Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 681 (17.12.1920)
- Date
- 1920-12-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette L_/Dien. Freilas Der Völkerbund über Oesterreich und Deutschland. r Die Besprechung über die Aufnahme Oesterreichs in der heutigen Nachnnttagssitzung der Völkerbuudverfammlung gab zu Reden von Motta, Viviani, Leeil und Nansen Anlatz. Benesch sprach im gleichen Sinne wie in der Kommission für die Aufnahme Oesterreichs, indem er betonte, daß Oesterreich zwar nicht allen Verpflichtungen, besonders in der Minoritätenfrage, entsprochen habe, Wan müsse aber eine internationale Solidarität schaffen. Oesterreich bedürfe der wirtschaftlichen und finanziellen Konsolidierung, wie übrigens auch die anderen mitteleuropäischen Staaten. B l a u k e n b e r g (Südafrika) spricht den Wunsch aus, daß auch Deutschland ausgenommen we.rde. Motta erörterte zwei schwerwiegende Fragen,' detreffend die Artikel 1 und 10 des Paktes, die durch die Aufnahme Oesterreichs aufgeworfen. werden. Artikel 1. sei in der heutigen liberalen Auffassung auch auf schweizerischen Antrag entstanden. Es sväre ober ein Mangel an Aufrichtigkeit und Mut und eine Sünde gegen den G e i st des Völkerbundes, wenn er nicht die Frage der Ausnahme der Vereinigten Staaten, Rußlands und Deuts ch! a n ds erörtern würde. - Einige Jahre könne der.Völkerbund ohne Universalität. leben, er werde aber dann den Keim der Auslosung in sich tragen. . Diviani erklärte, daß er, was die Universalität des Völkerbundes betreffe, der Meinung deZ Vorredners fei. Es sei aber notwendig, dies von dieser . Tribüne der Welt aus zu präzisieren. Redner bedanre in der Erinnerung an die Waffengemeinschaft dah . Fehlen Amerikas. Bei R u ß f a n b sei die Lage fy,. daß... der Völkerbund ein demokratisches Rußland . gern , in: seiner Mitte sehen würde. Jede Tyrannei, f. sowohl jene von oben als die verworfene Tyrannei - von unten, sei abzulehnen. (Lebhafter Beifall.) 9hm fei es an der Zeit, fuhr Redner fort, über Deutschland offen zu sprechen. Durch Handlungenmsis.se Deutschland beweisen, daß es die ernste Absicht habe, seinen Verpflichtungen nachzukommen/ Bisher, fehlte sie. Es würde mehr Empörung der Gewissen Hervorrufen als das blutige Schauspiel, das wir erlebt haben, wenn der Pakt verletzt werden würde. Hir würden das Beispiel der Ungerechtigkeit und der Jmrrröralität geben. (Langanhaltender Beifall. Redncx wird, won einer großen Zahl von Delegierten beglückwünscht.)/ Hierauf bekannte sich Ceieil mit wenigen Worten zur Auffassung Vivranis und sprach den Wunsch aus, daß unter dieser Bedingung die Aufnahme Deutschlands möglich sein werde. Wichtiger als die Universalität des Bundes sei, 'daß die vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt werden. . ■ . ■ /. Nansen schloß die Debatte, indem er Motta und Viviani beglückwünschte und der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß Deutschland bald Mitglied des Völkerbundes sein werde. Der Abstimmung schickte Lord Robert Eecil einige Worte voran, mit denen er auf den eigentlichen Gegenstand der Tagesordnung und darauf verwies, daß Oesterreich feine Verpflichtungen durch die Tat erfüllt habe. Er empfiehlt-daher die einstimmige Annahme. Es folgte hierauf die bereits gemeldete Abstimmung, worauf der Präsident die Sitzung schloß,. Das LLaLrenrsch-jugostarvrsche Defensivadkornwen. ' Die „Dmtsche Allgemene Heilung* meldet aus Lugino: Der .Temps* roll ii&?t das m'ben Jtalen und Jugoslawien geschloffene geheim; Dcftnsivab'ommen von Rarallo erfahren haben, daß es solgnde tun» Punlre enihilre - l. Di'beiden Sia.uen haben sich dabin versiändipt. datz und Ungai« ihren durch d e F iedenSverträge vo:gtschrie'>enen Drrpflichmngen nachmkomrnen baden. 2. Die bilden Batrag» fchließendm verpflicht-n sich, die Rückkehr derHabSb u r g e r auf den Thron m verhrndern. S. Sie ve>- pflichten sich, einander gegenseitig gegen dir Propaganda von öftcrrctcfiifcfcer oder angar,'eler Sure zu schütz n. 4. Die Tschecho-Zlowakri wird von dem Bettiag it Kenntnis ge'etzt 5. Die beiden v-rt'anschließend en Staaten sind rrmüchtint, Abkommen ähnlichen JnhiktS auch mit ameien ZlaUen e nmpeben, jedoch ersi nach vvihcrgegangkukr Verständigung mit dem audeien Teil. _ Ein jugoslawisches Kuttnrdarirhen. Aus Belgrad wird uns berichtet: Zwischen dem Finauzmirr'ster und einem Schweizer Finan-konsort'.um ist vor einigen Tagen eine Einigung, Let esftnd e'.ne Jugoslawien zu gewährende Anleihe im Betrage von 500 Millionm Schweizer Franken, zustande gekommen. Dieses Darlehen soll aülschließl'ch zur Schaffung kultureller und wisse n s ch a ftlicher Institutionen verwendet werden. Nach dem bereits, aus gearbeiteten Verwendnngsplan soll Belgrad eine Univers'.t.'it, ein großes Museum, etne Nationalb'.bli-othek. ein Opernhaus, eine Musitakademie, ein Nationaltheater und ein Konzerthaus erhalten. In Agram soll eine große Ausstellungshalle errichtet werden. Ferner sollen in Esseg, Neusatz und in einer Anzahl anderer jugoslawischer Städte Theater, Museen, Gewerbeschulen und andere Lehranstalten geschaffen werden. Auch die Errichtung eines Pantheons, in weichem die i.di'ch.a Urd.'crestr j;t; ja* Kri^Ae gelalLenen Helden zur ewigen Ruhe bvfiaU.t Wiener Moryerrzeitnng__17. Dezember 1920 Nr. 681 Aar mit Sen Dint-6e!ckm in Budapest geschieht * Die Wahrheit über Dcrrom Polnai. Im Nsw-dorker „Tcg^ vom, A5. November ist eine'Zuschrift Sr. Exzellenz des Herrn Jenö Polnai Le Tiszasül an die amerikanischen Juden ,zü lesem die von einer Kühnheit in der Entstellung der Tatsachen zeugt, wie sie. bisher selbst von einem Intimus und getreuen 2h'« Beiter LeZ berüchtigten Stephan Friedrich, wie Polnai einer ist. nicht erreicht wurde. Exzellenz Polnai will sich die Verfolgung und Mißhandlung der g-alizischen Juden in Ungarn, an welcher Polnai und seine Gesinnungsgenossen zum großen. Teil mitschuldig sind, zunütze machep,'' um, pow' hen jamaikanischen Juden Gelder zu bekommen 'und auf''solche-Weise .die Vertreibung der Inden aus Ungarn denen, die sie herbei-- gesührt haben, paZ heißt der üngarischon NegieriMg und ihren jüLischen'M.Msern aus dem Kreise der Polnai, zu bezahlen.' Herr post PylnaE.erzählt, in soinex Zuschrift,, daß nahezu tzim^erttausend Juden l - die Bcrtrcibuug drpht, wenn sie nicht, chis zu einem gewissen" Termin l freiwillig. das Land 'verlassen. Diejenigen, die nicht freiwLll'g auswatzdepu^.'werden in Internierungslager, gebracht... .Diese Drohung ist inzwischen dank dem Verhalten der Pvlnai-Gesellschaft zur traurigen,' schrecklichen Wahrheit, geworden. Was aher Polnai im weiteren Verkauf, seines. B^ie^Z'chen. mit . hen ungarischen Ber-. haltnissen..wenig oder, gar nicht vertranten amerikanischen JnLen'zu erzählen.wagt,.muß. jm Interesse der Wahrheit in' das, rlrkftig? Lichtgestellt'wßrdrn. Polnai rühmt sich, daß die ungaPschen. Inden das Möglichste 'ge'an hätten' und tun wollen, um btc Abreise hkv' aus gewiesenen Juden in möglichst milden Fornien durch nsühren. Polnai gibt also selbst zu, daß er und »eine. Misch ar'stok '<üid$, C.i.zue nichts Unternommen haben,'- um die f niedertvacht'ge Verordnung der ungarischen RvMMK.'Ku verhilidern; sondern.daß sie nur darauf ched'achE tva en, die armen, verfolgten galizi-- rchM:Weir möglichst gir.'i.nschtos von sich ahzuschütteln. .Äfld -wie fümsich.jg.. Mn^hähei' vorsting!. ^itz haben em .eigenes PuregN erixich.et,, welches, ausschließlich mit. der —-sagru wir.-, milderen Dstrchführnng der Negierungsverf'dnung befaßt ist. Dieses..Pureau — und das müssen die Amerikaner und das muß die ganze Welt eMich erfahren — dieses' Bureau, welches nicht auZ dem G-.'lde der uuga ischen Juden, sondern aus den Mitteln des „American Joint Distribution n Committee erhalten wird, ist d?r schändlichste Mißbrauch von H i l s s g e l d e r n, welche von unseren anwrikanischen Br übe. n zur Linderung der Not unserer durch den .Krihg in Elend ge atenen östlichen Brüder, nicht .aber, wie dirs durch das B'.chapester Bureau geschieht, Zur Vergrößerung des Elends gewidmet wurden. Diese 'sich fälschlich ,Mch;sschut!buVeau" n.'m.ende ftanzlei des Budapester Joint hat sich dazu he gegeben, eine Re» gistrie.-ung der galizisch^n Inden in Budapest in der Meise vorzunehmen, daß sie die Galizianer aufforderte, sich dort zu melden, um hei der Heimreise oher sonstwie Un te r st ü tzu n.gen e r h a lten zu kö nnen. In derseib'n Kanzlet sitzt ünch ein wahrscheinlich aus den Mitteln des Joint bezahltes < Organ der Budapester Pollze», welches die Namen und Adressen der vom Joint tagt« strierten gqlizischen Juden in Abschrift erl)ält. Die auf solche Weise in die Falle geratenen Juden werden am nächsten Tage aus ihren Wohnung« N gehdlt, ins Schubhaus, beziehungsweise ins Jnterniertenlager gebracht. unl dort, wie wir wiederholt berichteten, elend zugrunde'zu gehen-, ... Das sind die Wohltaten des Herim von Polnai und seiner Organisationen. Die durch die jahrelange Hetze der ungarischen Assimilanten jetzt ins Unglück gerat.'nen galizischen, russischen und rumänischen Juden (oenn auch die letzteren werden wie die.Galizianer behandelt) bedürfen nicht so sehr der materiellen Unterstützung, um-welche Herr Polnai für sie jetzt schnorrt, sondern der politisch-rechtlichen Unterstützung, welche jedoch Herr von Polnai und seine intimen polnischen Gesinnungsgenossen ihnen immer versagt haben und auch heute noch versagen. Bor allem muß jetzt der Fehlgriff sofort gutgemacht werden, der in der Errichtung des sogenannten . Nechtsschutzhureaus" beim Budapester Joint gemacht wurtz-e. In den ungarischen Regierungskre'.sen und ins", besondere bei den niederen Behörden muß die Tätig^it dieses Bureaus den Glauben erwecken, daß.auch die amerikanischen Juden die Anschauung vertreten, daß die östlichen Juden aus . Ungarn vertrieben, werden dürfen. Dazu kommt noch, daß sich die Tätigkeit dieses. Bureaus als ein einträgliches Geschäft für erpresserische Advokaten erwiesen, hat; an die Stelbe der drei jüdischen JnristeNt welche diesem Bureau des Budapester Joint als Rechtskonsulenten gedient haben, sind drei Ungar sche Advokaten gesetzt, worden, welche nun mit Hilfe amerikanischen Geldes und einer amerikanUch-lüdischen Institution sich an den armen, verfolgten Juden bereichere. So sieht in Wahrheit die Tätigkeit Polnai^ und seines Kreises ans. Daß dieses Komitee nicht das Verstiindnis und auch nicht das Gefühl für die östlichen Juden, haben kann, geht schon aus seiner Zusammensetzung hervor.! Es sind, wenn man von den zwei zionistischen Mitgliedern absieht, fast lauter jüd i s che Adelige, die eifersüchtig darüber wachen, daß ihre Position, die sie . sich durch ihren Reichtum zu sichern vermögen, nicht durch die „Fremden" gefährdet werde. Wir wissen nicht, welches Echo der Brief Polnais in Amerika finden wird. Aber Pflicht der jüdischen Publizistik ist es, darauf hinzuweisen, daß, wenn die amerikanischen Inden für die östlichen Jrchen- Ungarns oder für die ungarischen Juden, die ja jetzt gleichfalls unter der Verfolgung leiden, etwas tun wollen, dies nicht durch einen Herrn von Polnai oder einen Vertreter der Budapester assimilator'.schen Kultusgemeinde erfolgen darf, weil sie damit ei« an den Ostujden in Ungarn seit Jahren systematisch begangeiles Verbrechen der magyarischen Assimilationsjuden sanktionieren würden. werden sollen, ist in Aussicht genommen. Die Anleihe hat eine Rückzahlungsfrist von zwanzig Jahren, ist jedoch zinsenfrei. Demgegenüber erhält das Finanzkonsortium ein Monopol für dis Verbreitung seiner Filmerzengn'-ne in ganz Jugoslawien. Der polntsch-russische Streit «m Litaue«. iDe gesamte Warschauer Presse beschäftigt sich mir der Protestnote Joffes, btreffend Zentral-Litauen. Die Presse erklärt, die Note *ei von der Kownoer Regiermra veranlaßt, die sich durch die Entscheidung des Völkerbundes nicht' befriedigt erachtet nnd jetzt die Intervention Sowjetrußländs anrufe. Rußland habe aber seinerzeit im Präliminarfrieden fein Tesintoresten,ent an dem in Frage kommenden Gebiet ausdrücklich erklärt. In Besprechung der ersten Sitzung der polnifch- .litauischen Konferenz geben die Blätter der Hoffnung Ausdruck, daß alle strittigen Fragen ans gütlichem Wege beigelegt werden dürsten. Die Mrtglisder der Mepara- LionskvMmWon beim Bundesprüftdenten. Beim BundcSprä'idenlen Dr. Michael Harnisch habm sich grstern d r Mi1aj!kder der RevmatronSlomuussion und d'.e Mlglreder der mücn ölMtt'ch schrn Rek-erung e n esimden, um niüeinanlec in D^ülming zu tniea. Von der RcpmatlonS» komm ssion waren e' chienen: Bräfid^nl Scaramanga, i Äösi:cut t?r naUmi cT;cit Dü'gaNon, V-urpriisivenr Mrzowski. . 'Msu-Lal Lcl-.g.uiü.!, G-rLr..tsrl'.:!iire: K n h l--! m a « n (riraiuplcj, Major deKa» tz (Lmüruer). Ameülaa.sche Delega ion: ORrsi Smith, Präsident Mr. Blair, besten LlrUvertuter Mr. B o v d « «. N.u,onaliekretär. Britische Delrganon: Kavttan G > b o n, Nationalselretär. Fron ösische D leaationr Ekt'llrn; Mimsicr Klohukowski, Präsident, M C h a r r i a u t. dessen Slrllvertreur, M. W e x ß. Rat vnalsek. klar Jt-siimische Delegation: M. G e n e a c e l l i, Stellvertrner des PrSsidemm lCc-immang^, M. Jervis. Naiionalfekretar. Griechische Delegation: M. P o l i l i s, Priisid w. Nnmänsiche Del gwion: M. 8 e n e e a n u. P a ident. M. Georgescu. S »H-S. Delkgoüvn: Dr. Ploj. Piäsibent, Dr. B e s l a r o v »t f ch, dessen Ctellveureter. Ttchecho- 'lvwak'sche Del'far on: Minrüer Z a h r a d tt 11, Präsident. M. 9to0ier. desien Stellvertreter. Der grgenwüilige Boisitzende der östeneiMchm Sekiion der RevarationSkomml'sion. Piäi'idcnt der tat en kch?n Delegation S c a r a m a n g a, siellie die Herrcn der Rwawt onSkvmm lsion den» Bnnreöpräsiventen und der Regieiung vor. wo,aut eme Besprechung zwilchen den Ministern und den M tglikder» der Reparat'onS omnussion staiuand. Srnakor Mae Cormjök in Wien. Bordstein flätteten bei nmcufamft6e Senator Mae Cprmick m B.-glejlnng seines Sekretärs und Oberst CanseY dem Bund Slanzler Dx. M a h r einen längeren Besuch ab. Gestcru erschienen die Herren beim Präsidenten deS Rat onalrateS Dr. W e' S l i r ch n e r und beim zweuen Präsidenten S e i tz. An der ersteren Nnteiredung nabm Abgeordneter Dr. S r ip el. an der zweiten Abgeordneter Dr. Bauer teil. Hauptausfchutz. In der gestrigen Sitzung deS Hauptausschusses wurde die Verordnung, mit der die Vorschriften für die Berechnung der Preise von S ch u h w a r o n fotvie E r 3 e u g u n g « v o r s ch r i s t c u f ü r L e d e r f ch u b e , ansgelwbeu werden, genehmigt.