Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 678 (14.12.1920)
- Date
- 1920-12-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979756--06080-2991998- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette t SSfttit. Dlenska- Wiener Morgenzeitnng Einwanderungsverbot in Amerika? Es . ist bekannt, daß die unter Führung Gomperö' stehenden GewerkschastSn in den Bereinigten Staaten die Wirkungen der wut'chaftlichen Krise auf die Arbeiterschaft durch ein: Erschwerung der als Konkurrenz gesürchtßtLN Einwanderung europäischer und asiatischer Arbeiter abschwächen wollen. Epr großer Teil der Republikaner hat / sich ihnen anäeschlosfen , und im Repräsentantenhaus die Einschränkung der Einwanderung für zwe iJahre beantragt. Nach einer Wolf>Meldung aus Washington hat das Repräsentantenhaus die Einschränkung auf ein Jahr festgesetzt. Eine Bestätigung dieser Meldung liegt noch nicht vor, es ist aber schwer zu glauben, daß ba^ Mpräsentautenhaus einen solche^ fchtoerwi:gen)6n Beschluß gefaßt hat. Es sind aus der (iinwandererfrage gerade jetzt sehr Liese Verstimmungen zwischen A merika und Japan entstanden, und wenn man auch von ein-?m Krieg noch sehr weit entfernt ist, so ist doch die Angüegenheit zu schwierig.alsdatz sie eine übereilte Behandlung vertrüge. W2shi«zts«,.11.^e^mhex. ^Jüd. Korr.-Aur.) Entwurf für die neue Einwanderungsbill sieht die EL« toifutlg von Einreisebewilligungen in die Vereinigten - Staaten bloß an nächste Angehörige (Blutsverwandte) «nierikan ischrr Staatsbürger oder Einwohner Amerikas, b dir bereits den Wunsch nach Ncturalisietung sorinell ausgesprochen haben, vor. S&e amerikanische N§Le an England. Wir haben am %. Dezember einen vom-TelegrapheniKorrespondcnz'Bureau nach dem i „Hollandsch NieuwS Bureau" mitgeteilten Äuszug aus einer Rote der amerikan ischen Negierung an England besprochen und die. Ansicht vertreten, daß die Nichtigkeit des angeblichen Inhalts sehr in Zweifel zu ziehen sei! . Ein Bericht des Washingtoner Korrespondenten des ..Ülcatin" bestätigt unsere Meinung und ließ erkennen, daß Amerika nichts als die Mitteilung der Mandatsbestimmung für Pa l 8 st i n a und Mesopotamien verlangt hatte.; Von• informierter Stelle wird uns hiezu geschrieben: Amerika verlangt nicht die Uebertragung der Mandate über Die belgische Arbeiterpartei gegen die Oorthy-Banditen. V r L f s e l, 13. Dezember. (Havas.) Die Tagung der belgischen ArberLsryarkei hat a m menden Einspruch aegen die Tatsache erhoben» datz Leine einzige RegierMg ne e« die ® chreSens herrsch ast in A n g a r « eingeschritten ist. Wieder ein Kowmrrnistersprozetz in -Budapest. Du^apLft, 13. Dezember. Ung., Tel.-Korr.-Dur.) Heule begann der Prozeß gegen die Kommunisten, die;j$$. 2ß. März. v. I. das Stadthaus und die Bezirksvtrtvetungeü besetzten. In dieser Angelegenheit sind 26 Personen angeklagt, darunter Aladar K.u n f l, ei» Bruder des Mweseneu...BalksbeauftragtM, Dr^Mnst Kobel, der sünerzeit Gesandter der Räterepublik in Wien war, her ehemalige DoMbeauftcagte B ie.r man y, und öer ehemalige Sekretär der sozialdemskrakischen Ge- ^werMdsäen Bo gar. Die meisten ÄugeM^en sind ' flüchtig. ' ' ' ' ' - 5';; Teleki bleiht. '• ^" i' Kutzaps^t,' 13. Dezember. (Ükgi Leli-'Koir.-Bur.) Der., Michsverweferhat den Grafen- L e l ek i . zum Min strrpräs Kenten defigrnert.> . -Den BMtern zufolge wird das neue Kabinett folgende Zusammerrf^Wg-MLn: Präsidium Graf Teleki, Aeußeres Dr.^G-M Ackerbau SMo-NagYrt ad, Justiz Topcsantzi, Hynved General Paul HegedüZ oder Srctsr, Finan'en Rolarch Hegedüs.; Handel Rubinek, Unterricht- Bass... Das PorLeftuille des Innern wird dem Gräfem WephaZ. Bathlen angeboten werden. Die Ministerien für na'ionale Minderheiten, für Angelegenheiten -deo^Muen-^Landwirte und für Bolkswohlfahrt sollen nich: besetzt werben; .ebcnso sollen alle politischen StaatSselrslarstöllen äufgelajsm werden. Die Pogromopfer in der Ukraine. Palästina und Mesopotamienwie es in der ilebersetzung des Wiener Bureaus geheißen hatte, sondern daß die Mandatsbesümmnngen vor -ihrer endgültigen Festsetzung der amerikanischen Regierung zur Einsicht und eventuellen Abänderung vorgelegt werden sollen. Amerika habe, so betont die Note, durch sein Eingreifen den Sieg der Entente entschieden und müsse daher über derartige Fragen mitsprechen, gleichgültig, ob es Mitglied des Völkerbundes sei oder nicht. Der Standpunkt der Juden in der Wilrmer Frage. Die Warschauer Blätter melden aus Wilna: Die jüdische Presse von Wilna gibt der Ansicht Ausdruck, daß der litauisch: Staat eine demokratische Republik auf föderativer Grundlage sein müsse. Jede der vier Nationen (Litauer, Polen, Juden, Weißrussen), welche Litauen bewohnen, müssen national-kulturelle Autonömie und die Garantie für ihren wirtschaftlichen Wohlstand haben. Kine von ihnen darf militärischen Schutz bei einem Nachbarstaat suchen. Auf Grund einer'Verständigung zwischen'den vier Nationen ist eine Koalitionsregierung zu bilden und erst wenn Beruhigung eingetreten ist, könnten Wahlen zu einem Landtag aus-- geschrieben werden. Litauen muß direkte Grenzen mit l'^rßland, Polen und' Deutschland habe»; denn nur jo kann die wirtschaftliche' pno politische Entwicklung -es Lundes gesichert werden: - - \ , In einem Interview mit einem Vertreter der „East Expreß"-Agentür äußerte sich der Präsides 5er zionistischen Organisation Litauens, "Herr Wege n sb u r g, unter anderem: Im gegenwärtigen Moments würde die Mehrheit der jüdischen Bevöllerung im Gebiete von Wilna sich für eine Vereinigung deS Gebietes mit Litauen ausjprechen. .Dies würde keineswegs infolge irgendwelcher materieller- Berechnungen, sonle.n aus moralischen Gründen geschehen. Die Orte mit polnischer, jüdischer oder wrißrusjischerMaj.o<ritätmüsstn national-kulturelle Autonomie erhalten. Im. künftigen Litauen ist eine Einteilung in Kantone nach dem Muster der Schweiz möglich. Im Laufe der Zeit wird Litauen' unter dem Drucke von Rußland eine Annäherung, an Polen durch ein Bündnis oder dergleichen suchen müssen. Kriegshetzer. Die fürchterlichste Niederlage hat anscheinend die Denkart eines großen Teiles des deutschen Volkes unberührt gelassen. Nach wie vor gibt es politische Führer und Parteien, welche den Götzen Gewalt anbeten rmö inbrünstig einen neuen Krieg, einen heiligen Nachekrieg, herbeisehnen. Leider wächst diese Kriegsstimmung von Tag zu Tag und jede neue Wahl bringt den Kriegs« Hetzern Erfolge. Heute sind die Dinge so weit gediehen.. daß die Propaganda für die Rüstung zum Kriege unverhüllt betrieben wird. So schreibt das Wiener Organ der Großdeutschen, die „Deutsch« Tageszeitung", in einem leitenden Artikel: «Neben der Vaterlandsliebe ist es aber noch ein ander-, r Gedanke, der uns alle unter der Fahne der De:us^,...^^iialctt ucreimgi. Ganz Deutschland & tf tf.at ch NW heimlichen, glüh.endn Hass«, j Warschau, 11. Dezember. (Jüh. Körr.-Bur.) Der nach der jüngst:» Pogromwelle in der Ukraine nach Warschau geflüchtete Sekretär der jüdischen Nationalversammlung in Kiew,- L «i s e r o w i c z, hat in einem öffentlichen Vortrag ein schauerliches Bild der seit zwei Jahren fall unrmterbrochen wütenden Judenpogrome entworfen. Herr Leiserowiez stützte sich in seinen Ausführungen auf eine zuverlässige Statistik, wonach bisher 280.000 Juden ermordet wurden. Die Zahl der Krüppel und Verwundeten übersteigt eine halbe Million, die'der geschändeten jüdischen Frauen ist unübersehbar. . dem Hasse gegen die Eniente, die deutsche Ehre besudelt hat, deutsche Frauen und Kinder verschmachten lies;. Die schwarze Schmach im Rpbrrevier. wo afrikanische Söldlinge unter den Augen französischer Behörden deutsche Mädchen und Frauen bergewa'tigen dursten/wird in Deutschland nie vergessen werden. Bis weit hinem in die Reihen selbst der Unabhängigen ^Sozialdemokratie wird ein Ruf laut, der von Tag zu Tag .mehr anschwillt: Den heiligen Krieg gegen den ' Erbfernd Frankreich ersehnen Offiziere wie einfache Arbeiter mit gleicher Inbrunst." Neben den beständigen Protesten der deutschnationalen Neaktionore gvgen die Vergewaltigtmg des .wehrlosen und friedliebenden Deutschland, durch die Entente, neben den Versicherungen, -atz Deutschland sich Mnz dem friedlichen Ausbau hingögeben hat, nehmen sich diese Aeußerungen sonderbar aus. Sie liefern den Siegern die geeignete Handhabe, ihre Bedingungen immer härter zu geftälten und die „deutsche Gefahr" als nntnittielbar drohend hinzustellen. Die deutschen Re. aküonäre sind die Totengrabex des deutschen Volke-. Empfang der Prfeffevertreter beim BÄNÄesprKsidmLrn Dr. Hainisch. DundeSpräsideiit Dr. Haü.i,'ch empfing gestern nach- 'r.'üllagS . in. dm Räumen drr Prüii:eutschastr?anzler die Vertvster der Dimer und brr österrei.hi,'.hen Ländrcpresse. Dem Ernpsang . wohnt« auch Bundeskanzler Mayr bei. , In seiner Rrd-r an . die Höuryalisten' erklärte der BundesiprSssikyrt unter, ^anderem: Es kann »kcht geleugnet werden, ^bg^b'krher, MttchrS' M/uyS^nlht.ganz so war, wie eS hätte sollen. .Vertreter des alhen Regimes suchen daraus Kapital die NePubM ^ü sch'.qM».M'tt' ttnrechtl Ich glaube, baß^daS. wflS wir besiag'rrr,i ein« Eutwicklungskrankheit ist. Dir sind.velMni.ig nnvermitbelt.aus dem änwri!Sren Regime itz dcfsdrr schranke,gelangt. Die wahre Demökrätke'.setzt aber liangiä.hrt^^^Schulung -drS Volkes voraus. In einem rrrasten demokranscheu Gemeinwesen, wie in der Schweiz, weiß frdrr einzelne, daß den Rechten deS Volkes auch ernste Pflichten gegen ÜSorstehe», weiß jeder ctizelge, baß er nicht aflcin auf der Wrtt ist, und daß er umsomehr verpflichtet ist, airf stine ^'i'm'nsch'n Rücksicht zu nehmen, je schwächer dir Bindungen ,t ld, die ihm durch G-setz »der Polizei auferlegt werden. Ich glaube, daß niemand mehr zur Erziehung unseres Volkes nach dieser Richtung berufen t't als die Presse. Helfen wir alle '.usamncen, dann ist mir trotz allem nicht bange, daß Cjir tKiiö eürrr schöneren Zukunft enigegengeyel^ 14. Dezemder 1S2E Nr.87- Entsendung eines Presseattaches «ach Rom. Wie wir erfahrtn, wurde der bisherige politische Rrdaktem der „Re chsvost" Dr. Ivo I o r d a zum öiikrrel.chischm Preffea tichö ,n Rom rr»/innt. Dr. Jorda begidr sich in den nächsten Tagen aus feinen Posten. Spaltung in der Schweizer Sozialdemokratie. Br:«», 13. D^'.ember. (Schweiz. Depesch'en-Agentuv.) Der sozialdemolraiischs Parteitag hat einen Antrag N>obs-Graber, der die politische Macht der Arbeiterklasse in der Form der proletarischen Diktatur ausgerichtet wissen will, die aber auf die Verhältnisse der einzelnen Länder Rücksicht zu nehmen hätte, angenommen. In der gestrigen Versammlung der Neukommunisten 'wurde auf Antrag Welti (Basel) beschlossen, alle zum Mrlassen des Saales' aufzufördern, die sich weigerten, sich unterschriftlich zum Kommunismus zu bekennen. Damit ist die Konstituierung der einigen kommunistischen Partei endgültig erfolgt. Der Austritt aus der sozialdemokratischen Partei erfolgt vorläufig noch nicht, unt die U r a b st i m m u n g abzuwarten. Der sozialdemokratische Parteitag richtet an all« Sektionen eineu Aufruf, sich gegen die Parteispaltung zu wenden. Die Brandstiftungen in Cork. London, 13. Dezember. (Wolfs.) Nach den letzten Meldungen wird die Zahl der durch Feuer in Eorh zerstörten Häuser <utf 140 geschätzt. Hunderte von Menschen sind geflüchtet. Der katholtsche Bischof machte in der Kathedrale feierlich bekannt, daß er alle an den Ueberfällen auf die Reichstruppen beteiligten Personen exkommuniziere. RilrkLehr Körrig Konstantins »ach Athen. Paris, 13. September. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung de- „Echo de Paris" aus Luzern wird König Konstantin am Dienstag von Luzern abreisen.und sich an Bord deS Kreuzers „AveroS" nach einem griechischen Hafen einschiffen. Der Einzug in Arheu ist für kommeirden Sonn.ag vorgesehen. Etne französische Schlappe in Syrien. Bryrut, 13. Dezember. (Havas.) Ein Telegramnr meldet nähere Einzelheiten über die jüngsten Kämpft in Syrien. Eine französische Abteilung stkß auf ernsthaften Widerstand von seiten einiger Aufständischer. Ein türkisches Bataillon, das vom Norden her gekommen war, kannte unbemerkt in der Gebirgsgegend vorrücken und kam so den Aufständischen zu Hilfe, die der französischen Abteilung an Zahl weit überlegen waren. Dis französische Abteilung mußte zurückgehen und soll dabei Verlust von 20 Toten und 40 Verwundeten erlitten! haben. Do» Aleppo wurden Verstärkungen entsendet, um die Gegend von den türkischen Kräften zu säubern. Prestbnrg Sltz der Donankommlsfion? Prag. 13 Dezember. Die . Narvbni Pol t La" meldet aus PreßLurg: Das Palais deS ehemaligen Erzherzogs Friedrich, das Palais Lafranconi, die Gewerbeschule und das Ministerialgebäude wurden als geeignet zur Placierung der großen Anzahl der Bureaus der Internationalen Donaukommission befunden. Die auswärtigen Delegierten haben sich über Preßburg sehr güust'g ausgesprochen. Die eventuellen Kosten für die Errichtung ein:S Repräsentationsgebäudes für den Sitz der Kommission werde« auf mindestens. 10 Millionen veranschlagt. Keine Einstellung des GesamtverLehrs «ach Oesterreich. Prag, '13. DeKember. Wie wir erfahren, ist nurder Transport von entbehrlichen Gütern nach Oesterreich eingestellt. Der Personenverkehr bleibt voll aufrecht und ebenso der Lastenverkehr, mit Ausnahme der oberwähntm Güter. __ Der Keren Hajessod entspricht den Jntenttone« der englische« Regierung. Donjon, 13. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeituug".) Im Unterhaus richtete Sir F. Hall an den Min'sterpräfidentsn die Anfrage, ob ihm das Programm deS Keren Hajessod, in dessen Interesse in Manchester unter Vorsitz deS Ministers für öffentliche Arbeiten Sir Alfred Mond eine Konferenz stattfindet, bekannt sei. Diese Organ'sation bezwecke die Aufbringung großer Summen, zu denen Deutschland 7»/g Millionen beigetragen habe, und verfolge das Ziel, die Siedlungen in Palästina so zu fördern, daß sie dann die Macht gewinn«, den High Commissioner für Palästina selbst zu ernennen. Es müsse gefragt werden, ob die Tatsache, daß ein Mitglied der Regierung den Keren Hajessod unterstützt, den Schluß zulasse, daß diese Aktion den Intentionen des Kabinetts entspricht und ob die Negierung sich auf eine Politik in Palästina festgclegt hat, durch welch: die Interessen der vorherrschenden arabische« Bevölkerung gewahrt werden. Mr. Bonar Law antwortete: Der Zweck deS Keren Hajessod ist. von den Juden in allen Weltteilen Mittel für einen Fonds zu erlangen, welcher zur F ö r de. j rung der wirtjchajLti.che» Entwicklung ita