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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-15 · Heft 679 (15.12.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 679 (15.12.1920)
Date
1920-12-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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gctftlT_WIM. M!ttWch In ihr «och ein ylbscheu gegen Bestialitäten vorhanden ist, aufbraufen gegen den Barbarismus, der jetzt in Ungarn gegen galizifche Juden Stunde für Stunde verübt wird. * WaS das Budapester Telegramm unS enthüllt, wird uns von Rei senden aus Ungarn wortwörtlich bestätigt. Und selbst „EghenlösSg". das Organ Mer Mischen Assimilantentreise, die, so schmerzlich' es auch ist. einzugestehen, weil auch sie ja Jlchcn sind» für das heutige Los der galizischen Juden ein großer Leit der Schuld trifft, har rnrch wvchenlangenr SchweigEtt endlich die Sprache gefu::':rn und mutz das Fürchterliche zugeben, wenn es auch, unverbesserlich, wie es einmal ist, eS in seiner Art tut. „Egyenlöseg" schreibt nämlich unter anderem i „Wer das Schubhaus in der Mosonhigasse kennt, wo alles beisammen ist. was MMr-BKKMst MAMitSscheuem, arbeitslosem Volk, an unverbesserlichem Abschaum der Gesellschaft gibt, der kann sich ansmaten, wie furchtbar bas Los terejnigen ist. die mangels anderer Unterkünfte in das Schubhaus gesperrt werden. Es handelt sich um die „unerwünschten" Fremden.' Wir brauchen nicht hinzuznfügen, daß eLsich hier in erster Reihe um die galizischen Juden ham^lt. Diese werden jetzt zur Winterszeit aus ihren Wohnplätzen, die sie nech ihrer Landflucht, nachdem die Furie des Krieges sie niedergebrochen, ihr friedliches FavrilienhdiM Zerstört und alles in ihrer Heimat' der Erde gleich gemacht, hat, erreicht haben, vertrieben, Un den Bettelstab gebracht, von Freund und Feind gejagt und gehetzt, haben sie nirgends Schutz gefunden, auch in Budapest nicht. Die Art. wie ihre Entfernung durchgcsührt wird, ruft die Kritik hervor. Zu nächtlicher'Zeit werden sie razziamäßig zusamnrengefaugen,in das betreffende Bezirkslommissaricrt abgegeben, von dort ins Schubhaus gebracht, und wenn der Transport beisammen ist, führt sie der Zug nach Pilis-Csaba, wo sie in einem Lager die Ausweisungsentscheidung des Ministeriums des Innern abwarten, und gehen dann weiter an die polnische Grenze in das einstige Galizien, finden kein Heim und keine Arbeit, Elend und Verderben begleiten sie auf ihren Wegen. Jetzt sind sie im Schubhaus, eingesperrt mit solchen, die in ihrem Leben die RechtschafsenheiL nie gekannt haben. Unverbesserliche Verbrecher, Landstreicher, Straßenmädchen bilden ihre Gesellschaft' und diejenigen, die keine andere Sünde haben, als daß sie als unerwünschtes Element anges.'hen werden, sind jetzt beisammen mit denen, die, im Schlamm der Sunds geboren, selbst im Schubhaus die Sünde glorifizieren. Diese Menschen sind zusammengepfercht in uug-heizten Zellenzimmern, sie verspüren nur die Wärme,.die. aus den Lumpen, in denen sie gehüllt sind, und aus unterernährten Körpern ausströmt. Und in dieser penetranten, Leib und Seele tötenden Atmosphäre vegezieren sie Tage und Wochen hindurch, bis sie vom Regen in die Traufe — n..ch Pilis Csaba gelangen. Der. grözte Teil der Fensterscheiben ist Zerbrochen, bet Wmd pfeift durch die Zimmer und die Insassen verfallen der Verzweiflung." Nach dieser Schilderung der furchtbaren Lage der galizischen Juden im SchuLhrus und im Interniertenlager müßte nun selbst das Organ der Budapester jüdischen Assimilanten so sollte man meinen doch auch ein Wort der Verteidigung dieser verfolgten Glaubensbrüder gegen die Barbarei der Budapester Machthaber finden. Aber nein! Selbst in diesem unsäglichen Unglück! erkühnt sich „Egyenlöseg" rvoch folgende Sätze niederzuschreiben: 1 ■ „Kann fein, daß in bem Wahnrausche des Krieges der eine oder andere dieser unerwünschten Fremden die Grenzen der Verdienstmöglichk-eiten zu stark, überspannt hat. Kann sein, daß der Wiederaufbau des in den Staub gebeugten Ungarn die Entfernung dieser. Elemente notwendig erscheinen läßt..." Und nun kommt ein Appell an die. Taschen dev: Juden, den hungernden, frierenden, von den Assimvei lanten hinausgeekelten galizischen Juden eine Unterstützung zukommen zu lassen. Diese gottgeschlagene Gesellschaft, die von Paul Sandor dirigiert, von „Egyenlöseg" belehrt und von Exzellenz Polnai irregeführt und verraten wird, sie ahnt es nicht, daß sie die nächste sein wird, die das Schicksal der galizischen Juden treffen wird. Wie heißt es doch in Len Sprüchen der Väter über den schwimmen-Z den Schädel? „Du bist ertrunken, weil dueinen anderen ertränkt hast, und der dich in den Tod. gejagt,, wiK.. selber ertrinken." Herr Horthy „begnadigt". Budapest, H.. Dezcmbrr. (Uns. Te1.-Kolr.-Bur.) Der Eiferibahliarbnter Alermrder Äsltm, der weg-« VrrbrecktM' Wmmumslöchrr Flugschri tea standrechttrch rum Tode vrrmltilt wurde, suchte um Begnadigung an. Der Reichsvi'rmtsrr Väk die Todessira'e irn Gnadenwege in lebenslängliches Zuchthaus umgrwandelt. Die magyarische» Umtriebe in Jugoslawien. Agram, 13. Dezember. (Südskaw. Preßbur.) In Verbindung mit Lec Verhaftung des gewesenen Oberstaatsanwaltes Accurti und seiner Gemahlin ist eins weitverzweigte Spionage entdeckt worden. Es wurde festgestellt, daß. Spionagcbricfe nach Magyarien geschmuggelt und in Kroatien Legionäre für Magyarien angeniorben wuroen, weshalb eine Anzahl von Personen verhaftet wurde, darunter der Maler Hawelka Wienrr Msr^enzriLsrug Wqrfcha «, 14 Dezember. Mir verlauLLL» fteYt feie Demobilisierung feer ZakrKSnge 1895 unfe 18SS nnwittelbar bevor. Gleichzeitig befchlotz fere Nsgiernna. eins 85Proze«tige Demobilisiernng dss Offiziers storps feurchzufKhrerr. 68 Gen^rüLe Mb 660 Obersts sollen pcnstomert wstbem Die ZV irre» in Irland. London. 14- Dezember. Der ChessekkM für Irland, Greenwood. erklärte im Unterhause, daß bei dem Brande in Cork nur eine Frau bei der Teilnahme an den Plünderungen durch einen Gewehrschuß getötet worden sei: sonst sei nm Snchschade angerichtet worden. Er ' bezeichUete die Detbatttzung des Belagerungszustandes über vier Grasschäften von Irland als eine trotwendrge Mäßnalime und betonte, daß das Inkrafttreten des Ausnahmszustandes in keinem Zusammenhang mij dem Brande stehe. Das Unterhaus hat einen Antrag auf Einleitung einer Untersuchung abgelehnt. Lonbon, 14. Dezember. (Reuter.) Im UntersMse erklär:e der Chesisekretär für Irland, daß im Laufe der Angriff gegen dw Hilfspolizei in Cork um Samstag ein Polizeimann gStötet .und zwölf verwundet worden seien, davonsechs schwer: •>.. Lvntzou, 14, Dezember. (Reuter.) Hem „Evening Standard" zusolgr seien in Cork 300 Häuser durch das Feuer ze. stört worden. LorÄ^n, 14. Dezember. (Reuter.) Die Kaserne in Ballinaloe wurde.früh angegriffen; e'n G.uda.m wurde getönt, drsi wurden schwer verletzt. Nach fünfstündigem Kampf mußien sich die Angreifer znrüüziehen. . König Konstantt« kehrt zurück. B l, 14. Dc ember. (Tel.^Komp.) König Konstantin hat Luzern heute mittags um 1 Uhr verlassen. Die Fahrt wird n'cht, wie ursprünglich geplant, nach Brin'ifi. sondern nach Venedig unternommen Morden. Dort werden' sich führende pokit'sche Persönlichkeiten Griechenlands zum König gesellen. Bon dem Gefolge des Königs ist der frühere Außenminister Streit in Lu-er» zurü.kgeblielren. Nach den „Baseler Nachrichten" rechnen König Konstantin und seine Berater mit Bestimmtheit ,damit, daß schließlich auch Frankreich sich mit der Besetzung des griechischen Thrones einverstanden erklären wird. Und der gewesene NniversiMSprofessor Su fl aj. Die Untersuchung hat ergeben, daß die Hauptzentren der Tätigkeit der magyarischen Agenten für Jugoslawien Agram, Budapest und Wien waren. Poken, Autziand, Wilna. Die Polnische Telegraphen-Agentur meldet aus Warschau: In Beantwortung der Note der Sowjet-- regierung bezüglich des vom General Zieligowski besetzten Gebietes hat Minister des Aeußern Fürst Sapieha dem Vorsitzenden der Sowj-etdelegation in Riga, Joffe, eine Note zugehen lassen, worin er auf die Brstimmungen des Präliminarvertrages hrnweist, nach denen die Zugehörigkeit des zwischen Polen und Litauen strittigen Gebietes ausschließlich durch diese beiden Staaten geregelt werden soll. Es könne daher das von Zieligowski besetzte Gebiet in keinem Falle den Gegenstand von Verhandlungen zwischen Polen und Rußland bilden. Andererseits stelle.die polnische Regierung fest, daß das döniGeneral Zieligowski besetzte Gebiet mit der Sowjet«.; Republik. keine gemeinsame Grenze hat, da es von Sowjctrußland durch polnisches 'Territorium getrennt! sei. Die polnische Regierung übernehme die volle Verl antwortung für die Zustünde auf diesem polnischen Gebiet. Es sei ausgeschlossen, daß der, Sowjetrepublik von. dieser Seite her Gefahr drohe. Die polnische Negierung werde es. nicht zülassen, daß das polnische Gebiet zu- Vorbereitungen, für Operationen ' gegen Sowjetcußland mißbraucht werde. Auch die internationalen Abteilungen, die-für. die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in dem besetzten Gebiet zu sorgen HAb'tn, könnten einer sdlchön Absicht nicht verdächttßt werden. Außerdem richtete-die polnische Friedensdele- Ö&fcbu in. Riga, an die Sowjetregierung eine Note, worin sie feststellt,'daß die-Sowjetarmee, statt demobilisiert zu tverden. rttu'gruppidrt Werda. WeiterS wird in dev Note gefragt, gegen wen 7faicfc Umgruppierung gerichtet M,i da alle bisherigen Gegner, den Kri«A geM die Sowjets eingestellt hätten. ' . ScheußlichketteR Der BaLachVwLez- Armee. Warschau, 13. Dezember. (Jüd. Korr.^Bur.) Dem Jüdischen Nationalrat sind auS Pinfk und Umgebung Berichte über scheußliche Greuel taten zugskommen, dio von der Armee B a l a ch'o w i c z in den letzten Tagen vor deren Auflösung an der jüdischen Bevölkerung verübt wurden. Co sind ans dem Dorfe L ub lj a u neun j i:b tsche % a m ill cn verschleppt Liitb in die Sümpfe geschleudert worden. Als die Unglücklichen das von ihnen oxioiocite Löjegeld erlegt 1^. Hezsmber lv2v Nr. 67V hatten, find einige wieder freigülaffsn worden, während' die übrigen grauenhaft geprügelt und gefoltert wurdem Der 21jährige Eisig Eisenberg Wurde in einen Brunnen geworfen, üud während er um feine Rottung rang, trafen ihn zwei wohlgezielte Schüsse der am Brunnen wachenden Soldaten, worauf er Untersank. Im Dorfe Dochowa wurde der Jude Braniberg mit seinem Sohne Joel unter entsetzlichen Oualen getötet. Im Dovfe Mo r fa entführten die Helden Batachowicz' ein 17jätzriges Mädchen, Rubinstein, vergewaltigten es und zwängen es zum Tanzen und Singen. Schließlich wurde ihm der Kopf abgehauen und als Vater und Bruder an den Tatort eittev. um das Mädchen zu retten, wurden sie gleichfalls gepeinigt und erschossen. Die Zahl der in dieser Ejegend derart um ihr Leben, gekommenen Juden ist mehr als tauf end. Empfang der Vertreter der anslSndt« scheu Presse beim Bundeskanzler. Buodrökarzler Dr. Mayr empüng -estern m seiner Eigrwchoft als Lnier drs Minißerinms des Äeußcrn d't bi« w; lenden Vrlttetrr der äiiSlandisä en Presse. In einer längeren Ansprache legie der Kanzler die avßelvrdrniliche Notlage der Republü Ocsterrnich dar und rich-rtr an die Kvlresponbmte» emen e ndr »glichen Aptell, in ihrer Der ch'rrüailung aui die össcntl'che Meinung ihrer Heimatländer zuguniit» der Republik Oesterreich e uzuwüken und ibtfh Wnki»n Narznmacken, daß die Existenz unsctcs Staates von der rechtzeitigen Hits« des Auslandes abhänge. Mandl prsvozlert beim Empfang. — Eine verdient« Zurarkweisung durch den Bundesprasidenten. Noch dem Empfang beim Bundeskanzler Dr. Mahr ertch'en Bnndrkt rändent Dr. H a i n , s ch, der den Lkunich äusterte. die Ve-.tletcr der auSwäit'flcn P csfe kennen m lerne». D'.e He»ren, welche in zwanglos e Nnt rhalmna in den Salons stch ie'anden, lamm selbstverständlich mU Vergnügen diesem Wunsche nach. Sit stestien sich 1e ls 'elbst vor, teils wurden sie von einem Funktionär oder von dem Obmann einer iournalisti- 'chen Korporation vorgest-lle, und dec Bundespräsikent vielt einen Cercle, bri dem er mit jedem einzelnen d e verichledenstrn Fragen bchandclte. Hierbei wurde eS mit Enlrüstllna bemerkt, daß der auS der Affäre dcr ungarischen Gesandt chast sackürm bekannte Präsident d>-r Iht on der sog nannten Korrespondenten der auswariigeu Prcste und Vertraute des berüchtigten Holosty. Leopold M andl, sich d m Prästdenicn mit den Worten vorstellte: ch bin e r n a l t e r M o n a r ch r st." Dec Präsident gab auf diese Takt» und Gechmacklostgke.t die rich ige An-wort. Er wandte srch von Leopold Mandl ab. Mandl ichrnt!ür bieft seine Zurückweisung nicht das richtige Verständnis gehabt zu haben, denn er. drängte sich spütec wiederholt zum Bundesprasrdentrn, um rhm ein ge Herren vorzustellen. Wie lange werden sich die wirtlichen Journalisten ln der »Amon" daö Trerben dieses Mandl noch gefallen lassen? Die Bezüge der Staatsangestellte«. Der Finanz- und BudgetauSschuß hielt gestern vormittags eine Sitzung ab. Vor Eingehen in die Tagesorbttung wurde beschlossen, den vierten Nachtrag zum BesolduttgsübergangSgesetz auf die Tagesordnung zu stellen, Hierauf wurde die Verteilung der Berichte über dett Staatsvoranschlag für bas Verwaltungsjahr 1920/21 vorgenornmen. Abgeordneter Schiegl erklärt namens seiner Partei, daß die Sozialdemokraten, nicht in der Lage, seien, einen Bericht zu übernehmen. Abgeordneter Baugoin erstatteb hierauf den Bericht über den vierten Nachtrag zum Besoldungsübergangsgesetz und führt» aus, der vorliegende Entwurf betreffe die Angleichung der Bezüge der Staatsangestellten an die der Gemeiudeangestellten, wie sie der Wiener Gemein berat mit seinem Beschluß vom 22. Oktober d. I. festgelegt habe. Nach dieser Regelung der Bezüge wurden der Gehalt um 109 Prozent, dev Ortszuschlag um 50 Prozent, die Teuerungszulage um 120 Prozent, die Frauenzulage um' 150 Prozent und die Zkinderzulage um 250 Prozent erhöht. M ergab sich sonach eine Erhöhung der Teuerungszulage von 8400 auf 16.480 Kronen, der Frauenzulage von 1200 Kronen auf 3000 Kronen und der Kinderzulage von 1290 Kronen auf 4209 Kwnen jährlich. Der Berichterstatter erörtert hierauf die einzelnen Bestimmungen der Vorlage und bittet mit Rücksicht auf ihre Dringlichkeit, sie ehestens zu verabschieden. Sozialdemokratischer Verband. In der gestern stattgefuttdenen Sitzung des Ber» Landes der sozialdemokratischen Abgeordneten wurde die endgültige Konstituierung des Vorstandes borgenommen; zum Obmann wurde Abgeordneter Seih, zu Obmannftellvertvetern die Abgeordneten Adler und Elderfch gewählt. Präsident Eldersch erinnert« daran, daß er seinerzeit das Amt eines zweiten Präsidenten des Nationalrates nur deshalb übernommen habe, tveil Präsident Seih verfassungsmäßig bis zum 8. Dezember die Geschäfte des Bunbespräsidenten zu führen hatte und. diese Funktion nach der Verfassung mit der Stelle eines Präsidenten im Nationalrat unvereinbar ist. Nunmehr sei Abgeordneter Seitz frei und könne die «es Amt wieder übernehmen. Präsident Eldersch beantragte daher, an seiner Stelle den Abgeordneten Seih zum zweiten Präsidenten des Nationalmtcs zu nottrin'ie^'u. Der Verba.ilbeschloß im Sinne derö Antrags Eldersch.

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