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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-18 · Heft 682 (18.12.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 682 (18.12.1920)
Date
1920-12-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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etftr 2 Men, Tamstag Wiener Morgenzertuns is. Dezemoer vm Das ungarische Regierungsprogramm. Bo« r»«s«re«r Bu-npester Korrespondenten. Budapest, 17. Dc ember. Die n-ue UUgE'ch^, Negierung 'hat sich heute Ut Rattonalversammliing vorgestellt und ihr Chef, .der auch bisher an der Spitze des Kahinelts stand, Äraf Tel«kt, hat das Programm erttnückelt^ Er Hst ßxm Parlament fofort das Gröblich gLsnuzvn und<von Hu PeutMtztzn. gefprochen. die auf brortister Grundlage, aber nicht auf' so breiter, wie für die Konstituante sich vollziehen sollen. Nun konnte man schon bei dieser Konst'tuante nicht von Wahlen im europäische» Sinn sprechen. Es wurde nach altem, gnt?m Rezept magyarisch gewählt; wer dem Bczirkspascha nutz den OffiMrnchaffts^'> wurde als Abgeordneter anerkannt. Wenn man tzvesi;N'' Vorgang als breite. Grundlage gelten lassen will, dann kann man sich schon eine Vorstellung davon'KüMÜ, iE' die Wahlen auf der vojrr. Grafen Teleki angekündigten engeren, aber LreL Lasten Gr und lag/ - ans, sehen werden. Das Regiemng?prograMM verbreitet s'ch auch in vielen und sehr 'spitzfindigen'-Ausdrücken-- Met r die Königsfrage, quasi um dam t die große Wichtigkeit dieser Angelegenheit zu ÄütSrMichM. tzn 'SÜtzkMMl. aber ist diese Frage Nur aufgebchüscht wortzsn-'Mst sich dahinter bergenden wirtschaftlichen Dinge, ben' Kampf zwischen Großgrundb«fttz und Ba^e-ry, vollständig zu verhüllen. Die Reform, der Bodsnv-v', teilung und der Bodengesetzgebung Nimmt, in:t)er..Di^l> kussion auf dem flachen Land einen viel . breiteren- Raum ein als die Thronfrage. die nur dw Bu d a p e st)L Aristokraten und ihren Klüngel in Atem, hi.lt, Der revolutionäre putsch, den Graf Teleki ausschließen will, ist ja nur zu dem Zweck erfrmden worden, um der Welt die Schauerkomödie deS Hobels . Kritannia. Vorspielen zu können. Das ungarische Land hat sicherlich andere Sorgen als die, wer die Stephanskrons".' tragen soll, und die kleinen Landwirte zeigen offen ihre republikanische Gesinnung. Darauf zielt ja der Finger des Grafen Teleki, wenn er der monarchistischen Agitation streng objektive G renzen ziehen will. Dem neuen österreichischen Freunde widmete der Ministerpräsident einige tadelnde Worte, die aber kaum ernst gemeint waren. Die Erklärung des Kanzlers Mayr, daß das Burgen lütt d durch" d-.'U Friedens- Vertrag Oesterreich zugesprochen worben'fei. kannte man vorher bereits in Budapest. Graf Teleki Mußte so tim, als wenn er entrüstet wäre. Und er zitierte das re'letzte nationale Gefühl. Diese Spiegelfechthrcl kann räemand 'N. täuschen. Aber wenn von Empfindlichkeiten und Gefühlen die Rede ist. wo bleibt denn das Empfinden für Gejetz- Mäßigkeit, das Gefühl für das nr»t Füß-?n getretene M-rnichenrecht, der. Juden .U^gMys-^Graf- %ikli hat versichert, er wolle unerschütterlich an dem nationalen christlichen Kurs frstha.ltsn.< Darin liegt die Äntwort auf die Frage. Die Morde^der Kump-okratie bseibrn ungesühnt, die 24 Stunden im.Falle.Larchau sind längstvorbei und die vom Ministerpräsidentsn — er htzzß damals Teleki ~ angekündigte Untersuchung ist im Sande verlausen. Die Barbareien gegen die Juden werden rncht eingeschränkt. Der Kurs bleibt der altq. Nichts ändert! ich inUnga r n> das ist der Sinn der Rebe des Grafen Teleki. Und daran bessert es auch nichts, wenn der Lehrmeister des heutigen Ungarn, Graf Apponyi, in irgendeiner Provinzstadt eine an Europa adressierte Rede hält, in der er den . Antisemitismus als Prinzip der Gesellschaft' negiert und die Schmugglerware verdammt, di« sich hinter dem christlichnationalen Mäntelchen cinschtejcht. Graf Apponyi mag heute-die Lange Sorg/ckm 'bas endlose Schicksal des von aller KultUkwelt verachteten Ungarn beschleichen und er versucht das Unheil attfzu- Halten, dem er selbst Tür und Lor geöffnet hatt AW die unzart,che Politik ist seinen Händen entschlüpft, dis Regierung ist das mehr minder bewußte Organ «inet Bande von Spielern, Mördern und ähnlichen Ehrenmännern geworden, und dementsprechend ist die- 'Vertretung, die das unglückliche Land .außerhalb feiner Grenzen erfährt. Man kennt heute die Wahrheit Lhex, diese Zustände und dem Grafen Apponyi, der verzweifelt die Vernunft be,chwöct, tönt die Erklärung des Grastn Teleli entgegen: Er bleibt im christlichnationalen Kursi Vor einem neuen Krieg im Kaukasus. Kopenhagen. 17. Dezember. Wie die VkHter aus Moskau melde», erklärte Trotz L i auf einer Konferenz der Sekretäre fümtircher kvmmunrstrschevGrypPen Msskaus, dis AMettsn stLnden inr Begriffs, im K a »- k a s « s einen neuen $tvie $&bt anb zu enAMeln. AMland wÄMche Lreinerr KrLea» sei seMch jederzeit heMt. Men solche« a » S z ü» Rechten. Es Wbe die Anzahl seiner BLvi» stauen um zwei Fünfte! verrm^ert» aber die der B^orrLtte nicht geschwächt. Rntzlanv stehe im Begriffe, Kurse für die Ausbildung einiger ta u s v »©.fl i z Ler c eJ iv^ » «i e tu AnUbolschewiLischer AMtanÄ itt der Krim. Lemberg, 17.;P?umbcr..(1'vln.,Den Blätter« ^ufostie llt m.dsi' Kl nt^ein ncver' A u Ist and gegen di e 1-s.che w tk'e n ausqedro/rn. ,DüS 7,-ÄMwandv-. Sbrr hie ^.AMändiichcn bobru üre Torturen ölernommin. DieAfteitcr und t-EttlcÜic «MSrhastopol. haben/sich der Au.sstandtbMkgung zrsHostxn. " "> verquick, ziche GenerÄ M ä ch n d dm MtiVnolistr» der^m . ä.'^rlm Hachfolget des Ministers GvecSaM wurde Msu Antoneseu bestellt: Die Polizei hat auf die Ergreifung des Attentäters ein« Prämie von 200000 Lei ausgeseht. . Da^ Atteü'.at dürf e allem Anschein nach mit den Soziälistenveifolgungeri und dem scharfen reaktionären Kurs in Rumänien zusäMMLnhängen. Bekünntl'ch sind letztryZ.. sämtliche Soz-ial.'stenführer verhaftet und zu ^erMstrMüderttrtnN worden. Das Bombenattentat im rumiinischen Senat. Am 9. Dezember war der rumänische Senat der Schauplatz eines Bombenatteulats. Der offiziösen rumänischen Korrespoirdenz zufolge fand das Attentat gerade im Augenblick der Eröffnung der Sitzung statt.. Die Wirkung war furchtbar. Alle Estraden stürzten ein, eine größere Zahl von Senatoren.blieb schwer verletzt liegen. Bischof Ra d u blieb t oi auf dem Platze, der Justizminister Grecean u erlag bald darauf seinen Verletzungen. Nunmehr meldet das Korrespondenzbuceau, welches über deu Borfaft selbst nichts zu berichten hatte: Bukarest, IS. Dezember. (Damian)Senator Georgiu Spiru, ein Opfer des im Senat verübten Attentats, ist seinen Verletzungen erlegen. Der Zustand des Präsidenten Generals Coanda hat sich gebessert. Gestern hat das Leichenbegängnis d«S Bischofs Dem-.'tri!:. Ra du und de» Minisärs Grece^rnu mit staLlgesundcu, Clne GolschsWlkeKdebatte im deMcken. Meichstag.. ‘ ÄcrNn, 17. Dezember. Cs wurde eine Rkrbe von kleineren Vövlagen.l Unter anderem eine Abänderung des Börfengefetzes, dahingehend, -daß auch beim inoffiziellen DevffenhättM eiN' defiliitlver EiNwünd Nicht erhoben werden kann, in allen drei' Lefungen angenommen. Ms - folgt^ dis - zweite Beratung des Gesetzes über LtrcifvekfMrfup.gett gegen dew! Schieichhandöt Und deck Wucher.' Nach kürzer' Döbakte wurde öaS Gesetz in - det MAschUstfafnM^ angMchnMeN.'-'- ' " Es fölgts sodann die dritte' Zeftmg des SperrgesetzeS» die' sich debätteltzS vollzog. DaS Mfetz wurde in ttameUt»? licher ÄbstiMMüttg üngöNömnien. - - hierauf 'fölgte die' Fortsetzung der Beratung über dis FnterWötion Hergt. betreffend die böifchewikischen Umtriebe. ''Äbge'obdNötet': B e ü e r t ‘ (Deutsche Dolkspnrtei) stellt 'fest. 'dätz' ftt den rusfischött Lagern ein großer Ter»!rdr MeN 4P NichtbolschewikifcheN- Offiziere' ünd Solida'tüi.'^ 'herrsche -vüd/' fordert - bringend die Abstellung idieiser- Üelle!st2iiM- Äbeg^chndter #. Rosenfeld fUnäbhanglger) greift die DeUtschnatiönalen scharf an, die die Russen ftmr als Streikbrecher und Lohndrücker verwenben,'UM idie deutschen Arbeiter in.jeder Hinsicht zu schädigen. Bdzutzlich der Marne fragt Redner, wo denn eigentlich die Maine sei. Es gebe wohl eine ukrainische Gesandt- . schüft in W i e n, datz. sei aber auch die einzige feste -Statte, die,.die Mfline .ch.'M— . sNinistep des Aeuhern. Simons erklärt, haß für das Auswärtige AM bei Behandlung der Gefangenen nichts weiter in Frage komme, -als daß das deutsche Ingresse gewahrt blcibe. Deutschland habe an die Enteiste das- Ersuchen gestellt, die Ausstellung besm> derpr Mannschaftsverhände zu genehmigen, um di« internierten Russen bewachen zu können. Dieses An« suchen sei jedoch ab gelehnt worden. Der Minister anerkennt die' Schwierigkeiten der Bewachung von Truppen durch Zivilisten. Bezüglich,Viktor Kopps klärt der Minister, daß dieser der anerkannte Vertreter der Sowjelregierung sei,, und daß er als solcher von den Karteien behandelt werden müsse. Der deutsche Vertreter in Rußland genieße die gleichen Vorrechte wie Kopp in Deutschland. In der Paßfrage sei der Stand- Punkt der deutschen Regier-ung der, daß man keinen Russen zwingen kaum sich einen Paß von der Sowjetregierrrng aüsstelkkn zu lassen. Werbebureaus werde Deutschland-energisch unterdrücken^, Man müsse unbedingt auf dem Grundsatz beharren: Auf deutschem Botzen nur deutsches Recht und deutsches Gericht. ES sei jedoch ganz gut angängig, daß innerhalb gewisser disziplinärer Angelegenheiten, die von unS als Außenstehenden nicht so recht beurteilt werden könnten, eine Selbstverwaft tung di0 Erledigung in ihren Händen habe. Das Reichsnotopfer in Deulfchland. Oi r HMenkreLZpavteienwollennichts bsWiKisic n Berlin, 17. Dezember. Im S-euwausschuß b«S Michsziagos wuchs honte vormittags di-'r Abstimmung , lcbec den L 1 des Gcfttzes, bclresiend die bclL/eanü^ Einziehung des Re ichsno topfers vorgcnommen. Der Paragraph gelangte mit den Stimmen des Zentrums, der Sozialdemokraten, der Unabhängigen und der Kommunisten zur Annahme. Dagegen stimmten die DeUtschnatiönalen und die Vertreter der Deutschest Volks Partei, während,sich? die BetyokraM ider - Abstimmung enthielten. Daraufhin erklärte Reichsfinanzminister Wkilt ^' Wirt h, es sei ein ganz unhaltbarer Zustand, das). zwei Regierungsparisien in dieser Weise aus der Reih« tanzten^ Er tverde sofort, das Reichskabinettinfor-' mieren und behalte sich weitere Schritte vor. 'S) In den ersten Nachmittags stunden war mast wr Parlament der Ansicht, daß die Krise ziemlich s ch a r f s e i. Gegen 2 Uhr trat aber' der interfraktiotiells' Ausschuß des Reichstages zusammen, uw Über einen Ausweg Ku beraten. Es derlauret, daß die deutsche Volkspartei zum Einlenlen bereit ist und daß auch die Demokraten ihre Haltung ändern und für die Regierüngsvorläge stimmen' werden. In den Abendstunden verhandelte, der Aus-, schütz noch darüber,, in welcher Form ein« Lösung KU finden wäre.; Amnestie für Wucherer. Berlin. 17. Dezember. Nachdem, in der heutigen Neichstagssitzung der Amnestieparagraph im Wuchergesetz anzenomuren worden ist. werden die Hoteliers in einer für heute abends einberufenen Versammlnng zur Frage der Wiedereröffnung der Küchenbetriebe Stellung nehmen. ,' Dr. Rrisch für dir KreÄithilfe für Oesterrelch. Paris, 17. Dezember. ,.Journal" veröffentlicht ein Interview mit dem gewesenen österreichischen Finanzminister Dr. Re jsch, der die Wichtigkeit und Dting'ichkeit der Krödithilse für Oesterreich darlegt. Reisch schildert in ernster Weise die verzweifelte Lage, in der stch Oesterreich befindet, datz ohne auswärtige Hilfe dem Untergange geweiht wäre. Das Wiederauftreten der seit Jahrhunderten in Mitteleuropa unbekannten Hungersnot wäre der unwiderlegliche Beweis, daß Oesterreich als selbständiger Staat nicht lebensfähig sei. Dr. Reisch betont, es handle sich weniger um ein humanitäres, als um ein internationales Problem, und schließt, die Störung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ruhe Mitteleuropas würde für Frankreich weit empfindlichere Opfer bedeuten, als die angesprochenen! Kredite erfordern. Die bereits bestehenden Engagements Frankreichs in Oesterreich, die bereits auf 11 Millia-den geschätzt werden, müßten dann verloren gegeben werden. In nüchterner Erwägung dieser Tatsachen werde seiner Ueberzeugung nach die Entscheidung zugunsten der Kreditgewährung fallen müsien. Der angesprochene Kredit von 85 Millionen Pfund Sterling, von dem nur eine Quote auf Frankreich entfalle, fei schon rein wirtschaftlich betrachtet, vorteilhafter als der sofortige Verlust der großen Engagements. Homerule-Bill im englischen Unterhaus ftsrntoit, 17. Dezember. (Reuter.) Das Unterhausi verhandelt das vonr Oberhaus angenommene Amandement zur Homerule-Bill. Der uationalistische Deputierte Devlin unterbreitet eine Tagesordnung, worin erklärt wivd,^ das Unterhaus weigere sich, die Debatte über die Bill fortzusetzen, bevor die Regierung nicht klar ihre irische Politik dürgelegt habe, Bouar Law bekämpft das Anrendement und' betont von neuem die doppelte Aufgabe der Polttik der Regierung, den Terrorismus in Irland w unterdrücken und Maßnahmen beLufs Herstellung des Friedens dortselbst ru trefftn. Die Kämpfe ln Irla«d. Dublin, 17. Dezenrbee. (Reuter.) Eine Patrouille von acht Polizeileuten ist bei Kitommon (Grafschaft Tipperary) in einen Hinterhalt gefallen; vier Polizisten wurden getötet, einer schwer verwundet. Frankreichs Ostpolitik. München, 17. Dezember. (Privat.) Die Münch.;:« Augsburger Abendzeitung" erfährt aus gut unterrichteter Quelle, daß Frankreich in das jetzt endgültig zusanunengebrochene Wrangel-Unternehmen nicht weniger als 16 Milliarden Goldmatk gesteKt hat. Frankreich soll ferner Polen 40 Milliarden Holdmark vorgeschossen haben. Polen verlangt von Frankreich einen weiteren Zuschuß von nündestens 20 Milliarden Goldmark, und zwar mit der Begründung, daß Polen sonst nicht weit« bestehen könnte und zusammenbrechen müßte. Der polnische Gesandte in Berlin -- ein russischer Monarchist- Krakau, 17. Dezember. (Privat.) Dem «GoNiee Krakowski" zufolge hat in Warschauer politischen Kreisen die aus Berlin eingelangte Nachricht große Empörung hervorgerusen, wonach an den dortigen Zusammenkünften der russischen Monarchisten auch der polnische Gesandte in Berlin S ch e b e k 0 ständig teilnimmt, wobei er sich ausschließlich der russischen Sprache bedient. Das Blatt fordert die sojortige Abbrrusuua des Gesandten.

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