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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-22 · Heft 686 (22.12.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 686 (22.12.1920)
Date
1920-12-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 586 Me«, Mittwvcy vorderr seien, die vermutlich zur, Bewaffnung von Aeimwehren bestimmt seien. .Die, Landesregierung hat afoxt die notwendigen Erhebungen eingeleitet und die Seschlagnahme dieser Waffen angeordnet. Vas böhmische Krimarchiv nach Prag - überführt. Prag, 21. Dezember (Preßzentrale.) Heute über- ,Ährte der Gesandte der tschecho-siowakischen Republik m Wien. Dr. Robert.Flieder, mit einigen Beamten der Reparationskommission das böhmische Kronarchiv aon Wien nach Prag. Für die Tschechen bedeutet dieser Augenblick einen historischen Tag. Diese denkwürdige Sammlung enthält einige hundert Pergamente, unter mherem die bekannte goldene Pulle Friedrichs und die zoldene karolinische Bulle. Das Kronarchiv war tri-. j prünglich in der Burg Karlstein bei Prag und später ' in der Sankt Werfels-Kapelle auf dem Hradschin deponiert. Im Jahre 1761 ließ es die Kaiserin Maria , Theresia mit großem Pomp nach Wien bringen. Harbins gegen VerfaiAes und gegen den Paris, 21. Deaember. (Korr.-Bur.) »Nach einer Meldung aus Marion habe sich Harding nunmehr endgültig entschlossen, weder vom Versailler Vertrag, »oi# vom Völkerbundpakt irgendwelche Kenntnis zu nehmen. Die Psäne Hardings gingen dahin,. zum Zwecke des Friedensschlusses mit Deutschland Sie Verhandlungen mit der deutschen Regierung und den alliierten Regierungen über den Ersatz für die versenkten SMffe sowie über die enteigneten amerikanische^ Mtev zu beschleunigen und gleichzeitig auf diplo? mstjschem Wege über" eine neue Vv 11Qx ve v? rinigung zu unterhandeln. Diese Schritte dürsten' unmittelbar nach dem Amtsantritt Hardings. erfolgen. Sin italienisches Ultimatum an d'AnnunZio. Rom, 21. Dezember. (Stefani.) Geyeral Cavigkia hat an d'Annunzio e!n Ultimatum gerichtet, worin er erklärt, die Regierung könne infolge des triumphalen Empfanges, den d'Annunzio jenen zuteil werden lief;, die die Armee und Marine verlassen hatten^ um sich nach Fiume zu begeben,, nicht mehr weiter verhandeln, ohne ihrer Würde zu Vergeben., Caviglia stelle. demnach an d'Annunz'.o drei , Bedin-1 gwtfjen: 1. Räumung der. JriUn MKe Md BeMa und; det Mrigen Ortschaften, bie bsirch'den Vertrag J»g > slawien zugesprochen'wurden. 2. .Zulassung der freien Abfahrt der Schiffe der italienischen Kriegsmarine ans dem Hafen von Fi um« und Rückgabe der Schiffe und Torpedoboote, die stach der Proklamierung d^r Blockade sich nach Fiume begeben hatten. 3. Auflösung Und Entfernung der bewaffneten Kräfte, die nicht von den^ Bürgern Fiumes gebildet seien. Der Kommandant der ' -Streitkräfte in Julisch-Venetien erwarte bis 6 - Uhr abends des 21. Dezember die Skrtwort auf diese drei Punkte. Eine neue Blockade gegen Fiume. Rom, 91. Dezember (Stefani.) Gemäß der Mitteilung. die General Caviglia, gestern abends dem Kommando von Fiume gesandt hat, läuft die Frist für die Antwort heute um 6 Uhr abends ab. Falls die Antwort nicht befriedigend sei» sollte, wird Caviglia die effektive Blockade über Fiume und die von. den Fiumüner Truppen itnstatthasLevweise besetzten Inseln Veglia, Arbe und San Marco verhängen. Durch die neu« Blockade wird jeder Verkehr gehindert und werden die blockierten Orte vollständig isoliert werden. Das Homerule-Gesetz zurückgeleltet. London» 21. Dezember. (Reuter.) Das Oberhaus hat an dem Homer ule-Ge setz, das vom Unterhaus zurückgenommen war, eine A banderung vorgenommen, so daß das Gesetz abermals an das Unserhaus zurttckgeleilet werden muß. Die Kämpfe in Irland. Dublin, 21. Dezember. (Havas.), Mehrere Männer, die von den Behörden gesucht wurden, hatten sich, wie man glaubte, nach der Insel Aran außerhalb, der Grafschaft Galday geflüchtet. Polizei und Truppen, die gestern in dieser Gegend Nachforschungen anstellten, verhafteten sieben Personen. Diese versuchten zu fliehen; auf der Flucht wurden zwei getötet und drei verwundet. Cork, 31. Dezember. (Reuter.) Der Sinnselner- Deputierte Deroyce ist heute verhaftet worden. Verständigung in Brüssel. Brüssel, 2t, Dezember, (Havas,) Der gute Eindruck, der durch die Unterredungen zwischen den Fachleuten der Alliierten, die mit den deutschen Delegierten spezielle Fragen zu erörtern habe», hervorgerüfen worden ist» hält an. Die Alliierten haben das Gefühl, mit einer Delegation zu verhandeln, die von dem Wunsche beseelt, ist, zu einer praktischen. Lösung zu gelangen. Trotzdem hofft man, wegen der Dinpliziertheit der technischen Probleme, die die Berufung neuer Fachleute «ach Brüssel notwendig gemacht hat, nicht, die vorläufig gen Bericht« Über die vorliegenden Probleme vor Mitt- 4MA Afekiltfl iii kLumNt w-OlLUj di« Berichte. Mittwoch Wiener Morgenzermng /22. Dezember 1920 "Seite S7 /; Mf die Dauer eines Jahres. Augenblick noch nicht aufzunehmen vermag, die.'Hoffnung auf Rettung benommen wäre, Dis neue Tatsache würde das jüdische Volk vor eine neue große Äuf^ahtz stellen, die sowohl durch die Organisierung großzügigster Hilfsmaßnahmen als durch politische Schritte einer äW jüdischen Repräsentanz zu lösen wäre. Die jüdische. Massennot im Osten ist in ein derart akutes Stadium getreten, daß alle bisherigen Hilfsaktionen unzulänglich bleiben müssen. Die vom „Komitee der jüdischen Delegationen" , in Paris begonnene Tätigkeit beim Völkerbund wird mit allem Nachdruck fortgesetzt werden Müssen, denn die jüdische Ostfrage kann nur auf internationalem Wege gelöst werden. Dazu ist aber nötig, daß' das jüdische Volk selbst ben Ernst des Augenblicks erkenne und mit einem geeinten Willen fordernd vor das. Forum der Welt-trete. Die Frage der Pazifizierung und' -wirtschaftlichen Wiederbelebung des europäischen Ostens muß von den Mächten auch im steten Hinblick äüf das tragische Schicksal eines ganzen Volksstammes behandelt iverden, der dem dauernden Chaos zum Opfer zu fallen droht! \ ‘ P a r i s. 21. Dezember. ^re aus WaMrrgtürr «emeldet »teV bade das aMerrftarir^che Parlamenr mit NttAffcht üuf d'e herrfchenÄe Krise die E i n w a n d e * u n g auf; d i e D a rr e r e i n e s Z a ft r e S v erb o Le n. * Dieser Beschluß wird, wenn sich die Nachricht bewahrheitet, für ganz Mitteleuropa einen schweren Schlag bedeuten. In allen Regierungsprogrammen bildet die Lösung der Answanderungsfrage einen Progrannnpnnkt zur Lösung, der quälenden Arbeitslosigkeit. Durch das ^rnwanderungsperbot würde die Arbeitsloseukrise in Mittel- 'und Osteuropa sehr bedenklich verschärft werden. Für die jüdischen Auswanderungsmassen " müßte dieser Beschluß des amerikanischen Parlaments geradezu eine Katastrophe bedeuten für alle jene, die aus der Hölle des Ostens, wo sie der ewige Pogrom verfolgt, mit Hilfe ihrer amerikanischen Verwandten das rettende Ufer des Ozeans suchen. Der Beschluß von Washington hätte eine schwere Verschärfung der jüdischen Lage zur Folge, indem all den verfolgten Massen, die Palästina im Wir Unsere p. t. ■ AhDNMNtM Mid Leserl Die irr letzter Zeit wieder rapid ansteigende Teuerungswelle in den Preisen für alle zur-Herstellung der Tageszeitungen, notwendigen Rohmaterialien sowie die bedeutenden Lohnkosterr haben eine derart große Belastung-jeHes* einzelnen Betriebes geschaffen, daß wir gemeinsam'Mit anderen großen-Tageszeitunge^ genötigt sind, mit Gültigkeit vom * ' , 1. Jänner!S2L unsere bisherigen AbsnrremenLprerse und ah- 27. Dszsmhev LE;. .£; ' unsere ErnzelverkaUfspreise zu erhöhen/ Wir hoffen, daß die geehrten Abonnenten unseres WgLtes die' nur „durch Zwingende Pründ^ MweMg geworbenen Erhöhungen entfprWnd würdigen werden, und geben uns der Erwartung hin, daß unsere bisherigen Freunde ihrer gewohnten Tageslektüre trotz der geänderten Verhältnisse treu bleiben werden^ - Die Administration der ■;. „Wiener MorgeyzeiLung". Abonnenientprerse ab 1. Immer 1921: Derrtschösterreich monatlich.. . . . Kr. 50.— EinzelexemPlar oit Wochentagen . . . . 2.— an Sonn- und Feiertagen . . . . . . . . 3.^- Lschecho-Storvaüei monatlich., . . . .. KL. M.— Polen monatlich, . . . . . ... . -oln. SKavU 50.~- Ingoflawien monatlich . ... . » . . . Dinar 8.-- Deutschland Rumänien Holland Schwerz England Italien Amerika H JI II II I» >* - . . . .. Mark Lv.— . « »' ..* .,. » . * Lei 1ft)ft^— > holl, f!» 1.50. . t ... ’/ FreS. , 3A .... . sh 3.-7 » . . Lire S. . . Dollar —.86 Zahlstellen: Oesterreichifches PofLsparkssienkonto LZV.6SS. Ljchecho--Nowakisches Postsparkassenkonto 39-351. Polen: Wiener Lombard- und EsbompLebank, Filiale Keakan» Rynek 12. Rumänien: Allgemeine Depositenbank» Filiale Ezernowitz. Jugoslawien: Äser KiSicKp. dank, ein., Dsijek 1., Gajev trg broj LI. Deutschland: Zeitunpsbnreau Hamewaffer, BerlinC. 54» Rvsenthalerstratz« 43. t oder Donnerstag besprochen werde» sollen. Die Delegierten würden sodann ab reisen, um ihren Regierungen di« in Aussicht genonmwnen Vorschläge zu un^rbreittn. Die Konferenz würde nach Weihnachten oder nach dem 1. Jänner ihre Arbeiten wieder ansnehmen. , Sitte „leichtere" Amnestie in Ungarn. Bichapest, 21. Dezember. (Ung. Tel.«Korr.-Bur.) Mrnlsterpräsiöent Graf Teleki' erklärte heute PressevertMern gegenüber, die Regierung werde während der Weihnachtsfeiertage eine Amnestieverordnung erlassen.'Die Amnestie betreffe leichtere Delikte und erstrecke sich rückwirkend bis in die Zeit der Karolyr- Revolution. Roch immer Exzesse polnischerSoldaLe«. Warschau, 17. Dezember. (Prwati) Am 6. d. M. wuriie in der Nähe der Station Brezny (Strecke Cholm-Dorogursk) der 13jährige Aron Menaker von Soldaten aus dem fahrenden Zuge geworfen. Er wurde am nächsten Morgen , an der Strecke ickwerverletzt aulaefunden und nach Cholm gebracht, stvv ihm eine Hand abgenommen werden mußte. Dieser Operation ist der junge Mann erlegen. Der KshLenÄrbeiterstreik Ln Slawonien - Laibach, 21. Dezember. (Tel.-Komp.) Der Köhlen« arbeite raus stand in Slawonien hat an Ausdehnung Zu-- genommen, indem sich auch die Bergleute in JohanneZthal dem Ausstünd angeschlossen haben. Nur die Bergarbeiter im Werke Hudajäma bei Tuffer,' das der. Drifailer Gesellschaft gehört, haben die Arbeit bisher nicht niedergelegt, gegenwärtig befinden sich über 10,000 Kob-- lenförderer im Ausstand.. \; Die Forderungen des Herzogs von Braunschweig. . Brannschweig, 21. Dezember. (Wolfs.) In der Lall, d^svLrsommlNng ' mdchte das Staatsministeriurn Mirteilung von Forderungen, die das herzogliche Haus an den braunschweigischenj Staat gestellt hat. Wie die Braunschweiger „Neuesten Nachrichten" melden, erreichen diese Forderungen einen Vermögenswert von Zusammen 250 M i l 1 i o n e n M a r k. Das Staatsministerium hat dem Vertreter des herzoglichen'HaUses mitgeteilt, daß es nicht in der Lage sei, diese Forderungen znni Gegenstand' von Verhandlungen zu machen. " /4 ZieligowM und die Irthen. Warschau, 18. Dezember. (Privat.) Der „MameE entnimint einem in der Wilnaer Zeitung. „Unser -LagM veröffentlichten Interview mit General Zicligowski über.' die polnisch-jüdischen Beziehungen folgendes: /-Die ziehnngen zwischen Juden und Polen haben sich nnr ün P-ölen stark verschärft; hier in Ml-auen sind sie nicht' so gespannt und ich glaube, haß man hier für dass polnisch-jüdische Problem leicht eine Lösung, finden wird. Es muß allerdintzs zugestanben werden, daß dieses Problem sehr verwickelt ist. Alle Nationen sind .bei uns gleichberechtigt, selbstverständlich auch die Juven. Für die jüdisch-kulturellen Bedürfnisse stellen wir im' Verhältnis zu ihrem- Bevölkerungsprozentsatz Mittel bei. Die übrigen nationale»' Fragen wird der Sej.nr entscheide»." . . .. > . Die Erklärungen ZieligMskis, denen sich au->jührliche Darlegungen über die gegenwärtige Lage im'Lande und die. Aussichten "für die nahe Zukunft, anschließen, sind nicht gerade sehr vielsagend. Bezeichnend' ist, daß die Lösung der nationalen Fragen dem Wilnaer Sejm zugeschoben wirb, Bestpnd noÜ) durchaus nicht gesichert ist. Zu einer offene»,Stellungnahme zUm polnisch-' jüdischen Problem hat es Zieligowskr nicht gebracht; die Erklärungen sind wohl mehr im Hinblick auf das,? bevorstehende Plebiszit abgegeben. Reduktion des englischen TrnppeUstandes in Palästina. ' In der jüngst obgeführten Sp^rsamkettsdebalte. ün. englischen Unterhaus führte Ministerpräsident Li oyd.. Georg e mit Bezugnahme auf Pal ä st i n a aus^ In Palästina wurden die Truppen bereits in. schr wesentlichem Maße reduziert. Wir haben dort einen äußerst tüchtigen und geschickten Gouverneur, unter dessen Leitung Palästina,' wie wir hoffen dürfen, in sehr fiWgkfcf Zeit aufhören.wird, eine Belastung flir ren britischen- Steuerzahler zu sein. Auch auf eine Anfrage des Sir H. Britain antwortete Llord George, daß der Abbau des Truppenstandes in Palästina in vollem Gange sei und stetig forischreite. Ebenso tvar Lloyd George in der Lage, einem anderen Fragesteller die Antwort z« geben. Palästina beginne bereits sich selbst zu erhalten; seine wirtschaftliche Entwicklung berechtige zu dorr bester; Hoffnungen und zu Erfolgen, di»? in sehr f:;r;.cr Zeit greifbar werden,

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