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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-15 · Heft 679 (15.12.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 679 (15.12.1920)
Date
1920-12-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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/ ///y-i/wv Einzelpreis ML L-^CV Prirnumsrationspreis«: vie»: ü>m «dboie» « K» kr»k»ttio«, 'i, Bizirk» Inbm» ftnte I bis N, ,»kr in «wer WTfttilrtßfrtac (Swfift: RnafliA . .Stranw» »<»«— vierteljährtt» .. »»- »tt P»stvrr^and ,ür Dirn «»> Oeflerrcich: Monatttch . . Kronen '!(».- ririicchs-Tlowakri: Monatlich .. Kronen »ff.— vtertelfakirlich „ »1».- t» tschrcho.!lawakischerWiihnl»k Monatlich .. Kronen K- VtertrNavrlich „ QO<~ tn «Bßnrifdict DSdnm» Ingos>a»»rn: Monatlich .. Lmar «*- vtert,«i»k<»Itch „ »«.- Einzelpreis MS. L.2SS» Wiener $h*. 679 Wien, Mittwoch» den 15. Dezember 1929 Pvä«u«eratio»r»preis»» Velen: *■ Monatlich.. Mart »ie«e«sak,rltch „ 10*4 tn volnischer DSHrnu» . E. renischtand: _ Monatlich. . . tftart tfVh Nrankrri»: _ ' Monatlich. . . Yrane» «ei - .. Statt«; Monatlich -* " Schwei»: Monatlich. . . Francs 3«* , Redaktion ». Mdn»1niftrat1o» «Vies.L.Vez..Tor>orstr^-« , releddon« «dministratio» 440 H, N«dak,ion 4331£ tklUiit adeads 9it.l«o«K 2. Jahrgang SLandrscht in Böhmen. —y. W ' -15. T^ember. Die GituationSberichte, die onS der Tsthscho-Ssowakei «Anlaufen, lassen erkennen, daß es der Negierung mit Hilfe des StandrechteZ gelungen ist, die Ruhe herzustellen. Den Unruhen, deren Schauplatz vor wenigen Tagen Prag und die Städte des - mittel-' und nordböhmischen Jndustrierediers waren, sind keine weite; en gefolgt. Die Keneralstreikparole. die von den Prager, Kladnoer . und Brunner Linkssozialisten ausgegeben worden war, hat keine besondere Verbreitung gesunden. Die Negierung hat aber trotzdem Maßregeln getroffen, die an den AnsnahniZZustand streifen. .Sie bat den interurbanen Telephonverkehr gesperrt, hebt die Betriebsräte mit militärischer Assistenz auf, nimmt. Massenverhaftungen vor und hat alle von Arbeitern durchgeführten Enteignungen von Privatobjekten für unwirksam erklärt. Sie fühft sich also stark genug, , inden Streit zwischen den f031aIifüfd)eu ^5arlcictxirtit . .ihren staatlichen Machtmitteln elnzugreifen. Es ist ihr wahrscheinlich möglich, die Ordnung für den Äutzenblick.herzustellen.. Die Bewegung in der Arbeiterschaft ist noch nicht so weit gediehen, um deu seit langem vorbereiteten' Angriff auf die.bürgerliche. Republik mit Aussicht auf Erfolg durchführen zu können. Aber die Mittel, die die Negierung anwenöest sind eben nur- Mittel des. alten Staates und scheinen kaum geeignet, die Frage, um. die es sich handelt, der Lösung naherzuführeu. Im Gegenteil. Vorfälle, wie die in Brüx, wo..in die Menge hineingeschossen wird, und die.folgenden Masseuverbastungen, sind danach um..die Lage..noch zu tzerschärlen. > Die Dorgänge--M" Böhmen. sinh Streit: um das Mager Volkshaus,' das rechtlicher Besitz der Rechtssozialisten war und von den Linksradikaleü be'etzt wurde, ousgelöst worden. Die Gerichte hatten den Rechtszustand festgestellt und dem. Prager Magistrat den' Auftrag erteilt, dem Urteil Neipekt zu verschaffen. Die momentanen Herren des Lolkshanses und seiner Zeitungsdruckerei setzten sich zur Wehr, die Regierung ließ Militär und Polizei ansrücken, und cs geschah, was bei solchen Füllen immer geschieht. Es wurden Steine geworfen, das Militär feuerte. Die Demonstranten antworteten mit Straßenkrawallen und Streikagitatien. Aber die Angelegenheit des Volkshauses ist unr ein Anlatz gewesen den prinzipiellen Streit zwischen den sozialistischen Gruppen schon jetzt in breiteren Formen auSzutragen und die Massen des Proletariats zur Stellungnahme zu zwingen. Den Kommunisten und den mit ihnen verbündeten Linkssozialisten, deren Führer Dr. Schmera! vor kurzem aus Rußland zurückgekehrt ist, ist es darum gegangen, den zweiten Akt der Revolution nunmehr zu beginnen. Ter nationalen Um- Wälzung sollte jetzt die soziale folgen. Jeder Anlaß zur Einleitung neuer Massenbewegungen sollte benützt werden. Der Plan ist vorläufig gescheitert, nicht durch die Schritte der Regierung: die Situation ist nicht reif für derlei Absichten. Die ökonomischen Lebcnsbed'mgnngcn der Arbeiterschaft sind nicht in dom Maße verschlimmert worden wie in Oesterreich. Obzwar die Tschecho-Äowakei durchaus nicht auf Rosen gebettet ist und ihre Mittel für das Militär und die aiich hier am Mark des Staates saugende Beamtenüberfülle opfern muß, hat sie doch ein geordnetes Budget, und ihr Reichtum an Lebens- Mitteln und Kohlen hat das Land davor bewahrt, in Hungerkrisen zu sinken. Die Schwierigkeiten der Republik ergeben sich aus ihrer, die Kräfte übcrspannenden Großmachtpolitik und aus den Kriegsfolgen, die auch die Siegerstaaten und ihre Freunde erfaßt haben. Das tschechische Bürgertum hatte in der Einbildung gelebt, daß die einfache Erklärung als Siegerstaat. genüge, um den Wirkungen deS Krieges zn entkommen. Ader die Nähe des.russischen und ungarischen ErdbebcnzentrmnS wacht sich doch sehr eindringlich bemerkbar und die nnruhige Stimmung in der Arbeiterschast zeigt, daß der Kessel überheizt ist. Tie Ausschaltung der nationalen Minoritäten ans der aktiven Politik war das von der Regierung und ihren Parteien anfgeführte Vorspiel und die Stürme in den Industriegebieten sind ein allerdings unerwartetes Echo auf die Rufe der stets auf der Wacht um den Staat liegenden Imperialisten. Die regierenden Kreise haben in der Behandlung der Minoritäten den Boden der Gesetzlichkeit verlassen und der Demagogie ihre Verehrung bezeugt. Sie sehen jetzt die Wirkung ihres Beispiels und mir-2» ilre nationale Fahne unter den Schutz der Bajonette stellen. W'dMOe MOem in'' „ . Nächtliche Razzie«. — Ei« Tchubha«» mit Verbrechern.— In verseuchte« Lagern interniert. — Mißhandlungen und Todesfälle. Budapest, 14. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgen« zeitung") lieber Auftrag der Negierung werden die fremden Juden, hauptsächlich..Galizianer. in nächtlichen Nazüen znsammengksnngen.Md ohne Rücksicht darauf, ob sie während des Krieges öder, noch vor dem .Kriege eingew ändert sind, ob ihnen NuöwcisMgSbrfehle bereits eingehändigt wurden oder nicht,' mit. ihren Familien, Frauen und Kindern ins'S ch mb hausin der Masonyi. gnsse gebracht) wo sie in Kellern und ungeheizten Nriirmew in . Zimmern ohne Fensterscheiben, mit Verbrechern. Vaganten und Strasrendirnem Mnmmengepfercht bleiben müsien. V's sind im Schubh-nis m«br als tausend Juden eingelrefert, wo sie, da keine Liegegclegen'heit .vorhanden ist, ohne Nahrung'die Mächte steheni). su« bring"n müsstn. Nach cinrg-r Zeit oder wenn das Schub, haiis' überfüllt ist/ werden sie ins Jntrrniertenlager uachf Pilis-Csnb'a gebracht) wo bisher schon über achthundert ' Juden nntergcbracht sind. Auch hier haben die Jnter- ' nicrten nicht mir von der Kälte zu leiden, sondern er« liegen auch infektiösen Krankheiten, von welchen diese- Lager noch ans der Zeit her verseucht ist, da es al- Konzentrationslagcr sür die internierten Rumäne» während des Krieges diente. Sowohl während der Einlieserung der Juden i« das Schnbhaus als auch ans dem Transport nach PiliZ« Esaba sind diese den ärgsten Mißhandlungen durch' bic behördlichen Organe ausgesetzt. Bisher wurden aus dem Schübhaus und aus Pilis-Csaba zwanzig Todesfälle gemeldet, während eine große Zahl, besonders Frauen und Kinder, von verschiedenen Krankheiten er» grissen wurden. Dle Bestützung unter den Juden ist eine sehr große, da dir Razzien nnunterörochen fortdauern uni» das Elend und die Verztteifluug unter den Verhaftete« und Internierten immer mehr Platz greifen. WAgriff aus Plant Ktnen L 0 rr d s rr, 14. Dezember. (Neuter.^.F.^ Antsrk' arrs .ex.LMVLs^..eur? e^ü?.oes«. . SSr"MD'rsvrm?» V sts die SswlS^egisrrmg - eirre^ Tlrigriff nnf -PsLen- Vorberelt2; dies ge e ans ErLlaxrma des Sorvj.etv^t'xgiers.-irr.L-'Lqrse« herÄsr, Noch Lanerrr die B>< Kudlrrn - err Ut ■ forL man d"rle auf er^...hMr^ c AKLerzsichitANZ des F'r-Cr§n^v§rU'qZes hof?en. Das KÄMlies der KNschen DsregKLwuen msd Äer BöÄerb««d.^ Paris, 13 Dezember. (Tel. der „Wiener Morgeuztg".) G'.s'L^ Gs.rf wr'Lendr TlbsrÄnung des Komitees 'brr jüdischen Delegationen Merrsi^te q^meiusam mit dem en^i^ch-sübischsn3 0 i n t Foreigfa Com« m 1110 s und I rasl Z a n g w i l l ein Schreiben' an Den V7tl?ervunb, in welchem sine S y m p a t h i e e r k l L r n n g mit den P 0 g r 0 m 0 y f e r n und Mt Entsendung von Anter f'u. ch n n g s lr 0 m m i f f i 0 it t w gesordert wird. Las KomiLse der. ji'di'üjen DelcgLtiotten üderreick-ile sernrrcirrenProtest ^egen die?>ognome der Aüra'ner. Arrlätzlick der Veraumg bezüglich der Aufnahme Finnlands in Len Volk rbu S v?rhandette das Komitee mit Märenden Politikern in der Richtung, datz die 2lusr-alMe der Klauseln, 'elrcsseud die Rechte der nationalen Minoritäten» in die Ksnstitutio« der betreffenden Länder eint Aufnahmsbedingnng nener Staaten bilde» ssAe. Der Antrag wnrd^ von Lord Ceeil ttntsrstlltzt und vom Plenttüs an dir fünfte Kommiision verwiesen, welrher. das ' Komitee "DelegstisNeKei» die^- KchMiches M e wo r a « d « m überreichte. Die Entwasinnngsfrage anf vrr Tagrs» orÄKKNg -es VSlkerbnndkongresiss. - <ikji', 14. Dezember. (Tel.-Komp.) Die heutige Sitznttz des Völkerbundes hatte als einzigen Punkt lii Entwaffnungssrage aus der Tagesordnung. Brau-' ting gab einen Uebcrblick über die Beratungen der Kommitzi'^n und der Unterlvmm'sswn, tvarauf der norwegi,'che Delegierte Lange und der chinesische Debr-- gierte We l l i n g t 0 n - K 0 0 zu längeren AuSsührungen' das Wrrrt ergrif en. und die Grundzüge des Abrüstungs7. Problems auceinandersetzten. ■-\> Schon die Unterkommission hatte sich in mehreren Sitzungen bemüht,, eine Form zu finden, die alle«! Mitgliedern genehm wäre. Es handle s'ch ja nicht nur darum, dem Militarismus den Garaus zu mache», sondern haupts'iich.ich um den wirtschaftlichen^ Wiederaufbau der gan'en Welt. BrantiUg machte darauf aufmerksam, daß die Arbeiterschaft dem Völkerbund sehr skeptisch cegenttbsrstehe, -ohne ihre. Mitwirkung aber müsse dis Arbeftdes Völkerbundes ergebnislos bleiben. Hcutel handle e§ sich darum, die ersten Schritts zur^ Lösung dieser , un-. gemein wicht'gen P .'odl-nne zu unternehmen. Sch eiten wir mcchaniirh auf dem bisherigen Wege fort, so werden wir das uns vorschwebande Ziel kaum erreichen. Schließlich ergriff der Berichterstatter MmiM Fisher das Wort und erklärte unter and'evem, auch er lege großen Wert darauf, alle Maßnahmen zu treffen, die eine allgemeine Abrüstung zur Folge haben. , Ungakn, dev Schandfleck der HiVlltsaiion. Die Leser finden an anderer Stelle ein Budap.ster Telsgramm, dessen kur-er. tw.kener Inhalt auch das zahmste Gemüt -um Ausbrauscn, anch das k.'ilteste Blut zum Sieden bringen muß.'An der Schwelle des Ost.'ns, an den Toren des Balkan, haust eine entmenschte' Battde, in welcher jedes bessere menschliche Gefühl erstorben zu sein scheint. Die Bestie im Menschen feiert in Ungarndenn von Ungarn ist die Rede — Tag um Tag Orgien und Europa sieht zu und amtts'ert sich über das Spiel der halbas'at'schen Wildlinge. Gewi«.'ermaßen bei Z.'geunermusik 'werten ftj.t Tausende von Juden, dir ein unverschnldcLrS Kr'e.-iu-.rglück aus ihren alten Woh?.si :en vertrieben und « ch Magyar.'en verschiagsn hat, wieder unv? schuldeterweift förmlich , aus den D'ttrn geri.'s'n und über eine An'a.hl ekel-« j erregcn..er, la-'.ü,a!N totenocr Lerdcnsstauo.^^ über Schubhans und Jntornierreulager, in den. sicheren Tod getrieben. Menschen, die durch drn Krieg hundertfach gelitten, die im Krieg an Blut und Gut mehr, verloren haben als das gan-e magyari,ch aristokrat sche Gesindel zusammengenommen, werden jetzt von den Stgndcs»' genossen eines Szemzö wie ein schmutziges Bündel be-° handelt, das niemandem gehört, dessen sich niemand als Eigner aunehmen will. Znm Teufel hinein, es; muß doch endlich einmal auch darüber Kla.h.it werden, wer eigentlich für /das menschenunwürdige Schicksal dieser so hart mitgenommenen und trotz allem unbi jedem arg verleumdeten galizischen Juden vcrautwortzlich gemacht werden soll. Ist es der Staat, in dessen Mitte diese Schuoeballcn deS Schicksals mißhandelt" werden, oder ist es der Staat ■ ~ und in diesem Fall« Polen — dem diese Menschen staatsrechtlich angchören. und der für ihren Schutz zu sorgen hat? Oder sind efi[ Kreaturen, die nirgends hingehüren, also Allerwelts--' ünoer juu\ bann müßte eben bic Weist [0 weit 6

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