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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-18 · Heft 682 (18.12.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 682 (18.12.1920)
Date
1920-12-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis ffiiüi &•« murtn t« m tL Pttilt, r«do». «m«hia_ M«-,jichrttch * StftWRmf««» HJt Rfr* unk CcttmiA: M-MNttch . . Krone« 3S.- r,chr»e^lo««kei: Monotktch.. Kronen 1».— HlertelMrki» »».- L,qchrch-^e»-kr,«erWjihrs«, «onoNtch.. Krone« "O.- TÄ4T Nr. «82 Einzelpreis K L.LSKP Wien» Samstag, den 18. Dezember 1920 Vriik»«eratisnsprrifes Volrn: Ä j tawHMb . . Morl SSrtirl|<sbrIffH V «0 in «olKifdJtr VSHrnnz ■»•.«nS^Wnrt MM. _ ttvonftriiti: . _ ' «onotUch. . . AraoeS Sr* MonaNich^!^'. Lire ' Monattich^^rane» KebaMpntt. Adminkstrotto» > Wten.L.Bej..Ti,borstrU-S 9reftMmtct Sldinknrstrntto« 44H H, Nednk.ion 42310. •* € Uftr atzeov« Str. 10-01 VoWpsrkoflenk»»«» iso.S9f 2. Jahrgang Die Reparation$Kotnttil$$ioit für eine stcgMng der üerkebr$wrbäitni$$e. Wien, 17. Dezember. Die österreichische Sektion der ReparationSkommission hat am 14. Dezember zwei Sitzungen von langer Dauer abgehnlten, in deren Verlaus sie die allgemeine Lage der Verkchrsverhältmsse in Oeiterrcich und den übrigen Landern von Mittel- und Osteuropa studierte. Sie hat' Lei diesem Anlaß die Präsidenten und Mitglieder der Verkehrs'- und Perteilungskommissionen angrhört, die ihr die Ergebnisse ihrer Arbeiten dargelegt und eine Anzahl von konkreten Vorschlägen unterbreitet haben,^ dahingehend, den Eisen, bahnverkehr zwischen diesen Landern zu erhöhen, seine Unterhaltung nnd Materialverteilung zu erleichtern,' die Leistungsfähigkeit der Eisenbahnen zu verbessern nnd die Schnelligkeit des Verkehrs im allgemeinen zu hebe». Die Aufmerksamkeit der österreichischen Sektion wurde aus einen Komplex von einfachen und wirksamen Maßnahmen gelenkt, die für sie als Grundlage eines beab* sichtigten eingehenden Studiums der Frage dienen solle». An d'e Adresse dev Wiener Reparationskommisfion. II!.*) Srotenabstemselimg und Zwansssa leihe. Bon SlaiN'bihnrat Ina Robert Stritkev. Einige Tage konnten die Gerüäite von einer rm» ustttelbar bevorstehenden, Abstempelung und teilweifeu Einziehung 'der österreichischen Banknoten umherschwirren und weitere Verwüstungen im ohnehin so verelendeten Wirtschaftsleben unseres Staates., anrichten, ohne daß von autorisierter Seite, das heißt von seiten der Negierung, diese Alarmnachrichtcn als unbegründet-erklärt .worden wären. Die wenigen Tage haben genügt, um den Kaufpreis der Krone noch yinuntergudrlicken und die Preise der Bedarfsartikel anschwellen zu lassen. Erst jetzt ist unser Finanzminister mit der Erklärung berausgerückt, daß die Regierung eine Abstempelung und Einziehung nicht beabsichtigt. Die sonst unerklärliche Verzögerung erweckt den Eindruck, als hätte man -den Nutznießern jedes' künstlich hervorgerufenen Kronensturzes, den Großbanken, und allen anderen Waren-, Valuten- und Effcktenbesitzern, genirgend Zeit für einen anSgiebigen'Fischzug imTmrben gönnen wollen. Die den turbulenten Szenen am' Geld- und Warenmarkt ganz, ganz langsam nachhinckepde.Erklärung der Negierung hat natürlicherweise in. der WirkÜM vertagt. Die Preise für fremdes Geld sind nur unwescpülich gefallen, in den- -.Schaüfenstery. prangen die. Neste»Märenpr'He in - unverminderter Höhe -und^spotten-. jeder Äegierüngserklärung^, ' .'. Der' BevMerrmg bleibt nichts übrig, als sich wieder einmal, in das.'traurige Schicksal 'zu-'fügen, daß'-gewissen-!psp Spekulanten und eine von einem .unfähigen Parlament eingesetzte'Negierung ihr 'bereiten. NichMestoweniger darf, die ganze Angelegenheit.nicht, als erledigt betrachtet werden,', denn 'Anzeichen''deuten ' darauf hin, daß von gewissen'Seiten an dem unglücklichen Plane der rein mechanischen Verringerung des BanknotennmlaufeS durch Abstempelung und Konfiskation bei denaugenblicklichen Besitzern österreichischer Noten festgehalten wird. So. verlautet, daß. der bei der letzten Krise als. Finanzminister in Vorschlag gebrachte Vankdixektor a. Schmidt einen fertigen Plan. für. die Abstempelung und Konfiskation, ich Portefeuille trug. Und dann wird zum Zwecke der Rechtfertigung des Umstandes. daß die oben erwähnte Regierungserklärung so verspätet abgegeben wurde, berichtet, daß die Regierung gebundene Hände. hat und vor Einlangen' einer. Ermächtigung seitens der NepawtioNskommission ' und der unter Führung des Vankdirektor 'Dr^ Svitzmüller nach Paris entsandten' österreichischen Finanzkommission in der Angelegenheit nicht frei sprechen durste. Daraus geht hervor, daß in einflußreichen Wiener Kreisen der Plan der Abstempelung favorisiert wird und auch die Reparationskommission beschäftigt. Die Gefahr kann also nicht als beseitigt angesehen werden. Es ist daher notwendig. von den unheilvollen Konsequenzen -zu sprechen, welche aus der Abstempelung, der rein mechanischen Wertberabsetzung und teilweise» Konfiskation in Form der Zwangsanleihe resultieren müßten. Die Herabsetzung des Weickes der Kronennote bedeutet einen Rau bzug gegen die mittleren und unteren Schichten der Bevölkerung, ein Abwälzen der ganzen Last auf diese, einen Versuch.-aus dem Fleisch und den Knochen der Besitzlosen eine nur vorübergehende Besseinng des österreichischen Geldes herausznpressen. Jede Manipulation mit den Kronennoten läßt die Reichen unberührt, denn die inländischen Reichen, von gewissen käuerlichen Greifen abgesehen, besitzen kein östexreichi. schoß Geld. Ihr Kapital ist in Grundstücken, in Waren, Maschinen, Häusern, Juwelen angelegt und zum überwiegenden Teil im Ausland Placiert. Die fünfundzwanzig Milliarden bisher ausgegcbener österreichischer Roten befinden sich zum überwiegenden Teile in den Taschen der schwer, arbeitenden, kärglich ' lebenden Staatsbürger. Der ärmste Teufel muß heute einige Tausend Kronen bei sich tragen, weil sie den Bedarf für wenige Tage repräsentieren. Die monatlichen LohnauSzahlmigen an die öffentlichen Bediensteten betragen üllein zirka zweieinhalb Milliarden und die wöchentlich an Pie Arbeiter aller Art geleisteten gehen gewiß über * Siehe »Wiener Msrairrreitlms* vom 7. nnd 13. Nomatr im Die MufnahMs Lee Ukraine in den BSlkerbunL ahgelehnt. Genf, 17. Dezember. (Tel.-KomP.) Heute vormittags erfolgte in der Sitzung der Völkerbnndvcrsqm.. lang die Beratung über die Anfnahmsgesuche vonAzerb n i d s ch a n, der lThr «ine, L t c ch teuft ei tt und Albanien. Die Ausnahme Albaniens wurde mit allen 35 Stimmen beschlossen, das Gesuch AzerbakdschanS mit allen 29, und das der Ukraine mit 23 Stimmen abgelehnt. Bei der Abstimmung über die Ausnahme Liechtensteins in den Völkerbund gäbe»: 28 Delegierte sihre Stimmen ab, von denen 27 sich für die Ablehmrng, und n!t? der Schweizer Delegierte für die Ausnahme aussprach.. Aus einen Antrag Motias wurde einstimmig beschlossen, eine besondere Kommission zur Abänderung der Bölkerbundakte zu ernennen, die es ermöglich«'!, soll, kleine» Staaten wie Liechtenstein die Mitarbeit innerhalb des Völkerbundes zu gestatten. lieber Vorschlag des Präsidenten wurde beschlossen, die Vertreter der neuanfgenvmmeuen Staaten bereits den nächsten Sitzungen zuznzichcn. Sodann befaßte sich die Versammlung mit Personal- und Organisatrons» fragen des Völkerbnndsckretariats. Auf Antrag des Dele. gierten Barnes wurde die Bestimmung gestrichen, wonach das Personal des Völkerbundes nach sechs Jahren erneuert werden soll. - Die BMselsr FinanzkosrferCnz Pr':ssel, 17- Dezember. (Wolfs.) Die erste. Si^nng der Brüsseler Finen^onferenz war nach.einem.Sonderbericht der Avance Havas -fast' vollständig dein D. rtrage des Exposes gewidmet, das von Staatssekretär Schr-oeder' vorgetragen wurden.'und sich mit der finanziellen L-age De n t sch l a nd s befaßte/ Bei Eröfsnüng der Sitzung erinnerte Präsident Delacroix daran,, daß die, Konferenz das Ziel habe, zu, praktischen Ergebnissen bezügl'ch "der Ausführung -der. Klausel des Versailler Vertrages über die Reparationen fünf Milliarden hinaus. Daraus ist klar ersichtlich, wer Noten besitzt, und wer von der Noteneinziehung nnd ihres Wertvermindenmg betroffen würde. Nur die armen Teufel! Die Neichen haben kein österreichisches Geld! Diese Wahrheit kann nicht laut genug - hinausgeschrieen werden, als Warnungsruf an die Adresse der bedrohten arbeitenden Bevölkerung, aber auch an die Adresse der Kapitalsstenkreise, welche mit dem gefähr« lichen Plane liebängeln, und an die Adresse der Reparationskommission und der ausländischen Regierungen, weiche man anscheinend für dieses leichtsinnige und frevelhafte Unternehmen gewinnen will. Wer heute die Notenbesitzer an die Kassenschalter zwingt, ihnen für die Krone einen Zehnhellerschein ansfolgt oder einen Teil ihrer Noten als Zwangsanleihe zurückhält, der hat nur den Armen genommen. Und wer kann so frivol sein, zu behaupten, daß ja dann zehn Heller soviel gelten, wie vordem eine Krone, daß ein Paar Schuhe, das heute tausend Kronen kostet, nach der Abstempelung um hundert zu haben sein wird? Die Warenbesitzer werden nicht im entferntesten daran denken, die Preise der neuen Situation anzupassen. Die zu erwartende Preissenkung wird eine minimale, zur Wertherabsetzung der Noten in keinem Verhältnisse stehende, sein. Das Volk wird mit zu gelangen. Staatssekretär Bergmann überreichte sodann eine große Reihe von Dokumenten, die sich mit dieser Frage befass:». Die Ausführungen des Staatssekret'irs Schroeder über den Haushalt des Neiches) gipfelten darin, daß das Haupthindernis für eine Gö-, sundung der deutschen Finanzen in den unp r-od uk«: tiven Auslagen liege, die im außerordentlichen! Etat mit 4L Milliarden eingesetzt seien. Dieser Punkt. sei entscheidend für die ganze Beurteilung der (Sk-i holungsmöglichkeit für Deutschland. Auch die obev-' schlesische Frage ist in dieser Diskussion an^ schnitten worden. . . - Brüsfe^^-^7»MchMker. Nach' einem Bericht der! Ageu-e HavaS über die gestrige Nachmiltagssitzung de^ Sachve.ständigen habe man nach den Bericht Haven^i steins, der die finanzielle Lage Deutschlands als klagenswert geschildert habe, den Redner gesragt, ob^ die! deuische Abordnung bereit sei, ihre Ansichten über biej' Repa.alionsfragen schon in der nächsten Sitzung be-i. kanntzugeben. Die deutschen Delegrertett hätten nichtz bejahend aber auch nicht ablehnend geantwortet . Amerika für einen Frieden mit Dentschland nnd Oesterreich. W 'fh ugtIU, 17. Dezember. (Tel.-Komp.) Das Repräsentantenhaus hat heute eine Vorlage angenommen^ die sich für di« Aufhebung oeS immer noch bestehend^ Kriegszustände S (!) mit Deutschland und Oester-/ reich ausspricht. __ Die Abstimmnng in vberschlesien. 17. Dezember. „United Telegraph" meldet' aus Paris: Die Bot.chafterkonferenz hat hnrsichtlich der Abstimmung in Oberschles'en beschlossen, auf di« in London vorgeschlagene Lösung zurückzukommen, wonach die gebürtigen Oberschles^er in ihrem Heimatland abstimmen dürfen, jedoch 15 Tage nach den dort Anisässigen. Die noch ausständige Zustimmung Sforzas! stehe außer Frage. entwertetem Gelde vor Waren zu unerschwinglichen Preisen stehen, und es wird verhungern oder das tun müssen, was der Erhaltungstrieb ihm zwingend diktiert, eS wird die Waren einfach wegnehmen! In den Togen nach.der Abstempelung werden in Oesterreich die Ladenfenster und die Kassenwände brechen! Das mögen sich alle, jene gesagt sein lassen, die leichtsinnig in den Tag hinemprojektieren. die wohl imstande sind, den Notenumlauf mechanisch zu verringern, aber nie imstande sein werden oder auch gar nicht daran denken, gleichzeitig die Warenbesitzer zur entsprechenden Erniedrigung der Preise zu zwingen. Auch die Behauptung, baß eine gewaltsame Derringerilng der Notenmengen ein entsprechendes Steigen unseres Geldes im Auslande zur Folge haben muß, ist eitler Betrug. Die Rechnung würde stimmen, wenn wir irgendeine Deckung unserer Banknoten besäßen. Aber so wirb auch das Ausland nie darangehen, eine Verringerung der österreichischen Notenmengen um etwa neunzig Prozent mit einer zehnfach höheren Bewertung der neuen Krone zu beantworten. Hier müssen andere Mittel angewandt werden. Mit der mechanischen Absternpelung ist nichts getan. Sie würde nur Wirren entsetzlicher Art Hervorrufen,

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