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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-10 · Heft 674 (10.12.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 674 (10.12.1920)
Date
1920-12-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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H'-v&zjM&ittBSWiXSMmtömav&tshBEJixKmmNam.* 9ttf 674 . /Wien. Freitag Aon,8t. keri'rkgsektlon ^eMo>68ts6t Samstag den 11. d. M. um 6 Uhr abends im Lokal des Restaurant Bayer« u., Venedigerau4 (Pratef) Referenten: Staatsbahnrating.Beb*Stricker über dis politische Lage der Juden in -Oesterieich. Gcmelpäerat Dr. Leopold Piaschkes über die Stellungnahme zur Frage der Option und fetaatsbürgerschafiserklärun«. &so Wo bleibt das -ozlaldemokratrschS Wohnungsamt? st'kW t c », ia ©Mmtbct* Die Wiener Blätter berichM-übev die allerdings etwas spat erfolgte Verhaftung eines' adeligen Magyareu, des Berufsspielers,' Schwindlers und Schmugglers Julius v. Szemsz'ö. Der Männ, der als höher ungarischer Beamter in den"„be'stE'Meü'er 'Kreisen verkehrte, wurde 'abgefaßt, weil er' dem Söhnchen eines Wiener Großludustriellen 28 Millionen im Hasardspiel abgeschwindelt hatte. Die'Geschichte des betrogenen jungen Pflastertreters aus' „guter Wiener Familie" ist weder interessant noch mitleiderregend oder geeignet,' das Rechtsgefühl zu empören. Ob das Kriegsgewinnergeld, vom alten GüUner"aus Budapest. ober dem jungen Lümpchen aus Wien verjubelt wird, kann der Menschheit wahrlich gleichgültig sein. Aber ein Nebenumstand ist sehr danach angetan, die öffentliche Aufmerksamkeit un Anspruch zu nehmem Szemszöbewohnt "in? der Czerningasse ein ganzes Haus," das für nächtliche'Orgien adaptiert ist. Er hat dort'sieben Rennpferde'in luxuriös ausgestatteten, heizbaren Räumen' eingestellt, auch zwei Milchkühe, welche Schlagsahne für die Tafel des Schiebers und Spielers liefern müssen. Dabei seufzt Wien unter einer unerträglichen Wohnungsnot, und in der nächsten Umgebung 'sterben Säuglinge, weil ihnen tagelang die kleine Ration gewässerter Milch vorenthalten wird. Wo stecken denn eigentlich die Sozialdemokraten, welche heute Herren der Gemeinde Wien sind, welche die Zremdenpolizei und das Wohnungsamt in der Hand haben? Ueber ein Jahr ist dieses sündhafte Treiben in der Czerningasse ihrer Aufmerksamkeit entgangen. Freilich, die Herren sind anderweitig beschäftigt. Sie Müssen gegen galizische Iuden hetze n und ihre ganze Kraft der' Austreibung armer, hilfloser P o g r o m opf e r widmen. Von den Herren Austerlitz und Sew'ech ist ' daKKesseltreiben ausgegangen, der Redakteur der „Arbeiter-Zeitung" und der sozialdemokratische Landeshauptmann haben; es': sich zur rühmlichen Aufgabe gemacht, Wien von der „Pest der Ostjuden" zu befreien. Die sozialdemokratischen ' Machthaber haben die famosen Ausweisüngserlässe herausgegeben und sich gerühmt, auf -diesem Wege Wien zu „reiten".'Die Erlasse waren angeblich gegen die Schmarotzer gerichtet, aber unbehelligt ist das zugewandekttz Gösindel der'Schwindler und Prasser geblieben, an Szemszö und seinesgleichen hat, sich die rote Gerechtigkeit nicht herangewagt. Jüdisch?' Arbeiter und, Beamte, Kranke, Greises Frauen und Kinder, welche in Elends- Wohnungen ihr kärgliches Leben fristen, Menschen, die Nachweisen können, daß sie einem ehrlichen. Erwerb nachgeheMund'dem Staat ihre Steuer enkrichren, die hat man vdn Wien abgeschafft. Man verfolgt und belästigt die, welche noch Hier sind, in der abscheulichsten, ans Zaristische' Rußland' erinnernden Art. ' V'' Um die barbarische Maßregel besonders wirksam zu gestalten, hat man die Wohnungen der . Ostjuden angefordert.'Man Hai viel von Heimkehrern geredet, die'keine Wohnung finden,'und von den ostj'üdischen „Parasiten", welche alle Unterkünfte besetzen. Unter dieser Parole ist man ans Wohnungsräumen gegangen. Aber wohin? In die Elensvikrteh in die Brigittenau, nach Ottakring und Hernals, in die Müssengirartiexe der Leopoldstadt und des Alsergrund- Aus Kellerwohnungen schleppt man kranke Ostjüdinnen Und stellt sie samt idem Bett in Schnei: und Regen.- Aber der Lump Szemszö empfängt seine Dirnen und Kumpans - in. zwanzig Prachträumen, ohne in struem raumveifchwettdenden Vergnügen vom löblichen Wohnungsamt gestört zu werden. Vor den Rössern und Kühen des Hasardeurs, welcher hinter Spiegelscheiben in geheizten Salons feudal haust, schmilzt das harte Herz der magistratischen Büttel und sie verduften ehrfurchtsvoll. - ■' ’ Bisher haben die Sozialdemokraten ihr' gegen Friedensverträge wie gegen Rechtlichkeit und' Menschlichkeit verstoßendes Betragen mit dem Zwange der Not zü motivieren gesucht. Der Fall des ungarischen Hoch. staplerS beweist zur Evidenz, daß es sich bei den Jüdenausweisungen um eine bloße Veröeugimch vor dem. Antisemitismus handelt! Oie EintzevufMg des jüdischen WelLkonveffSS. Rew-Aork, 6. Dezember. (Züd. Korr.-Bur) Das jüngst konstituierte Komitee für die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses nach dem Haag kündigt die Veranstaltung einer Massenversammlung in NewHork an, um die Approbation der gesamten New-Aorker Judenheit und aller großer Organiiat'.onen für/die Kongreßvetvegung zu erhalten. D-.'r Initiator, Mister Schomer, teilt mit, daß er sch die Mitwirkung aller bedeutende» jüdischen Persönlichkeiien gr- Wisner OrorgsnzLiLung ^.10. Dezember 1920 Seite 3 " *>*} ’fK- *,K Hei die Wirtschaft liehen Beziehungen der ~ . Empfang der Internationale« Hestexn abeyds.wurden die in Wien.weilen-e« Mitglieder., der Jnternatvonaleng DondLommission im Rathaus vom Bürgermeister R e u m a N N und den Bizebürgermsisher» E.m m e r lin g >. uttb ..Ho'ß sowie den amLsfüyrend-en Stadtraterr empsangen.: Von den Mit- . gliedern der Donaukommission waren unter anderen, erschienen: AdmiralXroubridge, Leutnant T.raub.r i d g e und. Mister, M^err y».Wngl^yd), GeneVakinspektor Andrer Eha r-g-ue-ram-diundRechtskonsulent C ha r g u-e ra ub--- H.a-r t ma nu (Frantreich), Ccrch Rasetti und Kapitän. Marezzi (Italien), bevoll-> .'.mächttgter Minister Dr. Secligsr, Staatssekretär Paters und andere ' (deutsche Delegation), Georges iLaz'aroff. (Bulgarien), Levollmäch.rgter /Minister ' E. Cio N'tz e s c » und Schisfslapitän Be te z (Rumänien), Gefändier R i st i c, .Mtzitän Will feilt und M. Domai n ke (Jugoslawien), S aatksekretar B. M ükler, sKre'bee und W sessor S mrcek (Tschecho-Slowakien), -Staatssekcetär v:M iklo svar-undHofratvi Jarmay (Ungarn) sowie die Mitglieder der österreichischen Delegätio» und des Generalsekretariats der Kommission,' weiters für die Donaureguc'.erungskomMission Latwtzs-' hauptmann Sever »nd Steiner, für bis DonauiDampssch'fsahrtsg7sellschaft Präsident S ch emk und Ge- ' nöraldtrekior Czataryi .Bon der Regierung waren ersch'enen: Bundeskanzler Dr. Mayr und die Bundesnrinister Heinl und Pesta>^^ endlich vömi.MaMtrat -MagistraMirektvr Dr. H a rk h,.Band'rektov F ie b iH e r, der Borsiand des Präsidialburerus Obstlmagistratsrat Gmeiner und andere. ‘ ,;; Bürgermeister R e » m a n n begrüß te 'die. Erschienen. Admiral T r o u b r i d g e antwortete auf die Begrüßung: . i Im Namen der Delegierten der. internationalen Dvnaukommisswn erlaube ich mir, Ihnen . unseren wärmste» Dank und unsere volle Anerkennung für die herzliche Ausnahme auszusprcchen, welche die Stadt Wien der Kommission gewährt hat. Diese Kommis s?on, meine Herren, hat das Mandat erhalten, die, Donau zu verwalten, bis die durch dis MiedensverLräge. eingesetzte internationale Konferenz de»- Strom entworse» habe«: wird. - " , Es ist nicht leicht, die verschiedenen Interessen der acht Donaustaalrn und der NichL-Donaustaaten, mit denen sie jp Handelsbeziehungen stehen,"kn ein harmonisches >-Ganzes zusammenzuschmelzen. Für einige der D-onaustraten stellt eine internationale Donau die einzige Kommunikationslinic dar, auf^ welcher sie nach den Vertragen eist absolutes TVanspo.rtreckit. zum offenen Meer, habey., ' Der i Zweck per Kommission ist der folgende: Es ist unsere Pflicht,-den internatiouaAn Charakter dieser . gkphM-Has,erstraße aufrecht-uerhalLm und das Mög- .lichste zu tun, um auf dem breiten Strom den Handelsverkehr aller Ra.ionen ohne Ausnahme zu unterstützen und zu erleichtern. Es ist dies Sache der Donauländer selbst, aus den Ergebnissen unserer Arbeiten den höchsten ZÄrteil zu ziehen. Das kann aber nur erreicht werde», wenn die Völker aller Staaten, der neuen und der alten, DonauKommrssio« im Aathanse. jene wsrtfchastkichen Beziehungen ausnehmendre für die Wohlfahrt der Gesamtheit der- VolD^^ Mittel- und Südemopas absolut unerläßlich smdi D§^ schäin^ mir, .daß, das die größte Pflicht ist, die , dsttt StaatsmännM Europas und insbesondere he» Staatsmännern der Userstaaten obliegt. Ich habe im, . Laufe.meiner Dienstpflichten Gelegenheit gehabt, allst Dvnauländer von Ulm bis Galatz persönlich zu besuchen^. Was.fin'-erUlan da? Hier gibt es einen Ueber f.luß a st R a h r ü n g s m.i t t e l n, dort m a »He l t es daran und die Leute ver humgern. Hier gibt es Kohlchr- und Holz im Ueberflnß, dort wieder stehen Fabriken still' und Kinder, leiden, unter der Kälte. Hier -gißt esj'i Benzin unh aHere tzele, dort aber gibt es große Agpvkulturdistrikie, ..die nichts produzieren, weil' ihnen diese notwendigen Produkte fehlen. Gerade dem Lause der i Donau entlang! können diese und andere Anomclliertz am . besten berichtigt und Wohlstand und Glück der Völker wieder. her gestellt werden. Räch den heftigen Er-, schütterungen in Europa, die aus den unheilvolles K'riegsjahren resultieren, solltrn sich alle Hände rühret um wieder gerade zu machen, was jetzt krümm isti Schwer äst die Verantwortung aller Staatsmännerst sie dürfen nicht versagen. Erstens muß die Erde gsts' zwungen. werden, ihr Vielerlei. an Produktion in« höchsten Maße hervorzubringen. Diese muß dann inteni fibe inhüstMle Tätigkeit zum allgemeinen Nutzen deri^; Menschen umgestalten. Eine hochherzige und weit-- blickende Wirtschaftspolitik' aller Staaten, muß dafür?- Bürgschaft sein/ daß die Produkte der Erde und dA Ergebnisse der Industrie den Millionen, denen sie eintz Lebensnotwendigkeit sind, welcher Nationalität ’> allchs immer sie sein mögen, nicht vorenthalten werden^."— Die Rolle dieser Kommission bei dieser großen Arbeit) ist "Nur eine kleine; sie ist aber nichtsdestoweniger ein! sehr wichtiges Glied in der Kette, denn gerade in bew Gebieten läE der Donau können die Produkte de^ Erde und der Industrie ihren ' schließlich^ fSu stimmungsort am besten erreichen. ,' Für ^Oesterreich ist sie von der größte« Wichtigkeit^ Ihr Hafen bildet alle Dorieile als DörMungs^ zentrum und ihre geographische Lage und ihr Cifw-! bühnnetz sollten Ihnen die Wiederkehrder Tage JhreH Gedeihens sichern. -j Was die Donaukommission, anlaugt, de^en Prä>< sibent ich heute di« Ehre habe zu sein, so mögen Sia versichert sein, daß sie nichts unterlasfzn wird, dass möglichste für das große Ziel zu tun, das uns alle«! ' vorschwebt, nämlich allen.Völkern das wiederherzustallMst was sie nach all ihren Leiden am meisten wünschen -4 ein normales Leben. ' P Die Herren begaben sich sodann in die übrigech Ernpfangsräume des Bürgermeisters, wo BürgeMeistev Reumann an der Hand der erwähnten graphischen DaBstelluNgen den Mitgliedern dcr Donaukmüm ssion eine ai^? schauliche Darstellung der Verhältnisse gab, welche Mj He.w n mit großem Interesse zur Kenntnis nahmen. j Ueber Einladung des Bürgermeisters verfügten sich' die Gäste sodann in den Stadtratssitzungssaal, wo ihnew ein einfaches Mahl serviert wurde. Die deMnitiAen Wahlresultate Ün Ztt^osLawien. Belgrad, 9. Dezember. (Südslaw. Preßbirr.) Nach einer amtlichen Feststellung verteilen sich die Mandats für die Konstituante wie folgt: Demokraten 94, Radikale 93, Kommunisten 68, Ra die-Part ei 69, Mdhammedaner 24, Katholiken 23, Agrarparteien 39. -Sozialisten 19, Nationalsozialisten 2, Bunjevei 4, Kroatische Bauernpartei 7, Mohammedanisch-christliche Partei -, Südserbische Mohammedaner 2, Kroatischer Verband 4, Republiköner -.4, Frank-Partej 1,, Riharak-Gnippe 1, Trumbic .1. und Hrvoj 1 Mandat., Die Bildung der Neuen Regienmg wird der demokratischen Partei als der stärksten Gruppe übertragen werden. Die polnisch-jüdischen Ansglerchsbonferenzen. ' W ar k ch arr, 9. Dezember. (Poln. Tel.-Dg.) Wie die Warschausr Blatter melden, soll heut«? eine P o l n i i ch - j ü d i s ih e Ksnferenz in WM chM Mt^sinden. Die BMter dekianptenp datz dis Megierllng in dev jüdischen Frage einen Aufrnf an die BevSrkernng erzassev werde. Polens ernste Läge. /irh'efl Mini^srnvasidenten Wikos SB nt fd) (tu, 9. Dezember. (FNnksprnch.) Ministerpräsident W'itos drNärte Vertretern der Presse, daß die Lage Polens noch immer se hr e r'n st sei, daß Polen T,cja Äiedfo w,v nnLer Zwaua an eint Fortsetzung des Krieges denken würde. Sechs Jaheo Krieg haben i» Polen Verhältnisse ^geschaifen, deren Folgen keine Legierung beseitigen könne. Polen habe, so schnell als möglich demobilisiert, erstens um feilten aufrichtigen Friedenswillen zu ■ bezeugen, ^toetfenö nm die Hohen Kosten für die auf Kriegsstand befindliche Armee zu reduzieren. Die ungüüstrgen Transportverhältniffe und die Frgge.dev. Beschäftigung der entlassenen Soldaten haben es ihtt sich gebracht, daß die Entlassung nicht mit der gewünschte», Schnelligkeit vor sich gehen konnte. Polen brauche dir Unterstützung anderer Staaten unL diese Ünterstützung.hange von dev inneren Ruhe des Landes,üb. Ablehnender Standpunkt Amerikas gegenüber dem Völkerbundkongreh. Paris, 9, Dezember. Wie aiw 2Ba|f)ittgton ge- Meldet wird, ist die Einladung dts Völkerbundes Vertreter in die Kommission für allgemeine Abrüstung zu eni senden, von den Bereittigten SMaten vbgelchM worden. ' Die Lage in . SrndM, Ü./Dezemvek. (FUtzksprüH:) Dev General-, sektetär für Irland hat im lfntevhaus erklärt, solange eine bewaffnet: republikanische Armee in Jrlandi bestthe, werde nie Friede in das Land einzichen. j Es verlautet, daß Lloyd George zn gwßeW Entgegenkommen geneigt sei, sobald festgestellt jteift weede, daß die Personen, die sich zur 'Vermtttlünß zwischen Irland und England aNgeteagen haben, artm tatsächlich berechtigt sind, im Namen des. 'rischen PMs! ' f. ' s 6 eil m ■i ■' >•\ 4 '.Ä Ä ■ M 'Pi ’ljl II 7528

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