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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-12 · Heft 676 (12.12.1920) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 676 (12.12.1920)
Date
1920-12-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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V Nr. 676 - Wien. Vörmrass Sviener Morgenzeitrrerg 12. Dezember 192T /geffe B~j Verhandlungen mit den SinnMnern. Erklärung deS Kriegszustandes in Irland. Lcr^on, 11. Dezember. (Funkspruch.) Der' Premierminister hat im Unterhaus Erklärungen über die Ber- Handlungen der Regierung mit den Sinnfein-ern abgegeben. Die Regierung ist mit Personen-in Fühlung getreten, die mit den Führern der Sinnfeiuer verhandelt hatten, und aus diese Weise in den Besitz jener Grundlagen gelangt, die eine Lösung der irischen Frage zu beschleunigen geeignet find. Als sichtliches Zeichen für den weitverbreiteten Friedenswillen führte der Premierminister einen Vorschlag des Be^irksxates von Galway, einer reinen' Sinnfeinergegend, an, Vertreter des Sinnseinerparlaments sollten mit Vertretern des englischen Parlaments zusammentreten, um über die Lösung der irischen Frage zu beraten. Einzelne^ der Mitglieder des Sinnfeinerparlaments sind ordnungsmäßig gewählte Mil-, glieder des Londoner Parlaments und mit diesen könnte die Regierung in Verkehr treten. Lloyd George erwähnte auch die Vorschläge des Pater O'Ftanagan, dessen Aktion von dem größten Teile des irischen Volkes* gutgeheißen werde; nur eine kleine Minderheit sei gegen ihn. Die Regierung wird die Ablieferung aller Waffen und englischen Uniformen anordnen. Die Abstimmung in Griechenland. Berlin. 11. Dezember. (Wolss.) Aus Athen itftb gemeldet: Die offiziellen Ergebnisse der Volksabstimmung in Griechenland sind folgende,: Für König Konstantin wurden abgegeben 999.954 Stimmen, gegen ihn 110.383 Stimmen. 1190 Stimmzettel waren ungültig, 1062 leer. Der französische Gesandte hat gestern dem Ministerpräsidenten Nhallys eine Nöte der französischen Regierung überreicht, welche ankünb'.gt, daß Frankreich im Falle der Wiedereinsetzung König Konstantins^ . Griechenland jede weitere finanzielle Mitwirkung versage. Furchtbare Erdbt.be« in Italien. 200 Personen getötet. — Zerstörte Ortschaften. Rom, 11. Dezember. (Stesani.)- „Tempo" meldet aus Valona: Ein heftiges Erdbeben hat sämtliche Dörfer im Bezirke Tepeleni zerstört. Die Stadt Tepeleni selbst ist dem Erdboden gle'.chgemacht. Mehr als 200 Personen sind ums Leben gekommen, 15.000 sind ohne Obdach. Die Erdstöße dauern an. Das sozialistische sächsische KabiueLt. Dresden. 11. Dezember. Das neue Kabinett setzt sich folgendermaßen, zusammen: i Ministerpräsident 77- Buck. (Sozialdemokrat), - Wirtschaftsm'.nisterium — Schwarz (Sozialdemokrat^ Minsterium des Innern, — Lipinski (Unabhängiger). ,Ku'tüs — Flejßner (Unabhängiger), Arbeit — Jettel (Unabhängiger), Finanzen,— H e l d t (Sozialdemokrat), Justiz — j Harnisch (Sozialdemokrat). Eine zweifelhafte Erklärung. Budapest, 11. DSMnber. (Uitg. Tcl>Korr.-Bur.)! Das Dela.a: der meti.iniichen Fa.u tät hat den Landesverband der ungarischen Hochschüler jüdischer Konfession verständigt, daß'es dem Ansuchen, die Angelegenheit jener H ö r e r j übische r Kon fr s s i0 n, denen .. die Erla..5. verweigett, worden Ist, sich für das, erste Semester des laufenden Unterrichtsjahres zu inskribieren, einer Revision zu. unterziehen, stattgegeben habe. ■ v, ' EiitwanderuiigsbeschriinKungen in Kanada. Montreal, 7. Dezember. (Jüd. Korr.-Vur.) Um das Zunehmen der. Arbeitslosigkeit zu verhindern, wurden neue Emschränkuttgsbestimmungen für Einwanderer erlassen. Danach müssen Einwanderer. Kunsthandwerker, Mechaniker und Arbeiter, bei ihrer Ankunft in kanadischen Häfen 250 Dollar besitzen. Solche Einwanderer, die mit Familien kommen, müssen für jedes Kind bis 18 $al)vc 50 Dollar und für jedes Kind über 18 Jahre 125 Dollar besitzen. Die Verordnung tritt mit dem 1. Jänner in Kraft. Iudenexzesse auf einem Warschauer Bahnhof. Marsch«», 10. Dezember. (Jlib. Korr.-B„r.) Am WarschawKoweler Bahuhof haben sich neuerdings.schwere Iudenexzesse ereignet. Soldaten überfielen de jüdisch. » Fahrgast: und richteten unter ihnen einen förmlichen Pogrom an. Bon den Verwmrdeten sind bisher Silbermaun, Don Wlos,sHersch Pomeranczyk, Hersch Rosenberg, Eliukim Szedwwski erkannt und verbunden worden. - ,;. i- :. Antisemitismus in Lettlantz. Riga, 10. Dezember. (Jüd. Korr.-Bur.) Die lettische Regierung beschwert« sich in Moskau, daß bisher die meisten aus Rußland nach Lettland hemm kehrenden Flüchtlinge Inden sind, die lettischeRegierung könne aber die Rückkehr von Juden in so großer Zahl nicht gestatten. Die Sowjetregierung gab hierauf der Lettischen Regierünb zur Antwort, daß Rußland nicht die Konfession oder NaLiönalität der Heimkehrer registriere, weil in Rußland keinerlei Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden bestehe. ' Die Paßvisa für England Kleide« aufrecht. In einer der Sitzungen des Unterhauses erklär.« die englische Mg'.erung,.wie Uns aus Lo nd o n berichtet wird, auf eine Anfrage, ob die Regierung di« Schwrerrgkeiten zur Erlangung eines englischen Paßvisums mildern H»kle, daß^ das 'biZherige System dev Paßvisa sich"^vorn^Standpunkt des.StaaLsiüöeresies als zweckdienlich erwiesen'habe, weshalb an eine Aenderung dieses Systems nicht gedacht werde. Dem jetzt üblichen Vorgange sei es. wie die Erfahrung lehrt, zu danken,- daß das Eindringen unerwünschter Urem der in Großbritannien in äußerst starkem Maße unmöglich gemacht wird. Andererseits biete es den einwandfreien' Reisenden die Möglichkeit, im Besitz« ches, Paßvisums nach der jetzigen.Methode an den Grenzen Englands sowie beim Ueberschreiten der Grenzen' der Durchreisestaaten, welche passiert werden müssen, ohne langen Aufenthalt--und ohne Störungen durchzukommen., * WWIWWI B M « “'FlOSflElMDNII ZIGARETTENPAPIEftE ZIGARETTENHÜLSEN* STe Dbepfreffcn seltzsr cUs höchsten EpwBrtungod döa Rauchens* nn#aBeaBmam»aBaaaMB»Bttoat$;/> Tagesbericht. Inda Makkabi in Antiochien. Eine Legende aus dem Altertum. Und es geschah, daß der junge, Hellenen b'ezwü.^ geude Held Juda M a k k a b i noch vor dem Ausbruch der glorreichen Kämpfe nach Antioch'en ging, um dort mit der Jugend seines Volkes bekannt,zu werden. Die jungen Hellenen benahmen sich schon , damals gegen die Söhne Judäas in kränkend herausfordernder Weise.' Besonders, der Pöbel der Spelunken von Antiochien' .• hatte sich dadurch ausgezeichnet, daß er zu nächtlicher Zeit die.ahnungslosen .heimkehrenben Judäer meuchlings, überfiel und an sie in frechem Tone die Frage richtet^,' ob sie dem Zeus ZU opfern pflegen oder nicht. Die. Feigen unter den Judäern legtendeshalb hellenische Gewandung an und ließen in den Straßen Antiochiens Zeus-Hymnen erschallen, um auf solche Weise den Verdacht von sich abwälzeu. So wurden sie auch in Frieden, gelassen. Juda Makkabi jedoch konnte nicht lügen. Mitzwei seiUer Freunde aus Antiochien begab er sich irrdie Straße der Hellenen.'Johlend nahte sich ihrn.eür^ Zug -und frug ihn schmissig, ob er Zeus anbet^„Nern>, war die entschiedene Antwort. „Und warum nicht?" frugen die Burschen zurück, „Weil ich die heidnischen- Götzen hasse. Ich bin ein Jude und bete nur den einig' einzigen Gott an!" Die ' Hellenen zogen, hierauf ihp.' Schwert aus der Scheide und wollten sich auf den' unbewaffneten Juda Makkabi und seine zwei zittern-/- de» Begleiter stürzen. Makkabi aber erhob seine gewabtigen, von Kraft strotzenden Arme und schlug .mit - ihnen, wie wenn sie Hämmer wären,-auf die frechen« Angreifer ein> daß sie auseinanderstoben. Juda-Makkabi wandte sich dann an seine antiochischen. Freunde und sagte: -„Diese Barschen sind, wie es scheint, noch nicht auf einen.wahren Juden gestoßen, Nunwerden auch sie es wissen, daß die jüdisch- Faust -anM zu schlagen vermag." ,r;J' . . Die Beendigung des Staatsbeamtenstreiks. Die Uuterfest'gung des Protokolls über die Scklußbcrhandlungen im BundeSmm sterium erfolgte gestern mittags. Noch ,n der letzten Stunde ergaben fick beider Abfassung des Protokolls Schwieugküten, dle erst nach längeren Unterhandlungen beseckitzt wccdcn konnten. * Die Vertreter des Aktionskomitees verlangtest,'., daß den an der Streikbewegung ' beteiligten Beamten Weder iu* dienstlicher noch disziplinärer 'Hinsicht em Nackteil -erwachst.' — D.est Bestimmung . wurde schließlich ins Protokoll auf- IJ H‘d 4 -rj "!?{, f v'l , -V-J rii'l 'I il genommen. einem Verbände zu vereinigen. Und Rabinowitz machte, sich seine Aufgabe nicht leicht. Tag und Nacht schrieb er - eigenhändig Briefe, ja ganze Abhandlungen, die Informationen, Auseinandersetzungen mit den Gegnern, Mahnungen, Anklagen usin. enthielten, Briefe, die zu ihrer Zeit schon eine Sensation, ein Ereignis, bildeten, weil sie durch ihre ganze Art den Empfängern in gewissem Sinne die Presse ersetzten und die dem Historiker d?r Chilat-Zion kostbarc^ Material-füt die Stimmung der Zeit bieten. > Die Organisierung der Gruppen war nur eines der Ziele, das Rabinowitz im Auge hatte. Um ihren Arbeiten einen stärkeren Boden zu schaffen, dachte er an eine große Demonstration, zu welcher der bevorstehende 100. Geburtstag Moses! Moutesiores (28. Oktober -1884) den besten Anlaß zu bieten Wen. Auf seinen Vorschlag sollte das Bild Moses Montefiores mit einer hebräischen Widmung zugunsten der Kolonisation für einen Rubel in Tausenden von Eremplaren verkauft werden.. Auch das war keine ganz einfache organisatorische Aufgabe, und wenn sie immerhi n für jene Zeit beträchtliche - Summen einbrachte, so ist das ganz allein Rabinowitz' Tatkraft zu danken. Eine interessante Episode bildete daher die Frage, wer mit der Abfassung des Gedichtes zu .' betrauen sei. Gegen Lilienblmn, der'Jehalel oder Dolitzky vorschlug, setzte es Rabinowitz durch, daß der Fürst unter den hebräischen Dichtern, Ichuda: Lejb Gordon, den Auftrag erhielt,«der ihn auch gerne annahm, allerdings mit dem Hinzufügen, daß er sich kür die Palästina-Kolonisation nicht erwärmen könnte, aus Furcht, die Inden konnten ihr Leben. in Palästina nach den ÖZcsetzen deS Schnlchan. Aruch einrichten und den Tempel wieder anfbanen. Nabinowiß gelang es auch nach Ncberwindnng vieler Schwierigkeiten und nach anfänglichem Sträuben des präsumtiven Erben Montefiores, zu erwirken, daß der Abgesandte des Chowewe-Zion, der Redakteur des „Hamagid", David Gordon. . in RamSgate die Adrelle dl's Cbowewe. Pinn zum 100. Gebm-tstag MantefioreS überreichen durfte. Die Aktion des Bilderverkaufes bildete unter anderem die Grundlage für die Einladungen zu der 'Kattowitzer Konferenz, als deren Organisator ebenfalls Rabinowitz anzusehen ist. Die Rolle, die er auf der Konferenz spielte, kann man aus dem von Dr. Gelber veröffentlichten Verhandlungsprotokoll ersehen. Er wurde zum Sekretär der Warschauer Abteilung (Vorsitzender Fasinowsky) ernannt. Aber nur kurze Zeit blieb er auf diesem Posten. Die schweren Angriffe und Verleumdungen, die gegen ihn namentlich wegen ungetreuer Verwaltung des Bilderfonds erhoben wurden und die ihn E sogar bei den Behörden als angeblich politisch gefährlich verdächtigten, veranlatzten ihn.zutn Rücktritt. Abei da-' .mit war seine Tätigkeit des Chowewor-Zion seineswegs -abgeschlossen^In.dem Orden „B'noi Mosche" und später im Politischen Zionismus, den er freilich nur, mit einigen aus den grundsätzlichen Anschauungen des Chowewe* . Zion resultierenden Vorbehalten billigte (siehe keine Schrift: „M.Zion weal mikraeha"). spielte er eine Nolle.' Er blieb in Warschau, ein tonangebende .Persönlichkeit, die auf allen Zionistenkongresstn.^ unter den markanten - Erscheinungen der Ostjudenheithren Platz wahrte. Mit völliger Uneigennützigkeit hatte Rabinowitz in der „Chibath-Zion" gewirkt. Er hatte seine Familie vollkommen vernachlässigt. Die schweren. Sorgen des Daseinskampfes -lasteten auf. ihm,-und er sah sich genötigt,, wieder zum Berufe des Melamed zu greisen. .Unter* - dessen hatte er langsam sich auch cher literarischen Tätig- . keit abermals zngewendet, diesmal aber als Wissenfchaftler. Schon . daZ in drei Jahrgängen erschienene Sammelbuch „Knesseth Jisroel". das Arbeiten der vor- . züglichsten Schriftsteller jener Tage enthielt, und. eine Fundgrubefür viele Fragen, unter anderem auch die Geschichte des Zionsgedankens, bildet, zeigte, daß Rabino- -witz sein schriftstellerisches Ziel in der Beeinflussung des nationalen Lebens durch die Ergebnisse der Wissenschaft erblickte. Nicht die-Verniittlung trockener Stenniniffe, sondern die Gewinnung der Herzen, durch die Vertiefung in die Gegenwart und Vergangenheit^ unseres Volk<'s schwebte ihm als Ideal vor... And diesem Geiste hat cr feine hebräische Graeh-Uebeiletzung geschaffen. Durch eigene Ergänzungen und Zusätze von Harkavy stofflich er-, weitert, durch einen heute freilich zirm Toil obsoleten. aber, für die Kreise, auf die sie berechnet war, fesselnden-, Stil hat die Uebersetzung unter den Maskillim eine" gewaltige Wirkung geübte Sie ' war das 'Lehrbuch dep nationalen Geschichte und ist als solche bis heute rach! nicht übertroffen worden, ebenso wie das Original der! Graetz-Geschichte trotz allem, was man dagegen, sagen., kann, bislang seinesgleichen nicht gefunden hat. Auch für die hebräische Literatur war sie von unschätzbarem Werte. Und noch ein anderes bedeutete die UeberfehlMg., Sie hatte gleich anderen Werken aus Rabinowitz' Feder, wie die Biographien 'von Zunz, Zacharias Frankel,-die Monographie über die Vertreibung aus. Spanien', die , Ergebnisse der westlichen „Wissenschaft des Judentums^' weitesten Kreisen der Ostjudenbeit zugänglich gemacht.' In diesem Sinne ward Rabinowitz zum Mittler zwischen .Oft und West und er hat diese Mission bei verschiedensten Gelegenheiten betätigt. Gab es doch wenige bedeutende Hebraisten,' die hüben und drüben in glichen Weise angesehen waren wie er.; : In den letzten Jahren des Lebens beschäftigte sich . Rabinowitz mit der Darstellung der Geschichte der Juden in Polen und Rußland. Diese in Frankfurt am Main, wohin er vor den Bedrängnissen nach der Oktober-' revoültion flüchtete, begonnene Arbeit blieb ein, Torso. Der Schreiber dieser.Zeilen, der an dem Werke schon bei, . Lebzeiten feinc5 Autors Anteil genommen hat, hat das , Manuskript rimgearbertet und .Zu einem fünfhävdWrk Werke ansgestaltet, dessen erster Band in allernächster. Zeit erscheint. \ Auch dieser Mann, dessen ganzes Sinnen /und' Trachten.feinem, Volke und der Zukunft seines Ländes galt, ist' wie die vielen Großen jener Tage in Oft und West auf dem "Wege gestorben. Wir, die Glücklicheres, die schon am Anfänge der Enülümg unseres Traumes' stehen, müssen.es als Ehrenpflicht bctrncfticn, das Andenken der Festeren, die wabrlich nicht weniger ,als die heutige Generation an der Verwirklichung des Zionis* mns arbeiteten, der Vergessenheit zn entreißen und bei- Zutragen auf daß im Kerzen des Volkes das Denkmal erhalten bleibe. rvelcheS sie so redlich verdient bähen.

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