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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-05 · Heft 698 (5.1.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 698 (5.1.1921)
Date
1921-01-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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9K. 698 Wien» Mittwoch Wiener Morgeuzettung S. Jänner 1021 Seriell —1_ij—ji_i... l'-u-.j.ii. ji--_!ih^ii—w^MJumwJWW—MuC^fW*unr^ii •; ~ir ~ -r“|""*Ti—T~ ' ‘ --——E———————.—.———^—- --— - ■** den französischen Vorschlag ist nicht emgelangt, da Lloyd George und Lord Curzcm während der letzten Tage nicht in London weilten. Hauptzweck der Zusammenkunft ist natürlich die Frage der deutschen Entwaffnung. Samuel Barbasch von den Bolschewiken hingerichtet. Berlin» 3. Jänner (Jüd. Korr.-Bur.) Durch' die, Wische Presse ging vor einiger Zeit die Nachricht, •. baß der hebräische Schriftsteller Eliestp Steiumann in Odessa gestorben sei. Diese Nachricht bewahrheitetsich' nicht, vielmehr ist Steinmann dieser Tage in Berlin eingetroffen, um sich nach Amerika zu begeben. Er berichtet, daß im" vergangenen Sommer die Bo lschewiken in Odessa das Mitglied-des Zionistischen Aktionskomitees Samuel Barbas-ch, Direktor, des Jewish Colonial Trust, Hingerichtete haben. Barbasch hat versucht, die.großen in. Odessalagernden Oein--> bestände der Gesellschaft „Karmel" zu retten, wurde wegen „versuchter; Spekulation" an geklagt und hingerichtet. Er war 72 Jahre alt. Skoropadskij und die Juden. Dondion, 2. Jänner. (Jstd. Korr.-Bur.) Nach hier eingetroffenen Meldungen bestrebt sich der gewesen« Hetman der Ukraine, General Storopadskij, eine neue Regierung für die Ukraine zu bilden. Sein ' Vertreter, der vor kurzem in L o u d o n eingetroffen ist, hatte, um sich der Unterstützung,der. Wischen Bevölkerung zu versichern, einem bekannten jüdischen Politiker aus der Ukraine das Portel.euille bür i.üd i-- sche Angelegenheiten angeboren. Das Angebot wurde abgelehnt. / Weitzmann in Amsterdam. v Berlin, 4. Jänner. (Del. der „Wiener Mörgenzeitung".) In Amsterdam fand ein Massenmeeting des Keren Hajessod (Palästina-Anfbaufonds) in Gegenwart des englischen Gesandten Sir Graham statt, wo W k i tz m a n n und Iabotinfk.Y Ansprachen hielten. Deutscher Hochschulanttsemitismus. Berlin, 2. Jänner. (Jüd./Korr.-Bur.) Nachdem bereits die deutschen Burschenschaften ein Programm atrgenommen haben, in dem der Antisemitismus in krassester Form austritt, hat jetzt auch der „Verband der T u r n e r s ch a f t auf d e u t s ch e n Hoch schule n" eine Entschließung gefaßt, in der er sich zum schäMen unerbittlichen Kampf gegen' alle intSrnativM gerichteten^ Strömungen und ' gegen die Machtgelüste des' volksfremden Judentums bekennt. Aus Breslau wird mitgeteilt, daß dev Ordinarius für öffentliches Recht an her dortigen Universität, Geheimrat Helsritz, sein Molleg zu. deutschnationaler und antisemitischer Profit gapda benützt. Domhski über die Rigaer Friedens- Verhandlungen. Barschau, 4. Jänner. (Pöln. Pel.-Ag.) Vizeminister Dombski erklärte dem Korrespondenten.des „East Kxpreß" in Riga, daß die Arbeit, die'von der Friedenskonferenz im abgelaufenen Jahre geleistet tpurde, absolut kernen Anhaltspunkt für irgendwelche pessimistische Befiirchturigen, betreffend den Ausgang der Verhandlungen, biete. Der Termin der Unterzeichnung hes Friedensvertrages hänge jetzt eigentlich mehr von technischen als von meritorischey Fragen ab, da bei der Fülle des. Materials der Redaktionsausschuß eine ungeheure Arbeit zu leisten habe. Der Anfang. des neuen Jahtes werde hoffentlich endlich den' eriehnten Frieden bringen. . General Zieligowski und Sowjets rntzlaud. Riga, 4. Jänner. (Privat.) Der Korrespondent des „Daily Expreß'' hatte ein Interview mit einigen Mitgliedern der Sowsetdel-gation in Riga. Die Delegierten erklärten, falls Polen in nächster Zeit die Angelegenheit Zieligowski nicht endgültig ordne, werde die Sowjetregierung gezwungen sein, diesbezügliche entscheidende Entschlüsse zu fassen. Deutsche Arbeiter für Rußland. Moskau, 4. Jänner. (Funkspruch.) Wie „Isweslija" meldet, werde zur Hebung der russischen Industrie geplant, aus Deutschland Arbeitet heranzu- Aehen. Wrangel in Berlin. Berlin, 4. Jänner. (Wolff.) General Wrangel ist in Berlin eingetroffen. Magyarische Agitationen in Warschau. Gegen die Unterzeichnung des Trianoncr Vertrages. Barschau, 4. Jänner. (Tel.-Komp.) „Robotnik" meldet: In diesigen parlamentarischen Kreisen wird eine starke Propaganda gegen die Ratifizierung des Friedens von Trianon entfaltet. ES wird darauf hingewiesen, daß Polen unbedingt gemeinsame Grenzen mit Ungarn haben und diese noch vor hex RatifizieruM hetz FrredenK.PM Arstmon erkäyM Die amMamsche Die neuen Einwanderungsbeschränkungen wurden, wie I. P. Z. mitteilt, im Repräsentantenhaus mit 293 gegen 41 Stimmen angenommen. Den Gegnern gelang es nur, die Bill ein-wenig abzuschwächen. So gellen die Bestimmungen nicht, wie vorher geplant, für zwei, sondern nur für ein Jahr. Kongreßmitglied Sigel konnte sein Amendement durchsetzen, daß auch Brüder und Schwellern derjenigen, die erst ihre sogenannten ersten Papiere besitzen, nach Amerika gelangen -dürfen. Referent John s o n malte die Folgen der übergroßen Einwanderung in schwärzesten Farben, um möglichst viele Anhänger für die Bill zu gewinnen. Ec verschmähte dabei auch nicht, auf die im französischen Senat eingebrachte antisemitische Interpellation zu verweisen, die einwanderndeN Olljuben hätten nach Frankreich den Typhus und verschiedene aniderx ansteckende Krankheiten verschleppt. Interessant ist, daß auch die United States ' Shipping Board, die Regierungskorporation, der der Aufbau der amerikanischen Handelsflotte obliegt, gegen die Bill Stellung genommen hat, da sie in der : Einstellung der Immigration eine Gefahr für die amerikanische Handelsflotte erblickt'. Im allgemeinen wird jedoch die Bill in jüdischen Kreisen nicht allzu tragisch genommen, da es fast sicher ist,- daß sie vom Senat verworfen werden wird. Unter den Gegnern der;Bill befindet sich auch der Gouverneur von New- Dork, Smith, der in einem dem „Morning Journal" gewährten Interview sich sehr scharf gegen die Bill ausspricht. Nicht nur die Bürger Amerikas, sondern Werden müssen. Die Agitation wird durch magyarische Politiker geführt, die zu diesem Zwecke in Warschau eingetroffen sind. Scheidrmann gegen die Dudspester Bluturteile. Berlin, 4. Jänner. (Wolff.) Wie der „Vorwärts" aus Kasse! erfährt, hat Scheidemann an den ungarischen Ministerpräsidenten ein Telegramm gerichtet des Inhalts, daß die Todesurteile gegen die ehemaligen Volkskommissare Entsetzen und Empörung bei ddc alle : Gewalttaten ablehnenden sozialdemokratischen Arbeiterschaft erweckt hätten. Politische Einsicht und' die Gei fühle der Menschlichkei sprächen gegen die Vollstreckung dieses Urteils. Besetzung?des Auhrgedietes? i' Bafel, 4. Jänner. (Tel.-Komp.) Die „Westminster Gazette" berichtet, - daß. zwischen Millera n d und Lloyd George ein erneuter Gedankenaustausch! über eine eventuelle Besetzung des Ruhrgebietes und einiger r e ch t s r h e i n i f ch e r G e b i e t e begonnen habe. Lloyd George habe bisher seinen früheren Standpunkt aufcechterhalten, der sich gegen eine solche militärische Maßnahme ausspricht. Gegen die schwarzen Truppen am Rhein. New Bork, 4. Jänner. (Wolfs.) Wie die „Chicago Tribüne" aus Washington meldet, hat das Kongreßmitglied Briten eine Resolution eingebracht, in der der Präsident aufgefordert wird, sich an Frankreich und an den Völkerbund zu wenden, um die Zurückziehung der fran/ösischen schwarzen Truppen aus dem besetzten Gebiete Deutschlands zu verlangen, Japanische Erklärungen über das . ' englisch-japanische Bündnis. London, 4. Jänner. (Funkshruch.) Der japanische Botschafter in London hat in einer Unterredung, die er einem Pressevertreter gewährte, erklärt, das Bündnis zwischen Japan und Großbritannien sei rein defensiver Natur, habe keine Spitze gegen die Vereinigten Staaten von Amerika und sei keine Ursache, um die Verwinderung der Rüstungen zur See nicht durchführen zu können. .. Die Forderungen der Kemalisten. Konstan-ttwopel, 2. Jänner. (Havas.) Alls Angora wird gemeldet, daß Jzzet. Pascha ein Abkommen mit den Kemalisten unterzeichnet habe' und nach Kvnstantinopel zurückgekehrt.sei, um die Forderungen den Vertretern der Entente zu unterbreiten. Der jugoslawische Finanzminister gestorbe«. t Belgrad, 3. Jänner. (Südslaw. Preßbur.) Finanzminister Abgeordneter Äosta Stojanovie ist nach' dreitägiger Krankheit um 1 Uhr nachts gestorben. Einstweilen übernimmt der Minister des Innern Draskovic das Finanzressort. Kommunistischer Kongretz in der Slowakei. Prag, 4. Jänner. Tck 'Kouw? Der lcw mmnfti'che Kongreß aus der Slowake: und Karpatlunußtanb ist für dm lS.d.M. ««ch Bsd Ächochny rmderrüm Word«?. GnwatukrungsbilL auch Nichtbürger müßten das Recht haben, ihre Ver^ wandten vor den im Osten wütenden Pogromen nach Amerika zu retten. Darüber sollte es eigentlich keine verschiedenen Meinungen geben. Die Amerikaner, . dürfen nicht gegen 'die Leiden der ukrainisch e n Juden gleichgültig bleiben und müßten ihnen die Tore? ihres Landes öffnen, auch wenn sie gar keine Ver< Wandten in Amerika hätten. 4~ Senator D i l i n g ham hat im S e n a f die Rege-' lung der Einwanderung nach einer Prozentnorm' vorgeschlagen. Aus jedem Lande sollen' jährlich stinf . Prozent von der aus diesem Lande bereits in Simenfji sich . befindenden Zahl von Landsleuten einwanderst dürfen, Bezüglich her neugegründeten Staaten sylle in Amerika eine Schätzung vorgenommen werden, wieviele'' Einwanderer ans diesen Staaten sich bereits in Amerika befinden, um danach die fünf Prozent feststellen' zu können. Nach diesem Vorschlag wird die Einwanderung aus Ost- und Westeuropa,'Türkei und Asien 738.00$ pro Jahr betragen. y Die Erschwerungen der Einwanderung werden jn, ' Kanada strenge durchgeführt. Das Jmmigrationsdepartement hat eine Erklärung erlassen, daß es keine irgendwie geartete Ausnahmen zulassen werde. Die zWteichen Gesuche, die bereits in den Häfen sich befindenden Immigranten heremzülassew, unter Zusage ddr notwendigen Garantien durch die Verwandten, wurden zurückgewiesen. Die Regierungsmatznahmen gegen die Teuerung. Die von der Regierung in Aussicht genommenen Besprechungen über die Ursachen der herrschenden Teuerung und die Regierungsmaßnahmen, die zur Bekämpfung der Teuerung zu treffen sind, werden in der Zeit vom 10. bis ~ 17. Jänner stattfinden. Zunächst, werben die Vertreter der Konsumorganisationen, der gewerkschaftlichen und Angestelltenorganisationen Beratuwgen abhalten. An diese Konferenz werden sich Be< sprachungen der übrigen Interessentenkreise wie der Vertreter des Handels und Gewerbes, der Industrie,, der- ‘ Banken, Sparkassen und Bersicherungsunternehmungen und schließlich jene der. Land- und Forstwirt eft anschließen. Nach Abschluß dieser Beratungen wird eine gemeinsame Aussprache von Vertretern aller dieser Gruppen stattsinden, in der dje Ergebnisse der Einzel- - besprechungen zusammengefaßt werden, um jene Richtlinien feftzulegen, die der Regierung als Grundlagen' für ihre Entschließungen zu dienen habest werden. Die . Einladung der Interessentenkreise erfolgt durch das Bundeskanzleramt. Neue Anträge der Landesregierung Wie« zur Pretstretbereiverordnung. Der Magistrat hat in der gestrigen Sitzung E- Stadtsenats als Landesregierung folgende Anträge gestellt: Um wenigstens die größten Exzesse auf dem - Gebiet des Preiswuchers und Schleichhandels mit einiger Aussicht auf Erfolg bekämpfen zu tonnen, fordert die Landesregierung: 1. Die gebotene rasche und exem^. plarische Bestrafung aller Uebertretungen von Vvvschriften der Kriegs- und Uebergangswirtschaft im ad-'" minisirativen Strafverfahren muß gesetzlich ermög--- licht werden; als taugliches Mittel hiesür erscheintz^ ihr die rascheste Inkraftsetzung jenes Gesetzentwurfs, betreffend die Verschärfung der administrativen Kriegswucherbekämpfung, dem die Gemeinde Wien bereits mit dem Bericht vom 29. März 1930 zugestimmt hat und der in der interministeriellen Konferenz vom 15. Juni 192Q ist Verhandlung gestanden ist. 2. Die materiellen rechtlichen Bestimmungen des hestehenden Preistreibereigesetzes sind nicht nur in jenem Umfang» wie es nachy den offenbar offiziösen Zeitungsberichten geplant ist, sondern noch durch folgende Bestimmungen zu verschärfen, und zwar a) durch Einführung des Faktnrenzwanges für Käufe und Verkäufe von Lebens^ Mitteln und sonstigen Bedarfsgegenständen im Zwischen- 4 Händel, das ist für alle Käufe und Verläufe mit Ausnahme jener vom Händler zum Konsumenten, b). durch Statuierung eines Verbotes für den Großhändler, Waren direkt an Konsumenten zu verkaufen, e) durch obligatorische Verpflichtung der Großhändler zur Führung von Warcnvormerkbüchern, in denen alle Ein- und Verkäufe von Waren unter Angabe der wesentlichen Ver- . tragsbestimmungeil. (Gattung, Menge und Preis jeder:. Ware, Zeit des Geschäftsabschlusses Md genaue'Be^. zeichnung des zweiten VertragSterles) einzuzeichnen jiiiiy ' d) durch die Anordnung, daß jeder Großhändler nun an solche Zwischenhändler, beziehungswe.se Kleinhändler Waren verkaufen darf, die sich durch Vorweisung eiiiCtv Bewilligung gemäß des § 10 der PreiStreibereivewchu nung, beziehungsweise durch ihren Gewerbeschein W' zum Handel mit diesen Waren befugt ausweisen. Gvllm eine foche Verschärfung des PreistreibercigesetzeS als zri. sehr hemmend für den Handelsverkehr erkannt worden^ so wäre zumindest eine Rechtsvermutung in der Richtung zu statuieren, daß in konkreten Straffällen die von den berufenen Behörden als handelsüblich erklärten Preise; insolange als Richtschnur für d« Beurteilung oe^' K.trafstrlleK M M dkr. NsMKM

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