Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 676 (12.12.1920)
- Date
- 1920-12-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien. Sonntag SBiewec DUrisenzettung 12. Dezember 1920 Nr. 676 Seite Y Das Licht wird teurer. - ' Margen werde», wie wir erfahren, im Ausschuß für pabtifhe Unternehmungen zwei Anträge der Direktion der Elektrizitätswerke zur Verhandlung gelangen, welche Li: Erhöhung der Strompreise im Auge haben. Der eine Antrag geht dahin, die Strompreise für 2 ichtzweü« von k90 Heller aus K. 1.18 und für Kraft von 75 Heller auf K. 1.02 zu erhöhen. Diese Preise sollen für die letzte Ableseperiode gelten, die mit 15. November d. I. endete. Man wird also nachzahlen müssen! Ein zweiter Antrag geht Lahm, die Erhöhung des Strompreises für Licht auf K. 1.50 und jenes für Kraft auf K. 1.20 festzusetzen. Außerdem soll der Stromverbrauch in Luxus!oialen einen fünfzigprozenttgen Preis au fschl ag erhalten. Die Erhöhung wird damit begründet, daß auf die Arbeiter der Elektrizitätswerke der Kollektivvertrag drrMetall- 'ürbeiter seine Anwendung findet. Außer diesen Anträgen liegt dem Ausschuß auch ein Antrag vor, einen Kredit von 8 Millionen Kronen für Herstellung von Ha ns anfchlüjsen in Kleinwohnungen Zu bewilligen, über den ebenfalls beraten wird. Unter den Gründen für Nottvendigkeit der Erhöhung des Strompreises wird unter anderen auch angeführt, daß die Elektri^rtätswerke in der Zeit'vom 1. Oktober bis 1. November täglich eine Million Kronen Mehrkosten aufzubringen haben. Die Bevölkerung steht also wieder'vor einer drückenden Belastung. Bezüglich der geplanten Erhöhung der Gaspreise und der Fahrtarife auf der Straßenbahn wurde die Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, da die neuen Lohnverträge mit dem Personal «och nicht abgeschlossen sind. Doch ist schon heute gewiß, ßaß der Preis für einen Kubikmeter Gas von 6 «aus 7 Kronen »höht wird und der Einheitstarif auf der elektrischen Straßen- K. 3.80 betragen dürfte. ' \ . ' Der LeopoldstLdter Tempel. f> Bon geschätzter Seite schreibt man uns: Dreieinhalb Jahre steht das größte und stattlichste. Gotteshaus der Wiener Kultusgemeinde als Ruine d-a. Ein Vau, der so lange seiner Bestimmung entzogen werden Kann, ohne daß sein Besitzer alles aufbietet, um ihn wiederherzustellen, ist offenbar für ihn entbehrlich, f In Wirklichkeit trifft diese Annahme nicht zu. Bon einem Ersatz für die geschlossene alte Bctgemeinde äst nicht die Rede. An den hohen Festtagen werde» Km Aonzerthaus.Gottesdienste für die Sitzinhaber des abgebrannten Tempels veranstaltet. Schon die Entfernung von der Leopold stabt verhindert viele, von diesem schwachen Surrogat Gebrauch zu machen. An den übrigen Festen und den Sabbaten wird in Lokalen «gebetet, die jedem religiösen und ästhetischen Empfinden «Hohn sprechen. Die Folge ist zunächst Versprengung der alten Gemeinde. Man weiß, was das schon früher bedeutete und wie schwer es besonders jetzt ins Gewicht §2M.; Daß trotz alledem der Wiederaufbau des Tempehs bis heure unterblieben ist, kann demnach nur darin feine Begründung finden, daß tatsächlich das jüdische Empfinden, das noch vor einigen Jahrzehnten'sich in solch opferfreudiger Betätigung offenbarte, der Wiener Memeinde abhanden gekommen ist. Einen solchen Niedergang jüdischen Bewußtseins Pflegen wir den Assimd« lauten anzukreiden. Leute, denen nichts daran liegt, wenn ihre Kinder dem Judentum den Rücken kehren, weil sie ja trotzdem sogar' Kultusvorsteher werden Können, verzichten gewiß leichten Herzens auf Gottesdienste, die aus jugendlichen Herzen Funken jüdischer Begeisterung zu schlagen vermögen. Frauen, die an den hohen Festen den Tsinpel nur besuchen, um durch 5hre Toilette den Neid der Nachbarinnen zu erregen, Jüdinnen, die nicht ahnen, was ernste Frauenarbeit für das eigene Volk bedeutet, die werden an anderen Bet- . statten ebenso, vielleicht leichter auf ihre Rechnung Kommen. | Aber die bewußte Judenheit Wiens, die. darf nicht länger dulden, daß der gewissenlose Schlendrian der früheren Gemeindegewaltigen ungestört airhalte.. Nicht nur die Selbstachtung gebietet jedem Wiener Juden, auch dem religiös gleichgültigsten, die Schande der Leopold stadter Tempelruine aus der Welt zu schaffen. In diesem Tempel ist dem jüdischen Leben Wiens ein Kraftzentrum entzogen, auf das wir nicht Länger verzichte!! können. Jüdische DLationelfonds arr die jüdische Irrgerrd. ,» Nllr Energie, die sich den Proilerrir« des Ausbaues HaMinos. zuweudet, wurde nutzlos vergeudet sein, wen» vcht der Jüdische R a t i o n a l s o n d s das letftrst sollte, jccS er sich zur Ausgabe gestellt h rt. Dazu rst vor allem nti* Wendig, jene Begersierung für den Jüdischen Narional'oridS an- Kswchcn, wie sie seinerzeit vorhanden war, um die Propagandatätigkeit weit erfolgreicher gestalten zu können, aleS drsriuu der Fall war. In der richtigen Erkenntnis, daß nun der Zeitpunkt gekommen ser. wo der Indische Nausnalsonds' die Feuerprobe zu destchen bat, ist er brreriS darangegangru, die Jugendarbeit, aus -re es jetzt mehr den» je ankommt, auf - o l I st ä n d r g neuen Grundlagen organisieren, die vor ' allem eine ökononusche Einteilung der Kräfte iür feie Propaganda &im Zwecke haben. Biele Jugendliche aus den einzelnen Vereinen «nd B L'rleu haben sich uns zur Äer'ügung gesi.llk. Wir hoffen, daß auch die übrigen Jugend! chen n chc lange aut sieb watten laßen werden! Wem e§ abo auftichiig um ein jüdisches Palästina in um rst, der melde sofort sime Mrtarbcu beim Jugend' ä e f e r a t des Jüdischen N a t i o n a l f o n d S, Zir! u 2 zasse 33, an. »> ■ ■■.. — Adolf Stand-G rdachtttisfeier. , Auläßl'ch des ersten Jahresraaes des Ablebens A d o l f Stands sindrt Montag orn 13. d. M., \r> Uhr abends, im Geitensietievtempel eine Lraueranüacht statt. Die Gedenkrede hält .Knr Okrrrabiner Dr. C h a j« s. Zionistisches Landeskomitrr für Oesterreich. * .. Delegation deS Jüdischen Nationalraicö für Osti?Dli-ziin. ^nißrlche DezkrkSjtNisn Leovtldstadt. Mitteilungen ans dem Publikum. Möbel n. Innsn- Moration in grösster Auswahl. Nor gediegene 619 Erzeugnisse. J.SPIRA Wie'. Bl'., Slebeeslerng. 1 y. 2 (Ecke Karl Schweighofergasse >. s 415 Palma der echte Kautschukabsaftx, bewährte Friedensqualität» überall erhältlich. /TefinicfißiUM Git&ne& V ^VLMARIAHIIFERSIRASSE105. wmiEw GrBsstes,bssfserüerfesLa*er VVtensin Teepiohen,DeeVea. 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Nirgends in der Welt versteinern die Ideen und Er> Zeugnisse wsyl so schnell zu Vorurteilen wie in Wien. Unö eines der,Hartnäckigsten, bösartigsten Vorurteile ist!>aS dreimal^ Heilige. Dogma: Wer gegen das Frauenstudium etwas vor-' bringt, ist ein Reaktionär ein Finsterling, ein er^Hcrzigeu Rücktvärtsler.. Alls Fortgeschrittenen aber fordern für'die' weibliche Jugend daS unbedingte Recht, genau denselben falschen Weg zu beschreiten, den elnü Generation früher die Knaben betreten haben. Genau' sv wie dazumal bei den Knabenist eS bri den Mädchen jetzt zur glatten Selbstverständlichkeit geworden, baß sie aus der Volksschule in die Mittelschule eintreten, und wenn bei Christen noch vielleicht erne leis» Möglichkeit besteht, daß praktische Erfahrung, der Anblick alles MittelstandSelenbs in Einzelsällen zur' besseren Eiirsicht führen, so ist daZ bei jüdischen Familien so gut wie ausgeschlossen. Der Pater mag noch so deutlich stche'n,' welthes Schicksal de-n geistigen Arbeitern aus Gcneratwueu hinaus bejchreden ist. er nu'ivt dir Wirkung dos Uel'LranLcbots und