Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 680 (16.12.1920)
- Date
- 1920-12-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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fffWe 4’ 'VMf. Nnnnnsray , ' fetzte Behauptung zu erbringen, unterläßt es, festzupelle». bx\)> der „Sieg" bei den KnltuSwahlen einem yÄtt.-n Schwindel, einem Wahlrecht zuzuschreiben "ist, das, jage und schreibe, 92 Prozent der Wiener Juden von der Wahl ausgeschlossen hat. Sie unterläßt eS <mch, davon zu sprechen, daß bei den Parlamentswahlen die Zionisten 20.660 Stimmen erhalten haben, der Kandidat der „Union", Dr. Schrvarz-Hiller, aber nur 4600. Davon spricht die löbliche „Union" nicht,' ebensowenig davon, daß eS ihr zn danken ist, daß statt des jüdischen Vertreters ein chriftlichsozialer Antisemit ins Parlament eingezygen ist. Dafür arrogiert sie sich, im Muren der österreichischen Juden auf alle Rechte zu verzichten, welche diese auf Grund des Friedensvertrages 'iit Anspruch nehmen rönnen. Der Friede'nSvertrag schreibt vor, daß der österreichische Staat für jüdische Zwecke religiöser, sozialer und kultureller Act beizusteuern, das heißt, für jüdische Lehrer, Rabbiner und Beamte zu sorgen hat. Die satten Herren von der „Union" und ihr besonders gut genährter Sekretär Fleische r Verzicht e n darauf und lassen jüdische Lehrer und Beamte hungern. Die Herren von der „Union" mögen es sich einfür allemal gesagt sein lassen, daß der Jüdische Nationalrat nie das Bedürfnis gehabt hat, in ihrem Namen zu sprechen und zu fordern. Es gelüstet ihn nicht nach einer Gemeinschaft mit Menschen, die nie zur Stelle waren, wenn es galt, jüdisches Unglück zu lindern und für jüdisches Recht cingutreten, die aber immer bereit sind, ehrlichen Kämpfern fürs Judentum in den Rücken zu fallen, mit Menschen, die es seinerzeit über sich -gebracht haben, Theodor Herz l zu verleumden, und heute dahin gekommen sind, die Antisemiten gegen unsere jüdischen Brüder aus dem Osten zu hetzen. Es freut die Zionisten nur, wenn die „Union" recht deutlich und oft zu erkennen gibt, daß ehrliches Nationaljudentum *utb „Union" grundverschiedene Dinge sind. Der Abbruch Der hoMndischjugoslawischen Beziehungen. Die Ar'achr Ärs KoMtKts. Haag, 18. Dezember. (Korr.-Bur.) In der heutigen i Sitzung der Zweiten Kammer gab der Minister des Aus-! wattigen folgende Erklärung über den Abbruch der ' diplomatischen Beziehungen mit Serbien ab: Der niederländische Konsul und stellvertretende j Generalkonsul in Belgrad, R a P P a p o r t, ein östeneichil scher Untertan, wurde im August 1914 von den serbischen! Behörden verhaftet und viele Monate in Vranja gejcm-! gen gehalten, ohne daß hievon der niederländischen Re- : gienrng Mitteilung gemacht worden wäre. Anfangs 1916 kehrte Nappapott nach Belgrad zurück, aber die österreichisch-ungarische Regierung verweigerte ihm chr-e Ankennung als Konsul, weil er Briefe von Serben in Belgrad an Landsleute im Ausland übermittelt haben soll. Als die serbische Negierung im Jahre- 1919 nach Belgrad chnrückgekeßrt war, ersuchte sie, Rappaport wegen seiner Haltung während der österreichischen Besetzung seiner Funktion zu entheben.; ' : Die' niederländische Regierung erklärte sich damit einverstanden unter der Bedingung, haß die serbische Negierung ihr Bedauern ausspreche wegen der Rappaport zugefügten Behandlung. Schließlich gab die ferbisclre Regierung zn erkennen, keinen Einspruch dagegen zn erheben, Nappaport in seiner Funktion zu belassen. Aber anfangs August wurde ihm plötzlich ohne vorhergehende Mitteilung an die niederländische Negierung der Auftrag gegeben, das serbische Gebiet zu verlassen, und eine sehr maßvolle Protestnote des niederländischen Gesandten in Belgrad zu Ende Oktober wurde vom serbischen Ministerium des Aeußern zurückgeschickt mit der Mitteilung, daß es die Annahme der Note verweigere, ohne darüber irgendwelche weitere Erklärungen abzngeben. Ter serbische Ministerpräsident übernahm dem niederländischen Gesandten gegenüber die vollste Verantwortung für diese Handlungsweise. Unter diesen Umständen sah sich die niederländische Regierung bereits veranlaßt, die diplomatischen Beziehungen zeitweise zu suspendieren. Dadurch wurde eine bleibende Kluft zwischen beiden Negierungen vermieden. _ Die juHosLnWLsche KonMLMnte. Belgrad, 15. Dezember. Anläßlich der Wahl des Derisikationsausschusses zur Prüfung der Deputierten- Mandate der Konstiuante wenden sich zwei parlamentarische Gruppen bilden. Die erste umfaßt die Radikalen, die slowenische Volkspartei, die jugoslawische Organisation der Muselmanen und die kroatische Union. Die zweite besteht aus den Demokraten, der serbo-boSnischen Bauernpartei und den Sozialdemokraten. Die relative Maivr'nät dürste der ersten Gruppe oder dem radikalen Block zufallen, der über 158 Stimmen gegen 132 Stimmen des demokratischen Blocks verfügen dürfte. Die Regierung wird demnach aus der Vertretung dieser beiden Gruppen nach Maßgabe ihrer numerischen Stärke gebildet werden, ___ BeAtscher NeichsLag. Berlin, 15. Dezember. In der heutigen Reichstagssttzuug wurde der Gcsetzentnwrf über die vorläufige Rea^Iuns! fcc& ReichShcuishalts in allen drei Lesungen genehmigt. Es folgte die zweite Beratung des Gesetzentwurfes gegen die ^oviial-'slucbt. Ter Entwurf wurde -ebattelotz st, zweiter und dritter Lesung nnaenommcn. 1).; MrsyMMsrgsnzsUvnrr 16 Drzrrnber 1926 V. Nr.. 68? Dir Streik in der Csebecbo-SSowaHei. , Prag, 15.Dezember. (Tschccho-slow.Preßbur.) Die Situation hat sich weiter gebessert. In Pra g ist die Zahl der Streikenden wieder gesunken. In Kladno herrscht volle Ruhe. In Schl an kehrt die Arbeiterschaft zur Arbeit zurück. In Reichen borg ist die Arbeit fast überall wieder ausgenommen worden. Im Elektrizitätswerk wirb wieder voll gearbeitet. In Räkonih wird gearbeitet, auch seitens der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft der Umgebung. In B r ü x herrscht volle Ruhe. Die Fabriken sind ün Betrieb. Auch auf den wichtigsten Gruben wird gearbeitet. In Brün n arbeiten zwei Drittel der Arbeiter. In K l ad n o und anderwärts wurden weitere Mitglieder des Revokütionsausschusses verhaftet In G a bl o nz wurden die bekannten Kommunisten Strich ' und Roninger verhaftet, da sie versucht hatten, Soldaten zrktN Ungehorsam zu verleiten. In M ä h r isch - Ostran beschränkt sich heute der Streik nur mehr auf acht Gruben. Aus sechs Gruben, die gestern vollkommen stillgestanden waren,, ist heute ein Teil der Belegschaft, 10 bis 50 Prozent, eingesahren. In Brü nn hielten die kommunistischen Vertrauensmänner der Organisationen, b'e FabrikS- und Arbeitervertraue nsmanner sowie die Delegierten des Arbeiterrates eine gemeinsame Sitzung ab, in der beschlossen wurde, daß von einem weiteren Streik Abstand genommen werde und die Arbeiterschaft mit dem morgigen Tage die Arbeit wieder ausnehme. Der Brunner Arbeiterschaft wurde freigestellt, die Arbeit bereits heute wieder attzutreten. Prag, 15. Dezember. (Tel.-Komp.) Heute fand eine Versammlung der Vertrauensmänner der Arbeiterräte Groß-Prags statt, in welcher über die Beilegung des Streiks beraten wurde. Die Wiederaufnahme der Arbeit'wird jedoch von einer Reihe von Forderungen abhängig gemacht, dis derzeit unerfüllbar, sind. Preßburg, 15 Dezember. Gestern und heute wurde der Ausstand in Zlate Moravce und. in den Komitoten Saros, Zips und Zolyom beendet. Infolge der Agitation russischer Kommunisten brach gestern vormittags ein Streik in Neuhäusl aus. Es streikten jedoch von Ler gesamten Arbeiterschaft nur 1000 Arbeiter. Gestern nachmittags, brach auch in einigen Industriebetrieben in Schemnitz ein StMk.aus,, den abends. Lendet.'-wurde.. Dokumente der Prager Polizei. Prag, 18. Dezember. „Pravo Lidu" meldet, daß de« Behörden bei den politischen Hausdurchsuchungen dar letzten Tage Dokumente in die Hände gefallen seien, dis beweisen, daß die Kommuntften in bezahI* ten Diensten der Moskauer Regierung stehen, die eine großangelegte Verschwörung gegen die tschcchoslowakische Republik inspiriert habe. Die Dokuments, über deren Inhalt, das Blatt keine näheren Mitteilungen macht, sollen einem Monsterprozeß gegen die NädelSführer des kommunistischen PutscheS als Grundlage dienen. - Wie die Abendblätter melden, wurde der Parlamentsberichterstattep. des.. „Rüde Pravo", Dr. V asek, im Zusammenhang mit den Ereignissen in Kladno-ver-i hastet. Avs dem Prager Senat. Abstinenz dt» Dentschen. Prag, 16. Dezember. Im Verlauf der Generaldebatte über den Staatshaushalt im Senat richtete der deutsche Sozialdemokrat Nießner an die Tschechen die Mahnung, alles 'aus dem Wege zu räumen, was einer Verständigung der beiden Völker hinderlich sei, und von der künstlichen Aufbauschung des Nationalismus abzulassen. Die Bevölkerung dürfe nicht das Gefühl verlieren, daß Recht und Gesetz noch aufrecht bestehen. Das Budget trage alle Merkmale des imperialisüschen und nationalistischen Klassenstaates, weshalb die! Partei des Redners nicht für den Staatsvöranschlä^ stimmen könne. Senator F ri.edr ich gab im Namen der im deut» schen parlamentarischen Verband vereinigten Senatoren eine Erklärung ab, worin es heißt: Wir fordern, daß ron der Staatsregierimg und yon seiten der tschechischen. Parteien ein klarer Beweis gegeben werde, daß sie bereit sind, sich in bezug auf die programmatischen Fyrderungen des deutschen Volkes, insbesondere gegenüber der von uns in best Vordergrund gestellten Kriegs-, anle'chefrage. auf den Äoden der Gerechtigkeit zu stellen,^ Nachdem wir nun in der letzten Budgetdebatte kein ' Zeichen einer Verständigung sehen, hegen wir Zweifel darüber, ob eS den tschechischen Parteien überhaupt daran» gelegen ist, unseren Forderungen irgendwie entgegenzukommen. Wir halten es infolgedessen für unmöglich,' dem Staat ein Budget zu bewilligen, und ebenso halten wir es für zwecklos, uns an der weiteren.Debatte über das Budget zu beteiligen.; , , ... irarmirninifnimirn immnr ttiiitih in nri ifiimn-ipni» in i|iiiiiwMya^ftiii«y»wy ■. BroLpreiskraVaAe in Säern. Mail, n^, 15. Dezember. (Tel.-Komp.) In Lucca kam es am Sonntag zwischen Sozialisten, die gegen die Vrotpreiserhöhung demonstrierten, und etwa dreihundert Nationalisten, die ebenfalls eine Dcmonstra'.iou veranstalteten, zu blutigen Zusammenstößen. Auf beiden Seiten wurden Revölverschiisss abgegeben- AlZ die Polizei e'ntraf,-würden Mehrere Bomben geworfen, durch weiche 19 Personen schwer verwundet worden, sind. Die VeMmpfrmg des SprZLMhKndels. G-^nf, 15. Dezember. (Tel.-Komp.) Die heutige Vormittagssi^unz der Vötkerbundversammlllng befaßte sch mit. der Frage des Opiumhandels. Der Ber'chterstatler der Kommission, S'.r William Meyer, begründete die vorgeschlagene Resolution, indem er au^führle, daß der Bölkerbuno auf Grund von Artikel 83 mit der Kontrolle über den Opiumhandel und über den Handel mit anderen gefährlichen Giften betraut worden ist. Der Rat wird aufgefordect, ein engeres Zusammenarbeiten aller Völker zu diesem Zweck herbeizuführen. Der Guerillakrieg in Irland. Lmckwn, 15. Dezember. (Funkspruch.) Im südlichen Teile der S adt Eork sind neuerlich Brände ausgebrochen. In Kembroke wurde das Postamt von Sinnfeinern angegriffen. Gendarmerie eröffnet« das Feuer auf die Angreifer, die unter Mitnahme . der Milltärpost entkamen. Die griechische Thronfrage. London, 15. Dezember. (Funksprnch.) Aus Athen wird gemeldet, daß König Konstantin für Sonntag in der Hauptstadt erwartet werde. Die Regierung R h a l l y s wird dem König sofort ihre Demission anbieten. Es. geht das Gerücht, daß der König gleich nach seiner Th .onbesteigung zr,gunsten des Kronprinzen abdanken werde. Staatliche Kurse für Jiddisch in Rumänien. 14. Dezember.. (Jüd. Korr.'Bur.) Die jüdische Schutkommission in Veßarabi eu töandte sich an den Generälsekretlr des Departements für Volksbildung mit einer Petition zur Errichtung von jüdischen Lehrerbildungsanstttten für das Studium der jiddischen Sprache. Der Generalsekretär, Herr Tschebay, hat dem Gesuch stattgegeben und die Errichwira solcher Kurt? angeordnet. Die Lage in Sowjetrußland. Die „Stampa" veröffentlicht dir Eindrücke, die danach Rußland entsandte SekretSe der ttatirnische». Schwerarbcttervereir.lgnng Eol.smbino niedergeschrieb«, hat. Hier einige der markantesten-Stetten: „Das Bild, da8 Petersburgbirdet,- ist, «ntsttzlrH/ -Das Herz zieht .sich dabei zusammen. Bon best zwei Mil io neu .Einwohnern von', früher' siiH nuv mehr 600.000 . vorhanden..'Die einen stad aufS L'attd geflüchtet, um Nahrung;ir suchen, die anderen siud än dtt Front, noch andere sind im Kriege, in der Nevolukion <m' Hunger, Epidemien und Kälte zugrunde gegangen. DaS Trinkwasser'mangelt vollständig, w.il bei der großen KÜlke die-Leitungsröhren geplatzt sind. Daher und weil jederlei hygienrsch-saitäre VorbeugungKmaßrLgcln und jede Nahrung fehlen, dis letzte große Typhusepidemir, idle so viele tausend Menschen ins.Grab gerissen. Inmitten beS allgemeinen Ele^S erscheint eS.fast unglaublich, daß dir öffentlichen Kunstschätze,- Kirchen, Monumente, Museen, obschon unbewacht, nicht angetastet werden. In manchen Kirchen sah ich. unerhörte Rcichtümer an kostbaren Steinen, Gold, Teppichen. Dia Revolutionsregierung respelli.'rt sie; übrigens genügt zu. ihrem Schutze, das tiesreligiöse Gefühl der Massen." Bon der Bureaukeatie schreibt Colombi.roDie Stadt«« Verwaltung allein beschäftigt 40.000 Beamte! ES - folgen Besuche in den einst, weltberühmten Werkstätten vou Putilow tiub anderen: „Die Administration ist gleich Null. Die Herstellungskosten werden, nicht mehr gebucht und nur einigermaßen die Löhne, der Arbeiterschaft. Jeder arbeitet nach eigenem Ermessen, nach eigenem Kriterium und ohne auf Zeit oder Material Rücksicht zu nehmen. Nur ein paar- Maschitden sind in Betrieb mb nur wenig« über den weites Raum zerstreute Arbeiter, am Werke. Ein Gefühl des Schmerzes ergreift uns beim Anblick dieses RütnS und diefetz Unstetigkeit in einem Lande, daS doch ber§. Produktion so sehr bedürfte. Die Arbeit ist, soweit-ich seststellen konnte, aus drei in Reparatur befindliche Lokomotiven, hundert Wagorx unh.-ein paar Dutzend Kanon.frr bcschränlt-. Etwas tvenig,!ür die Zahl der Arbeiter, WaS uuS aber am-meisten Verdiüfst,- ist ein Altar in jedem Saale. Und zwar sind diese Altäva alle vortrefflich gehalten, während chaZ Arbeitsgerät völlig vernachlässigt ist." Ueber di2 Lohuverhältnisse schreibt Eolour-. hino: „In den ersten Zeit«! erhisliett die Arbeiter sämtlich denselben. Lohn.. Heute hat man die Notwendigkeit-erkannt,- den Lohn nach der jeweilige» Lttsiung zu bemessen. Co steht es in den PuMotp-Werken. Ebenso liegen die Drrhülinisfe in der 5kabelfabrik, b:4 der Fabrik chemischer Prvdickw, in. den HcisterM-erte« und,brr Balltlumsvrrft. Neberall Aitürr- und Hekitg-rnli der jeder Art, während das reichsiche Ma.-.: auf "den sfabeDplätzen in größter Dermal- - .t und in Wind nutz Wetter verrostet."