Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 681 (17.12.1920)
- Date
- 1920-12-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Vertreter der Schweiz legte die Gründe dar, die für die Universalität des.Völkerbundes sprechen. Die Gemeinschaft der Rationen würde, wenn sie nicht alle Völker umfaßt, den Keim der Auflösung in sich tragen. Dieser Auffassung schloß sich der Sprecher Frankreichs an. nichtsdestoweniger bekämpfte, er den Antrag, auf Zu! issung Rußlands .und DeutschlandJ: Ein demokratisches Rußland würde Redner gerne begrüßen, aber da8tyrannische Rußland muffe er ablehnen. Deutschland, habe nichts den Willen gezeigt, die Verpflichtungen des Friedens. Vertrages zu erfüllen, und seine Aufnahme wurde eine Empörung der Gewissen Herborrufen.. Diese Auseinandersedung scheint uns den Kern der Frage nicht zu treffen. Tie Aufnahme in den Völkerbund soll, wenigstens nach der Zweckbestimmung dieser höchsten Vereinigung, keine Belohnung für ein nach Anficht der Ratsmitglieder braves Volk sein. Der Völkerbnnd könnte niemals das hohe Ziel der Sicherung des Weltfriedens und der Kiiltiirontwicklrmg, erreichen, wenn er eirt' Torso bleibt. Er könnte die Beachtung s-üner Verfügungen gegenüber Nationen, die sich ihm fern, halten oder.ferngehalten, werden, entweder gar nicht oder' nur auf dem Wege der Gewalt erreichen/ Nun fehlt es aber einem mit Krieg oder Boykott bedrohten Staate, wie/ M.'.fest.LM..MW, IlM 'wissen, nid an guten.HrMhenf "um Mt HME^genen' Bevolker'nng zu rechlfchstigfn Und. sse'mit. öem'^HfM'des Datnotisknik? zu erfüllen, 'Im'.Gegenteil:. Der', Völkerbunds müßte alle Staaten dazu verhalten, sein Statist, apZnnehmen - so Mangelhaft es heute auch sein mag ' —' und mit den anderen Bundesmitgliedern gemeinsam -an der Festigung der internationalen Solidarität der 'Kiiltürbölker zu wirken. Die Voraussetzung der Solidarität ist aber -Me Zugehörigkeit zur Liga der Völker mit gleichen Rechten und gleichen Vflichten. Wenn etwa die Ausnahme Deutschlands für längere Zeit hinaüSgeschoben bleibt, so würde dies wieder zu einer Verschlimmerung de* internationalen Lage führen undden Freunden des Friedens, die in Deutschland gegen eine starke natronalistische, in ihren Nrivningen und Zielen ziemlich unsaubere Bewegung schwer zu kö'mvfen. Haben, schwme Steine in den Weg mälzen. Der kulturpolitische Vä.sifiSmus kann in Deutschland nur dann, mit Ansstcht auf Erfolg wirken, wenn die deutsche Nation nicht zurückgestoßen und den Umtrieben der Alldeutschen und ihrer Gegenspieler, der Revanch"s'esden französischer Fä bnng, mrSgeseßt bleibt.- Was aber Rutzland anbetrifft so. habest die militärdiplomatischen Ereignisse seit dem Sturze KerenskiZ .genug Beweis für die Aussichtslosigkeit jeder Einmengung ' der westeuropäischen -Militaristen geliefert: Andererseits aber 'st die Notwelle, die über Europa geht, eine ^olge der Isolierung'und Bedrohung Nuhiart/' I?os nicht / l wirsschof'"che Leben Kontinents, e'mgegliedert -wird und seine eigene Produktion durch die fortwährenden. Kriege nicht aktiv gestalten kann. Eine Aufnahme Nußsands in den Völkerbund erscheint freilich als Unmöglichkeit, solange das russische Negierungsspstem nichts als der mechanisch umgedrehte Zarismus ist nnd -solange nicht alle Klaffen und Völker Rußlands ibren Willen in der Form des demokratischen MawritätSvrinzips zu erkennen geben können. Aber die Schärfe Vivicmls —- hat er-auch gegen die Tyrannei des Zaren so energisch gesprochen? -- verschlimmert die Sache, weil sie den Moskauer. Diktatoren wieder Gelegenheit gibt, von der Angst des kapitalistischen Europa zu sprachen und den Völkerbund als den Erponenten dieses Kapitalismus knnznstellen. Dreier Vorwurf schadet aber dem Völkerbundgedanken und ist danach, lim diese Idee im Kreise der Arbeiterschaft der ganzen Welt zu diskreditieren. Die Debatte im Völkerbund bat aber doch das Gute, daß sie dessen Aüsreifnng zum Völkerparlrnnent zeigt. Der .Haß klingt ab und man bemüht sich, heikle Fragen fachlich zu besprechen. Je weiter sich der Völkerbund von den Stimmurigen des Versailler Gewaltfriedens entfernt» umfo stärker wird die Hoffnung auf den Sieg der in ihm medergelegten Idee der Vereiniauna der <4%iiju,'ijeifc gegen Krieg und Gewalt. llemufnadmen in ckn Verbund. Bulgarien, Finnland, Luxemburg »ud Esstariea anfgenommrn. — Armenien, Estland. Georgien. Lettland und Litauen abgelehnt. empfohlen wird. Der der Abstimmung werden 21 Stimmen gegen die Aufnahme Armeniens abgegeben. Acht Staaten, darunter die Schweiz, stimmen zugunsten <8 e tt f, 16. Dezember. <Tel.°Komp.) In der heutigen Vormittagssitzung der Volkerbnndversrmnnlung wurde die Beratung über die Aufnahmsgesuche fortgesetzt. Robert Cecil befürwortete als Berichterstatter der fünften Kommission das Ausnahmegcsnch Bulgariens. Die Kommission habe den Eindruck gewonnen, daß Bulgarien seine Verpflichtungen aufrichtig erfülle. Die Auf. nähme Bulgariens wird hierauf mit 86 Stimmen beschlossen. Es erfolgt weiser die einstimmige Aufnahme Eostarieas, Finnlands nnd Luxemburgs. Hierauf kommen die Anlnahmsgesuche Armeniens, Estlands, Georgiens, Lettlands und Litauens znr Sprache, bezüglich derer die Ansnahmr in den Völkerbund von der Kommission nicht Armeniens. Da die nötige Zweidrittelmehrheit für die Aufnahme nicht erreicht wird, ist das Gesuch Armeniens, vbgelchnt. In der Diskussion über die Zulassung ArwenirnS zu den technischen Organisationen fragt Barnes an, ob Armenien, das zu dem Völkerbund nicht zugelassca fei, nnn an den technischen Kommissionen teilnehme» tonne, ohne einen Beitrag zu den Kosten zn leisten. Lord Ceeil gibt darauf Erklärungen über die Gründe ab» dir die Kommission zu ihrem Antrag veranlaßtc», Ar« menien die Teilnahme an den technischen Organisationen zn gestatten. Die €BmMjvnm öeSteiv Micks Wien, 16. Dezember. (Korr,-Bur.) Die „Politische Korrespondenz" schreibt: Noch Mitteilungen, die dem englischen Gesandten Lindlev zugekommen sind, stehen die Verhandlungen. die zur Beschaffung der. tür den Ankauf von 60.006' Ddimsü •" Getreide V HMgen Mittel geführt werden, unmittelbar vor einem günstigen Ab'chluß. Es besteht daher keine Veranlassnttg zu Bcfürchtunaen, daß das für die Ernährung der österreichischen Bevölkerung in den nächsten Monaten notwendige Getreide nicht ausgebracht werde und dadurch in der Sicherung dieses wichtigsten Lebensmittels Stockungen eintreten könnten. Enie der SLreAkeWegung in der TscheÄ's-SLoWKtzei. P"Kg, 16. Dezember. sTschecho s"ow. Pre^bur.) Die StreTbew'gn.'ig ist in volle.' Liquidaiian. Aus allen Orlen wi.'d dis Mcklehr zur Arbeit gemeldet. In .(lladno hat etwa ein Fünftel der A beiterschaft d'e Arbeit a-gelre'e.i. Man erwarlet, daß 'morgen auch. die übr'gen U bei er die Arbeit anffiehmen. In Brüx ,fand das Le'chsnb.'gävgnis der bei den Unruhen Erichoffe-?en bü voltev Ruhr sta't. De - NechtZzu^and ist, überall hergestell-. Gewaltakte gegen AmtZorgane'haben sich nirgends e -eig-et. Im Ostra^e? Revier, wo einer Meldu"g der..Tribuns" zulo'ge vvrgeste 'n noch in 26..Schl'chten gestreikt wnr' e. wi d. nach einer Meldung des „Crsks Slovo". die Arbeit sn^esiive wieder auigenommen. Im ganzen Nevi.-r herricht Ruhe. Wie „Nude P 'avo" meldet wu-de das Blatt in Klahno. Kralup, Schlan nnd Rakonih verboten. In Prag wurde das Erscheinen der für russische Kriegs-' gesa -gene herausgegeberlcu russischen Zeitung „Prawda" eingrst'lld „Aen-'ov" meDet aus Os^avan bei Brünn: Mehrere Hausdurch'uchuügen sö deren 590 Gewehre zutage. Ein Tril der Massen war frei'vi lig abgegeben worden. Ein Bericht der „Li^ove Noviny" an? Göding besagt, daß dor!,Vbst bei den Unruhen eine An'ahl von Solla'en und Ziri'personen du ch Gewehrschüsse verwundet wurde, da.'unter -ein Soldat und eine Frau schwer. „Nu^e P'-«'?o" b 'i^gt ein Nachwort zum Streik, las stell« .w He lonsi'zicr.- ist, und fordert eheste Lösung der Bodenresorm'rago, Besch^aniahme der Güter des Großg nndbesi'zeS für den S.aat und Ent^imung der Berg- und Hü tenwerke. " A«fheSu«g der KriegsbeschrLnkungen in den Vereinigten Staaten. LSashinston, 18 Dtiem' rr. Funk-vrnch- D.^S Bardamen! '.wbm einen Gki-.tzemwn-s an. der die mciüen der wr die D me drö Klug'S rrl.rssenrn Be'chrLnlungrn «ndBestnumim- LmaaßrrKroftfrtzt. Abbruch der diplomatischen Bezieh««« gen zwischen Jngoslawien und Bulgarien. Velgrad» 16. D-nrmder. (Südslaw. Preßbur.) Da sich Bulgarien an für Jugoslawien w;ck>tge Be^ 'nmmmmm deS Velirag-s von N'mlly nickt gehalttn bat, har die jügoslawl'che Regierung den Bttlebr mit Bulgarien a b g t* brocken. - ^._ . ' Wrangels Opfer^ London, 16. Dezember. Nach einer Athener Meldung hat das Ministerium des Innern an das Rote Kreuz um Hilfeleistung für die 30.000 Soldaten der.' Armee W r a n g e l gebeten, die auf G a l l i p o 11 gelandet wurden und sich in schlimmem Lago befinden. Hoover über den Wiederanfban der. Welt. P-ttw, 16. De;,-mb«r. „Echo te Paris" mcße^ aus Marion (Otjio), Hoover, der mit Harding die Arbeiten der Genfer Konferenz au'merksam versalgt^' habe er'lärt, das neue Gebäude des Völkerbundes solK auf den b.'r.'i S brst^hen' en G.nndlagon errichtet warben,. um nicht neuerlich bereits aus der Welt gLkchaffte ' S.rritfrazen zu schaffen. Um zur Lösung des industriellsn Weltproblems zu gclangen, seien viep Vorbeli 'gungen no'wt:ntig: '* 1. Die Gewährung von KrebitenanEuropa, um die Beschaffung der Werkzeuge und Rohstoffe, die zu seiner Wiede aüsrichtnng notwendig sind, zu erleichtrrn, 2. Festlegung d->?r deutschen Wieder gut-' mach ungen mit einer fest um schrieb enen Summe, denn unter den.jetzigm Verhältnissen wisse Dcutschlandt nicht, zu welchem Zweck-es arbeite. - 3. Es soll ein Einverriehmen getroffen werden, um Rußland neuerdings zur Gütererzeugung anzuregen. 4. Die wichtigste Vorbedingung sei, die weitere Ausgabe von Papiergeld in Europa hintanzuhalten. . .; - ■ Hoover meinte, der Vorschlag, alle Länder Europas zu bestlmmer;, Abkommen auf Grundlage des freien Handels Lil ich'ießen, um ilire W'ederaulrtchtuna. zu erlsichtern dünle ihm a.'venwartia .undurchflihrbar. Denn alle S aaten Europas »e^-en b.'^t eb t, Wirt schaf.tliche Var.ieren au.fzurich en, um sich eine möglichst unabhängige S ellung zu wahren. Dies enspringe mehr dem Gefühl des Nationalismus als dem Gedanken, sich' zu schützen. Morgenthans neue Detrannng. Wrshinzto», 18. Dezember. Kimksprnch.) Als Dertretet* der Bereinigten Staaten bei den Verhanölrtngen zwischen den Türken und Armeniern wurde der frühere amerikanische Botschafter in Konstantinopel Henry Morgenthau bestimmt. Witos erkrankt. Warschau, 16. Dezember. (Funkspruch-j Miiliftecpräjü-ent Witos ist erkrankt. ''