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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-01 · Heft 695 (1.1.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 695 (1.1.1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Men, Sam-taq Wiener MoraenzeNrmq ks wird erzählt, daß die tschecho-slowakische Negierung ich gegen die Konferenz stelle und daß die Verhandlungen' Jber diese Angelegenheit auf den Widerstand von seiten »er tschecho-sloivakischen Negierung stoßen. DaS Miniterium für auswärtige Angelegenheiten protestiert jategorisch gegen solche Nachrichten und konstatiert, daß in seinem Augenblick der Verhandlungen über diele Koniercnz die tschecho-slowakische Regierung sich gegen sie klle. Im Gegenteil, sie bemühte sich von Anbeginn, ne Schwierigkeiten zu beseitigen, damit die Konferenz dsächlich zu positiven Erfolgen gelangen köüne. Tie legenteiligen Nachrichten werden aus Unkenntnis, eher rber noch aus tendenziösen Absichten verbreitet. Die sschecho-slowakischc Negierung beharrt allerdings darauf, -aß das Konferenzprogramm strikte begrenzt und gehörig vorbereitet werde. In diesem Sinne hat die Regierung gleich von Beginn sowohl die Reparationtzkommission wie auch die alliierten Negierungen und die rbrigen direkten Te'ilnehmer"der Konferenz benachrichtigt. 5s entbehren daher andere Jnformatonen in dieser An- Gelegenheit jeglicher Grundlage. Ebenso sind die Nachnchten. daß die Konferenz in Karlsbad stattfinden verde. unrichtig. Eine Entscheidung über den Ort her Konferenz wird erst im Jänner fallen. »Konferenz drs Große» zionistischen Aktionskomitees. London, 29. Dezember. (Jüd. Korr.-Bur.)» Die Konferenz, des Großen Aklionskomitees wurde für den 6. Februar nach London einberusen. Man erwartet, daß auch die amerikanischen Delegierten an der Konferenz terlnehmen werden. VAL a QRÖ55TE AUSWAHL IN g 1 LUXUS-y^ UND STIL B | IHOBELi g IM MÖBELI1AU5E 1 |J. MANNE | WIEN, WM. , a SCHOTTENFELDQ. 24 b b Export nacn allen ländern b S _ , 447 B jektierte Pariser Reife PilsudskiS. Nach Mitteilungen der Blätter düllte die Abreise des Staatschess, in dessen Begleitung sich bekanntlich anch die Minister Sapieha, Sonskowski und Steczkowski nach Paris begeben, am 1.0. Jänner erfolgen. VhilanLhropische jüdische Ausstellung in New-Dork. Slew-Aork, 26. Dezember. (Jüd. Korr.-Vur.) Die Födera:ion der jüdisches philanthropischL-n Institutionen in New-Dork veranstaltete im Hotel Prnfylvania eine große Ausstellung, um den Nen>Vorkcp. Juden die Verwendung ihrer Spe-nden wie auch die Arbeit und Erfolge der von der Föderation erhaltenen 92 lokalen philanthropischen Jnst'tutionen zu zeigen. Dies war die erste Ausstellung dieser Act in New York. Das antisemitische Treiben in Polen. W'-rsch-u, 28. Dezember. (Jüd. Korr.-Bur.) Die polnische Boykottgesellschaft „Nrzwoj" verbreite.e zu Weihnachten Maueranschläge mit ausreizendem Inhalt pegen die Juden. Als der Dolmetsch des englischen Konsulates einen dieser aut'semitischen Aufrufe herunp'rnahm. wurde er von einem Polizisten verhaftet, und erst nach Legitimierung befreit- Der jüdische Sejmklub verlangt in einer Interpellation an den Jnneunlinister die Bestrafung der Verfasser des Aufrufes und des besorgten Polizisten. Keine neue Kriegsgefahr im Osten. ' Warschau, 31. Dezember. (Polnische Telegraphenagentur.) Der „Kurjer Poranny" dementiert katgonich die neuerlich kolportierten Gerüchte über ein« neue Kriegsgefahr. Die Unterzeichnung des Friedens dü fre schon Mitte Jänner erfolgen. In der Frage der Aus-' teilung des Goldschatzes bestehen zwar noch Schwierigfeiten, aber sie seien durchaus nicht unüberbrückbar. Nach den neuesten Mitteilungen sei die Sowjerregi-erung bereit, den Polen gewisse territoriale Konzessionen zu gewähren, um sie dadurch zur Neduzierurrg ihrer Forderungen bezüglich des Goldschatzes zu bewegen. Auch die anderen polnischen Blätter treten diesen alarmierenden Gerüchten entgegen, die zum größt«« Teil von russischen Neaktiquären in Umlauf gefetzt würden. Die Pariser Reise Pilsudskis. Warschau, 81. Dezember. Ministerpräsident Witos konferierte mit dem Staatschef Pilsudskis über die pro- CmVriefAn—skrs an Schalom Asch. Echalom Asch hat im New-Forker „Vorwärts" einen Brief des kürzlich vecswcrenen jüdischen Schriftstellers S. An—ski (Sch. S. Rapaport) veröffentlicht, welcher durch ferne innige Schilderung der letzten Stunden des berühmten jüdischen Dichters Jakob D i n e» sohn interessant ist. Gleichzeitig aber gibt er tiefen Einblick 'n An—skis Liebe ,'ur jüdischen Volksforschung und in seine'Tätigkeit auf diesem Gebiete, die Vornehmheit, tiefes Verständnis und Liebe zur Sache effenbart. Wir geben die markanten ' Stellen i nes» Schreibens vom November 1919 in deutscher. Nebersetzung wieder. Mein teurer Freund Schalom Asch! Es ist mir sehr schwer ums Herz, da .ich meinen culen Brief an Sie mit den traurigen Erinnerungen an den Tod unseres unvergeßlichen Freundes Jaj^pb Dinefohn beginnen muß. Ich weiß, wie lieb und teuer Sie ihm wa'.en und wie nahe er Ihnen gestanden rst. Deshalb halte ich es für nötig, Ihnen die letzten Tage seines . Lebens zu schildern. Als ich vor fünf Monaten nach Warschau kam. fand ich ihn äußerlich gesund und munter. Obwohl er klagte, baß feine Füße schwach seien und „den Dienst versagen"., lief er den ganzen Tag herum wie ein junger. Mann. Er war mit hunderterlei fremden Angelegeneiten und Sorgen besonders jedoch mit den Kinderheimen, bcschäsrigt. Ihretwegen konnte er sich den ganzen Somnter hindurch nicht einmal für eine Woche-von der Stadt losreißen, um in Otwock oder anderswo ein wenig auZzurnhen. .Er war überzeugt, er werde noch einige Jahrzehnte leben... » Bis zu den letzten vier bis fünf Stunden war er bei vollen! Bewußtsein. In den ersten Krankheitstagen wußte er nicht, daß sein Zustand gefährlich und irnrettbar sei. Er sprach die ganze Zeit über die Kinderbeime und von Vcrez. Von ihm. erzählte er allerhand. Er- Das Wiederanftnnche« Vsl-chswicz'. Warschau, 23. Dezember. (Jüd. Korr.-Bur.) Mach hier eiugctro.f'neu Meldungen bet.e'.bt jetzt d^r bekannte Pogromist und Führe-- der russischen gegenrevolutionärcn Truppen, iogeMnnier„Gene.al",^Balachowicz, sein Handwerk als Diktator der. Banden auf dein Gebiete Weißrußlands. - Konferenz der litauischen und baltischen Juden in Amerika. Neiv-Aorr, 26. Dezember. ..(Jüd. Korr.-Dur.) In Anwesenheil von 300 Delcgi^ten aus allen Teilen der Vereinigen .Staaten fand.hier die Konvention der lüauifchen und balt'.schen Juden >.stalt, die seit kurzer Zeit' in einer Föderation orgänifi rl sind.' Außer den'Deleg'er.en nahmen auch viele Gäste teil, darunter der Gesanö.e Litauens in Washington., Letzterer kam speziell nach New-Dork, um die Konferenz zu begrüßen.! ‘ Nach dein der Konferenz unterbreiteten Bericht innerungen. und bat, man möge ihm von Perez erzählen. Am dritten Tage fühlte er offenbar, daß sein Leben zu Ende gehe, und begann von Tod und Begräbnis zu sprechen. Mit tiefem Ernst,, als handle es sich um etwas sehr Wichtiges, rief er mich an sein Lager und sagte' bittend:;,Wir haben miteinander abgemacht, ich und Perez ... daß man uns beiden . . . einen gemeinsamen Grabstein aufstellen soll . ..« Perez war einverstanden . . . Nicht daran vergessen, ich bitte dich ... ich bestimme es so!". In seinen Augen leuchtete es wie ein Gebetman möge ihm diese letzte und größte Ehre nicht versagen. Nachher bat er noch ein dutzendmal darum, als 'er schon nicht mehr bei Bewußtsein war. Vis zur letzten Minute, da er noch sprechen konnte, sprach er von' Perez. Es ist - charakteristisch, daßer bis zum letzten Augenblick trotz der schwersten Leiden nicht seine Weichheit und Zartheit verlor.-keinerlei Gereiztheit und keine Launen zeigte. Ec lebte wie eine stille Taube und starb auch so. ' Einen Tag vor seinem ^ode erhielt er einen Brief von Jhneni Ich sagte ihm: „Ein Brief von Schalom Asch ist da. " Er würde Munter und sprach erregt: „Wo? Wo? Zeig' her!" Doch er hatte keine Kraft mehr, ihn in der' Hand zu halten, geschweige denn ihn anznhören. Später sprbch er in feinen Phantasien von dem ©rief und von Ihnen im. Zusammenhang mit den Kinderheimen und mit der Hilfe aus Amerika für diese . . . Unsere letzte und größte Pflicht gegen unseren Freund 'ist, seine g es am m e l ten Wer ke herauszugeben. Ich schätze, daß es zehn bis zwölf Bande sein werden. Diese -Ausgabe könnte besser und' mit größeren Mitteln in Amerika erfolgen (es wäre'sehr zweckmäßig, wenn es rmter Nigers Redaktion geschähe). Und jetzt über eine sehr wichtige öffentliche Angelegenheit. .. . Sie wissen natürlich von der Expedition, welche ich vor dem Kriege in der Ukraine unternommen habe, um folkloristische Schöpfungen zu sammeln. Ich habe in den Städten und Städtchen, die jetzt zerstörten!) mit iüM- /I. Jänner 182T Nr. 6W7 hat die Föderation trotz ihres kurzen Bestandes beveitK vieles geleistet und beinahe eine halbe Million Dollar an die bedürftigen Verwandten in Litauen und Kurland verkeilt. Nach einer längeren Diskussion über die Art-der Verteilung der Hilfsgelder beschloß die, Konferenz, 50 Prozent der Hilfsgelder den Gemeinden und 50 Prozent den Arbeiterorganisationen zur Vs», fügung zu stellen. . . Et» Bankett mH Ertrag 2 Mil tone» Dollar. WashinWon, 31. Dezember. (Funkspruch'.) DaN von Hoover veranstaltete Bankett, dessen Reinertrag/ für dft hungernden Kinder Europas bestimmt ist, hat einen glänzenden Verlauf genommen und iwer zwei Millionen Dollar eingebracht. Unter anderen hatten auch General Pershing. Hoover selbst, Rockefeller und Belmont.sich in den Dienst dieser Woh^ tatigkeitsaktion gestellt. . Eine sanitäre Mission des American Joint ‘ Distribution Committee New-Pork, 26. Dezember. (Jüd. Korr.-Bur.) Das Joint Distribution Committee beabsichttgt eine sanitäre Mission unter persönlicher Leitung Dr. Harry P l o tz', des Entdeckers des Typhushazillus, ms Ausland zu entsenden, unO die sanitätswidrjgen und krankheitserregenden Verhältnisie in den k r i e g 8- und P o g r o inbetroffenen Gebieten zu bekämpfen. Dr. Plotz » meint, daß daZ Budget dieser Expedition im ersten Jahre - mindestens ztvei Millionen Dollar betragen Msse. Die Vereinigten Staaten von Mittel amerika. , Nrw-Dort, 31. Dezember. (Tel.-Komp.) Auf dev Delegierlenkonserenz von Costarica ist eine vollständige Einigung über die Bildung der Vereinigten Staaten von Mi:t«lamerika erzielt worden. Dem Staatenbund gehören die Republiken Guatemala, Honduras, Salvador, Nicaragua und Costarica an. Die sächsischen Eisenbahner für einen Streik. V'rlin, kl. Dezember. Wie der „Lokalanzeiger" vom Landesverband Sachsen der ReiÄsgewerkschaft deutscher Eisenbahner erfährt, hat die Urabstimmung unter den sächsischen Eisenbahnern eine Zweidrittelmehrheit für den Ausstand ergeben. Es fehlen , zwar noch die Ergebnisse aus einzelnen Bezirken, wie Leipzig, Chemnitz und Zwickau, doch wird nach Ansicht der , genannten Stelle nur eine Bestätigung der bisherigeu . Ergebnisse erwartet. Die verurteilten ungarische» VolkskommiMre. Mosko«, 31. Dezember. (Funkspruch.) Der Volkskou:mi,'sär für.auiwä tige Angelrgenhe'teu Tschitich^rin hat dem ungarischen Miliister des Aeußern Teleki auf die Note bezüglich der Aufnahme von Verhandlungen iwer daS Schicksal der verurteilten ungarischen Volkskommiss.'ire geantwortet, die in der Note enthaltenen Vorwürfe zurückgewiesen und Reval als Verhandlungsort vorgeschlagen. Als Vertreter Rußlands wird Litwinow doN eintressen und mit dem ungarischen Vertreter die wetEren Einzelheiterr über die Verhaich^ lungen festsetzen. ,! schem Blut getränkt sind, Material .für etwa 40 Bande und ein ganzes Museum gesammelt Als ' ich aus Rußland fliehen mußte, habe ich das Museums-; material behalten und drei Kisten mit den Materiasien j bei der Moskauer jüdijäien Gemeinde deponiert. Wer i weiß, ob es noch vorhanden ist! Als ich voriges Jahr nach Wilna kam. begann ich j dort auf diesem Gebiet zu arbeiten. Es kostete niich viele Mühe, aber es gelang mir,- eine h i st o r i f djethno graphische Gesellschaft ins Leben zu rufen, welche fünf Sektionen umfaßt: 1. Ethnographie und Folklore. £. Historische Sektion. 3. MusikaÜsche^ Sektion. 4. Künstlerische Sektion. 5. Mussums-Sektion. j Von besonderer Wichtigkeit ist, daß sich vier bis fünf Personen gefunden haben, welche Liebe zur Sache zeigen und energisch an die Arbeit gehen. Die Gesellschaft existiert noch kein Jahr und sie hat schon viel geleistet. Um Ihnen einen Begriff von ihren Leistungen zu geben, bringe ich Ihnen einige Auszüge aus dem letzten Berichtden ich erhalten habe: „In den letzten drei Monaten sind über tausend Dokumente eingelaufen, darunter viele wichtige: mehr als 150 Manuskripte, viele ungedruckt. 150 Nummern Legenden. Erzählungen und Lieder, ein paar hundert alte Dolksmelodien, Hochzeitsreden, alte H o ch z e i t s t ä n z e, Chasanimgesänge, Smiroth und dergleichen, einige Dutzend alte, seltene Porträts großer Männer, alte, seltene Bücher, Chroniken mit Bildern und allerlei Aufzeichnungen." Dach das ist in Wn-klichkeit nur ein Tropfen im Meere gegen das, was auf diesem Gebiet getan werden könnte. Die alte litauische Metropole Wilna und das gmize Gebiet'Litauens sind geradezu übervoll von solllonst'rschen Schöpfunaen und alten seltenen Dokumenten, aber um deren Sammlung zu organisieren, welche hauptsächlich von Batlanim, Synagogalvolk und anderen i heiligen Berussmenschen, Nichtstuern und Schnorrern durchgcführt werden kann, braucht man Mittel: besonj dcrs sind diese nötig, um alte jüdische Kunstwerke und

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