Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 692 (29.12.1920)
- Date
- 1920-12-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Banat 1× ep/1272623
- Haifa 1× ep/1047930
- Ukraine 1× ep/1001131
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Seite 4 Wien, Mittwoch Wiener' Msv^erizErrngi kbstimmung im Wilnaer Gebiet dir Entscheidung über nie Zugehörigkeit dieses Gebietes in die Hände eines „auf iemokratrscher Grundlage freigewählteu" Landtages von j-entral-Litauen legen, dessen Wahl in der nächsten Zrtzt erfolgen soll. Die demokratische Grundlage -vses „VvlS- Parlaments" geht aus der nunmehr offiziell veröffentlichten Wahlordnung zu diesem Landtag deutlich hervor. Danach haben das Wahlrecht alle diejenigen, dir älter als 18 Jahre und folgende Bedingungen erfüllen: 1. JmGebictr von Aentral-Litauen geboren sind; 2. in diesem Gebiet unbeveyliches Vermögen besitzen; 3. in den Liste« der Dorf- oder Stadtbewohner eingetragen sind; 4. frt einer Legierung- oder Selbstverwaltungsinf i. rction von Zentral- Litauen tätig sind; 5. mindestens feit 1. Jkmner 1920 i« Gebiete von Zentral-Litauen wohnen. Milltärpersoneu, oelche zur Zeit der Wahl sich im Gebiete befinden, haben chenfalls das Wahlrecht. Die Wahl ist geheim, Speich, streikt, allgenrein und proportional". Dis Wahlordnung begünstigt Zveligowflis Militär, velcheS bekanntlich durchaus nicht dem GeStete von Zentral- Lrtauen entstammt, dis polnische» Bewohner des ß^HieteS, indem sie das Wahlrecht an den Realbesitz knüpft, «nd schließt dadurch vielfach die Juden und Litauer aüS. Offenkundig gegen dir Juden ist der Passus über, die Eintragung in die Bürg er listen gerichtet, da bekanntlich vährend des zaristischen Regimes Jude» in die Bürgerlisten mt unter großen Schwierigkeiten eingetragen werden konnten. Me diese Bedingungen und schließlich die Bedingung der »-»jährigen Seßhostizkeit widersprechen bem Prinzip eines dernstratischen Wahlrechtes und lassen die Kompetenz deS isejm für die Entscheidung über die Zugehörigkeit Wilnas a!S gänzlich illusorisch erscheinen. Drtl;»ra «Ser ei»e FrLhjahrskKMpag«e in der AKrskne. Wrrrschrm, L8. Dezember. („Polnische Stimmen.") Polnische Blätter veröffentlichen Wrußsrungen Petljuräd über eine Frühjahrsvantv-rgns in der Ukraine. Der ukrainische Ataman erklärte, er sei überzeugt, daß im Frühjahr auf der ganzen ukrainischen Front neue heftige Kämpfe aufflammen werden. Die b-alschewikische Wirtschaft habe in der gesamten ukrainischen Bevölkerung große Erbitterung erzeugt. Die Erregung werde im Frühjahr zum Ausbruch kommen. Tie Kämpfe werden «n Innern beginnen. y- Der „Ataman" beabsichtigt vffenLar, von Polen Ms/ wohin er sich nach der Zertrümmerung seiner RLuberarmee geflüchtet hat, mit tem Eintritt des Frühlings die Kampfe von neuem aufleben zu lassen. Wenn diesem Treibe^! nicht beizeiten das Handwerk gelegt' wird, so wirs das im Osten herrscherrds -GhaoS nur gtzfrsigsrr werden und der ^-nvige Pogrom, wenn überhaupt möglich, noch Verstärkungen erhalten.. Petljura als Orvnungmachcr ist denn doch ein^ zu traurige Figur Sund Tausende von überlrLendrrrJuden wissen davon ein gar zu schmähliches Lied zu singen. ZtoniMchrs Sieg bei Äe« Kultirswu-Hlen i» TsrrwM. , , Tarnow, 27. Dezember. (Tel. der .,Wr. Margenzeitung"'.) Bei den Wahlen in die hiesige Kultusgemeinde haben die Zionisten einen überwältigenden Sieg errungen. Von 21 Mandaten, welche zu besetzen waren, fielen ihnen 20 Zu. Die Assimilanteü konnten nur ein Mandat erlangen und haben damit eine ,vernichtende Niederlage erlitten. 1 ';v- MLljche staatliche Schsksn i« Z«Zs-- liawieiu v Srlifi Bttkrrek, 20. SeaemSer. Ms zionistische Dr«. tzamsation hat sich an den Belgrader- Unterrichtsminifter mit der Bitte gewendet, für 60 schulpflichtige Kinder jüdischer Nationalität eine staatliche-Schule zu er- Lichten. Der Minister hat der Deputation sofort eine günstige Erledigung in Aussicht gestellt und dieser Tage gelangte, wie bereits telegraphisch gemeldet, der Bescheid' herab, daß die staatliche jüdische Nationalschule bewilligt ist. Mit dem Unterricht wird in den ersten Zännertagen begonnen werden. Die Unterrichtssprache wird, da die Kinder im Banat bis zum Umsturz Deutsch und Ungarisch sprachen, vorläufig Deutsch sein, doch wird auf die Erlernung der hebräischen und ser° bischen Sprache das Hauptaugenmerk gerichtet werden, damit diese beiden Sprachen in möglichst kurzer Zeit als Untereichtssprachen proklamiert werden können. — Die Schule in Velikr Becke rek ist die erste staatliche jüdische Nationalschule in S. H. S. In Kürze soll dieser ersten staatlichen jüdischen Nationalschule die Er- Achtung weiterer Schulen in anderen Städten folgen. ^VerMschLe Nachrichten ans Palästina. Chaluzim unter 26 Jahren — die Einreise nicht bewilligt. Chaluzim unter 19 bis 20 Jahren ohne Verwandte dürfen, wie die Zionistische Kommission mitteilt, im allgemeinen nicht nach Palästina befördert werden. Jüngere Ehaluzim können nur in ganz besonderen Itusnahmefällen nach Palästina geschickt werden, wenn r physisch besonders geeignet und entwickelt sind. Zentrale Arbeitergewerkschast in Palästina. Wie MS Jaffa telegraphiert wird/ wurde bei der allgemeinen Arbeiterversammlnng, welche in Haifa zu wGfltoftijifi Üntlflehmi) hat, die Gründung -es. allge- Mitteilungen u«s^ dem Publikum. Amstsrdem Wien Antwerpen Erster fjrßsstcy Käicfcr für «us Br II In n fett/ Ferien Juwelen «tcr. KskonsAsZ'LLOk, Juwelier 1. Bezirk, WaxwiMänstrasse 5 Telephon 8541 2. Bezirk, Stephanie stresse 3, nur Im eigenen Hause .Telephon. 4514- Freitag ab 4 Uhr and Samstag geschlossen. Hdren Sie auch unsere Preise. B1 l .RILLaNTflS«. Pari««, dol fl, Sitten Platin u. Uhren kault nnd verkauft 77S ETTER Boteatnimstr. 33, fiSertsfellferstr. SS MW L»NS Yll.,ScMtenfe5^.24 AUSWAHL, Ifl LJXÜS- UND STIL- MÖBELN MÄSSIGE PREISE 440 MAYER eit rnrL neu ©n r?r»s nud n ÖctalX 8ll II«, Tahorstrasse 39 Kultus- -u. Jsisfiztalare SÄÄ Spezialisten Rudolf Goldstein, Schneidermeister, Wien, II., Taborstraaso b4. £ejrtUi<Iet t«66. Telephon *0». 781 s GH BEI Bmasch5nen ”J _ . Billigste Preise Leopold §&$e§mhart Wien, I., Biberstr. 9 -Tölephon Nr. 4073/VII! HAUS« und KÜCHENGERÄTE WOLFER, S. Bez,, 'Fa’borstrasse SO «einen palästinensischen ArberterperbandsS beschlossen. Der Verband . ist ein. Fachverband und wird sämtliche Institutionen >her Arbeiterschaft, die bisher von den einzelnen Parteien , selbständig eingerichtet waren, gemeinsam verwalten. Die Parteien bleiben daneben als politische Parteien bestehen. Bei der Konferenz,, die auf Grund allgemeiner Wahlen zusammengesetzt tvar und im/günzen 87 Delegierte umfaßte/ war Rchduth Haawodah durch 38 und Hapoel Hazair durch, 30 Delegierte vertreten. . ' ' 7 Die. ChausseeüLuie». Lu^ch ArLeitergeuoffenschasteu, Zurzeit werden Vorbereitungen getroffen für Ardeiten an der neuen Chaussee Liberias—^Täbea, 'die die Palästinensischen Regierung' der Achduth Haäwoda übergeben hat. Die Regierung hat Zelte bereitstellen Lassen, ferner' Lebensmittel und genügende Bekleidung. Die Bedingungen, unter welchen die ■ Arbeiter den Chausseebau übernehmen, sind Zufriedenstellend. Die Arbeitergruppe besteht aus 300 Personen. Eine weitere Gruppe ist mit der Ausbesserung der Chaussee Achuleh—Nazareth beschäftigt. Diese Gruppe ist 'vom ° Hapoe! Hazair organisiert. Jüdisch-arabisches Einvernehmen. In Obergcrlilüa. herrscht, wie dem „Haar ez" berichtet wird, jetzt vallst ä n d i g e R n h e. Die Bauer n ' und Arbeiter der zerstörten jüdischen Kolonien kehren zu ihrer Arbeit zurück und bessern die Schäden aus. Die Beziehungen zu den Arabern sind ausgezeichnet. Der Hauptanstister der ehemaligen Unruhen, Kamil-Sfendi, hat die Juden seines Wunsches nach Frieden versichert. Die Beziehungen zu den bisherigen französischen Behörden sind gute. Der. Transport von Baumaterialien , und Wirtschastsgcraten ist wieder ausgenommen worden.; Liberias erhält Wasserleitung. Liberias, das lvährend des Krieges elektrische, Beleuchtung, erhalten. Hai, wird demnächst auch eine Wasserleitung erhalten/ welche die Stadt mit gesundem Wasser versorgen wird. Die Rohrleitungen sind bereits zum größten Teil gelegt. Liberias-war bisher auf , das Wasser des Genszareih.' fees angewiesen, dessen Benützung aus sanitären Gründen unerwünscht ist. . Mnsikwesen in Palästina. In Palästina wände'Len in letzter Zeit zahlreiche aus Rußland geflüchtete her-' vorragends jüdische Musiker ein, von denen eine Anzahl an der Musikschule in Jerusalem tätig ist. Das Kougertwesev hat in - letzter Zeit -in Palästina lebhaften Ansschwung genommen. In Jerusalem, Jaffa und Haifa^ werden zahlreiche Konzerte veranstaltet. Stadt Tel-Awitv. Das ' jüdische Stadtviertel Jaffas, T e l - A w i w, hat vom Oberkommissär daö Recht erhalten, sich als f e l bst ä n d i g e ' Stad t g e* tnetnbe mit eigenem Magistrat zu konstituieren. Em jüdisch-rrchäologischeS Institut. Die Jüdischarchäologische Gesellschaft erötfnete diesen Monat ein Institut für palästinensische Archoologie. Dr. Slousch wird Über die hebräischen, phönizifchen und aramäischen Schriften und Nafaeli über die hebräischen Münzen lesen. Der Jüdisch-archäologischen Gesellschaft wurde eine Konzession für die Ausgrnbtingen in Abfaloms Grab j erteilt. 29. Dezember 1921 . 9ti 692 Tagesbericht. ®iite Gtftmordgeschtchte. Wieder einmal beschäftigt die Polizeibehörde ein» Gistmordgeschichte, die in ihren Einzelheiten nicht uninteressant ist. Ww erfahren darüber: In der Pfand« leihanstalt-^Ehre nf e st in der Kärutncrstraße ist de» Schätzmeister Moritz r e y angestE. In diese Anstalt pflegte feit einiger Zeit eine elegant aussehenLs Dame zu kommen, .die,sich für Juwelen intevesfierbe. Sie nannte sich „Frau Dr, .Helene Dan zer", stellte sich als eine reiche Villenbesrtzerin aus Baden vor und zeigte großes Jntcvesss für die Pesch äste der PfandLeihanstatt. So oft siekam, sprach sie mit Herrn Frep^ dem sie auch gelegentlich die Mitteilung machte, sie habe kostbare Teppiche zu verkaufen. Gelegentlich einer Bö» sp.ve'chung brachte Sie Frau in Erfahrung, daß dev Schatzmeister bisweilen Juwelen in hohem Werte bej sich habe. Am 23. d. hatten Frey und die Dame eine Zusammenkunft zur geschäftlichen Besprechung und im Anschluß an sie gingen sie in den großen Speisesaal des Hotels „Erzherzog Karl^' zum Essen. Als das Mahl beendet war, zog die Dame eine'Düte mit B onbon D aus dein Neticule und lud den Schatzmeister wie von ungefähr ein, davon zu naschen. Herr Frey machte von der Einladung Gebrauch, griff in die Düte und holte, ein Stück Marzipan heraus. Kaum hatte er das SMck Marzipan aber auf der Zunge, als er einen auffalttntz Litt e re nGesch mack verspürte; er glaubte, wahrzunehmen, daß ihm übel wurde. Rasch zog er das Bonbon aus dem Mund und sagte der Dame, er könne c$ nicht' essen, da es 'so eigen schmecke. Herr Frey heg^ anfangs keinen Argwohn, dachte an einen Zufall, später Mß er aber das Bonbon in einer Apotheke untersuchen^ und es wurde festgesteltt, daß der Marzipankärtoffeh mit einer ziemlichen Menge, von Sublimat durchsetzt war. Nun hat die angebliche Frau Dr. Danzer, di« seither nicht gekommen war. am 27. d. M. in ders Pfandleihanftalt telephonisch nachgefragt, ob es fort# irgend etwas geschäftliches Neues gebe. S^e schien ganz und gar nicht zu ahnen, daß man von dem Giftanschlag etwas ahne, und mau stellte sich Leim Telephon ebenso unwissend, und verstand, die Frau durch «iuen Borwand in die Anstalt zu locken. Als sie kam, wurde sie, da; indessen das StadtkommissariaL verständigt worden war/ ve rhaf t et und zunächst zum StabLLsnimissariat gebrächt. Dort stellte sich heraus, daß die DaMe nichE Fran Dr. Danzer heißt, sondern die am 22. Jämrev 1885: zu Wien geborene und dahin zuständige Private Marianne Kopony, Mariah'.lf, Köstlergasse 7 wohnhaft/ ist: Sie ist die Gättin eines' Ingenieurs gewesen/Mi ihrer^ Einvernahme tvär sie über die Beschuldigung, sie? habe nach' dem Leben des Schatzmeisters Frey getrachtet,, sehr entrüsivt- Sie-blieb dabei, daß sie selbst daS Opfeveines- Gistmordversuches geworden sei, da s« di« Bow- Pons - ston ihrevStiesschwestev erhalten habe, die ihr osfeübärnach dem Leben trachte; in ihrer Ahnmrgs*' losiMt habe sie sie dem Schatzmeister Frey zum Kosbe« gegeben. Im weiteren Verlaufe des Verhörs mußte sw aber zngeben, daß sie eine . Stiefschwester, überhaupt nicht b est tz t, so daß ihre ganze Verantwortung klag-, lich zusammengebrochen ist. Sie mußte zngeben, daß sie selbst die Bonbons m it dem G i fte b urchsetz b" hat, in der Absicht, den -Schätzmeist-rr Frey!, damit zu vergiften, um sich in den -Besitz der Schmncksachen^ die er bei sich trug, zu setzen. Wie sie das in dem großen . Speisesaal des Hotelszu>üewerksteHgen hoffen. ist noch ganz ungeklärt. Frau Kotzony hat das Gymtup''- sinn: besucht und dauü'einige Semester Medizin gehört. Sie war wohl selbst in der Lage, Rezepte auszustelttn. — Die Erhebungen zur Klarstellung des Sachverhaltes, führt das Sicherheitsburean 'weiter, in dessen Hast.fichj Frau Kopony befindt- Die Strerk-emegnAg im Tslezraphen- , - " Telephonveekrtzr. - - j Auf das Ultimatum der in der Technischen Union her« einigten Telegraphen- und Telephönangestellten, betreffs, so» fortigec Einleitung des allgemeinen Preisabbaues, ist gestern öom Mmsterium für Verkehrswesen eine Erklärung an die Union ergangen, welche die gleichen Darlegungen enibält, wie sic dep Südbahuern in Wiener-Neustadt übermittelt wurden, Äie RLgieruttgserllärung weist in der Hauptsache darauf hin, daß die Negierung ohnehin alles tue, um die wirtschaftliche Not abzumildern, und bei der Beschaffung der Lebensmittel ein, bedeutendes Desisit zu verzeichnen habe. Wie gegen, über den Südbahnem. wird auch hier änqedeutet, daß eS nicht , in der, Macht der Negierung liege, die Verhältnisse glerchfam , im, Handumdrehen zu ändern und, die Teuerung wegzu« dekretieren, wohl aber werde sie der N a tion alb er sä m m»' lung nach deren neuerlichem Zusammentritt unverweilt diq nötigen Maßregeln zum -Preisabbau Vorschlägen. > Die heute nachmittags stattfindende iSeriDruenSmänner- Versammlung der. Union wird sich mit der Negierungserklärung beschgstigM, und-wenn sie diese nicht als zureichend erkennen sollte, morgen, den SV. d. M.. den: Htreik -proKami«en und ihn in Pen bekannten Etqppe» 7- .-zuerst Ministerien, dann Börse und. FrnanzinstitUte usw. — in Szene setzen. Als letzte Etappe wird dann der allgemeine. Streik der ArrgcstLllien angedroht .. ^. : Das Treiben brr Schiebe?. / Bö« fetten - der Technischen Union wird unter an!crem darauf, verwiesen, daß die Telephonangestellten täglich schon - und hören müssen, wie per Telephon und Telegraph oou de« 318084