht über dis» westungansche Frage. Die Erregung in Ungarn sei unbegründet. Nicht weil ^Oesterreich will, geschieht die Angliederung, sondern: weil die Entente cs will. Oesterreich müsse sich allen Wünschen -der Entente fügen. Der Minister hoffe, daß die einsichtigen Elemente diese Lage Oesterreichs würdigen werden und daß die Erregung in Ungarn bald schwindet. „Ueber den Zeitpunkt der Angliederung, so führte der Minister aus, kann ich vorläufig nichts sagen. Tie Angliederung wird erst dann erfolgen können, wenn drei Großmächte der Entente den Vertrag ratifiziert haben. Deshalb sind alle Meldungen, die von einem 'bestimmten Zeitpunkt der Besetzung wissen wollen, bloß Kombinationen. Hierauf sprach der Minister noch über die auswärtige Lage, die er als g ü n st i g bezeichnete,. .rn?« dem er feststellte, daß die Beziehungen zu allen Staaten, namentlich zu den Sukzessionsstaaten. von Monat zu Monat besser, werden. An das Exposee schloß sich eine große Debatte, an der sich alle anwesenden Abgeordneten beteiligten. Die Sitzung dauerte bis zwei Uhr nachmittags. Der Sitzung wohnte auch der Sektionschef für Deutschwcstungarn Davy und ein großer Stab von Beamten des auswärtigen. Amtes bei. . In Ungarn ist inzwischen Beruhigung eingetreten. ■ Die Regierung will zu einem gütlichen Einvernehmen; mit Oesterreich kommen. halten. Einer DerstMung der Keren Häjessod-Aktion soll auch der für Mitte. Jänner angekündlgte Besuch Dr. H a n t k.e s gelten;' zu dem gleichen Zwecke wurde Iabotinfky eingeladen, nach ' Wien zu kommen. Sehr zu begrüßen ist die Herausgabe.einer Broschüre mit den Reden von Minister Sir Mond und Prof. Weitzmann in deutscher und jüdischer Sprache.-Dem Referat war ferner zu entnehmen, daß der größte Teil der zionist'schen Bezirkssektionen und Ortsgruppen die Organisierung der Keren Hajessod-Arbeit bereits be-. gönnen hat. An jenen, die noch im Rückstände sind, wurde scharfe. Kritik geübt, die ihre Wirkung nicht j verfehlt haben dürfte. Auch wurden die einzelnen Zionisten mit aller Deutlichkeit und Entschiedenheit ay ihre Arbeitspflicht dem Keren Hajessod gegenüber erinnert und größere Initiative von jedem einzelnen gefordert. Die Leitung hat ausgesprochen, daß die BorbereitungsarUeiten in den einzelnen Teilen der Organisation unter allen Umständen spätestens anfangs ' Februar erledigt, sein müssm und daß mit dem größten Nachdruck daraus hinzuarbeiteu' ist-, alben die Pflicht ihres. Opfers für'den Keren Hajessod zum Bewußtsein zu-bringen. In einer eingehenden Debatte wurden neue Anregungen gegeben. Dr. Zweig erstattete über die Lage und Tätigkeit des Palästina-Amtes einen durchaus erfreulichen Be- . richt, der mit Beifall zur Kenntnis genommen wurde. Es.ist nur sehr zu bedauern, daß dieser verdiente Mann mit diesem Bericht seine Tätigkeit als Gründer und Leiter des Palästina-Amtes abschl'.eßt, um einer Berufung an das Nationalfonds-Hauptbureau nach dem Haag zu-folgen. DaS LandeZkomitee hat beschlossen, ihm für seine hingebungsvolle und erfolgreiche Arbeit Dank und Anerkennung auszusprechrn. Eine Reihe von Anträgen zum Palästina Referat wurde dem geschäftsführenden Ausschuß überwiesen. Ein großdentscher SpttonsLntrag. Der gvoßdeu-sche Abgeordnete W a n n e k verlangt in einer Zuschrift an den Minister beS Innern, daß die Optionserklärungen der Ostjuden, als dem Artikel 8V des Friedensvert.ages widersprechend, zurückgewi sen oder annulliert werden sollen. Die Großdeutschen werden in dieser Angelegenheit im Nationalrat eine Interpellation einbringen. -Für die Option sind nicht die Meinungen der Großdeutschen, sondern die Dokumente der Optanten, beziehung-weise der Nach;ve'.s der Umgangssprache maßgebend. Es wird nicht geduldet werden, daß der Sinn des Fricden-svrrtrages, den durch die Ereignisse heimaislos Gewordenen rw.a StaatSb-ürgerschäst zu 6^.'ii, durch Jnlcrp.eta i.'w n a.sckt | wird. Die Räumung Fiumes. Abbazla. 5. Jänner. (Stefan!.) Außer der gestern! vormittags abgegangenen ersten Staffel der Legionär«, ist gestern eine zweite. 500 Mann stark, darunter ZK Mann der Sturmtruppe, abgereist. Die Legionäre wer-, den in Divacca konzentriert, von wo sie heute mit der Eisenbahn nach Venetien weiterfahren werden. Mit' einem" Paketboot sind 300 irreguläre Matrosen von! Fiume nach Pola abgegangen. Die Pferde und daSl Kriegsmaterial, das bereits der regulären Armeean-, gehört, wurden General Ferrario übergeben. i- Infolge des Ablebens eines der verwundeten!.' Lürger von Fiume sind die Verluste der Zivilbevölke* rung auf vier Tote gestiegen. Die Zahl der in Fiume! beschädigten Gebäude beträgt zwölf. D'Annunzio verläßt Fiume. , ' Atom 5.- Jänner. (Stesani.) „Tempo" meldet aus!, Fiume: D'Annunzio wird morgen Fiume verlassen^ Wohin er'sich begeben wird, ist.unbekannt. D'Anyunziv ist wegen eines in seinem Bureau von fünf oder sechs! Arditen begangenen Diebstahls sehr beunruhigt. Diel! Arditen, von einem Unteroffizier der Marine besehe ligt, erbrachen den Schrank der Negentschast und entwendeten einige Millionen sowie Schriftstücke, über das-, Unternehmen d'Annunzios. ." Ern Att ntatsplan gegen Gioliitr.' . Rom, 5. Jänner. (Stefan!.) „Tempo" veröffent-' ' licht eine merkwürdige Geschichte, worin ohne Namensnennung von einem angeblichen Komplott der Faszjsten^ insbesondere^ von Stammgästen eines sehr bekannten Kaffeehauses in Rom, die Rede ist. Diese hätten dis Absicht gehabt, Giolitti zu beseitigen. Zu dieser»! Zwecke seien drei Personen aus Triest hier eingetroffen< In politischen Kreisen betrachtet man das alles als) Aufschneiderei. Auch der „Tempo" selbst zieht die ganz«! Erzählung ins Lächerliche. Englische Kredite für das AnslmLd. Paris, 5. Jänner. „Daily Mail" veröffentlicht mtleitender Stelle Mitteilungen, die die Nachricht,öek „Petit Journal" bestätigen und im wesentlichen besage^ die britischen Bünkfirmen hätten bei der gestrigen Konferenz unter Vorsitz Harnes versprochen, das Regierungsexposee, das die Neubelebnng des Außenhandels beabsichtige, in freundliche Erwägung zu ziehen. Der Hauptvorschlag bestehe darin, dem A u s l a n d, , Waren zu beziehen wünsche, aber nicht bar zahlen könnep langfristige Kredite zu gewähren. Mit: Unterstützung der Regierung seien , die Banken geneigt der englischen Industrie Vorschüsse und den aus!än-i bischen Warenabnehmern eine Frist von zwei bis drev Jahren zur Zahlung neu einzugehender Verbindlichkeiten zu gewähren. Ein Zusatzvorschlag behandle den Ä u s t a u s ch fremder gegen englische Waren.' An der! Spitze der Vertreter der Vankwelt und des Versicherungswesens stehe der frühere Schatzkanzler Ma< Ken na, der derzeitige Präsident der Vereinigten Cittz and Midland-Bank. Die ssnglische Negierung wünsche mit der Kreditaktion zugleich auch eine Aktion zur Br-. Hebung der Arbeitslosigkeit zu verbinden. Reformen in Indien. London, 6. Jänner. (Tel.-Komp.) Gestern find iw Indien die Reformen von Mondgu-Chelmefort eingeführt worden. Diese Reformen sind im Herbst '1920 im englischen Parlament beschlossen wordep. Danach hat. Indien eine selbständige Negierung sowie eine Anzahl Unterregierungen in den Provinzen erhalten. Die Re-' formen bringen ferner wichtige Veränderungen, namentlich in -den Provinzen. So ist die Zahl der Wähler wesentlich vernrehrt, und die Hälfte der Arbeit soll in die. Hände der Eingebornen gelegt werden. Der Krieg in Irland. Dublin, 5. Jänner. (Reuter.) Das Stand recht ist auf die Grafschaften Cläre, Waterford, Wexsord und Kilkenny ausgedehnt worden. In Tipper.ary ist ein Kino, das vorgestern den Soldaten der Garnison freien Eintritt gewährt hatte, durch Feuersbrunst zerstört worden. Cork, 5- Jänner. (Reuter.) Soldaten, die ber Kanturk angegriffen wurden, schlugen die Angreifer zurück. 16 Personen wurden getötet und eine große Anzahl gefangengenommen. Das Ergebnis der MiffionIzzet Pascha. Paris, s. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg.^ Die Mission Jzzet Pascha hat Angora am. 80. Dezember verlassen und wird in der ersten Jännerwoche in Konstantinopel erwartet. In eingeweihten türkischen Kreisen wird erklärt, daß zwischen der Missio» und den Führern der Kemalisten nach eingehender. Durchberatung der wichtigsten Fragen ein Protokoll zustande gekommen sei, welches von beiden Teilen unterfertigt, der türkischen Negierung überreicht wenden soll. Ein Punkt des Uebereinkomniens besagt, daß in nächster. Zeit sich zwei Missionen nach Paris begeben werden. Die erste in Vertretung der Kemalisten werde die Reise von Angora über Adalia und Italien machen, während die zweite in Vertretung der türkischen Regierung von Konstantluopel nach Parjs reifen werde. Zweck dieser.