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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-25 · Heft 689 (25.12.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 689 (25.12.1920)
Date
1920-12-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 689 Wien. Samstag Wiener Morgsnzektnng 25. Dezember 1929 Zionist. Bezirkssektion Leopoidstadi Heut« 6 Uhr abends VOLKSVERSAMMLUNG im Vereins!o’<ai ,,Machs’ke HrcksZ'. II., Schiffamtsgasse 20 Heferenten: Staatsbahmat Ing. Robert Stricker über die politische Lage der Juden in Oesterreich. . — Qemeinderat Dev (Leonold PBaschkos über die Stellungnahme zur Frage der Option und Staatsbürgerschaftserldärung m noch immer Geheimzirkttlare gegen, die Inden erlassen, so kann daran keine -Sejmkominission ettvas ändern. Hier mtifj die Negierung den Mut zeigen, der für Polen so wichtigen Frage fest ins Äuge zu sehen. Die WitoS-Taszynskl-Negiernng hatte ihn nicht; das. beweist die Absicht ihres projektierten „neuen Kurses", die jüdisch-polnische Verständigung in eine Kommission abzuschiebcn. Damit hat Taszynski gezeigt, wie wenig ernst es ihm um die Sache ist. Nun verschwindet die Regierung und mit ihr wohl auch der „neue KurS" in der Judenfrage. Mau wird den Gedanken erfassen müssen, daß die Judenfrage ein Staatsproblcm ist und mehr als ein Mittel, um im Ausland die Stimmung für Kreditgewährung zu heben. Dann erst werden die Ansätze zur Lösung der Judenfrage zu befriedigenden Ergebnissen, führen können und nicht von Regierungskrisen abhängig sein. Das Komitee der FKdifchen Delegationen an Len Völkerbund. (Memorandum über Wesen und TätiqTsit des Komitees der Jüdischen Delegationen.) I. ■ DaS Komitee der Jüdischen Delegationen, das feinen Sitz in Paris hat. hat seine Tätigkeit am 25. März 1919 unter dem Titel: „Komitee der Jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz" begonnen. Das Komitee besteht aus den Delegationen' der Juden Osteuropas, einiger anderer Länder Europas. Palästinas, der Pereinigten Staaten von Nordamerika! und Kanadas.. Diese Delegationen sind durchjüdische Kongresse, jüdische Nationalver'ammlungen, jüdische Nationalräte, jüdische Gemeindeversammlungen usm. gewählt worden. Alle hatten die gleichen Prinzipien und größtenteils ein fast identisches Programm. Folgende Organisationen haben sukzessive ihre Vertreter in das Komitee entsandt: Vereinigte Staate n von Nordamerika: Der amerikanisch-jüdische Kongreß, hervorgegangen au§ allgemeinen Wahlen als Repräsentant des amerikanischen Judentums (25.000 Wähler). Kanada: Der kanadisch-jüdische Kongreß (25.000 Wähler). Beßarabien: Versammlung der jüdischen Gemeinden. Bukowina: Jüdischer Nationalrat. Krim: Versammlung der jüdischen Gemeinden. O ft g a l i ä t e n: Jüdischer Nationalrat. Georgien: Versammlung von sieben jüdischen Gemeinden. Italien: Israelitischer Gemeindebund, Zionistische Föderation. Rabbinerverband. Litauen: Jüdischer Nationalrat, gewählt von der Versammlung der jüdischen Gemeinden. Palästina: Jüdische konstituierende Nationalversammlung (Provisorischer Rat). Polen: Jüdischer Nationalrat, gewählt durch'einen Kongreß von 500 Vertretern verschiedener jüdischer Organisation (der Nationalrat zählt im . polnischen Landtag 0 Abgeordnete, die ungefähr eine Viertel- Million jüdischer Wähler repräsentieren). ' ' Rumänien: Union der eingeborenen Juden, Föderation und Poale-Zion. Rußland: Jüdischer Nationalrat. Einige Gegenden Südrußlands (Rostow. Taganrog usw.: einige Gemeinden. T s ch echo - S l o w k e i: Jüdischer Nationalrat, vertretend das national organisierte Judentum der Tschecho-Slowakei (80.000 Parlamentswähler). Transylvanien: Jüdische Nationalunion (60.000 Mitglieder). Ukraine: Jüdische Nationalversammlung, ungefähr drei Millionen Seelen repräsentierend. ' Z i o n i st i s ch e W e l t o r g a n i s a t! o n mit tmgefähr einer Million Anhänger Bene B e r i t h (Zcnt.alsitz Chicago). American Jewish Committee (Sitz New- York). - . ' Schriftliche Mandate: Finnland. Griechenland (Saloniki). Weißrußland (Jüdischer Nationalrot, gewählt durch eine Versammlung der jüdischen Gemeinden). Jugoslawien. Jewish Board of DePntieS. vertretend das englische Judentum, hat durch die Vermittlung Zeines Vorsitzenden an den Arbeiten des Komitees der Jüdischen Delegationen teilgenommen. Nach der Unterzeichnung der Friedensverträge haben auch die jüdischen Bevölkerungen anderer Länder ibre Interessen dem Komitee der Jüdischen Delegationen anvertraut: Oesterreich (Jüdischer Nationalrat), Bulgarien, ebenso die Juden KonstaninopelS schon während der Friedensverhandlungen. Neben seiner politischen Tätigkeit hat das Komitee der Jüdischen Delegationen die Initial»? zttr Koordinierung aller jüdischen Hilfstätrgkeit ergriffen. Es hat' zu diesem Zweck eine WelthilfSkonferenz emberufen, die in Karlsbad vom 5. bis zum 13. August 1920 stattgefunden hat, wobei 60 jüdische Hilfsorganisationen der verschiedenen Länder Europas und Amerikas über 100 Delegierte entsandt haben. Tie Konferenz hat ein unabhängiges Zentralorgan eingesetzt, dessen Aufgabe die Koordinierung, die Entwicklung und die Vereinheitlichung der jüdischen Hilfstätgkeit darstellt. II. Das Komitee der Jüdischen Delegationen hatte zur Hauptaufgabe die Erlangung der bürgerlich e n u n d politischen Gleichberechtigung für die Juden wie anch die der MinoritätSrechte für sie in den umgeformten Staaten. Die Vertreter der jüdischen Bevölkerungen. die an der neuen rechtlichen Ordnung interessiert waren, naben ihre Forderungen als nationaleForderungen bezeichnet. DaS Komitee der Jüdischen Delegationen hat am 10. Mai 1919 im Namen von 12 Millionen Inden die es vertrat, ein M e m o r a n d u m der Fried " nskonferenz u terbreitet. r dem diese Forderungen in präziser Form anseinandergesetzt sind. Dieses Memorandum hatte schon vorher als Grundläge für die V e r h a n d l u n g e n zwischen^ dem volitischen Vertreter des Komitees und den verschiedenen offiziellen Delegationen der Friedenskonferenz gedient. Außer den -Großmächten haben verschiedene andere Staaten teilweise diese Forderungen angenommen. In schwächerer Form wurden sie geltend gemacht In den Klauseln, betreffend die nationalen, sprachlichen und religiösen Minderheiten,, die einen integrierenden Bestandteil des Polnischen Derttages bilden. Diese Klauseln garantieren den Juden den freien Gebrauch ihrer Sprache, die Möglichkeit, nach ihrem Wunsche die Frage der 11 nterrichtssPt ache zu regeln, das Recht, über einen bestimmten Teil desBndgets für.di? ^"Nrbeit der v*ntt ihn"n maanistarten Schulen zu verfügen, - und schließlich einige Garantien für die Möglichkeit der Einhaltung des Sabbats. . I Nach der Unterzeichnung des Vertrages mit Polen. am 28. Juni 1919, wiederholte das Komitee der Jüdischen Delegationen seine Schritte bei der Friedenskonferenz, nm auf die Notwendigkeit hinznweisen. in die Verträge die Minoritätsklanseln anfzttnebmen. Und in der Tat sind diese, w e n i g st e n S tei 1 wei s e, in fast alle Friedensvertrage ausgenommen. III. DaS Komitee der Jüdischen Delegationen sab siD bereits im September 1919 veranlaßt, die Notwendigkeit der permanenten Existenz des Komitees oder der Schaffung einer ähnlichen permanenten Institution zu proklamieren. Zwei Umstände haben da§ Komitee besonders in diesem Sinne beeinflußt: a) Die Notwendigkeit, über die Anwendung der-den Juden in den Friedensverträgen zttgefprochenen Rechte zu wachen; b) die Notwendigkeit, energische Maßregeln gegen die furchtbaren Exzesse und die Juden Massakers in verschiedenen Ländern zu ergreifen. | Während des ganzen vergangenen Jahres war daS Komitee der Jüdischen Delegationen gezwungen, unanfhörlich für die Durchführung der den Inden durch die Friedensvertrage zttgefprochenen Reckte zu kämpfen. Andererseits haben die furchtbaren Massakers, die in verschiedenen Ländern Osteuropas stottgefttnden baden, das Komitee gezwungen, als Permanente Verteidigung der massakrierten Bevölkerungen OstettropaS anfzuireten. Das Komitee hat sich wiederholt an die Regierungen der Entente gewendet, um ibre Intervention! zu erwa''tr;n. die in einigen Fällen auch zttgesagt 'wurde. Im September 1919 hat aus. Initiative des Komitees eine große Anzahl hervorragender französischer Persönlichkeiten einen Appell an die Menschheit gitgnnsten. der Märtyrer erlassen. Ebenso fanden großartige Manifestationen der indischen Bevölkerungen . Amerikas, EttrovaS und Südafrikas statt. In der N eberzettgtmg von der Notwendigkeit seines permanenten Bestandes bat das Komitee der Jüdischen Delegationen beschlossen, daß die Mandate seiner Mitglieder erneuert oder ersetzt werden nulllen: die jüdischen i Bevölkerungen der verschiedenen Länder müßten an die Wahl der Mitglieder des permanenten Komitees schreiten, dttrch Vermittlnng jüdischer Kongresse odermittels anderer demokratischer Wahlmethoden. | Di"seS permanente Komitee wird den Namen „Rat der Delegationen" tragen (hebräisch: Vuad Haarazotb). Dieser Rat, aus. 90 Mitglieder bestehend, wird jährlich eine kürzere Tagung abhalten und ein \ permanentes tgreMibfoimiec best Immen. Pelzhaus Bermann & Landesmann .Taborstrasse Nr. 1, I. Stock empfiehlt sein reiches Lager in allen Arten Pelzmänteln, Stadtpelzen, Füchsen und Verbrämungen in feinster Ausführung ßtis .,m-> — ■■ . ■ ■ ■ n > mfc.. IV. Die endgültige Verfassung des „Waad Haarazoth" kann infolge der politischen Erschütterungen, wie de? Bolschewismus, der das ganze Leben der jüdischen Qm meindcn bestimmter Länder paralvstert. noch rjcht vevwirklicht -werden. Andererseits haben die jüdischen. Bevölkerungen mehrerer Länder, wie Beßarabien, Weißrußland. Litauen, sogar vor Erhalt dek offiziellen Nachricht von der Schaffung des „Waad HaarazM" in ihren Versammlungen die Beteiligung qrt der künftigen Institution proklamiert unb betrachten sich als' einen Teil dieser Jnstittttion. Bis zur Wahl des Waad Haarazoth, die wahrscheinlich int Laufe eines Jahres ftattsinden wird, übt das Komitee bet Jübischeu Deleaationen seine Funktion auf Grund der Mandate vom Fn'ihling 1919 aus «nd verwirklicht das Programm des Waad Haarazoth. Gemäß dem schon formulierten Progn inm des Waad Haarazoth betrachtet es das Komitee ter Jüdi< schen Deleaationen als leine Aufgabe, die I n t vr t f 1 e tt der jüdischen Bevölkerung vor dem Völkerbttndzu vertreten, in welchem die immer unterdrückten und gemarterten jüdischen Massen daß höchste Organ | sehen, das der Verletzttng ihrer Reckte und den ewige« Verfolgttugen, denen sie ausgesetzt sind, ein Ende bereiten wird. Daher hat sich noch vor dem Zusammentritt der ersten Dersammlting des Völkerbundes das Komitee der Indischen Delegationen an das Sekretariat des Völkerbundes gewendet und es ist festznstellen, daß es eins günstige Ausnahme gefunden hat. Das Komitee d"r Jüdischen Delegationen ist eine auf demokratischer Grundlage gewählte Jnstittttion. Wenn es sich an den Völkerbund wendet, handelt es im Namen der jüd^ schen Maffen, im Namen von Millionen. Das Komitee der Jüdischen Delegationen batbeschlossen, in Genf ein Bttreau zu errichten und später seine ganze Tätigkeit dorthin zu verlegen. ] Im Bewußtsein der Wichtigkeit der ersten Versammlung des Völkerbundes bat das Komitee der Jüdischen! Delegationen nach Genf seinen Präsidenten und seinen ' Generalsekretär entsandt, um die Attfmerksamkeit des Völkerbundes auf die tragischen Probleme zu lenken, diS die einziaartwe Lage der Juden vor das Gewissen der Menschheit stellt. t Das jüdische Volk slebt in den Prinzipien des Völkerbundes die Verwirklich u n g der Brüderlichkeit d e r V o l k e r, die der jüdische ProvhetismuS verkündet hat, imb eS bofft. daß der Völkerbund immer mehr dazu gelangen wird, die Konflikte zwischen den Nationen verschwinden zu macken, die die Quelle des.Unterganges der Menschheit sind, iirtb das jüdische Volk von seinem schrecklichen Schicksal zu befreien. _ Das Fsin! SSorelflit Committee -et« Völkerbund. London. 20. Dezember. C^ub; Korr.-BiirJ Der ttt besonderer Mission zur Tagung des Völkerbundes in Genf entsendete Sekretär des Joint Foreign Committee, Lucien Wolf, unterbreitete dem Komitee einen Bericht über seine Tätigkeit, die einer Reihe von bedeutungsvollen Erfolgen zeitigte.. Der Hauptzweck seiner Mission war die Angelegenheit des Permanenten Gerichtshofes für internationale Gerechtigkeit, um dafür Sorge zu tragen, daß bei der definitiven Festsetzung seiner. Statuten und Kompetenz die Interessen der j ü b i s ch e n Minoritäten entsprechend berücksichtigt werden. Wie das Jüdische Korrespondenz-Bitreau bereits seinerzeit gemeldet hat, hatte der in Brüssel tagende Völkerbund» rat das von Titton.i unterbreitete Schema angenommen. welches Im großen und ganzen den vom Joutt Foreign Committee dem Jnristerttomitee im Haag ge* machten Vorschlägen Rechnung trägt. Diese Vorschlags betrafen vor allem die Prozedur desk Permanenten Gerichtshofes in Fällen von Verleyttngen oder einer > Gefahr von Verletzt,ngen des Minoritäten- Vertrages. Wie der Bericht mm besagt, hat dis Kommission, der der Völkerbund da? Referat über dieses Schema übertragen bat. den Eutwttrf in obgeändertcr Form, jedoch in voller Berücksicktigimg der vom Joint Foreign Committee beim Völkerbund gemachten Vorstelluugen ongenotnmen. j Eine weitere Aufgabe seiner Million war. sich m* die möglichst weite Anwendung des Minoritäten- Vertrages auf neue Staaten z,t bestreben. Dress Bestrebungen wttrden von dem vollsten Erfolg gekrönt, was sich bereits gelegentlich des AnsnckenS Finnlands um Auirtabme m den Völkerbund amte.

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