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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-23 · Heft 687 (23.12.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 687 (23.12.1920)
Date
1920-12-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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LVleirer Morgenzelt«ng Nr. 687 Wien, Donnerstag 25 £( Sa ii .>(. j '©etter. Der des jüdischen Palästina Dr. Weizmann über das Mandat. Zionist. Bezirkssehfion Leopoldstadt Heute 7 U>r abends Volksversammlung im Ausspeisungelakal, II., Haidgasse 3 Referenten: StaatsbaSnrat Ing. Robert Strtcker über die politische Lage der Juden in Oesterreich — Oenieinderat Dr« Leopold PBaechkes über die Steüinjrnahme zur Frage der Option und Staatsbürgersc’^aftserklätung 4co Unm. d. Md.). Diele Schrift erfch'en 'zuerst in Maschlnfchrift und wurde an öffentliche B'crNrte und vors-chsig ausgewählm Privatleute vert-ei t D^r e'nigen M.-nne» wurde diele Schrift in England veröffentlicht und e schien dann Ln'Amerika im Druck- Tausende von Exemplaren wurden auf geheimnisvolle We'se . unter Mitgliedern der ge ie^ geh enden . Körperlchaf en) Journalisten, Priestern- Lehrern, Vereinsvorftünüeu und auch .beim privaten Publikum verbre/led. Die Ar ikelser'e welche'dle^sfcttkundigäntisemitisch-s' Londoner „DdorningWst" als Kommen mr zu diesen Protokollen halte er,cheinen lasfrn, ist jetzt in Buchform unter dem Titel „.Die Ursache der Weltunruhe" erschienen und in Amerika verbreitet worden.. In den letzten sechs Monaten erschienen in Henry Fords Zeitschrift „Dearbourd Independent" allwöchentlich d'e heftigsten Angriffe gegen d'e Inden. D'esc stützen sich alle auf die erwähnten Protokolle und ans „Literatur" aus der Rüstkammer deutscher und russischer Antis^m'ten. Die Erklärung weist dann darauf hin,'das; diese Verleumdungen und Beleidigungen der Juden in der letzten Zeit in Amerika so -stMe'---BerL<esiüü'g^'gefünden haben, daß die amerika'n^cheniiJüden üunmchr darauf antworten müssen. Sie bespricht.dann auMhrl'ch.diese Dokumente und weist ihre den jüdischen Lesern' Europas bereits bekannte Unechtheit und den unsinnigen Inhalt nach. ' Es ist bezeichnend, daß die antisemitische Propaganda sich in der letzten Zeit besonders eifrig auf Amerika verlegt hat und dieses Land mit einem 'ihrer niederträchtigsten i,dolumentarischuG...Fabrikate überflutet/ Hierin liegt Methode und' man geht nicht fehl, wenn man diese neuste- Offensive der antisonrilisch.n „Wissenschaft^ aas-jene Kreise .ö-Lr'sReakt'oü zirrückführt, die jetzt darangehen,-von Paris aus in den verschiedott^ ften- Ländern /aniisemitischePxopagandabMeau§ic einzn- 'mchten. Interessant ist auch-iPaß ein ansehnliche^ Teil der Kosten von..gewissen polnischen-Kreifen/gedeckt/wirdi -Die triste -finanzielle Lage--böte .Len - -Hetzern-.- wshh-e.iMbessere Verwendung' -.-für. ihr -. Geld. Hier - fürs - Drahd- Sicher im Hiniergrund, welche.den- Antuemi isinus ihren höchst verdächtigen Zielen dienstbar machm. Es ist anzunehmen, das; man im nüchternen Amerika ble; wahren Absichten dieser Propaganda rasch erkennen wird. Regierungskrise in Polen. Warschau, 22. Dezember. (W. P. G-) Vizepräsident Daszyn.ski ist Sonntag abends nach Ueberreichung seines Demi ss'.onsgesucheZ nach Zok spane abgereist. Aller Wahrscheinlichkeit »ach dürfte seine Demission nicht angenommen werden. Der Ministerpräsident wird Daszynski Vorschlägen, mit Rücksicht auf die'auswärtige Lage seine Tätigkeit im Kabinett fortzusetzen. Sollte d^e sozialdemokratische Partei ihren Beschluß nicht zurückziehon, so dürfte sich nach Ansicht einzelner Kabinettsmitglieder eine Krise, des G esamtkabinetts kaum vermeiden lassen, Semator Mae Cormick t« Warschau. W-arscha«, 22. De-ember. (Funksprn?h.) Der amerikanische Senator Mac C o r m i c? ist am 20. De.-embcr in Warschau angekommen und wurde ta^s darauf vom Staatsoberhaupt in längerer Audienz empfangen. " Der BrmdesraL. ., - Der Bundesvai hat g'stern nachmittags cheschlosspn, gegen die im l-e^.en Tagungsabschnitt.des Matiopcilraies gefaßten Gesetzcsbcschlüsse keine 'Einwendungen 'zjterheben, so d.aß diese, nunmehr kn Kraft tpeter;. Darunter befinden sich die Gesetze über die?ErhMurg der Geldstrafen und die Wrr grenze im Strgfgc/etz, über die Verschiebung der Volkszählung bis znm K.Ie-' zember 1921, der harte Nachtrag zuin ^esoldungsübergangZgese!; u. a. m. Eine Debatte wurde n'M cchgeführt. Die Sitzung'erfch'en eben so Perststsfig/. wie-' hie ganze Institution des Bundesrates. V ' Sie ’tüf&en von Mandl ab. In dm Krnlen der wirklichen^ anslüichischen K.otrefpvndcn'en baden de v -schedrntlichm Äüä'cn des Leopold Mandl, des ülbstlnr!«ch n Pränveriten der yUnion nu§- yäiliger Korre'vondenun" Nnw ll.en. enegi. d.r die. ansländ.schcn Put.lülürn/cmsekjen. daß <S unwürdig iü. Mandl der seinerrecht eindeutigen Tätigkeit die Mauer zu machen nnv einem publ ziitischc« Skandal Vorschub zu leisten, der andcrZwo als u Wien aariz ariZar'ckilvfs n wäi e. " Dm Anfang machen d'e Korrespondenten der >eichsdeutichm DläNer, die vor rm oen Tagen be chlosscn haben, eine eigene Oigams,von zu gründen, um üch auf d rse Wrise von Mandl zu bcsre'rm. Es >ft m rrwruen. daß auch die anderen a><Sttindnchm KonefpondeMcn die em Be w rl folgen und Mandl, wie eS nach der Sachlage das emug R-ebt ge -st, m krr Union im vollsten Cmne des Worns ^allrüngei Herrichrr und Gebieter" Über allr bleibt. Auf der am 9. Dezember in Man- ' . cheiter stattgefundrnen zionistischen Konferenz, in welcher, wie berichtet, der englische Minister für öffentliche Arbeiten, Sir Alfred Mond, den Vorsitz führte, hielt der Präsident der zionistischen Executive Dr. Weizmann die folgende Rede: Zunächst zur Frage der Grenzen Palästinas: Ich könnte sagen, daß schließlich die zukünftigen Grenzen das sein werden, wozu wir sie machen. Wie immer die territorialen Grenzen heute sein werden — und ich will nicht sagen, daß wir alles bekommen, was wir verlangen — wenn die Juden nach Palästina gehen nnd diese Teile entwickeln werden, so werden die Grenzen sich apsdehnen. Jedenfalls werden die Grenzen so gezogen werden, daß alle gegenwärtigen südischen Kolonien in die Grenzen der britischen Mandatssphäre emgeschlossen werden. Ich hoffe, daß sie auch so gezogen werden, daß die Wasserkräfte, die wir am notwendigsten brauchen, in die Grenzen des britischen Mandatsgebietes fallen. Ich bin im Zweifel, ob wir die Linien erhalten werden, die wir im Osten wünschen — ob das nördliche G i l e a d in unser Gebiet fällt. Aberich zweifle nicht daran, daß die Gewässer des Jarmuk. die so wichtig für die Irrigation sind, für'Palästina reserviert werden. Das ist vielleicht nichts besonderes, aber ich erinnere Sie daran: Wo sind wir 1917 gewesen? Haben wir damals Alrssicht gehabt, den JarnniL zu erhalten? Gegenwärtig haben wir nach unserem Palästina von heute drei oder vier, Millionen Juden zu bringen; laßt uns das tun und weiter hoffen. Niemand kann sagen, daß das, was wir erreicht haben, .leicht eneicht worden sei. Wir haben Himmel und Erbe in Bewegung gesetzt, um zu unserem Ziel zu kommen. Wenn wir über unsere Arbeit ein Blanbuch herausgeben könnten, so würde es überzeugender als. irgendein anderes zeigen, welckje Zlnstrengnngen zur Erreichung des von uns bisher Gewonnenen notwendig waren. Die zweite politische Frage ist die Frage des Mandats. Wenn das Mandat — hoffentlich bald — veröffentlicht werden kann, so wird jeder Ehrliche Beobachter das Mandat als die Magna Charta des jüdischen Volkes itb'Heichneü., Es enthält nicht denjüdischen Staat, aber f eK -proklamiert den Anfangs einer neuen Aera und übergibt dem jüdischen Volk die Verantwortung, aus diesem politischen Anfang den zukünftigen jüdischen Staat — zu machen. Das Dokument anerkennt das historische Recht des jüdischen Volkes auf Palästina. Es erkennt ^die zionistische Organisation als Nepräsentmrz des jüdischen Volkes an und verpflichtet die Mandatsmacht, alle Mittel anznwenden. um Palästina zum jüdischen nationalen Heim zu machen. Es ist kein jüdischer Staat. Es mag noch ein langer Weg zum jüdischen Staat sein, aber niemand kann diesen Weg zurücklegen als wir selbst. Kein geschriebenes Dokument kann ihn sichern. Der. jüdische Staat wird geschaffen durch jüdisches Blut, jüdische Arbeit und jüdische Energie. Auf den Straßen Palästinas arbeiten Hunderte und Hunderte junger jüdischer Menschen, indem sie Steine brechen, t ohne Werkzeuge, und Tag und Nacht arbeiten —- sie bauen den jüdischen Staat. Sie müssen das Vertrauen haben, daß hinter ihnen Las Volk steht, um 'für diese Armee die Munition zu schaffen, diese Armee, welche den Staat schafft. Ein Staat wird nur durch Blut'und Opfer des Volkes gebaut. Natürlich kann bei der Bern-Leilung des Mandats nicht vergessen werden, welche Feinde um uns sind und gegen uns arbeiten. Jeden Tag fast gibt es - Anfragen im englischen Sfru« lmnent, einmal, warum das Hebräische als offizielle Sprache anerkannt ist. ein andermal wieder eine Anfrage über den Keren Hajessod, um Mißtrauen gegen urH. anfznrÜhrett,^^ Änp was sind die Mittel, mit denen wir kämpfen? , Was ist die reale Unterstützung, die tms m diesem Kampf gewährt wird? -- Ich bin selbst ein Kritiker gewesen. Manche Jahre habe ich die Politik der zionistischen, Führer kritisiert. Ich habe Kritik innerhalb der Bewegung geübt und keine Minute vergessen, in der positiven Arbeit fortztlfabren. Aber jene Kritiker, welche unsere Erfolge klein machen wollen und erkrären, das jüdische Volk werde sich um Palästina nicht kümmern und lieber nach Amerika gehen, das find iticht Kritiker, sondern Zerstörer., Ich will mich wahrhaftig nicht mit Nehemia vergleichen, aber wir müssen unwillkürlich daran k-enken, daß nufere Arbeit an die Wiederherstellung des Reiches in der Zeit ESwö nnd Neliemias erinnert. Auch damals gab es Angriffe wie heilte, wenn auch nicht in englischer Sprache. Heute wie damals wird Palästina durch die Tat der Chalnzim gebaut. So wird auch jetzt die Bewegung weiter gehen, und die jüdischen Massen werden nach Palästina koinmen. sobald die Arbeitsmöglichkeiten für sie geschaffen sind, und so werden wir unser Ziel erreichen. Das ist die fundamentale Frage. Ilm auf diese Frage Antwort zu geben, ist der Keren Hajeffod geschaffen worden. Er soll den großen Massen der In» Migranten, die an die Tore Palästinas pochen, ArÜeitS» Möglichkeiten schaffen. Soeben haben wir die MiLteilung aus Palästina erhalten, daß es eine. Möglichkeit gibt, 8000 jüdische Arbeiter unterzubringen, wenn - wir 20 Pfund Sterling per Kopf aufbringen. Die Regierung Palästinas ist bereit, sie an Stelle des ägyptischen Av» beiteikorps zu beschäftigen, wenn wir für Zelte, Unter* fünfte und für das notwendige Lebensminimum etwa 20 Pfund Sterling per Kopf besorgen, weil es ohne diesen Betrag unmöglich ist, die Juden an Stelle der bisherigen ägyptischen Arbeiter zu setzen. Don diesen 160.000 Pfund Sterling dürsten 65.000 Pfund zurückgezahlt werden, und die Verwaltung ist bereit, dafür einzustehen, daß diese Summe von den Löhnen abgs» zogen wird. Wir versuchen jetzt, ungefähr 100.000 Pfund' Sterling zu besorgen, denn wir müssen Antwort geben, ob wir diese Gelegenheit ausnützen sollen. Welche Folgen wird es haben, wenn uns diese Aktion nicht gelingt. Die nichtjüd'.sche Welt wird niemals glatrben, daß die Juden 100.000 Pfund Sterling nicht aufbnngen können, um 8000 jüdische Arbeiter nach Palästina zu bringen. Sie wird sagen, daß ein Dluf^ vörliegen muß, da das jüdische Volk sicherlich das Geld, besitzt. . , I Das kann nicht das Resultat nach einer Periode von 30 Jahren Zionismus sein. Kann man angesichts dieser Frage noch mit Behauptungen kommen, daß die Arbeit nicht möglich sei, weil die Grenzen nicht weit genug sind oder das Mandat einem nicht gang^ gefällt?. Darf wan angesichts dieser Frage von einer ökonomischen Krisis sprechen, die die Arbeit verhindert? Hat England an eine Krisis gedacht, so lange der Feind mor den Toren stand? Unsere Arbeit ist jetzt unser Krieg. Es ist ein Krieg des AufbauenS und nicht deK Zerstörens. Wenn ihr nicht eure Söhne schicken könnt, so schickt Geld, Zelte und Werkzeuge. Gebt uns^ di« Möglichkeit, daß wir unsere Jugend nach Palästins bringen können, damit sie Steine bricht und Wege baut — für euch,'für das Volk. f - Ich habe soeben den Brief eines nichtsudischen Engländers an§ Palästina erhalten, der als Beweis kür den! Fortschritt, den die Arbeit im Lande gemacht hat. einen Besuch anführt, den er der neuen Kolonie vo« Dilb abgestattet hat: , j „Berge werden in Terrassen verwandelt, das Oedlm.d in einen Garten. 180 junge Mäwrm und - Frauen der besten Art, erfüllt von Enthusiasmus, - bauen das „neue Heim" im Schweiße ihres Angesichts. Solches Unternehmen ist die Antwort auf die Fragen: Was wollt ihr mit euren Immigranten tun und ist - dort Raum für sie? Er ist vorhanden und im Ueber» fluß, und nimnand wird enteignet auch nur eines Zolls des Bodens. Die Schaffung neuer Werte, das ist alles.^ Das ist die Meinung einer nichtjüdischen Autorität. Das Werk kann sofort zehnfach vergrößert werden. Es. liegt in unserer, in .etlrer Hand. - Viel ist über die Inkompetenz der zionistischen Leitung und Verwaltung gesagt worden und diese Doktrin ist so weit in die Bewegung eingedrungen, daß wie. unser Selbstvertratren verloren haben. Ein befoitiftlscher Geist ist in die zionistischen Reihen gedrungen. Wenn man die Moral einer- Armee untergraben will, muß man ihr nur wiederholen, daß sie einen verlorenen Kampf kämpft. Das hat man bei uns versucht, indem man. immer wieder von der Unfähigkeit der Zionistischen Organisation und ihrer Leiter gesprochen hat. Vielleicht sind wir in manchen Dingen nicht ganz kompetent. Vielleicht haben manche Sachen in Palästina 10 bis 20 Prozent ntehr gekostet. Wären sie.nicht getan worden, hätten wir es nie zu unserem jetzigen Zustand gebracht. Es ist etwas anderes, mit zionistischen Werten, als mit Baumwolle umzn« gehen. Vielleicht ist mancher Sachverständige in Bamnwolle nicht gleichzeitig Sachverständiger in Zionismus. Ich verstehe nichts von Baumwolle, aber ich weiß, daß eine Schule, die vom Bawnwollstandpunkt aus ein Verlust ist, vom zionistischen Standpunkt aus ein (iieUnnn ist. Man muß natürlich anders denken, wenn man über geschäftliche Sachen in Palästina spricht. Aber P a l ästina wird nicht allein aus der GruudlagS d >e s G e.s ch ä f t e s erbaut. Wir brauchen Enthusiasmus, dtzn Enthusiasmus der „Uui.raktischen". Ich könnte nich praktisch sein, 10.000 Pfund jährlich verdienen, 1000 Pfund hievon für den Fonds geben und mich der Kritik entziehen. Aber das wäre nicht Zionismus. Ich könnte sagen, daß Sir Alfred Mond ferne Muße praktischer vertuenden konnte, wenn er nicht zu dieser Konferenz gekommen wäre, "irr. manche seiner Freunde werden ihn deswegen auch einen unpraktischen Enthusiasten nennen. Aber vom zionistischen Standpunüi aus ist er doch der beste, den wir brauchen. Wenn die moralische Kraft, auf der unser Wert beruht, unterminiert ist. io kann uns auch >ix Economft! , Council nicht Helsen. Deswegen find wir zu einer KsM-

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