Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 693 (30.12.1920)
- Date
- 1920-12-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Celle t Wien Vomierskaq wiener Arorflenzernrng Sii. Dezemoer iwso m. fm Die Grenzen Palästinas. / Der „Corriere della Sera" vcröffeuts'ichj vmier dem Titel „Die Grenzen des zionistischen Staates" ein Pariser Telegramm, welches besagt: Die Abmachung zwischen Frankreich und England bezüglich der Abgrenzung der beiderseitigen Einflußzonen im Orient ist von Leygues und dem britifdj.cn Botschafter unterzeichnet worden.. Das erste Abkomm.en sei in San Nemo abgeschlossen worden, aber die Zionisten drängten aus England, um bessere Grenzen zu erhallen und die Verhandlungen wurden Widder ausgenommen. Lehgues hat diese während seines jüngsten Aufenthaltes in London zu Ende geführt, in dem er dem „Palästina der englischen Zionisten" einen Streifen von 25 Kilometer. Breite und. ‘50 Kilometer Länge überließ, welcher die Grenzen Palästinas bis zu 75 Kilo me er von Damaskus führt. Nachdem so die Grenze festgesetzt sei. wird England unbehindert die Besiedelung des Heiligen Landes durch Zionisten betreiben können. 1 L^rdo'rrl 28. Dezember. (Jüd. Korr.-Bur.) Die bereits g meldrte Unterzeichnung des engl sch-frcmzösischen Uebereinsommens über die Grenzen zwischen Palästina und Syrien bezieht sich chcrnptsiichlich .auf die Fragen der Eisenbahn und des Wasserrechtes. ■ NnterstsstsfekretSr Harmsworth über die Tätigkeit Sir E erüert Samuels. Aus London wird uns berich.et: Der Overscas Club gab dieser Tage zu Ehren des in London anwesenden Gouverneurs von Jerusalem. Mr. Ronald S t o r r s, einen Lunch, bei welchem auch Lord N o r t fy c I i f f c eine längere Rede hielt, in welcher er der Tätigleit Sir Herbert Samuels als Obrrkommissc'r von Palästina Aberkennung zollte. Unterstaatssekretär für Auswärtiges, Ceeil Harmsworth,' kwüpfre in seinem Trinlspruch an diese Worte Northcliffes. welche gerade aus dessen Munde größere Be-' deuiung gewilinen, an und sagte: „Lord Norrhclisfx schätzt, wie alle Welt, ganz beso^ers den Mut und die bewunderungswürdige, administrat've Geschicklichkeit Herbert Samuels, mit welchen er die vielen, komplizierten Probleme Palästinas allmählich ihrer Lösung zu führt." Redner selbst konnte vor einigen Wochen im Unterhaus auf die Erfolge und die Bestrebungen Sir. Herbert Samuels, soweit sie damals bereits vorgeschritten waren, unter allgemeinem Beiiall Hinweise »„Mele Aufgaben, welche im Unterhaus -heute die Debatte beherrschen und verschiedene Meinungen Hervorrufen, haben die Aufmerksamkeit Herbert Samuels in Palästina in vollem Maße erweckt und kaum ist ein Problem ausgesprochen, und schon kommt aus Palästina als Widerhall die Mitteilung. daß Sir Herbert Samuel eigene Kommissionen zur Behandlung dieser Fragenbildet. Er hat sich einen Rat gebildet, in dessen Zusammensetzung sich schon seine Einsicht bekundet. Denn dieser--Rat besteht nichtbloß aus Beamten, sonder» in entsprechendem Verhältnisse aus Mohammedanern, Christen und Juden. Ebenso har /Samuel das große Verdienst, im Lande selbst den Sinn und des Verständnis für die unmittelbar zu lösend?» großen Fragen dieses, ausgedehnten Gebietes zu erwecken. Er hat auch Zeit gefunden, Einblick in die'ganze Land frage zu gewinnen, eine Frag«, die erst jüngst in beiden.. Häusern des Parlaments eine eingehende Disklission hervorgerufen hat. Er hat ein großes Programm für Straßenbau ausgearbeitet, wobei er sich manche Anregung von unserem bekannten Techniker Sir Eric Ged des geholt hat, und inmitten all dieser vielseitigen mühevollen Tätigkeit hat er sogar noch Zeit gefunden, sich mit der Regelung des öffentlichen An- Iüridigungs- und Plakatierungswesens zu befassen. ^.Hei rer keit.) Wir können uns, schlgß Har ms worth seine Ausführungen vom Herzen' gra ulieren, daß wir Sir Herbert Samuel als Obevkommissär in Palästina und Mr. Swrrssals Gouverneur in Jerusalem haben. _______ General Snmths über die Juden in Südafrika. * Wie berichtet, befindet sich der Gvoßrabbinrr von England. Dr. Hertz, auf einer Inspektionsreise in den englischen Dominions. So kam Dr. Hertz auch nach Pretoria in Südafrika., wo ihm, der bekanntlich, bevor er zum Großrabbiner von England berufen würde, als Oberrabbiner von Johannesburg' wirkte, besondere Ehren zuteil wurden. Bei einem Empfang erschien auch der Ministerpräsident von Südafrika, General S m u th s. und hielt an den Gast eine längere Ansprache, in welcher er die großen Verdienste des Großrabbiners um das Judentum und um das britische Imperium hcrvorhob. Dann führte er'aus: Die Juden von Südafrika haben bei voller Auf.cchterhaitung ihres nationalen und religiösen Charakters mit det übrigen Bevölkerung im Geiste der Brüderlichkeit zum Wohle des Landes zusammengearbedet. In Südafrika gibt.es seinen Antisemitismus, in allen Lebenslagen jftnd in jeder sozialen Situation ist der Jude gerne gesehen und hat die größten Erfolge erreicht. Niemand neidet den Juden diese ihre Erfolge, weil sie sie ehrlich verdienen. Sie bilden in Südafrika einen wichtigen Faktor und ihce Bedeutung wächst zusehends. Wir püiljcheNtz daß jie ihre Fähigkeiten, ihre geistigen uns Militärische Vorbereitungen Augarns. L o n d o *, 28. Dezember. (Verlier.) Wie die ».Times" melden, s'ätSe N n m ä n i e n die Ausmerks ^rnlre't der französiere» und der en^lls? err Regierung auf militärische Vorbereitunqen AnqurnS gelenkt, das bedeutende Streitkräfie längs der rumänischen Grenze zusammenziehe. Freigabe deutscher Privatvermögrn in Frankreich. P a r i s, ,20. Dezember. (Funkspruch.) Der Ministerrat beschloß, auf d:e Änwe dun^ des Artikels 18 des Betrages von Versailles. b*zü:ltch des Rechtes zur Beschlagnahme von deut'chem PrivatvermSgen, zn verzichten. materiellen Ressourcen in drS Land bringen. Wir benötigen solche Kräfte, denn die.Inden leisten einen sehr bcachienswerten Beitrag zu der Gl nt vicklungsgeschichte Südafrikas'. Großen E'nd.uck machte der Teil der Rede d^s Ge^uerals S m u t h s, in welchem er die Palästina-Frage behandelte. Er gab der Uebcrzeugung Ausdruck, daß das Palästina Projekt unbedingt erfolgreich durchgeführt werden wird, ' und ermunterte die Juden, das ilstige zur Erreichung des Erfolges beizutragen. Möge aber die Wiederbelebung Palästinas auch noch so erfolgreich fein, so meine Redner doch, baß die in Südafrika lebenden Juden schon im Interesse des Landes in Südafrika bleiben möchten. Denn sie haben herrliche Ideale, gute Traditionen und eine Zielsicherheit im Unternehmen ins Land gebracht, Eigenschaften, welche geeignet sind, das Land wohltuend zu befruchien.. _______ Die WenschenVrrluste Europas. Dir dänische StuiinlAyselisc^ast für soziale Folgen beS Krieges in Kopenhagen gii't in einem ausführlichen 'Bericht einen Ueberblick über den Gesamtverlust an Menschen, den die kriegführenden europäischen Staaten -erlitten Hab^n. Das amtliche Material ist auch heute noch nicht vollständig, trotzdem ist es gelungen, über die meisten Großstaaten so viel Material zusammenzubringen, daß fr) die Hauptentwtcklnng?- linirn der Bevölkerungsbewegung während der Kriegsjahve verfolgen lassen. Lückenhaft ist selbstverständlich besonders das Material aus Rußlands sowie das aus den kleineren Landern. Für diese Staaten mußte häufig zu Schätzungen gegrltzs'rr werden. Die Meufchenverlnste sind bis Mitte 1919 berechnet. Abgeschlossen wurde dir Arbeit der SLudiengesellschast Ende Oktober 1919. « Die Hauptergebnisse der Untersuchungen zeigen von 1914 bis Mitte 1919 folgende Zahlen:, f h'rlitft oHtlÖwltlC vPr SvUCßS öalult @trtblldlf(lt gcsallme Deutschland .. 3.600.000 2,700000 8.00,000 6^00.0 0 Oe-e're'ch- " Ungarn . . 3,800.000 S.OOO.COO 1,500.000 6,800.0:0 G> ontr raun en und I land G 850000 1.0M.0 0 600.000 1.850.000 Fiankrnch . .. 1.5 0000 1.8 0.0N0 1,^00.000 3.8W000 Be'gnn .... 175.0 0 20D.OO!) . 115.0 y 875.000 JtU en ...» 1.4 -0.00» . 88 0 0 60».« 00 '2,2-0.000 -i wrär-en . . . 1.^0 0 1* .000 6'OOÜ ' 875 00.'?Knmä„ictt . . 150.000- 360000 ' 1.000». 5100 0 Seibtrn' . ... . 320/00 1.310.0 0 6800 0 1.6W<00 Europa . . . ... 8,300.0.0 4,700.000 8,500.000 43,000.000 R'n iand und . . . Po!»'. . ..212*0/00 15,130.0 0 9,82»/00 85.B80/00 r In allen zehn .Staaten zusammen stieg der Frauen» überfchüß von etwa 5,2 Millionen auf rUnd 15 Millionen!, er hat sich also beinahe verdreifacht. Interessant ist noch/ doL in Deutschland 35 Prozent, lü OrfterreLch-Uttgarn 35 PUzent, in Großbritannien 26 Prozent, in Fra,'/reich 86 Prozent und ln Italien 29 Prozent der mSnnlbhe^^ Bevölkerung mobilisiert wurden. Don den kleineren Staaten rnobilisi.'rte Belgien 20 Prozent, Bulgarien 23 Prozent,- Rumanirtt 19 Prozent und Serbien 31 Prozent seiner mählichen Bevölkerung. Es wird, ausdrücklich bemerkt, baß es sich um Mindestschätzungeu handelt. Don allen kriegführenden Staate^ hat Sevbim am meisten gelitten. Von der wehrpflichtigen männlichen Bevölkerung starben rund 690,000, von der Zivilbevölkerung wurden durch Epidemien 350.000 hinweggerasst, 250,000 starbLn bei' dem großen Rückzug im Jahr« 1915, weitere 40.000 (meist Frauen und Kinder) sind im Lande umgekommen. Man kann sagen, daß Serbien. 85 Prozent. . seiner Bevölkerung eingebüßt hat. Für Bulgarin: beträgt der Ge samtverlüst, ci! sch lief, i h des Geburtenaus fallS, rund 500.0000, namentlich der Fleckiyphüs forderte in den Jahren 1916 bis 1917 mehrere hunderttausend Menschen zum L^rfek. Der Gcsamtmenschenverlust Belgiens wird mindestens 375.000 betragen, doch wird diese Zahl von der Studienge'stllschast als außerordentlich gering angesehen. Ein LAMP. ' Im „Bester Lloyd^ schreibt der jüdische Abgeordnete Paul Sandor einen Artikel über die poUtische und kulturelle Bedeutung Ungarns. Er fordert die; Westmächte auf, endlich zu erkennen, daß^ Ungarn der! einzige Kulturfaktor Mittel-- und Osteuropas ist. daß I nur. durch Unterstützung Ungarns die europäische Zivilisation z« retten sei. Er stellt Oesterreich, die Tschecho. Sloivakei, Jugoslawien und Numänien als barbarische Länder dar, und sagt tvörtlich: „Und von diesen Länder« erwartet die mächtige Entente, daß sie sich als starke Tragbalken des Gleichgewichts und der Ruhe Mittel, europas bewähren werden? Än politischer und fittlidfxn (!) Schulung ist Ungarn in der Tat all seinen Nach, barn weitaus überlegest. Von allen Staaten im Osten sind wir das einzige Land, daS bereit und fähig wäre, das hehre Ideal des ewigen Friedens durch die Kraft seiner überlegenen Kultur treu und ehrlich zu hegen . . .* Das Ganze wirkt wie m grotesker Witz. Horthy. Ungarn mit seinen herrschenden Banditen, mit seinen regierenden Raubmördern und Henkersknechten als sittliches Ideal und Hort des> ewigen Friedens! Ungarns überlegene Kulttir! Aber das Lachen wandelt sich in Eckel, wenn man sich daran erinnert, daß ein Jude diese Sätze schreibt! Ein jüdischer Lump, der sich trotz seines Abgeordnetenmandats nicht nach 8 Uhr abends auf die Straste wagt, weil er von den Trägern der „überlegenen Kultur Ungarns", den weißen Offizieren, als Jude erkannt und erschlagen werden könnte. An der Bahre der tausend jüdischen Märtyrer in Ungarn, der geschändeten Schwestern und gemarterten Blöder, wagt es eine verworfene Knechtseele-so zu sp<echen! Cm Abbild jüdischer Assimilation, wie es treuer und abschreckender nicht erdacht werden könntet Erge^nislostqkett der akademischen Prels^ atts^kkrek^unnen kn Ungarn. * HorHy-Ungarn hat seine Gelehrten, Gchrrftsteller nutz.' Dichter, soweit sie Vorurteils frei lehrten und schrieben, als Kgefährlrche, destruktive Elemente aus dem Landgejagt. Fürsorglich, wie die ungarische Regierung nun einmal ist, verhindert sie durch den Numerus clausus an der Universität auch den Nachwuchs solch desttuktiver geistiger Großen. Ein bezeichnendes Merkmal für die Folgen dieses AuSrottmigöseldzuges gegen jede geistige . Regung in Ungarn bildet die ErgebniSlosigkAt der Preisausschreibungen der ungarischen Akademie der Wiffenschaften. So wird uns jetzt aus Budapest berichtet, daß der Teleki-Dramenpreis der Akademw, um dtzn sich sonst zwanzig und dreißig Bewerber meldeten, diesmal bloß einen Bewerber fand, deffen Werk jedoch gleichfalls unberücksichtigt bleiben muß. Ja, für viere Preise hat sich überhaupt kein. Bewerber gemeldet. Nur ein Preis hat. den auffallenden Zulauf von acht Bewerbern bewirkt, obzwar dieser Preis, im ganzen 200 Kronen beträgt. Dieser: PreiS^ ist nämlich für ein p a 1 r i o t i f ch e S Gedicht bestimmt und als patriotischer Dichter fühlt sich heute in Ungarn jeder, der einen Reim chruf ..Hepp-Hepp" und „Jup* findet. Die wissenschaftlichen PpriSfragen der Akademie sind überhaupt ohne Resultat geblieben.. Die Akademie sah sich daher veranlaßt, den für Ende September angesehten Termin für. die Einreichung von' wiffenschaftlichen. historischen und dramatischen Arbeiten bis Ende Dezember htnauszuschleben. Die Akademieleitung ist sich jedoch bewußt, daß auch diese Terminverlängerung keine großen Resultate ergeben wird.. Landtag von Niederösterreich- Land. Man hat e§ im ländlichen Landtag von Nlyberösterreich entdeckt: an allem Uebel sind, die Qstjuden schuld.,Die Landwirte liefern nur deshalb keine Lebensmittel, weil sie ihnen von den ^Ausländern, besonders Ostjuden" im Tauschwege gegen Zucker und Petroleum abgenommen werden. Jetzt weiß Wien, warum, es. hungert. Die Bauern, diese kecnehrl chen, niederöst -rreichischen Bauern würden ja beiA3Bien«rit gern die Lebensmittel zu billigem Preise geben, aber die ostjüdischeit Hausierer zwingen sie direkt, zu schleichhandeln! So spiegelt sich im Kopfe des Abgeordneten Mittermanu und feiner Genossen die Welt. Und man lenkt wieder einmal auf die Ostjuben ab; es ist bequem, Kostet nichts und freut den trefflichen, niederösterreichischen Wähler, der keinen Ostjuden leiden kann, aber mit ijm, ach, so. gerne, schlcichhandelt! Nachstehend der Verlauf der Sitzung! Präsident I u 111 eröffnet um 10 Uhr 30 Minuten Mä Sitzung und hält dem verstorbenen Abgeordneten Kittin.ger einen Nachruf. ' Die Abgeordneten Koppensteiner und Genosse» weisen in einer. Anfrage, auf die schleppende Durchführung des WtederbesiedlungSgef/etzeS hin; trotzdem eineinhalb Jahre seit Beschlußfassung d«S. WiederbesiedlungLgesetzes vergangen seien, sei in vielen Orten noch v/cht einmal die im Gesetz vorgesehene Behörde aufgestellt. Von «Aer vollständigen Aufnahme der gelegten Bauerngüter^ sei noch weniger gesprochen worden. Darüber herrsche in der ländlikchen' Bevölkerung ungeheure Erbitterung und allgemtzirr lieberzeugung, baß der Großgrundbesitz wieder^ fest im Sattel sitze und die Agrarbehörden vollständig Unter stineck Einslnß stehen. ' ,' * Die Äbgoorbnetett M it term an n Und Ge no sstn richten eine Anfrage, betreffend dir. Schädigung, die der legitime Handel bürch di: Ansschreilungen des Hausierhandels und! des unbefugten Handels auf dem, flache» Lande erfährt. -Die Anfragesteller ryttsen darauf hin, daß eine große Zahl I von Besitzern von Hau sterblicher« aus dem Lande, unter Ihne» | sehr viel Ausländer, besonders Oftt»den, mit demHausier- , gewerbe zugleich auch die Hamsterei und den Warenaustausch I betreiben. Insbesondere blülie dieser Tauschhandel im Zwettlvr Bezirk mit stnatlüh bewtrlschufteten Artikeln, wie Zucker und 1 Petroleum, welche Artikel in onsehulichen Menge» mr La^>