Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 692 (29.12.1920)
- Date
- 1920-12-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 698 1 .. 96««; Mittwoch iareit fies christlichen Aursrk itziitir lwticn könne», seine» Rückfall nicht verzeihen konnte. Das Urteil gegen die Volkskommissars beweist v»x «euem, daß man -einer einzigen Zusicherung einer Horthy-MgiekUttg, endlich Menschlichkeit in der Politik walten zu lassen, trauen darf. Horthy-Ungarn trotzt dev ganzen Wett, weil eS weiß, datz bk ganze Welt schwerfällig ist und nicht mobilisiert werden kann. .Solange Hokthh und seiner Bande dieser Glaube nicht genommen wirdwird «S in Ungarn BltttNrt^^- Ber^ folgungeki und Bedrückungen geben. » ' ■ Prag, 23. Denmber. (Privat? Piästdent Maiirtzk wurde von ungarischen SozialvemoKaten m «inte Fnttivinnon zugunsten der «ngurischm TolkSkomm ffäre aufgcfordert. Bor «i«er neuen Wahlordnung ln Pole«. Aus Warschau wird uns geschrieben; Bekanntlich geht die Funkt.onsdauer deS jetzigen Sejm zu Ende und in ten nächsten SJbnatpr sollen Neuwahlen erfolgen. Wie nun der „Hajut" aus einer polnischen. Preßquelte mitteilt, soll die Wahlordnung , für den neuen Sejm geändert werben. Statt wie bisher auf 50.000 Einwohner soll nunmehr auf 75.000 Einwohner ein Abgeordneter entfalten. Ferner soll eine neue W a h U iz etsei n Leilung vorgenommen werden, durch welche die städtische» Wahlkreise noch mehr mit ländlichen Kreisen durchsetzt worden, als es bisher der Fall war. Wenn diese Meldung richtig ist, so. bedeutet das, daß die Zahl der jüdischen Mgsordneton im neuen Sejm noch geringer fein wird, als sie im alben war. Die Juden Polens, welche etwa 31 Prozent der Bevölkerung des polnischen Staates bilden, hätten im letzten Sejm unter 415 Abgeordneten 45 Sitze haben müssen. Durch dis WahlkrslSeintellirng, die so angelegt war, baß hie Jude«, welche StadLbervohn-er sind» durch Einsch'ebung ländlicher Bezirke in die ' städtischen. Wahlkreise urinorisiert wurden, ist es nur möglich gervessn, acht südischnationale und zwei orthodox« jüdische Mgeordneto durchzubringen; außerdem sind ein paar Sozialdemokraten in jüdischen Wahlkreisen gewählt worden. (Dr. Diamond ist übrigens ein ,-ernannter" Wgeord« ireier, da die Äbge-srdtteLen aus Ostgalizien nicht gewählt, sondern sozusagen aus dem alten österreichischen Parlament „übernommen" mürbe«. Ebenso ist es mit einigen assimilatorischen Polen mosaischer Konfession — Löwensiein, Steinhaus, Kolischer — die in polnischen PärteiklubS fitzen.) Im ganzen gibt M im heutigen polnischen Sejm nur etwa 16 bis 17 Juden, das sind 40 Prozent der Zahl der Mandate, die den Juden gebühren würden. Wenn nun die Zahl der Mandate, verringert und überdies die Berlcirtdlichung der städtischen Wahlkreise noch intensiviert wird, so wird der neue Sejm eine verschwindend kleine Zahl jüdischer Volksvertreter haben.. Es scheint, daß selbst die bisherige Zahl den Kreisen, welche eil«: neue Wahlordnung vorbereiten, zu groß ist. Es wirb sich darum handeln müssen, den Schlag, welcher der jüdischer Vertretung droht, rechtzeitig durch geeintes politisches Handeln zu parieren, sonst laufen die Juden in Polen Gefahr, um ihre ohnedies geringen Rechte verkürzt zu werden. Ein rnmLnischer Minister Wer die jüdischen Minderheitsrechte. Minister M ihali äußerte dem Korrespondenten des „Uj Kelet" gegenüber auf. dessen Frage, ob für die jüdischnationale Minorität ein besonderes Ctaa ssekrela. riat oder ein spezielles Ressort im Ministerium für die Minoritäten errich'.-et werden, wird, daß bisher in bezug auf die Form noch keine Entscheidung getroffen worden sei, aber so viel sei sicher, daß die Inden unter den nationalen Mi nvritä ten die ihnen durch das Zahlenverhältnis gebührende Stellung eingeräumt erhalten werden. (I. P. Z.) Hauptausschutz. In der gestern abends unter dein Vorsitze deS Präsidenten Dr. W e iSkirchner abgehaltcnm Sitzung des HauptausschusseS wurde den Verordnungen, betreffend die Ein-, ÄuS- und Durchfuhr von Waren über die Grenzen Oesterreichs, wegen Festsetzung von Höchstpreisen neuer Zünbholzpacküngen; über die Erfüllung der in der vormaligen Abstimmungszone I in Kärnten in jugoslawischen Kronen begründete,i privatrechLlichen Verbindlichkeiten die Zustimmung erteilt. Bei der Verordnung über dir Beschränkungder Kündigung bestimmter DienstLsverhättuisfe wurden zwei Anträge Eldersch angenommen, wonach in den 8 1 die meriwrischett Bestimmungen der 83 20, 21 und 22 des Antrages Fischer, K.etzmayr, Steineggor und Genossen, betreffend Schaffung eines zeitgemäße^ Angestelltenschutzes, anzunehmen und, die eine Verbesserung der Kündigungsfristen gegenüber dem Entwürfe der Regierung beinhalten, und in § 3 die Abänderung erfolgt, daß die Abfertigungen von allen Unternehmungen ohne Rücksicht auf die Zahl der Beschäftigungen zu leisten sind. , In der Verordnung über di« Wiedereü.stellung der Aimbehrer. wurde die .Höchstgrenze, welche durchj _ Wiensr MvvgrrrzeiLurrs Au unsere x». t.,AböNMnten ' und Leser! - ' Am 1. Jänner beginnt' ein neues Abonnement aus die „Wiener Morgenzeitung". Wir ersuchen unsere Abonnenten, die Erneuerung dek Bezugsgebtihren sofort vorzunehmen, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintreie. Wir ersuchen, die neuen, ab 1- Iiintter geltenden Bezugsgebühren zu beachten. Obwohl diese eine namhafte Steigerung aufweisen, reichen sie doch nicht aus. um den durch die in den letzten vier Wochen rapid ansteigenden Kosten der Verstellung unseres Blattes, der Löhne und der Gehälter erfolgten Ausfall voll m decken. Dies kann nur durch eine bedeutende Steigerung des Absatzes der „Wiener Morgenzeitung* geschehest. tt nehmen Me GeleaenhelL w&H, rmseee Arettnde iiftb Wstrieiersnoffen %nv int nstvsten Dropasanda für die „Wiener Mosg"nhei1«nn" Ktrkznrsrie«. Jeder unserer Freunde mache es sich m Pflicht, in den nächsten Tagen der .^Wiener Morgenzelrung* einen neuen Abnehmer zuzuführen. Äbonnementpreise ab 1. Jänner 1921: De»«tfchösterreich monatlich . . . . * . . . »Kr. SO*-* Einzelexemplar 6n Wschentase« . . . n 2.— «n Ssn«-- und Fsiettasen ........ ,» S.— Lfchecho-Slomakei monatlich ........ KS. IS — Polen monatlich. . . . .... . . pot». Mark SO.— ^«-oslamre« monatlich . . Dinar 8*— Deutschland » ........... Mark 10.— RumSnle« „ ..... . . , . . Lei 18.- HoLand „ ........ holl. st. I SO Schweiz ,, . >.. . ... . . FreS. 3.— England ,ii sTb 8.— 5ltaNe» »» .. Are 6. - Amerika » .. . . DoSar —.80 Zahlstellen: ' desterteichischso?P0Marvaste«kö«to 180.003. Tfchechs-iko«?ar«rscheS Postsyaekastenkonto SS.381. Polen : Wiener Lombard- «nd Gsbomptebank. Filiale Krakau» Rynek IS. . Aumanien: ÄTgemeine Depsfitenbank, Filiale Ezernervitz. Zn-oslaMte«.' Mer KiZieKp. «!«., Vstj«K l, Gakev tv§ broj 11. Dsutschrand; Zeitunasbnreau Hamemaster, Berlin 6.54, Slossnthalerstratzs 4S. Aus den anderen. Staaten wolle die Bezugsgebühr im Wege einer Bank, welche mit Wien in Verbindung sieht, überwiesen werden. Die Verwaltung der „Wiener Morge«zsit«ng". Misrr. TabvrstraKe 1-3. Del. 44038 mb 43 319. dje Erhöhung des Entgelts erreicht werben kann, nach einem Antrag Eldersch mit dem Betrag von 10.000 Kronen nrona'lich statt, wie im Entwurf vorgesehen, mit 4000 Kronen fe^gesetzt. Im übrigen wurde auch diesen beiden Berorb-» - nungen die Zustimmung erteilt. Den An'regen der Bundesregierung wegen Erhöhung der Telegraphen gebühren /sür den Inlands- Verkehr sowie der Fernivrech- und Aernsprechteilnehme'g'bühreu wird mit Mehrheit zugestimmt. Den Vor-5li"'"^.'u, öc!rejftnb kie '^rnennuizg des Do. Max S ch u st e r zum Präsidenten, des Pauk Hock und Dr. Friedrich Tozner zu SerratZpräsidenten und des Dr. Rudolf Herr mann,- Dr. Hans Schnelle, r, Dr. Wenzel K a m i tz und Dr. Friedrich Schubert zu Mitgliedern des VerwaltungsgerichtZhofes, würbe zugestimmt; bezüglich der vier noch erübrigenden S ellen beabsichtigt dis Negierungwie Bundeska-rzler Dr. Mayr erklärte, eine neue Kon-» kursansschreibung. MedsrSsterreichlscher LaRdtag. In der gestrigen Sitzung des Landtages berichtete Abgeordneter Segur namens des Ausschusses zur Beratung der gemeittsamen.Landesverfassung von Mederösterreich über den Initia'iwntrag desftlöerr zwecks Schassuug der gemeinsamen LandeSversassung. Er besprach die einzelnen Bestimmungen dieses Vesttzentwursts und wies darauf hin,, daß die Kosten für die Verwaltung der genreinsamen Angelegenheiten zwischen dem Landestcil Wien Und dem Lan-eäteil Niederösterreich im Derhkltr.ii von 70 zu 30 aufgeteilt werden. Nach einer aussührlichen Debatte wurden dir Anträge deS VerfasfurrgsäuSschüM ' i**ctt stilistischen, vom Berichterstatter vorgrschlageneu Aenderungen ang-uommsn». LandrShauptmanU e v i t sprach den nicht weht in Leu gemeinsamen Landtag, beziehungsweise in die Landesregierung zurückkehrruden Abgeordneten und 'Funktionären dsu 76ank für ihre Mühewaltung aus und bat die Landesräte rrnd Mitglieder der LanbeSre^r.'ruttg, die Geschäfte bis zur ersten SitzNng deS komntenden gemeinsamen Landtages aul 1. Jänner 1631 weiterzusühreu, damit kein Dakuuin einirete. Der gemrimsame Landtag von Rieder- Sstrrreich. Nach einem B richte, den gest rn Gcme'nberat Dr. Dauueberg im S'adt,'.' \at e.stat .'t>r, wird der j gemeinsame Landtag von Niederösterreich aus 120 Mit- / 29. Dezember 1920 '/SLite'3^, gliedern bestehen, von bEnen 68. der' Kurir Stadt und 62 der Kurie Land spiederöst'erreich'Ä'ngehörtzrr. Vm' den 68 Mitgliedern^ der Kurie Stadt gehören 42 .del sozialdemokratischen, 21 der christüchsoziaken Partei, br^ den Tschechen, eines den Deutschnationalen und «ine^ den Zionisten an. .. . > - Die bisherigen sozialdemokratischen Mitglieder, bis auf die Kurie Stadt entfallen, werden auch weiterhin , dem gemeinsamen Landtag angehören, mit Ausnahme von zweien, die zurücktreten, und zwar der Abgeordnede Dr. R enner und Dr. Zw i tli n g, um den Stadv räten Br e itner und Dr. Tand k er Platz zu machen. Am Donnerstag wird der Gemeindekat als Landtag die Wahl dieser Mitglieder vornehmen. Außer, 60 Kronen für. jede Sitzung erhalten dis der Kurie Stabt angehörigen Abgsordnetön Veinerlei sonstig Diäten oder Begünstigungen.1 ©ine Aktion der Staatsangestellte» bei »er Ssterretchischen Sektion -er Re^arationskommission. D^'.r Zentralverband österreichischer Staatsange-j stelltenversinigungLn hat in .feiner Sitzung vom 27.; .., d. M. den einstimmigen Beschluß gefaßt, mit Rück-l" sicht auf die bis aufs äußerste gestiegene Rötlage, der Staatsattgestellten und insbesondere auf die geradezu! verheerende Wirkung der in der letzten Zeit über Oestev-, '.i reich hereingehrochenen, stets zunrhmenderi Deuerungs-, welle an die österreichische Mektion der Netzarations-i kommission mit der dringenden. Forderung heoanAU^ ' treten, hier raschestens helfend einzugreifen. Ztatten gegen d'Annnnzio. Rach einer Meldung des „Popolo Romano" find d»e italienischen Rögierungstruppen bereits im Besitz der Stadt- . Fiume. Sine Bestätigung dieser Nachricht steht noch aus.. In den letzten Tagen war eö wiederholt zu Zusammenstößen.. der von Nitti gebildeten »königlichen Garde" mit den Fred, , willigen d'AnnungioS'gekommen. Die Agitation d'Annunzios zielte darauf ab, das gesamte., Küstengebiet und das julifche Benezien zu revolutionieren und so die Nationalisten bei ihrem Sturmlauf gegen das Kabinett '' Giolitii zu unterstützen. Die Gefahr, die hierin für Italien liegt, konnte nicht mehr unterschätzt werden. Den Putschisten von rechts stellten sich, die Sozialisten entgegen, die, gestützt auf die Wirkung der Lebensmittelnot und den Radikalismus < der vielfach obdachlosen DemobÜisierten, ihre Pläne, in den Besitz der politischen Macht zu gelangen, jetzt reifen sahen. Da ein - Teil der -Flotte und des. Landheeres mit d'Annunzio offen sympathisierte, mußte die Regierung zu scharfen Maßnahmen,. , schreiten. Das julifche Benezien wurde unter Äusnahms- . Zustand gestellt und eine große Macht unter Befehl des ' Generals Caviglia gegen ffmrtie auf geboten. Die Sorgen der Regierung wurden noch^drirch die Vorgänge in Triest, wo ei« ., Streik der Hafenangestellten und der Postbediensteten im Gange ist, und durch diplomatische Schritte Jugoslawiens der- ' mehrt. Giolijti bezeichnet« einem amerikanischen Journalistim^ gegenüber d'Annunzios Verhalten als ein BöckrecheN, dü 'edden Bürgerkrieg anstrebe. - j Nach einer Mitteilung Gioliitis befindet sich d'Anuunzw' am Leben. Ern Kriegsschiff hat gegen die Kaserne und Me ,. Kommandantur von Fiume Schüsse abgegeben. In der Stadt.. soll es zu Revolten der Zivilbevölkerung gekommen sein, die ■ von d'Annunzio gewaltsam niedergeschlagen wurden. Der -Gemeinderat von Rom ließ auf dem Kapitol die schwarz^ . Fahne hissen. v; Im Laufe des TageS dauerte das beiderseitige Feuetz mit Unterbrechungen fort, ohne daß eß zu bemerkenswerten Kampfhandlungen gekommen wäre. Ein Frumaner Flugzeug landete bei Jaule und wurde eobeutet. Die Cinkveisungdlinie wurde verbessert und verstärkt. Der Bürgermeister von FrUMe,- Gigante, und der Rektor für Militärwesen, Wen tuni^ erbaten vom Divisionskommandanten von Abbazia eine Zu»?, sammenkunft, die auf morgen vormittags onqesetzt wurde., In Triest sind 6 Offiziere und 73 Soldaten eingetroffen, die . sämtlich leicht verwundet find, darunter nach ein Offizier unß.^ ein Soldat auö Fiume. » $ Rs«, 83. Deiember. (Funkspruch.) Die Cchristleitnng der. „Stomp»* wurde durch eine von Nationalisten geworfme BombL beschädigt. >• Der vereitelte Angriff -er HeNas- Bnnditen anf Pretzdnrg. Prag, 28. Dezember. (Privat.) Zu dem Äntzrrff^ versuch der ungarischen Horthh-Banditen auf Preß^ ' bürg lvird noch berichtet: Der Angriff sollte von 2800 Mann bewerksielligt werben. Schon einige Tage frühex'iwaren in Preß bürg mehrere ungarische Offiziere' bööb-- - achiot worben, welche mit der ungarischen Bevölkerünss Beziehungen anknüpfen wollten. Die kompetenten Be- . Hörden hatten jedoch von dem Anschlag rechtzeitig Kenntnis, erhallen und sofort die nötigen Maßnahmen; getroffen. Es wurden sogleich alle öfftutkichen Gebäüde? sowie die Brücken besetzt, lokale und iuterntbane #&Wl phongespräche waren verboten und für ganz PreßburA' die Militärbereitschaft angeordnet worbon. -- Heut« herrscht in Preßburg wieder vvllkomnwttS. Ruhe. - - Zieligowskis Wahlordnung. ' WarfchM, 26. Dezember. (Del. der ,Misner Morgen» zetüing".) General Migowsii, respektive die von ihm ein« i gesetzt« provisorische NegiermigSkommission für Zentrat- \ Litauen tu. Wlna, will befa.Mtt' '■ nn Stelle tat KlöttH-j