Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 669 (5.12.1920)
- Date
- 1920-12-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 Wiek. Mütma- »jetzL fiebern sie danach', de« Acker pi bestellen, der heiligen Mutter Erde zu dienen. Mancher übernimmt st>gar in Wien schon schwere Arbeit, um sich das Geld Zur Uebsrfahrt zu verdienen. Zwei Brüder, Studenten, «üsten sich gerade, um Holz tragen zu gehen. Es ist Sitter, Ln Wien arbeiten zu müssen, aber alles, was weiterhilft, ist willkommen. Und es gibt nur eines, was die jungen Auswanderer niemals und unter Seiner Bedingung täten: zurückkehren. Das Paläst'.na-Amt sorgt dafür,, daß der Zwang dazu sich nicht ergibt. Dom Emigrantenheim gelangt man unbedingt ins Palästina-Amt, alle Fäden führen dorthin. Mari erfährt dort viel Neues und Inter- ' ssfantes. Daß der Nustvanderungsgedanke große Kreise ergriffen hat, wissen wir schließlich alle. Aber'es dürfte ' doch manchen überraschen, zu hören, daß seit dev Gründung des Palästina-Amtes (November 1918). 17.000 Personen sich seiner Vermittlung bedienten. Man fördert «atürlich Ln erster Linie die jungen, ledigen Leute, unter denen sich in letzter Zeit auch Gruppen von Mädchen befinden. Die Mädchen werden allerdings in der Regel Lecht bald iunze Frauen, was sie aber nicht, hindert, ihren Pflichten als Küchsnleiöerin, Wirtschafterin oder Geflügelzüchterin redlich gerecht zu werden. Die Palästina-Auswanderung ist selbstverständlich Dicht nur eine Gefühlsfrage, sondern sie ist auch eine praktische Frage. Behält der Hauptstrom der jüdischen Auswanderer seine Richtung über Wien, so kann dös für die Stadt von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung werden. Es war ein bißchen schwer, Las den hiesigen Behörden klarzumachen, aber der klugen Leitung des Wriästma-AmtrS ist e? gelungen, das Kunststück zuwege stu bringen, und dir Auswanderer finden darum willige Unterstützung. Freilich, beim eigenes Bolke gibt es der Fernstehenden und Gleichgültigen immer noch genug. DaS find die Leute, die nicht verstehen, welches Feuer in den Menschen glüht, die sich um den Schalter der „Transport- Anstalt drängen, die die Palästinenserin nicht begreifen, die nach dem Tode ihres Mannes zur Ordnung ihrer Erbschaftsangelegenheit nach Ungarn fuhr und jetzt wieder „nach Hause" will, das sind die Leute, die ein ^freies Judentum nicht verdienen, weil sie nie, nie- Wal? die Sehnsucht danach erfaßt hat. K. M. Zionistisches Landesksmitee. . Morgen. 3 Uhr abends, tat Caf 6 City. H.. PsrzrLanßLstt 1 (3öutntöm\ SitznngdeS erweiterten öaudeskomltees. Tagesordnung: Bericht der Nefnrrite«. Schttstliche S nladungen werden mchl versendet. Was ist aus der Daran tzirsch-Schwlstiftrmg geworden? In einem „Brief aus Kleinpolsn" beschäftigt sich Dr. M. S i m s o n in der .Hazefirah" mit dem Schicksal der Baron Hirschschcn Schulstiftung für Galizien. Be- Lanntlich hat Baron Hirsch, bevor er noch di« „Jea" ins Leben gerufen hatte, eine Schulstiftung für Galizien mit dem Betrage von zwölf Millionen Kronen gegründet. Diese Stiftung hatte über Vorschlag der damaligen Führer der jüdischen Assimilation Dr. Güdemann, Dr. Ster«,, Dr.. Byk und anderer den Zweck, den tzalizischen Juden, welche zu jener Zeit ihre Kinder Licht gern in die Volksschule schickten, BoMschulunterricht und für die Mädchen Handfertigkeitsunterricht zu bieten. Es wurden tatsächlich in Galizien und in der Uukow'na fünfzig Schulen errichtet und besondere Kurse für Mälchen in§ Leben gerufen. Die Knaben wurden «ach Beendigung der Volksschule entweder zu Gewrrbetreibenden in die Lehre gegeben oder auf die Ackerbaukolonie in Sl o bobka gebracht, um in die Landwirtschaft eingeführt zu werden. Dies« Schulen hatten, wenn fte auch nach vielen Richtungen hin nicht allen Anforderungen entsprochen haben, immerhin viel Gutes tzeleistet. In den letzten Jahre« ivurde ein« Schute nach der «.«deren geschlossen mit der Begründung, daß die betreffende Schule in dem Ort« ihre Mission erfüllt habe, da die jüdischen Kinder sich bereits an Lew normalen Schulbesuch gewöhnt hätten. Die durch die Auflassung solcher Schulen krei gewordenen Beträge wurden zur Aufbesserung der Bezüge der Lehrer oder zur.Errichtung von ständigen Schulhäusern usw. verwendet. Nun ist die ganze Baron Hirschsche Schulstiftung in eine katastrophale Lage geraten. Das Kuratorium der Stiftung hat. wie Dr. Simson feststellt, bas gesamte Stiftungsoermö ^en in verschiedenen österreichisch n Kriegsanleihen angelegt, deren Wert oder Wertlosigkeit bekannt ist. Sämtliche Schulen der Stiftung wurden ge s ch l o s sen. die Lehrer sind förmlich subsistenzlos geworden, manche von ihnen, wie zum Beispiel der hebräische Schriftsteller Jizcho? Fernhof, find Hungers gestorben und die armen Schulkinder, wrlche aus den Mitteln der der Schulstiftung «ngegl'edertrn Baronin Hirsch-Stiftung bekleidet wurden, müssen jetzt dieser Unterstützung entbehren, obgleich sie gerade jetzt auf sie am meisten angewiesen wären. Auch die jüdischen Mädchen haben ihre Kurse nicht mehr. Dr. Simson gibt der Befürchtung Ausdruck, baß die Baron Hirsch-Cchulstiftung für immer als verloren u betrachten sei. Jedenfalls wäre es nicht ohne Interesse zu erfahren, wie es eig-ntlich um diese Schulstiftung steht, welche Einkünfte sie noch hat und .«wM verwerchet werden. %e _^ ^_ Wltmv MvrserlzekLurrg MitleiluMH aus dem Publikum. Statt jeder besonderen Anzeige! Me Reisier Leo Tisser empfehle« sieh als Verlobte. Wien, iw Dezember 1920 Mööel q. Innen- I CDIDIl Dekoration •■drlllll f* £rSs3ter /«strafe!. Ktrr ged/efeae Ißiß51, ÜIL, Slß&ßfiSlßfiljj}« 1 0. 2 ilt Enrenjatoe. (Ecke Karl Schweißhofergasse). <T$ßeim£& yi.MARIAHItFERSTRASSE IW. 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Frau oder FräuSein •wird zur Ueberwachtmg eines vornehmen jüdischen Haus* halte und zur Stütze der Hausfrau nach Antwerpen ffesuoht Für alle Arbeit ist genügendes Personal vorhanden. Gut! Behandlung und befriedigendes Gehalt zueesichert Bedingung! Kenntnis der französischen Sprache. Mit Lichtbild versehen« Offerten sind zu sichten an die Adresse: Samuel B. R o s n e r, PS$fty&», Kurort (Tschecho-Slowakei), Villa Blau. «stz ~ SPE32KALHAUS für feine ~~ S Wirkwaren und Sportartikel J« Rosenberg, Wien, Vf., Mariahiifersirasse 81. ««« Aufruf! Salonton RcSso, Sohn des Ascher Refss, geh. 1898 ln Nislco (Galizien), weilte bis April 1919 In Wien. Hamsterte Lebensmittel aus Ungarn. Letzte Nachricht April 1919 aus Wien, dass er nach Budapest fahre. Seither verschollen, «ost Wer etwas über dessen Aufenthalt weis9, woPe gegen gute Belohnung S Reiss, U.>Qr.Stadtgutgag»e7/18 verständigen. Sämtliche jüdischen Zeitungen werden um Nachdruck gebeten. Der Verein *EREZ ISRAEL* veranstaltet Montag den 6. Dezember LJ. in A Kadrmanns grossem Festsaale, Prater 92 (neben Lustspieltheater) eine K-LMWSeckler unter Mitwirkung folgender Kunstkräfte: Oberkantor Gibltchmann (Pazmaniten-Tempefj Prof. Dr. Wilhelm Stein (Festrede) Rudolf Bandler (Mitglied der Vo'ksoper) Ober egisseur Egon Brecher (Theater m der Josefstadt) „Jeschaiahu“ (Sänqrcr aus Palästina) Frl. Rose Wagschal fMitglied der Volksoper) Chor des Pazmanlten-Tempels unter Leitung des Chordirigenten B» Hirschmann Beginn: halb 7 Uhr abds. Saaleröffnutig: 6 Uhr abds. Der Saal ist geheizt Entree: K 50.-, K 30—, K 80.- Ein Teil des Reinertragnisses Messt dem J. N. F. au Karten rloil a ktln: SS* Zirkiissjossc 33, PaläsHna.Anrt, I., Bsternmtrkt 74, «Wiener Morgenzeitnnjr», H . Taborstrasae 1 —3, Verlcanfaatelle des l N. F.. II.. Schmelz* rnsse 7, Delikatessengf scbSft Josef Fnjreltnwin, II, Schiffamtsprasse 4. TfaftBterfeartenbnrcau «A?da», II., Taborsfraase 1—3. Verein «EREZ ISRAEL, EI., Stuwerairaase 1 ICaffi Winkler) und bei sSmtliefeen Verelnsmitgüederu #613 1» -- — —— -—————. Das Schrätteln. Von M. SpeLtor. 7. Wenn man Mojschele fragen würbe, wen er am Neästett habe, er würde sofort antworten: «Vater und Mutter und . die silberne Lampe." ES gab für Noisckele keinen schöneren, froheren R««* tag» als den, da man die silberne Lampe hervorholke und die Chanukalrchter anzündete. Wenn die Mutter die Silber» lampe zu Ehre« des kommenden Festes putzte, da wurde Mojschele gleich froh und springlebendig. Denn eine fröhliche, Zeit, eme herrliche Zeit beginnt für ihn; liebevoll strerchelier die silberne Lampe und plaudert traulich mit dem vergoldeten Löwen und. den ^wei Böglern zu seinen beiden Serien., die die Wand der sshanukalampe zieren: „Morgen ist Cbanuka» der Baker wird die Chanukalichter anzünden und wir merden es so gut Haben, so^lustig!" — so spricht Mojschele. zu de« /Löwen und den Böglern, die er fröhlich umtanzt und streichelt. Und es war wirMch gut und lustig. Der immer bekümmerte Bater wurde gut und werch. wenn er das erste Flämmchen in der Chanukalampe entzündete und mit freude- - Heller Stimme den Schenslpruch sprach. Die Mutter stand, dabei und tagte diesmal Mojschele nicht von ihrer Schürze weg. an der er sich so gern anhält, um sich schmeichelnd an die Mutter zu schmiegen. Der Vater hat den Segen über die Lbanukalichter za, tzrnde gesvrochen und ruft: «Mojschels, komm' einmal Herl". . Mojschele läßt Mutters Schürze und läuft zum Vater» »Willst:bu tlhanukageld?" — fragt der Vater?>nd ahne MojscheleS Antwort abzuwarten, greift er tief in die Täsche und nimmt langsam einen Rubel heraus. „Da hast du. Mojschele, einen ganzen Rubel als Chanukageld. Nächstes Jahr, so Gott will, wenn du schon ein großer Junge sein wirst, da werde ick dir zwei Rubel geben/. Und der Vater streichelt ihm die Wange, die Mutter gibt ihm einen Kuß. i Mojschele betrachtet mindestens zehnmal den „ganzen" Rubel. (5'C Inufr durch das Z'mmer. stellt sich zur Cbannka* l lnntt'e hin und betrachtet noch emmai den „ganzen"- Rubel.