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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-07 · Heft 671 (7.12.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 671 (7.12.1920)
Date
1920-12-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite r Wien- Dlettstcig > wmitmawmoammmmmmmmi' . --- UBieitct Morgeuzeitung 7. Dezember 1920 / Nr. 571 An die Rektoren und Professoren der österreichischen Hochschulen!*) K ". Meine Herren! ' 7 i ' Die Mitglieder -er Universität Oxfürdhaben; an / Vre ein Schreiben gerichtet, in welchem eine Verbrüderung. ejn freundschaftliches Zusammenkürkm der Männer der Wissen'chaft gefordert wird, weil dieses .Zusammenwirken allein eine Heilung der durch den Krieg der Menschheit zngesügtett Wunden, eine Üeberbrücknng der zwischen Volk und Vo.sk gerissenen Kinft herbeiführen kann. In einem Antwortschreiben, welches vor wenigen Lagen der Öeffentlichkcit bekannt wurde, erklären Sie: »Wir dürfen darauf Hinweisen, daß diese Gesinnung Lei aller patriotischen Hingebung an unsor.en Staat und •i; unser Volk und wahrend der ganzen: Kriegszeit nie ber° : lassen hat.und wir immer der Nederzeugung waren, Me vor vielen Jahren schon der einstige Kurator der Wiener Akademie der Wissenschaften. in die Worte gefaßt hat; »Die Wissens aft kennt keine Unter schiede der Völker und j.ede neue Erkenntnis ge«: hört der ganzen. Mensch he it."- Jü diesem Geiste ergreifen wir Ihre uns dargebotene Hand UiU> vei.einiqen.uns mit Ihnen, indem aufrichtigen Wunsche nach Zusammenfassung oller Volker zur Rettung unserer Kulrnr und zum wahren Fortschritt der. ' Menschheit/ * Wenn diese Kundgebung mehr sein , soll als eln be-. ßentungsloser Austc^rtsch unverbindlicher Mebenswüxdigleiten, ^ist es notwendig, festzustellen,'/ob die großen, . schönen Worte der Gesinnung und den Taten der.Mynner' mtsprechen, welche sie gebrauchen. -Ihre Worte, geehrte Herren, halten dieser Prüfung nicht stand,.sie stechen in krassem Gegensatz zu den an den österreichischen Hochschulen herrschenden Verhältnissen! An den österreichischen Hochschulen werden die südi» fä)en Hörer und Hörerinnen mit größter Mißachtung behandelt und die Dinge sind so weit gediehen, daß auf akademischem Boden jüdische Studentinnen tätlich mißhandelt, die Juden von dem Genuß allgemeiner - Wohlfahrtsinftitutionen ausgeschlossen und jüdische Hilfseinrichtungen demoliert , wurden. Die Studentenschaft hat wiederholt beschlossen,-Juden vom Besuch der Hochschulen gewaltsam fernzuhalten oder ihren -Zutritt durch Nnführung'eines Numerus clausus zu beschränken. Man hat es hier, das mich ausdrücklich' hervorgehoben werden, nicht mit Attionen einer irregeleiteten Jugend zu tun, welche gegen den ausgesprochenen Willen ihrer Lehrer Handelt.. Nein! Die beschämenden, auf Ausschaltung der Ostjuden und'Slawen und Beschränkung der'österreichischen Juden gerichteten -Beschlüsse wurden in offistellen Versammlungen. im Beisein und.unter, dem Ehrerworsitz der Rektoren' gefäßti "Keme^Äinicke des Protests ist ans Kreisen, der akademischen Lehrer laut geworoen. Im Gegenteil! Die Beschlüsse sind von den akademischen Behörden , ausgeführt , worden/ unter den nichtigsten Vorwänden hat man. jüdischen. Studenten die Aufnahme verweigert. -; /. Unter solchen Umständen den schonen Satz von der Wissenschaft, die keinen - Unterschiedder Völker kennt, und der Erkenntnis, die der ganzen-Menschheit gehört, aussprechen, heißt ihn mißbrauchen. Oder glauben Sie. geehrte Herren, den Juden: gegenüber eine Ausnahme machen zu dürfen; die Juden,: weil sie verfolgt und schwach sind, aus der Gemeinschaft der Völker, aus der Menschheit ausschließen zu können? Dieses Unternehmen kann wohl bei nationalistischen und konfessionellen Hetzern Beifall : finden, Menschen,! welche die geistige Verbrüderung der Völker anstreben, werden es als eine Bedrohung der Kultur und des -Völkerfriedens verdammen. Ich stelle diese Behauptung gegen Ihr Antwortschreiben und fordere Sie, geehrte Herren, auf,, zu erklären, ob meine Schilderung' der' Verhältnisse den Tatsachen entspricht, und ob Sie gewillt sind, in Hin-- kunst jeder Juden- und Fremdenhetze auf Wiener akademischem Boden entgegenzutreten. Denn nur wenn Sie so zu handeln gewillt sind, dürfen Sie das Me Anbot der Oxforder annehmen, die dargebotene Freundeshand .erfassen. ,, . Ich kann dieses Schreiben nicht-schließen, ohne zur Ehre des hartbedrängten' österreichischen Volkes hervorzuheben, daß es im Kriege trotz intensiver Hetze und' int Frieden, trotz härtester Not weitestgehende Gastfteundfchafi geübt hat.. Nirgends-sind die Angehörigen der feindlichen Staaten so human behandelt worden wie gerade in Oesterreich. Das österreichische Volk legt itt seinem Verhalten gegen Fremde eine Herzenskultur an den Tag. welche umso höher einzuschätzen ist, wenn man bedenkt, daß an den Stätten der Wissenschaft Juden- und Fremdeiwerfölgirng betrieben'wirk : - * 7 Höchächterw. . Ingenieur Robert Stricker, - Präsident der zionistischen Partei Oesterreichs. * Dreier offene Brief wurde den Rektoren und Professoren btr österreichischen Hochschulen vorn Autor durch die JBöS* «msrirwöet. " " zur Brüsseler Konferenz * Derliir, 6. Dezember. Wolff.) Bet dem Vorsitzenden der deutschen Fnedensdelegation in Paris ist gestern eine Note, eingetroffen, worin mitgeteilt wird, daß die technischen Sachverständigen der Verbündeten sich am 13. d. M. vormittags in Brüssel zum Zwecke eines vorläufigen Studiums der Frage der Wiedergutmachungen vereinigen werden, die Deutschland nach dem Verttag von Versailles zu leisten verpflichtet sei. Die Sachverständigen, die der Zahl nach zwei für jedes vertretene Land betragen werden, werden einen Bericht an ihre Regierungen erstatten und das Protokoll ihrer Sitzungen wird dem ' Medergut« machrmgsausschuß mitgeteilt werden. Da die Sach« verständigen der deutschen Regierung mit jenen der verbündeten Mächte zusammen tagen sollen, möge« die Namen der Bevollmächtigten der deutschen Regie« rung mit größter Beschleunigung mitgeteilt werden. * ’ "! Von unterrichteter parlamentarischer Seite.wird hiezu mitgeteilt. daß morgen ein Habmettsrat statt« finden wird, der sich mit der Einladung der Entente befassen soL hebräische Sprache in Palästina. London. 5, Dezember. (Tel.' der,.Wr. Morgenztg.-) Jy der Mittwochsitzung des Oberhauses stellte Lord Treawan an den Minister des Aeußern folgende Anfrage: Ist es richtig, daß das Hebräische, welches die Spräche von weniger als zwei 'Prozent der kleinen jüdischen Bevölkerung in Palästina ist, zu einer offiziellen Sprache gemacht wurde? Ist dies von seiten der zionistischen Kommission geschehen im Interesse der neuangekommen Immigranten. aus Zentraleuropa? Kann der Minister des Aeußern angeben, welcher hebräische Dialekt zu offiziellen Zwecken angenommen wurde? Sind in Anbetracht der Tatsache, daß das Englische an die Stelle des Türkischen als offizielle Sprache .ebenso wie das Arabische getreten ist, Grundlagen vorhanden, welche die Ausgaben und 11 nbequemlichkeiten einer doitten offiziellen Sprache rechtfertigen? Zur Erklärung seiner dritten Frage sagte Lord Treawan: Soweft ich informiert Lin, wird das Hebwische, das heißt die rabbinische Sprache, in Palästina nicht benützt. Die jüdische Bevölkerung in Pafästina spricht hauptsächlich, einen spanischen Dialekt, welchernach der- Vertreibung, der Juden aus - Spanien in die Levante gekommen ist. An zweiter Stelle wird eine Sprache gebraucht, . die eine Art Hebräisch darstellt, das mit Deutsch stark gemengt ist und unter dem Namen „Uiddish,, bekannt ist. Aus dem polnischen Sejm. Warschau, 5. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgen- Zeitung".) Der polnischeSejm führte in seiner letzten Sitzung di? Debatte über den Vprfassüngsentwurf zu Ende. In die'Debatte griff von jüdischer Seite zunächst Dr. Th p tt ein, welcher sich mit den in den letzten Sitzungen gehaltenen Hetzreden befaßte und insbesonders die vom Abgeordneten Lutosl a tv s k i vo^gebrachten Daten Über die Kriminalstatistik der Juden düs Grund authentischer Beweise aus Polnischen'Quellen als falsch brandmark!«. Ebenso bewies Dr. Thon, daß Ludoslawski in seinen Reden Talmudstellen falsch zitiert oder erfunden habe. Der. Deputierte M a c i e j e w i c z, welcher nach Dr. Thon sprach, verlangte zur Aufklärung der polnischen Oeffentlichkeit die Uebersctzung des Talmud ins Polnische! Sehr lebhaft war' die Debatte über den Artikel'130 Verfassung, in welchem vorgesehen werden soll, nötigenfalls im Interesse der öffentlichen Sicherheit die bürgerlichen Rechte der persönlichen Freiheit, der UnverletzhaWit st der Wohnuntz, der Preßfreiheit, des Btiefgeheimn'sMs usw. auszühe^en, also den Ausn ä hnt s z u stand zu proklamieren. Der Abgeordnete Wesnzieher lvies darauf hm, wie gefährlich eine solche Möglichkeit ist, welche alle bürgerlichen Freiheiten im Falle eineä' ÄusncllMszustandes aufhebt. Er wendete . sich gegen die Uebergriffe .der Bürgermeister, welche mit Berufung auf den Ausnahmszustand Unschuldige verhaften und willkürlich tm Gefängnis halteNi Seine Rebe gipfelte in dem Abänderungsantrag, daß durch die Verfassung die Preßfreiheit-als unverletztlich gesichert werde,'daß ferner'eine Einschränkung der bürgerlichen Rechtenur. bei Krieg, Kriegsgefahr oder inneren Unruhen, jedoch nur durch einen mit.Zweidritielmehryeit gefäßteü Beschluß des Sesm. erfolgen könne. Zum letzten. Artikel der Verfassung (Art. 131), welcher bestimmt,, daß eine Verfassltttgsänderung zum ersten Male nach 10 Jahren, dann erst nach 25 Jahren erfolgen könne, brachten die jüdischen Abgeordneten einen Abändorüngsantrag ein, dah'mlautend, daß die Verfassung nach der endgültigen Festsetzung der Grenzen des polni,chen Staates revidiert werden solle Diesen Antrag begründete Abgeordneter Hirschhorn, welcher unter anderem darauf himvies, daß die noch nicht erledigte Senatssrage nur durch den Willen des Volkes zu entscheiden sei, daß aber bet der jetzigen Zusammen" setzung der gesetzgebenden Körperschaft eine so wichtige Frage durch Zusallsutajorilüten entschieden werde Erst ein Sejm, welcher noch der endgültigen G.renzbestnr^ In Vertretung des Ministers -es Aeußern antwortete Lord Crawford: Das Hebräische ist gleich dem Arabischen und Englischen als offizielle Sprache aller zentralen Regierungsdepartements anerkannt worden und wird als offizielle Sprache in allen Städten und Distrikten Palästinas benützt, welche eine bedeutende jüdische Bevölkerung haben. Das Gesetz wurde von der Verwaltung angenommen als erster Schritt zur Verwirklichung, der Deklaration vom 2. November 1917 zur Unterstützung der Schaffung eines nationalen Heims für die Inden in Palästina. Wie bekannt, ist die Deklaration vom 2.. November zur Befriedigung .der, Bestrebungen. der Zionisten der ganzen Welt erfolgt, soweit die Regierung Sr. Majestät diese für wünschenswert und praktisch erachtet. Bei der Anwendung der Deklaration wird mit Recht darauf gerechnet, daß die B elebung der hebräischen Sprache eine wichtige Rolle spielen wird. Ich bin beauftragt, zu erklärest, daß die hebräische Sprache, welche offiziell anerkannt wurde, das klassische Hebräisch ist mit den Aenderungest, wie sie. die modernen Notwendigkeiten erfordern. Dre Zahl der jüdischen Bevölkerung Palästinas, welche hiHe besondere hebräische Sprache spricht, beträgt scheinlich 60 bis 70 Prozent. nmug gewählt ist, wird den Willen des Volkes richtig wiedergeben. Zum Schluß referierte Abgeordneter DnLano-. w it sch im Namen der Verfassungskommission über deren Vorschläge zu den Artikeln 35 und 36, .'welche den Senat betreffen. Nach dem neuesten Vorschlag der Kommission sollen vier Fünftel, des.Senats aus allgemeinen und geheimen Wahlen hervorgehen. Die verkehrspolitischen Verhandlungen mit Ungarn. . Budapest, 6? Dezember. (Ung. Tel.-Korr.-Dm.) Im Anschluß an die in Budapest geführten vorläufigen Wirtschaftsverhandlungen wurde die Beratung der oerkehrspolitischen Magen im Ministerium des Aeußern am 5. d. M. begonnen und am 6. d. M. abgeschlossen. An den Beratungen nahmen teil seitens der österreichischen Regierung Sektionschef Dr. Pichler, Ministerialrat Dr. Demartin und Ministerialrat Rinaldini, seitens der ungarischen Regierung der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister Wodianer als Chef der Delegation, der Sektionsrüt im Ministerium des Aeußern Falter, die Ministerialräte v. Deffewffy und v. Mattai sowie die Fachreferenten der Ungarischen Staatsbahnen. Im Laufe der Beratungen wurde die Frachtrecht s f r a g t geregelt. Ferner wurde ein Abkommen, betreffenb die gleiche Behandlung des gegenseitigen Personen- und Gepacksveckchrs,. bezüglich des. gegenseitigen Meistbegünstigungsoerfahreüs im Güterverkehr und schließlich in bezug auf die. gleiche Behandlung der Warentransporte erzielt. Beide . Delegationen gelaugten in den verhandelten Fragen zu einer vollständigen Einigung. Das Abkommen wird morgen unterfertigt nlerden. Der Bundespräsident. Die Frage der Be.fetzttng des Postens eines Bundes» Präsidenten für Oesterreich ist noch immer unoetlatt Nach wie vor steht die Kandidatur des Landeshauptmannes Hauser im Vordergründe der Kombinationrn. Die KsubS sind vorläufig nur in dem einen Punkt einig, dgtz ein Parlamentarier Kum Dündespräsidenlen .gewählt, werden soll. Jedenfalls muß die. Fratze rasch geklärt werden, da Mittwoch in der gemeinsamen Sitzting des NatronulcateS und des Bundeörates Klarheit gcscl>affen werden soll. Jin Parlament traten die Vertreten der Chrrstlich-- fozialen. und .b»ziaK»emolrzsten &v. einet gemeinsamen Be- 422935

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