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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-25 · Heft 689 (25.12.1920) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 689 (25.12.1920)
Date
1920-12-25
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 68Ä Wien» svamsrag ..Tagesbericht. , Bo« Joint. Mir erhallen folgende Zuschrift: Wie Ihnen bekannt sein dürfte, vertritt das Joint Distribütivn Committee of the American Funds for Jewish War SuffererS das American Jewish Relief Committee, Lias Central Relief Committee und das PdopleS Relief Committee. Die Hilfsgelder werden unter Leitung des I. D. C. besonders von den genannten Komitees gesammelt, an das I. D. C. behufs Verteilung sbgeführt. Zufolge Drängens des Central Relief Committee und des PeopleS Relief Committee wurde vom D. C. nachstehender Beschluß gefaßt, um dessen Veröffentlichung ich Sie im Aufträge des Joint Distribution Committee in New-Aork bitte: „lieber Drängen der Erekutivausschiisse des Central Relief Committee und des Peoples Relief Committee hat daS Joint Distribution Committee in New-Aork beschlossen, daß kulturelle Arbeit fernerhin ausschließlich durch direkte Zuwendungenseilens deS Central Relief Committee und des PeopleS Relief Committee an die in Betracht kommenden Institutionen Unterstützt werden soll. Das Central Relief Committee und das Peoples Relief Committee werden, am dieser Verpflichtung gerecht werden zu können, einen gewissen Teil der von ihnen gesammelten Beträge dehalten. DaS Central Relief Committee versteht unter Kulturzwecken: Rabbiner, Talmud Thoras, JeschiwaHs und alle andere religiöse Arbeit. DaS PeopleS Relief Committee faßt als Kulturarbeit ruf. way nicht unter den Begriff des Aufbaues fällt, Dw Arbeiterschulen, Bibliotheken^ Kurse, Klubs und dergleichen. Die ausschließliche und direkte Förderung der kickturellm Tätigkeit durch das Central Relief Coinmittee und Peoples Relief Committee beginnt mit dem 16. Jänner 1821. Die Zuwendungen werden direkt durch die genannlen Komitees erfolgen und weder daS I. D. C. in New- 8)yrk ' noch irgendeine Stelle desselben in Europa oder Asien passieren. Gesuche sind direkt an die genannten Komitees und nicht an das I. D. C. in New-AorkMer irgendeine feiner Vertretungen zu richten. Alle Unterstützungen für Kulturzwecke, toelche das I. D. C. in N^w-Aork. beziehungsweise seine Vertretungen . in Europa und Asien direkt oder den Komitees, Kultus^ gemeinden unh dergleichen bisher gewährt haben, iverdM . mit 15.; Jänner 1921 eingestellt; I. D. C.-Gelder köhsten fernerhin keinesfalls für solche Zwecke venvendet werden. In Schulen, welchen Lebensmitteln oder Geld bewilligt wurden. UM Kinder auszuspeisen, sollen die Kinder auf derselben Grundlage wie bisher äusgespeist wexdeN. Es wird genauestens darauf geachtet werden, daß die bisher gewährten Lebensmittel nicht für andere Zwecke verwendet werden sollen." . : Für Ihre Mühervaltung bestens dankend, zeichne ich * mit vorzüglicher Hochachtung Leon Wechsler,; Regional-Direktor für Oesterreich , Joint Distribution Committee. Die „Kleine Volkszeitunghat vor wenigen Tagen einen Artikel veröffentlicht, in welchem der Wiener Abteilung des Joint der Vorwurf gemacht wurde, daß sich der Berwaltungsapparat außerordentlich kostspielig gestalte und daß der Generaldirektor nebst einem Monatseinkommen von 800.000 Kronen eine ansehnliche Repräsentationszulage beziehe und > sich ein Dienstauto gesichert habe. Die Hohe der Verwaltungsausgaben habe das Bedenken der vor kurzem in Wien abgel-altenen Konferenz der Fomt-Delegierten er, egt. Am folgenden Tage brachte dasselbe Blatt eine Erklärung der angegriffenen Wiener Abteilung des Joint, welche den Anwürfen restlos entgegentrat. Es ist bezeichnend, für dje Wiener Pressesitten, daß in den zwei Jahren, in denen der Joint sein Hilfswerk in Wien durchführt, nirgends dieser weitausgreifenden Aktion Erwähnung geschehen ist. Der Joint ist eine jüdische Gesellschaft, deren Tätigkeit für einen großen Teil der Wiener BevNlkerung sehr''viel zur Entlastung der österreichischen Oeffentlichkeit beiträgt. Davon hat die Wiener Presse niemals etwas gewußt. Sie hat auch nicht davon Kenntnis genommen, daß die österreichischen Kriegsgefangenen in Oftsibirien, die im Laufe der letzten Monate mit ihren Familien vereinigt werden konnten, noch heute sich in der Gefangenschaft befinden würden, wenn ihnen nicht die im Joint zentralisierten Wohltätigkeitsinstitutionen deS amerikanischen Judentums zu Hilfe gekommen waren. Aber wenn einmal eine Sensation zu winken scheint, aus der sich vielleicht ein Skandal entwickeln könnte, dann findet sich sofort eines jener Blätter, die ununterbrochen von der kulturellen Mission der Presse sprechen. Der stellvertretende europäische Generaldirektor, des Joint. Herr Becker, ist von Paris nach New-Aork abgereist, von wo er in der nächsten Zeit nicht mehr auf seinen europäischen Posten zurückkehren wird. Er wird seine Erfahrungen der groß angelegten Sammelaktion -es Joint, des amerikanischen Roten Kreuzes und der Relief Administration widmen. An seiner Stelle wird der bisherige Warschauer Generaldirektor Dr. Boris Bogen die Agenden des stellvertretenden europäischen MRWlidkeftM MrjeLeg, , . Wiener MssgerrzEAttg 26. Dezember 1920 Me, Tätigkeit Der ungarische« - i “ GefsüdLschasr/- ' " " | Wie berichtet» wurden Mittwoch.', vom Schöffengericht dis'beiden Aushilfsaufsehsr des , Wiener "Landesgerichtes /Franz W as ner -und Lorenz Ebnet zu zwei-.,'respektive vierjährigem, schweren Kerker verurteilt, weil sie dem im Wichser Landesgericht in Untersuch u n g s h a f t besindlich gewesenen Elemer H au feder unter der Anklage deS Menschenraubes, stand, dem , mehrfachen Einbrecher Kutt,K o y f a Wd dem wiederholt abgestraften Ignaz Hckrry Schön zur Flucht aus dem Landesgericht verhelfen hätten. In der „Arbeiter-Zeitung" wird nuY behauptet, daß die ungarische Gesandtschaft tätige M'thrlfe zu dieser Flucht dadurch 'leistete/ daß sie den drei Verbrechern Pässe' nach U ng at.n aus stellte. Aus dem Landes gerirht seien die drei Häftlinge divekt zur ungarischen Gesandtschaft gLgangen, wo sie und der Aufseher Löreuz Ebner sofort vier Pässe auf' fälsche Namen' 'erhielten. Soyka bekam einen Reisepaß auf den Nanren Jstvan Horvath. Außerdem soll Hauser mindestens 100.000 Kronen aus der .Gesandtschaft mitgebracht haben. In hinein Auto, das die. ungarische Gesandtschaft be'.stellte, träten die drei Häftlinge und Ebner die. Flucht nach Ungarn an und wenige Stunden nach dem Verlassen des LandeSgerichts befanden sie sich bereits m Sauerbrrmn auf ungarischem -Bodens . '' 7 Das Sirds einer christlich«attsLülen Volks-BMseitöffeKschaM -Aus Budapest wird' uns- .berichtet: Unter dem Schutze des christlichen Kurses sind in Ungarn in den letz en Monaten verschiedene BolksOglüMugsgen'oss.'nschäften entstanden, dje' mit dem Schlagworte. daS ungarische Volk wirtschaftlich bM^den. Jutzenzu freien, die Bevölkerung um v'els M llionen Kronen betrogen haben. Zu diesen Schwindelgesellschasten gehört, auch die ungarische ÄrbeiLer-Eiulanfs-, Spar- und' Wohnungsbaugenossenschaft v, „Akarat" .(..Der Will-"), welche im W.'ge einer großen Reklarns- und mit Unterstützung des offiziellen Apparates es'zuwege brachte, in kurzer Zeit 60.000 Menschen, zumeist Beamte, Arbeiter, Lehrer und sonstige kleine Leute, dazu zu bewegen. je 6000 Kronen einzuzahlen, in der sicheren Erwartungdaß die GeWssenfchast ihnen schon zu Beginn des Jahres 1920 hie Einfachilirnhäusor zur Der- * fügchrg stellen werde. Die Betrogenen - gingen «mfo ' leichtdr auf den Leim, als im Ehrenpräsidium der Genossenschaft die kchngvolisten Namen d^s christl'ch^n Kurses vertreten waren. Nun muß das offizielle Organ - „Uj Nemzedek". selbst fcie. Enthüllung veröffentlichen, daß die ganze Baugenossenschaft nichts anderes als ein gwßangelegtM Schwindel sei,, der» daraus ausging, die kleinenjöei^. my„,iHch.Ersparnis^, zu prellen. Die Affäre hat uMsd''peinlichstes Aufsehen erregt,. Als sich herauSstellte. das; die Erwachenden Ungarn, besonders in der Provinz mit terror st ichen Mittelnde; Schwinde!- genossenschaft Zmreiberdieuste gele stet haben. Hoss^uckich wird, die ungarisch^ 'Bevölkerung Doch dahinter kommen, daß bie merkwürdige Art der w^tschaftlichen Befreiung des ungarischen Bottes, vom Judentum zum Ruin der ungarijchen BoMmassen führen muß. Eine KSpenickinde a«f Kosten der Inden Dem Warschauer Tagblatt „Der Jude" wird gemeldet: Am 9. Dezember kamen zum Magistrat des Städtchens Ruzan bei Makow (Kreis Lontza) drei Personen und stellten sich dort als Untersuchungsrichter mit zwei Geheimagenten vor, geschickt von der Warschauer „Zitadelle"', um über die „Verbrechen" der Juden des Städtchens eine Untersuchung zu führen. Entzückt von dieser frohen Kunde, fragten die Herten vopi Ruzaner Magistrat nicht erst nach Legitimationen der „Untersuchungskommission", sondern übergaben ihnen rasch ein Verzeichnis der Juden des Städtchens, welche verschiedene „Verbrechen" auf dem Kerbholz haben sollten, wie Feindseligkeit gegen dev polnischen Staat u. dergl. Das Verzeichnis enthielt natürlich nur die Namen wohttiabender jüdischer Bürger. Diese wurden dann sofort verhaftet, in den Magistrat gebracht und dort jämmerlich geprügelt, um gu einem „Geständnis" gebracht zu werden. Da sie aber nichts „gestanden", ließ der „Untersuchungsrichter" ihre Frauen kommen und verlangte von ihnen „Kautionen" für die Enthaftung der Männer, und zwar 20.000 Mark per „Verbrecher". In ihrer Angst gingen die Frauen auf ihre Forderung ein; nach längeren Unterhandlungen wurde die Kautionssumme mit 10.000 Mark festgesetzt. Die Magistratsbeamten waren jedoch mit dem Ergebnis der „Untersuchung" nicht zufrieden und schlugen den Gästen vor, auch gegen die übrigen Juden des Städtchens eine „Untersuchung" einzuleiten. Und nun wurden alle Juden ohne Unterschied des Einkommens und Vermögens terrorisiert und wurde von ihnen G^ld erpreßt, bis die Juden sich an deft Kommandanten einer einige Werst entfernten Garnison um Hilfe wandten. Der Offizier kam mit einer Militärpatrouille nach Ruzan und eine kurze Untersuchung hatte daS Resultat, daß die „Gerichtskommission aus der Warschauer Zitadelle" verhaftet und nach Pnltusk gebracht wurde. Daß gegen die MagistraiLbeamlen und die Polizei von i Ruzan eingeschritten worden wäre, davon verlautet I bisher nichts. * ÜMH! 2S6ÄRETTEWPÄPIERE ■ ZäSABETTEWHUlSEK j ST« DfceftrofTeh 8«lb«! tfto höchsTeh CttvQFtungtfa , <008 Raueh««*s» . -r\ Y- Streiks, ««d PreiSLbba«. ' X , Gestern vormittags ist em Teil d?r Gtraßenbahirsr-I . in.Streik.gLtreten. Ihre Forderung nach sofortiger Auszahlung der im Jänner fälligen Zulagen wurde vom.. Bürgermeister .abgelehnt und der Strüßenbahnh-öf. in' F a v or i te n, -dem die Streikenden zugeteilt sind,.gar sperrt.. . Aus den Verhandlungen mit den streikenden S bahnern ist eine Erklärung des M misterrates her-, dorgegangen, die . sich im wesentlichen daraus cheruft^ - daß der Kabinettsrat ohnehin ein sehr sch ar fes Gesetz gegen die Preistreiberei und ben Lebensmittelwuch-er demnächst dem Nationalrat vorzukegen. gedenkt, dast. ferner, die ftaatsanwaltschaftlichen und einzelnen 23«*:. ' Hörden angewiesen wurden, in energischester Weise gegen-, über .den Pr eis Wucherern einzugreifen uyd..daß in kürzester Kit Ko mm i sf io n en einberusen werden follen„ die sich mit dem Preisabbau beschäftigen und. in denen die -großen Konsumentenorganisationen ihre : Vertreter haben werden. , . ■ -- : i. . Was Li-e Forderung der Arbeiter nach dem Fallen-!:, k a f s e n d s S A n s ch l u ß v e r b o t e s hetrifft, .so wei-sh der Ministerrat darauf hin, daß die Regierung ohnehin., bemüht ist, die Beseitigung der drückenden Gestimmuy--/ gsp des -Saint-Germainer Friedens m jeder Richtung, herbeizusühren. ' , - Y -? .. Gestern morgens ist der DerLehr auf der S bah n in vollem Umfang wieder. aufgen'o mme^ ' worden. . _ Y. Die BskL«pfrrng des MStzcherchMLels.,? Man meldet uns aus Genf: In der Sitzung tzom 16. Dezember der Vollversammlung des Völkerbuude^ ' hielt die Delegierte Dänemarks Fraulein Förch- , Hämmer ein Referat über die Bekämpfungdes'^- Mädchenhandels.. Fräulein Forchhammer ist die erste-' Frau, die vor dem Forum deß Völkerbundes das Wort, ergreift. Sie führt unter anderem aus, die Frage dop- Bekämpfung des Mädchenhandels und des Schutzes, der- Kinder sei wohl scheinbar nicht' so wichtig als die Fräge der Rüstungen, Liber welche tag's vorher diskutiert - würde, doch, gehöre sie zu den schwersten Probieu'e». unserer Zeit, die nur von einer so mächtigen, Organi*-/ sation wie dem Völkerbund einer erfolgreicheni' Lösung tzugefuhrt werden könne. Rednenn heschaftigs sich hauptsächlich mit den Zuständen im O r i e n b Und ' erwähnt unter anderem, daß seit dem Jahre 1918 * Armenierinnen, Griechinnen uind Syrl'e- - rinnen gefangengehalten werden in einer- ' Gefangenschaft, die Wimmer sei als Sklaverei. Um nur eines zu erwähnen, seien heute nicht weniger als» LÜ'.OOO armenische Mädchen und Frauen im Gesäugenschast. Fräulein ForchHammer forden die Delegierten auf. in ihren Ländern gesetzliche Maßnahntett V herbeizufuhren und eine Bewegung in der öffentlichen."' Meinung Hervorzurnfen, um dieser schrecklichen SitüÄ^'-' tion ein Ende zu bereiten. Solange"dieser Handel mit Menschen besteht, dürfen wir uns nicht rvun-' dern, daß gerade solche DölkSstämme. die wir so görnä i als.u n z i v tl i f i e r t hinstellen.. über unsere Haltung^ in dieser Frage die schärfste Kritik üben. ' Nach einer eingehenden Debatte,' an welcher fi<H - die Vertreter Kanadas, Rumäniens und Persiens beteiligten, wird beschlossen, die Mächte,' welche' in düst" Jahren 1904 und '1910 das UebereinkommeU über bieY Bekämpfung der weißen Sklaverei unterschrieben Habens aufzufordern, die in dem Uebereinkommen uberNoiUmenen Verpflichtungen unverzüglich in die Tat mnzusetzen. Ferner wird der Volkerbundrat beauftragt,-/ eine Kommission crnzusetzen, welche das em^'K schlägige Material über den Handel mit Frauen und' ' Kindern, in Armenien, Kleinasien und dev Türkei und in den an diese Länder angrenzenden ' Staaten im Wege einer Enquete zu beschaffen^ haben wird. In diese Kommission sollen je drei treter der in Betracht kommenden Gebiete, von dcnew/ je ein Mitglied eine Frau sein soll, gewählt weiden^" wobei darauf Bedacht genommen werden müsse, daß Kommissionsmitglieder ., auf den: Gebiete der -Bekämpfung des Mädchenhandels sich bereits belvadM haben. __ ■' Ä«s der israsUMchr« KEitsseMsiÄds^ , : / ^raz. -'tz Dis jüdischra'rsnale Vertrelu-.g ün Wra^.er - Kulwsraiky, hnt schon im verflossenen Jahre darauf hingewiesM, daß bek den herrschenden Teuorungsverhältnissen die im Statut dor>; gesehene Steuerhöchstgrenz« von 1200 Kronen nicht hmrctchen kann, und stellte gelegentlich der d!:sbezüglichm,.- Statutenaüäuderung den Antrag, die Höchststufe auf' 10.0(3^ Kronen htnaufzuseHen. Die Majorität, zumeist auS den' tvöhl»'" habendste» Schichten der Grazer Juden Msarnmcnsesrhk/' schützte sich gLgen. ein« g-erkcht?; HrrouziehMg. i-chem. sie. tM

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