Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-12-19 · Heft 683 (19.12.1920) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 683 (19.12.1920)
Date
1920-12-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979761--06131-2992054
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 ' Wien, Sonntag harschen Blinden stellt) und sind durch die Jahre der Trennung ihrer Familie so vollständig entfremdet, datz sttan sich weiter nicht wundern mutz, wenn man.ihrer nicht viel gedenkt. In der Bürstenbinderwerkstätte sitzt ei» hübsches, dunkelhaariges Kind, emsig mit der Her« -tellung der ersten „Glanzbürste" beschäftigt. .Wenn man sie nach Briefen aus der Heinrat fragt, senkt sie betrübt den Kopf — sie kommen viel, viel seltener als sie es ersehnte. Was soll aus diesen Kindern werden, wenn dos Döblinger Heim doch gesperrt werden mütztM Lemberg und Warschau nehmen jüdische Blinde nicht ut ihre Erßiehungsanstalten auf. und das innere Licht, das Licht der Bildung und geistigen Anregung, das diesen vom Schicksal Geschlagenen bier leuchtet, mutzte kläglich erköschen. Es ist ia so wenig, was den. Blinden an Freuden beschert ist. Nickt ieder hat musikalische Begabung, und Dlindenbücher sind schwer erhältlich. In der Zentralbibliotbek der Blinden ist fast die ganze Belletristik stets vergriffen — welch reiche Segenswünsche könnte so manche unbeschästigte Frau verdienen, wollte sie moderne Literatur in Blindenschrift übertragen! — und Theater« wie Konzertkarten sind doch nur ein seltenes, ach, wie seltenes! Fest. So bleibt als einzige dauernde Freude bi*i Arbeit. Es sind zwar Cbanuka-Ferien. aber im Arbestö« saal -es ersten Stockes herrscht doch emsige Tätigkeit •- Blinde können nicht unbeschäftigt sein, weil ihnen die Bilder der Außenwelt keine Anregung und Zerstreuung bieten. Da sitzt ein junges Mädchen, emsig strickend. Zärtlich streicht sie über die weiche grüne Wolle des Jäckchens, das da unter ihren geschickten Händen ent« steht — glücklich, einmal nach Bestellung arbeiten zu können. Die anderen müssen — ohne Bezahlung — Liebesgaben fürs Rote Kreuz stricken, wollen sie nicht müssig gehen, denn die glücklichen, sehenden jüdischen Frauen denken nicht daran, ibren beklagenswerten Schwestern durch Aufträge auf Sweater. Schals oder Rodelhauben einen kleinen Verdienst und eine große Freude zukommen zu lasten. Auch die zierlichen Gebäck« körbchen, die wundervollen Häkelspiben verlieren nichts dadurch, datz sie von Blindenband hergestellt sind, und hier wäre in oller Anspruchslosigkeit ein kleines Stückchen sozialer Pflicht zu tun. Vielleicht auch eine Schuld zu tilgen — die Schuld des Sehenden gegen die un« glückliche Schwester. — Be^er als die Mädchen sind die sangen Burschen daran. Auch ihre Zukunftsaussickten find fröhlicher. Diese Bürstenbinder und Korbflechter, diese Musiker und Klavierstimmer machen kost alle ihren Weg und die Hondwerkerarbeit erweist sich zumeist, namentlich jetzt, als recht einträglich. Oft genug kommt es vor. daß ein Zögling der Anstalt sich . draußen" keine Werkstätte errichtet, es zu Ansehen und Besitz bringt. Dann rindet er auch sicherlich «ne brave Frau, die ihm das Behagen einer geordneten Häuslichkeit bietet und ihn aus der Einsamkeit des Blindenlebens befreit. Das alles aber hat zur Voraussetzung, daß das Institut erbosten bleibt, ein Institut, das Juden doppelt wertvoll lein müßte, weil es verhütet, daß die blinden Kinder ihrer Art entfremdet werden. Und weil es Zeugnis geben konnte, datz dis Wiener Jüdeillchast ihre unglücklichen Brüder und Schwestern, die hilfloren blinden Kinder nicht tm Stiche läßt. Zeugnis — artwn — könnte. K. M. Wiener Morgenzeitmtst Mitteilungen ans dem Publikum. Statt Karten I Grefe Unser Karl Schwär* Wien, II. Wien, IX. Verlobte Wien, im Dezember 1920 4iso Frieda Berger Pinkas Seidmann Baczacz Wien Verlobte _ Wien, km Dezember 1020 4lv» Dem verlobten Paare £erger-Seldmann die herzlichsten Glückwünsche Chanania, Mauryey Berger und Familie Scharf «w Möbel u. ton- | CpiDR dekoration «- viliiH fa grösster Auswahl. Nur gediegene VHSjSÖBSlSlSrnQs 1 D. 2 610 Erzeugnisse. (Ecke Karl Schweigholergasfie). Grösstes, bectsortiertes Lager Wiens in Teppichen, Dachen. Vorhängen, Daher würlan, Laufteppiehen, Stores, Doppeldeeken etc. Billigste Preise. 8540 STennicMatto cUfed&twi *^7 V 105. Spezialhans für feine 8C()i Seidenu. Wollwirkwaren Ella SL-ederer, 1^ Graben, Dorotheerg. i Amsterdam Wien Antwerpen Erster grösste* Käufer für 4039 Brillanten, Perlen Juwelen «tc. Rabinowifsch, Juwelier 1. Bezirk, Maximitianstrasse 5 Telephon 8541 2. Bezirk, StephanlestrassB 3, nur Im efgeien Hause Freitag 4 Uhr bis Samstag abends geschlossen. Telephon 45140 mLANYEN. Perlen. Gold,Silbe“.Platinu. Uhren kauft na d vsrk soft 776 £TTEK Rotentnrmstr. 23, Harlahllf erotr. 98 mm anne BISSIGE Vil.,Scbottenfeldg.24 ,f8E15^ Zudettprr^rowe in Armenien? Warschau, 17. Dezember. (Privat.) Der „Neue ^ajr.t" meldet: In B^mban (Indien! 'st kürzlih ein großer Transport von jüdischen Flüchtlingen aus Armenien angekommen, welche erzählen, datz die Juden dortlelbst von den Armeniern schrecklich zu leiden ^rben. Der Transport besteht aus 197 Personen davon 112 armenischen und 85 persischen Juden. Wie sie einem Vertreter der t m e § o f Indi a" erzählten, sind sie zumeist .Handelsleute: sie waren türkische Staatsbürger und wohnten in Anatolien und den benachbarten Provinzen. Vor einigen Monäten — so erzählen sie ~~ kamen die Bolschewiken nach Anatolien und vertrieben die Türken. Als sie abzogen, übergaben sie die Per« Wallung ihren armenischen Verbündeten. Das erste, was die Armenier nach dem Ab-irg der Bolschewiken taten, war. einen grauenhaften Pogrom gegen dis Buden zu veranstalten, und ihrer Hunderte ofau« schlachten. Ganze jüdische Familien wurden von den Armeniern in grausamer Weile ermordet. Dir Fuden. welche ibr Leben retten konnten, wurden all ihrer Habe beraubt. Viele der Flüchtlinge haben Schutz- und 'Hiebwunden. *' , Nun ist auch Armenien in die Neide der Pogromländer eingetreten. Es zeigt sich überall der gleiche, tvvilche Geschicktsverlaus. Man will in diesem Falle Racke an den türkischen Bedrückern nehmen und begnüat sich in deren Abwesenheit mit den Fuderr. Daß sie türkische Staatsbürger waren, genügt. Und daß solches geschieht, während der Völkerbund über Abhilfe der armenischen Verfolgungen b-rät. läßt die jüdische Tragik, deren Opfer nunmehr die Flucht auch ins ferne Indien trägt, in umso schärferem Licht erscheinen. Die Aussperrung Lschecho-klswakischer Hörer an Wiener Hochschulen. Wie die Preß-Zentrole meldet, hat über Einschreiten der tschecho-slowakischen Gesandtschaft in Wen dos Bundesmimslmvin für Inneres und Unterricht die Aufhebung der Aussperrung tschechv-slowakischer .frone? an der Hochschule für Bodenkultur und an der Konsularakademie an«;<KQCiUie& Kultus- «. Justf'ztalare SJJSmJÄ Sossialieien Rudolf Goldstern, Sehneiderma^lsr. Wien, II.. Taborftrasse K4. Gegründet 1SS3. Telephon 45629. 781 CHREIB maschlnsn — Me SiMiil ki'lligsis s^rsiss ^sspvlck l/V!sn, I., Biberstr. 9 Telephon Mr. .407S/VII! IWb .Restaurant -^5 W Wien, II., Taborstrassö 12 ■ , Spezialität: Karpfen und gefüllte Hechte j li’jTr o che^kü'l?“™h2cJs'ch'nLi'der'f’"rm"a W1 et*»' I A U LE,fl in Masserbeiien bleibt | ■BPSMOBiiweMuw'jMBwa. I(., Täborgtrasge 50, Eingang! Or. Stadtgutgasse 8 mmrmanxmtaa aa,^tf^««^»>j^F^Min,iinnmmiireiiiiinwmiwninM»»m~r rimirmTmi BBAZIA / HOTEL-PENSION BREINER WIEDER ERÖFFNET! I DAMPF¬ HEIZUNG, ELEKTRISCHES LICHTI Bei Aitfru'en bittet man die Zuständigkeit, Gebartsdaten, Vor- und Zuname genau nmugehen, ron out Wunsch eventuell gleich hier bei den zusti'ndtpen Behörden der Vereinfachung «regen die ReisebewiHippmg m besorgen f<8a Telegrammadresse: Breiaer Abbazi PRAKTISCHES WEIHNACHTSGESCHENK! SpfWe. SiiWMW, Mü«. Schals, reine Wen®. zu Fabriksroreiien R'GHARD SORER, I., RoteBtvrmstrasse Nr. zi Mezzanin 7«v Telephon 234-69 nutreparaturanstalt Herrenu.Dnmonh&te werden prompt nud billh hacii naaozter Atedn rr.edernieiort. XViIl., WtlhriiigorgflrleJ 21 VII, Msri;*hl|liir*fr«P>*f' PP 89*' HÄUSsmd KüCHEKGEHÄTl«: WOI.FEK, Ä. Beg.y Taborstrasse SO ■iwtwmnaawKm 19. Dezember 1920 Rc. 683 -Jp&ztal&.4zufßah WitKnxaze/x zma ' Weg yilÜaria6i^e^8) Bevor Sie^ kaufe in 512 Herren'-Beitfem und Wüsche nacig Mais und koef rktioniert sowie sonsligen Hcrren-1Vlo«ie«rtikeln besorgen Besuchen Sie das Herrenmodeliaus A. BORENSTEIN BSdgftlO Original englisches Material is erstklassiger Ausführung Hilfsverein für polnische Staatsangehörige in Wien II., Sdiiffamtsgasse 8. , ■ 9 nsw iiwew Mittwoch den 22. Dezember 1920 um 6 Uhr abends findet im Saale des Hotel „Pos t“ (Fleischmarkt24) eine VERSAMMLUNG T„flJf8enier, „ . - Tagesordnung statt• /. Bericht des Vereines über die Ergebnisse seiner bisherigen Tätigkeit in der Ausweistingsfrage, 2. Anträge und Interpellationen. Flüchtlinge aus Polen, erscheint in Massen! 837» Die Vereinsljeitung. r. Seriöse Ä redegewandte Insetaten -i\kqtiisitctJie für guteingeführtes Tagblatt gegen hohe Provision gesucht. Näheres ln der Adm. unseres Blattes, Wenn Sie in Jugoslawien rerIS«sIiche und angenehme Verbindung suchen, wenden Sie sich, an das Transport- und Speditionsunternehmen Simo Spitzer Zagreb, Pan'oveak 30 Telephon 15-39. — Telegrammadresse: TOPS. Die Firma übernimmt Transporte aller Art nach und aus Jugoslawien. Sie ist speziell für Empfang und Aufteilung von S a m m e lg ü t e r n. eingerichtet. Besorgt Einlagerung in neu errichteten Magazinen. Uebemimmt auf Wunsch kom wissions weisen Verkauf der . bei ihr emgelagerten und anderer Waren. Erteilt unter günstigen Bedingungen Waren- und Zol! vor Schüsse:, besorgt, rascheste Verzollung und jedwede Intervention bei den Behörden. ' gesi Das Elend der Lehrer der Baron«; Hirsch-Schule«. ■ Zu den Vor kurzem ln unserem'Blatte veröffent-. lichten Ausführungen über das.Schicksal der.Barvn Hirsch'schon Schulstiftung erhalten, wir aus Kreisen der- Lehrerschaft dieser Schulen: ein« Zuschrift, aus welcher , hervorgeht, in welcher jammervollen Lage sich die Lehrer dieser Schulen befinden. Es wird darauf hingewiessn,; daß einer der ältesten Schulleiter bei der .Stiftung jetzt nach 28 Dienstjahren eine Pension von 208 (sage Aweihuu-dertacht) Kronen bezieht, wovon er eine fünfo köpfige Familie erhalten soll. Im .Jahre 1914, nach, dem Ausbruch des Krieges, erhielt dieser Schulleiter auf seine.Anfrage —, schon während-der allgemeinen Flucht vor de» Russen — vom Bawn-Hirsch Kuratorium-. den Befehl, an der von ihmgeleiteten Schule, den! Unterricht. unbedingt zu beginnen. Das tat er auch,, obzwar die Russen in der nächsten Nähe waren, mußte aber deshalb die ganz« erste Russeninvasion mitmachen, bei welcher er Hab und Gut verlor. Bor' der zweiten Invasion flüchtete er nach Wien, mußte aber, nach, kurzer Zeit, im Juli 1916. auf Befehl, des Kuratoriums wieder nach Hause fahren, um beit Unterricht, zu beginnen, blieb dort aber nicht lange, da er schon nach einem Monat wieder flüchten mußte, wobei ihm'' das Neuangeschaffte wieder in Berlust geriet. In Wien erhielt er einen Posten und hätte bis jetzt.ruhig in geregelten Verhältnissen leben können, wenn die Leitung" der Stiftung nicht fortwährend gedrängt hätte,' die Schule in dem wieder befreiten und immer wieder unsicheren Ostgalisten zu eröffnen. Im Jahre 1918 vor die Wahl gestellt, den Unterricht aufzunehmen. ober seine S cllirng zu verlieren, wurde er schließlich ' mmrn^nr seinen hiesigen Kosten aufzugehjen und (bi; 74 312473

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.