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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-30 · Heft 693 (30.12.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 693 (30.12.1920)
Date
1920-12-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis SS Kronen Einzelpreis SB KroneA Prännmerationspreis«: Ellen: »am Abdolru ra »er tofMHo*'& ttaihf; IMmn Ar«fte! biß 3, ober in ciucr SrrCflM&Rcfle itrofin: VtiwntHA . - Kronen »<*.— vtertekjährltch „ 15«.— Mit Postverinnd «ftr Wien un» Ctftcmiitj: MonatliA . * Kronen 50.- TicheAo-Slowakei: Mpnotlich . . Kronen lS.— «ierteljakrtt» .. d» tschecho-slsw-kischer Wädnm, Ungar« Monatlich . . Kronen 50.- vierteiiatzr Wiener 150.- vierte>iat»rl«ch I5C in wmdHfdirr S«vrun- Anqoflawren: Monatlich . . Dinar Vterieljüvrltch « *4.- Prä««mera1ionspreiftt Monatlich?f'fiWflrl wd Bt-rteliakrlich „ VMr2 in polnischer WSHrnng Drvtschlan»: Monatlich. . . Mark I<^ Orenfret»: _ , Moaatlich . . Krane» i Italien: Monatlich . . Lire < Rnminie«: . Monatlich Lel" 15.— Schweiz: «. da» übrige Monatlich. . . Franc» «.-4 Redaktion«. Admtniftratio« Wien.«.Bez..radorpr.l Telephone: Admintstrotlo» 440 »«. Sievaktio« 4-iSI», ab » Uhr adends Sir. IS »Ä Uipftlparlasfentonio IM 01t. 693 Wien, Donnerstag öen 39. Dezember 1929 2. Jahrgang Reparation. *-y. W ' c n. 30. Dezember. Die österreichischen Staatsangestellten haben an die Reparationskommission ein Memorandum mit einer Darstellung ihrer Notlage gerichtet. Sie verlangen, die Kommission solle den Ententestaaten davon Kenntnis geben, daß der Staat nur durch eine großzügige finanziell Hilfe erhalten werden kann. Dieser. Schritt erhält durch die letzten Vorgänge eine sehr deutliche Illustkation. Die staatsfinanzielle Lage bietet für die nächsten Tage keine Sicherheit für eine geordnete Gebarung. Man spricht bereits in den parlamentarischen Kreisen von der Notwendigkeit einer neuen Milliardenermächtignng für den Finanzminister. Die Stadt Wien muß eine Staatsaushilfe ansprechen, um aist 1. Jänner ihre Angestellten bezahlen zu können; die Staatskassen sind notleidend geworden und werden die Anforderungen des Jahreswechsels nur mit Mühe bestreiten sonnen. Die Praris des Nebe'-wälzens ans tue Konsumenten, die der Staat schon seit langem wie jeder andere Wucherer übt, tritt natürlich prompt in die Erscheinung.- Der telegraphische und telephonische Verkehr wird teurer, das Driesuorto soll folgen. Die NeparationSkommission gelangt also in den Besitz eines neuen Memorandums. Sie hat deren bereits eine stattliche Anzahl gelesen, bearbeitet und ordrumgsgemäß an ihre Auftraggeber weitergekcitet. Sie Min stch in ihren Berichten auf die Schilderungen der nieten SonderderegatwHu _ berufen, dj? Jue4&oe Berufe-und Schichten Oesterreichs seit" zwei Jahren' prüfen und ans Enqueten ein reiches Material gesammelt haben, das den Ententeregiernnaen jede gesuchte Aufklärung geben kann. Zn Paris und in London, wie nicht minder in Nom , .und Washington liegen Gesuche der österreichischen Negierung, welche in der klaren Sprache der Ziffern alle Ungeheuerlichkeiten in der Preisgestaltung, in' der Bevölkerungsentwicklung, im Verkehrswesen, bis ins einzelne schildern. Tie Ne- Parations kommission hat zu wiederholten Malen ihre Bereitwilligkeit erklärt, ein präziser Fürsprecher Oesterreichs sein zu wollen. Aber eine Wirkung hat sich, abgesehen von wohlwollenden und kenntnisreichen Zeitungsartikeln. bisber mir in geringem Ausmaß gezeigt Man hat Oesterreich so weit geholfen, daß es gerade nicht verhungert. lieber diese Darreichung milder Gaben, die wir mit Dank entgegennehmen, obzwar wir sie teuer bezahlen müssen, hinaus ist nichts geschehen. Aber unser öffentliches Leben zeigt einen solchen Vcffall, daß inan fast versucht ist, von einer^Zersetznng der staatlichen Organisation zu sprechen. Ein Streik folgt dem anderen, die Teuerungswelle schlägt immer höher, die Bolksseuche der Tuberkulose und die anderen Folgen der Unterernährung und des Hungerkrieges zeigen eine an den dreißigjährigen Krieg.erinnernde Ausbreitung. Das Memorandum der Staatsangestellten soll, also an die Entente zur Kenntnisnahme geleitet werden. Wird es dört eine bessere und freundlichere Aufnahme finden? Die NeparationSkommission. an die sich jetzt wieder das Vertrauen so vieler Angehöriger des Staates wendet, hat — man übersieht dies für gewöhnlich?- nicht die Aufgabe. Oesterreich zu helfen. Ihr Auftrag bestellt darin, die Höhe der Entschädigungen festzustellen, die Oesterreich nachdem verlorenen Krieg zu bezahlen hätte. Sie soll nicht Oesterreich reparieren, sondern die Ansprüche seiner Gläubiger sichern. Dieser Auftrag kann 'nicht znr Erfüllung greifen. Oesterreich hat nichts'und wird auch in absehbarer Zeit, solange es unter hem Druck der Kriegserklärung von Saint-Germa'm /ftcbt, nichts besitzen, was die Gläubiger anzieben Kurte. Seine Naturschönheiten lassen sich nicht in bare Münze nmsetzen. die Landwirtschaft ist völlig unentwickelt und die Industrie labmgelcgl. Die Haltung der Siegerstaaten beweist, daß sich die Negierungen dieser Sachlage nicht ganz bewußt sind. Entweder erscheinen ihnen die Berichte der NeparationSkommission nicht zwingend genug ober diese Körperschaft verfügt bei ihren Vorgesetzten nicht über die notwendige Autorität, um die Schlüsse, die sie aus der Situation zieht, dnrchzusetzen. Dies ist aber nur zum Teile richtig. Alle Schritte der Meparationskommission, die stch auf die Kohlensicheiung Oesterreichs bezogen, hatten Erfolg. Eben erst ist auf ihr Betreiben die Kohlenzuweisung um 100.000 Tonnen monatlich erhöht worden. Aber das sind Anöhi^ek. die entweder aus Deutschland oder aus der MWMgUg eines Qlegrsphenuns ceiepdonstteiks M den ro. Wner im Die Forderungen nach Preisabbau. W i e n. 2Teu’ni,'<,r. Die Vertrauensmänner der Telegraphen- und Te- ^ephoncmgcstellten, sowie auch Delegierte des weiblichen Personales, nahmen in einer heute abends abgehaitonen sehr zahlreich besuchten Versammlung Stellung zur Haltung der Negierung gegenüber den Beschlüssen der letzten Vertrauensmännerversammlung in der P r e i s a b b a u° frage. Den Vorsitz fürte-der Sekretär der Technischen Union H a w l i s ch. Der Präsident Abgeordneter Zelenka gab der Versammlung bekannt, daß auf die der Negierung übermittelten Forderungen wegen des Preisabbaues die Antwort am 27. d' M. eingclaugt sei, die im großen und gclnzen mit der den Südbahnern abgegebenen Erklärung übet ein stimme pnd die Anküwdiguug'enthalte, daß am 19p'Jänner .eine. K o m m ission vstst g e w e r kschaftl ichen und Konsu mentenorganisationen sowie von Vertretern des Gewerbestandes embeiufen lperde, »m-über die geeigneten Maßnahmen im. Interesse öeZ Preisabbaues und zur "" Redtterlegte Wer^ t)arauß^'f^ Ankündigungeines Telegraphen- und -Telephonstreifs seitens d,er Technischen Union nicht deswegen erfolgte, weil. sie sich etwa' beleidigt fühl? durch die allerdings etwas verspätete Beantwortung ihrer Forderungen. Er trat dafür ein, daß «die Telegraphen- und. Telephonangestellten noch-die kurze Frist abwartcn sollen, um zu sehen, ob es die Negierung tatsächlich drnst meine mit dem Preisabbau. Wenn> es sich zeigen sollte, daß die Kommission nur eine Farce sei. dann werden die Telegraphen- und Tclephonangestellten sofort^ den Streik proklamieren. Im Interesse der Aufrechterhaltnng tzeA wirts5)aftlichen Lebens empfiehlt. Abgeordneter Zelenk a die Durchführung des Streiks etappenweise. Den Beamten könne nicht zugemutet werden, daß sie einer Gesellschaft von Schiebern und Wucherern zuliebe ihre Interessen und auch die des Staates preisgeben, daher werden sie die Negierung zwingen, entscheidende Maßnahmen, sei es auch im allerletzten Momente, anzmvenden. Zugleich empfahl Redner die Entsendung eines Mitgliedes des Zentralansschusses in die Kommission, welches den Standpunkt der Telephon- und Telegraphen«, angestellten zu vertreten^ haben wird. - , In der Debatte gab sich eine sehr erregte Stimmung kund. Die einzelnen Redner pflichteten der Anschauung des Abgeordneten Zelenka bei, bis zur Einberufung der Kommission am 15. Jänner zuzuwarten. nahmen aber gegen die Negierung eine sehr schroffe, ablehnende Haltung ein. Delegierter Wernerchellts den Antrag, daß die Proklamierung des Streiks der Telephon- und Telegraphenangestellten am 20. -Jänner zu erfolgen habe; dahin zeitigen' söllt^''Post elster etappemMfm^DmM führung des Streiks sei Abstand zu nehmen.' — Die Versammln,rg stimmte, nachdem auch eine Delegierte den Anschluß der weiblichen Angestellten ausnalMslos zugesichcrt hatte, diefem Antrag einstimmig zu. Abgeordneter Zelenka kündigte an. daß die Vertreter der Organisationen der Regierung Vorschläge unterbreiten werden, und gab eine Reibe von Zustimmnngskundgebungen aus' Wien umd der Provinz bekannt. Als Delegim-ter in: 31« Kommission wurde Zentralausschuß Werner.nominiert. ' tmf- Der „Matin" verorfentlicht einen Auszug ans einem vcrlranlichen Bericht über die deutschen rcaktionären Umtriebe in Mitteleuropa nach dem Äapp-PuUch, mit dcsicn Verössentlichnng die „Times" begonnen haben. Nach dicsem Berichs habe das von General Ludend o r f f geleitete Aktionskomitee angesichts des geringen Erfolges, den es in Dent'chland für die Gegenrevolution fand, Gruppen nnznfriedencr Ausländer angeworben nnd beschlossen, die neuen in Mitteleuropa eingeführten Negicrnngssormen zu brechen, indem es zuerA Oesterreich treffen wollte. Zu diesem Zwecke sollten'alle verfügbaren militärischen Formatronsn allmählich nach dem Süden verlegt wcrdep, nnd cs sollte im November oder jedenfalls vor dem Frübiahr rin Angriff gegen Wien beginnen. Auch die gegenrevolutionären Elemente Rußlands nnd Ungarns sollten Mitwirken. Oberst Däner nnd Trobitsch-Lincoln, wir haben dieses Individuum kürzlich charakterikommt sie ist doch nur ein Tropfen auf einen hrißen Stein. Kredit, Vertrauen, das sich in Arbeit reolisteit, kann nur von'den großen Staaten der Welt, vornehmlich von England und Amerika, kommen. . . . Diese Staaten sind mjt' Sorgen anderer Art überhäuft. Sie haben entweder mit der Liquidierung ver Krie^vrobleme oder init den — durch den Sie.g und die bessere Organisation abgoschwächten — Folgen der Kriegswirtschaft zu tun. 'Aber ihre Sorgen stammen zum großen/Teil aus der Unterschätzung der Schwierigkeiten in Mitteleuropa rmd aus der Infektion aus dem von ihnen durch die Versailler Traktate geschaffenen Krankheitsherd. Der Schuldner kann nicht zahlen, und da? gefährdet auch den Glänhiger. Freilich.entstellt da auch die große Frage, ob der Sch'ckdner alles versucht hat. .um sich emvorzurassen und sich Bcrtrai'en zu erwerben. Diese Frage kann nicht besabt werden. Oesterrerdfi ist durch das. Pa''t'?iw?scn und durch den Varteroger-k."ns verv'i'stet' Kein Stand traut dem .in^ccn. stert, seien am 15. Mai ln Dubapest eingerrosfen nnd' am übernächsten Tage von Horthy empfangen worden, den str nach längerem Zögern überredet hatten, sich der deutsch-russische» Kombination anzuschließe». Vereinigte Staaten von Mittelamerika Grvatemala, 29. Dezember. (Tel.-Komp.). Dis Freistaaten Guatemala. Honduras, San Salvator, Ni- . caragua untCostarica haben beschlosscu, sich zuVe.einigten Staaten von Milbclawerika zuianunenzuichl'.eßen. Sie werden van jetzt ab eine Einheitsflaggs führen und' eine gemeinsame diplomatische Vertretung besitzen, (£$ ist ferner eine Veeeinheitlichung des Zoll- und Mün^- Wesens sowie der Verlehrseinrichtungen zu Wasser und'; zu Lande geplant._ Hamerule für Irland. LMÄon, 27. Dezember. (Reuter.) Der König hat die Homerule-Bill für Irland unterzeichne^ . Ks Mr bitte Lilie aeitaeredU j tm kein Ve^irL, göiuU dem anktsa Mtz i Eristenz. Unsere Politik wird von der Schadenfreude beherrscht/ die nach dem Philosophen die reinste Freude fein soll, uns aber herunterbringt. Und die Wucherer ist Stadt und Land, die heimischen und die Frernöen, nützen die Konjunktur, die ihnen aus einer verantwortungslosen Regiererei, aus einer in Armut veg-tierenden^. Beamtenschaft, aus einer in Almosentun» depravierten Bevölkerung, und aus einer von Geiz, Ehrlosigkeit und Gier beherrschten Bauernschaft erblüht. Geistiger, mateneller nnd seelischer Aufschwung kann, aus solchem Milien nicht kömmen, das nicht einmal die moralische Kraft zur vollen Erfassung seiner Lage auf» bringt. Diesem Mangel kann niemand anderer stbhelfen als Oesterreich selbst. Aber Armut kommt von Powertät. Oesterreich muß zuerst Arbeit erhalten mch in die Weltvrodnktion wieder eingegliedert werden. Dana wird es stch mrch politisch erholen können. Voraussetzung aber ist «die rascheste, die sofortige Hilfe Entente.

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