Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 666 (2.12.1920)
- Date
- 1920-12-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4' Men. Donnerskats sich, daß mkt Rücknckit ans die dieser Frage für daS Staatsff bridget iiinewahricnde Tedeutung die österreichische Skktion über alle Aender ungen in den amtlichen Preisbestimmungen füc Lebensmittel vorher unterrichtet werde» Keine Ssterreickische Gesandtschaft in München. > DaS^V'nlm'r Tageblatt" br ingt dm Wimcr Meldnufi.- «ach der d-e Eir chtung emcr pflcticufn cf eit Ge'andti a t in Miinchm pevlmt ie». Me de ,Pc>Iticln Ker>t'pond nz" Hir n -on 'n ormierter Stell« erälnl, enlbchrt dies« Mkl>ung ir'rr G'unolaae. Es ist wed-'r an die Eiicki'nng einer ö'teir ichi'tbrn Gelandrschüt in München g-d'cht noch eine orgmüsa ori'che Arnd-rung des ö»1errc«ch sclen Gen rellonsuln es in München in AnSstchl ge vmmen. M t die'er Frststclluna stnd auch d'k an die erwähnte Meldung gclnüp-ten rer'onrllen Dnmuttwgen hrn ällig. Brief aus Bulgarien. Die Poli ikche Führung in Bu^ganen Nett in den Händen der Baue'nparle', welche mit 112 Mandaten im Parlament die starke Mehrheit repräsentiert. Außerdem sind in der aesetzg'beuden De sammlunz die Kommunisten mit .49 Mandaten vevt et'n, denen nur 9 .Sezialdemokraen gegenüberstehen. u?rg führ 50 Mann starke G uppe der Bi'rr^e lichen ist auf drei Parteien verteilt, so daß di se nicht allzuviel Stoßkraft besitzen. Die Partei der Kommunisten setzt sich, da es ein entwickeltes Proletariat in marxistischem Sinne im Lande nicht gibt, aus Kleinbauern. Ar- Leitern und kleinen Gewerbetreibenden zusammen, es ist die Partei der Unzufr'edenen, welche infolge der allgemeinen Entwicklung in ihrer ökonomischen Lage zurückgeschraubt wurden. Ihre Tat'gkeit äußert s'ch namentlich ln Streiks. So hat dep vorjährige Eisen- Lahnerstreik ganze 45 Tage, gedauert, aber schließlich mit einem Siege der Negierung gemdigt und auch ein vor einiger Zeit unternommener Putschversuch der Kommunisten ist völlig gescheitert. Die herrschende Dau-'rnpar ei .kennt keinm ofsi- Ziellen An ii'emitiZmus. D e gese"gLüerische Tätigkeit jedoch, welche sich in erster Rühe gegen den Handel richtet und den Authau der Ba uernkpoperativen anstrebt im Lan>e herrscht eine Art von Staatsfozialismus — betrifft in erster Reihe die Inden, di« naturgemäß stark im Handel vertreten sind, und in letzter Zeit -eigt sich unter den vermögenden Juden eine starke Tendenz der Auswanderung. Daneben ist der allgemeine Drang nach Palästina sehr stark geworden und das zionistische Zentralkomitee ist machtlos gegenüber dem Drängen der auSwanderung-lustigen Masse. Was die ökonomische Lage der Juden betrifft, von denen der groß e Tejl in der Hauptstadt Sofia wohnt, so ist diese im allgemeinen nicht günstig. Di« zionistische Organisation unter den 50.000 bulgarischen' Juden ist rela.iv sehe stark und eine organisierte antizionistische Bewegung besteht im Lande nicht. Es gibt wohl eine jüdische sozialdemokratische Partei, die aber gegenwärtig über keinen irgendwie nennenswerten Anhang verfügt. Bei den vor sechs Monaten abgehaltenen Wahlen zur jüdischen Ceu.einde in Sofia wurk« ein rein zionistischer Vorstand gewählt der aus elf Mitgliedern besteht. -Die Wahlen sind allgemein und auch Ausländer haben das Wahlrecht. De Gemeinde erhält zwei jüdische Schulen (Volks- und Bürgerschulen), welche von einem aus Proportionalwahlen gewählten Schulkomi.ee von fünf Personen gel i er werden, und das gegenwärtig gleichfalls aus lauter Zionisten besteht. An zionistischen Organen erscheint der „Haschofär" in Sofia (kpamolisch und bulgarisch). Organ der ziouistischen Oreanisanon, weiters die hebräisch und bulgarisch geschriebene Zei sch ist der jüdischen Ingen', organisa.wn ,Hai»vri Ha air" und schließlich die bulgarische Monatsschrift „Maltabi" in Rustschuk, das Blatt der jüdischen Turnerschaft. In Sof a besteht ein Pa'ästina-Emigrationsvercin. ferner die Bu garo-pali stiae.l,ische Bank mi: einem Kapital von 2(),0U0.000£cna, welche bestimmt ist, den Handel zwischen Bulgarien und Palästina zu fördern und für ihre 250Ak io:iiire Läufe eien i.t Pa äst na an u auseur Diese Bank, weiche cinen lapi allst,chen Charaiile: trügt, stößt unter der jüdischen Bevölkerung auf vielfache Gegnerschaft und es best hen Mehrere proletarische Pgiästina-Eniigraüonsvcreine, von Leuen namentlich der Verein in Haskowo von Bedeutung ist. In dieser Prvvin-.stadt ist die ziouistiiche Bewegung sehr stark und es ist bemerieuswect, daß die Jugend, dort völlig Hebräisch spricht. Im Scp.ember fand, w'e bereits gemeldet, ein aN g e m e i u e r i tt d i s che r Ko: gef; sta t. dessen Delegier.e auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes mit Einschluß der Frauen gewählt wurden. In der von dem Kongreß gemäht.en Lxelut've von sieben Pe.foncli haben gleichjalls die Ziotriften die Mehrheit. Waffenstillstand auf der litauischen Front. , Paris, 1. Dezember. (Funkspruch.) Am 80. Noiember wurde ein Wasi'ensiillftand zwischen den lita ratschen Truppen und den Truppen des Geucrais Z i e l i g o ws k L unterzeichnet. Wiener Morge«zeitu«g oller Art liefern rasch und billig W en, fl., Praterstrasse 561 a. GINSBERG & co.' Eine Flnanzvebalte im polnischen Sejm. Warfch-u 39. Nevember. (Tel. der „W'en'r Morgenzeitung".) In 1er letzten Sefmsitzung wurde der Antrag der Budgetkomm'.ssion verhandelt, die polnische Lan^esleihknsse zur Ausgabe neuer Banknoten zu rrmächtigrn. Der Refevrnt. Abgeordneirr Gawlikowski, führte aus. daß bis zum 2Y. November die Landesleihkasse Noten in der Höhe von 40' Milliarden Mark emittiert habe. Zur Deckung des Budgets bis Ende 1020 se'en noch 8 Milliarden, zum Einkauf von Lebensmitteln im Ausland 9 Milliarden Mark erforderlich.. Von diesen 17 Mttiar.e r seien bloß 2 Milliarden Mark durch Anleihen gedeckt, so daß der N-ft durch Ausgabe neuer Noten gedeckt werden müsse- Üeber den Antrag entspann s'ch eine lebhafte De' batte, in welcher der Abgeordnete Stapinski dir Finanzwirtschaft der Regierung heftig angriff. insbesondere darauf hinwies, daß riesige Summen für unnötige Aemter und Beamt? ausgegebrn n* drn, daß jedoch die für das Wirtschaftsleben des Staates nötigen Institutionen, wie zum Beispiel die Bahnen, gänzlich verwirtschaftet sind. Auch der sozioldemofratische Deputierte Weinzieher kritisiert: die Papirrgeldwirtschaft der Regierung, während zur Hebung der Produktion nichts geschehe. In den einzelnen Ressorts herrsche Mißwirtschaft, das Kricgemin'fterium gebe Milliarden aus. welche durchaus nicht der Landesverteidigung diene i. Weinzioher wies auch darauf hin, daß für die Anstellung von Bealnten nicht die Fähigkeit, scndern privater Einfluß maßgebend sei, und fuhr dann fort: ,4Bet den sch're en Verhältnissen müssen all: Kräfte ansgenützt werten, um die Produktion und damit die Staatsennahm-en zu erhöhen. Jede Möglichkeit muß ausgeniitzt werten. Aber uns.re Reg'erung ist zu t;e:r Erkenntnis noch lange nicht gekommen. Mehr als drei Millionen Juden, darunter fähige und arbeitsame Element?, gibt man keine Möglichkeit, zum Wähle des Staates zu arbeiten." Der Soz'ald.mokrat D iam a ud befaßte sich hierauf mit-dem Süydenregister d.)s abgetrete en Fiüanz-- ministers .Grabski . (auf dessen. Portefeuilje er sen e^grit: vergeblich gespitzt hatte). — Zur V.rE-igung der vorgeschlagenen Maßnahme brachte der Vertre e: des Finanzministeriums . Dr. Wein selb vor, daß der Krieg 'an den großen Ausgaben schuld gewesen sei.. 80 Prozent aller Ausgaben Hai der §kri2g erfordert; sie haben 36 Milliarden betragen. Die Aufbauanleihe hat bis 25, November 6 4 Milliarden Mark', die amerikanische Anleihe 17 Millionen Dollar gebrachti Durch diese Anleihen sind 10 Prozent d-er Ausgaben gelelt ' worden. Der Rest muß durch die Not.)nemission gedeckt werden, sonst droht eine Katastrophe. Da man den von der Front ins Innere des Landes gebrachten Truppendeilen dir Löhne nicht auszahlen kann, ist ihre Stimmung k ine gute. Der Antrag der Budgetkomm'ssion auf Ausgabe neuer Banknoten bis zur Höhe von 55 Milliarden Mark ivurde angenommen. Die internationale Stellung Oft« galiziens. Die Weftr k aiischr Prrsstagentur metdet: Von besonderer Seite sind ni: ermächtigt, sestzustellen, daß die Ä. schauung der polnischen Kreise, Polen hätte vom Oberste» A.Uertenrat dt, wenn auch nur provisorisches Mandat zur Einsührnng d r k n^a^ionsvecwrttnng i t Ostgalizien erhalten, unrichtig s i. Es muß festgestellt werden, daß der Oberste A Uertenrat durch fite Entscheidung vom 25. Juli 1919 Polen nur die Erlaubnis ertdite, seine militärischen Operationen bis zum ZbruLcz-Fluß auszttdehnen, und durch s.ine Entscheidung vom 11. Juli 1919 Li: polnische Regierung zur Einführung einer provisorischen Verwaltung in Ostgali'im unter der Bedi rgung ermächtige» wollte, daß Polen vorher ein dementsprechendes Ä k mmen mit den Entei.temächten a^schließt. Mit Rüa,i t darauf, daß Polen .ein s-)lch's A k'mmcn nicht abgeschlossen hatte, ist der Oberste A.'iiertenrat in Spa am 10. Juli 1920 bei seiner bisherigen Entschddung geb i beit. A \ Gmird Lessen richtete am 11. Juli 1920 der englische Minister des A nßern, Lord C u rz o n. an T s ch i tsch e rin in Ramcn b*t Ententemächte eine Note, in der er den Text des zwischen Polen und Scwi.'t' uVa >d pros k i rten Wassm'.illstandes anführte. In dieser Note wurde in bezug auf Ostga i,ien folgendes c.l '.rt: „Zwischen Polen und Cowjetrußland wird cl t Waffenstillstand unterzeichnet. In dem tt bezüglichen A - k mmen wird vorgd-'hrn. daß die po'.^ is he A .nee sich unverzüglich aus die in verflossenen Jahre ans der FriedenSk nferen; als provisorische Grenze in Osten festgesetzte Linie 'urürkziehe» wird, t» deren Bereich Polen zur Einführung einer polnischen Verwaltung betechligt wurde. Diese Linie verlaust nng.'sähr siüer Grodno, Wapo. k, Niemirow, Brest- Litvwik Doeontuch, Nd uh, ö' i) von .^rubeschow, Krhliw, westlich von Nawartiiki, östlich von Przeinhsl lir zu den Karpaih n." Ti s^lbe ^n sch tbtrg wn.d: vom 9.' i i ecB o n a c Law in Vertreluno dcö ^eeuliers Ltoyb George namenS der englischen Regierung i.« eng.ijchen Unterhaus an: 14. J»lt Ä Dezember lS20 Nr. 666 1920 verlautbart. In dieset Entscheidung der Entente, dir auch im Namen PolenS vom Mi', iterpräsidenten G rab skr unterzeichnet ist, wurde ganz k ir festgestellt, daß Ostgalizicn^ östlich der vom Obersten A ii.'rtenrat als provisoriscbe Ostgrenze Polens festgesetzten Littte liegt. Die Fra^e des PafAstkna-MandatS. Lrrt>on, 20. November. (Jüd. Korr.-Bur.) Sir Philipp Magnus richtete in der gestrig«« Uuterhaus-- sitzung eine Anfrage an den Ministerpräsidenteu. ob »r bereits in der Lage sei, zr; erklären, tvaun di: e cdgültigen B stimmungen des Palästina-Mandats ver-- össcnll'.cht werden können. Ilnterstuatss-kre.är Mr. Har ms wor th erwiderte, man werde hoffentlich in Kürze den Entwurf des. Mandats fertigstellen und es d?m Rate des Völkerbundes anterbreiben. Er sei aber noch nicht in der Lage, den hiefür in Aussicht genommenen Zeitpunkt' genauer anzugeben. Bis dahin kommt eine Publikati-otr - nicht in Betracht. Eine weitere Anfrage von.Sir I. Di- Rees, ob bas Mandat von der britischen Regi-crung ausgearbeilet wird,'und ob der Völk^xbund etwaige Ein< wände gegen manche Blstimmungen «rhrleu könne. 6«*' antwortete Mr. Harmswörth im ersten Ddl bejahend, während er den zweiten T«il nur als Anfrage zur tank nis nahm. Die amerikanischen MiSrachisten und Palästina^ Valtimore, 28. November. (Jüd. Korr.-Bur.) Die ' hier tagende Misrachi-Konserenz beschäftigte sich mit der Frage der praktischen Arbeit in Erez Israel Mr. Bublik» der eben aus Palästina zurückgeketzrk ist, erstattete einen Bericht über die gegenwärtige Lage der Kolonisierung und bemängelte sehr die jetzt üblichen Methoden. Er wies darauf hin, daß gegenwärtig nur drei Prozent des palästinensischen Bodens in jüdischen Händen ist. Die Konferenz nahm eine Resolution an, m allen misrachistischen Zentren Gesellschaften zum Einkauf von Boden in Palästina zu organisieren und Privatkapital hinzuziehen. .Gleichzeitig wurde beschlcssen, daß die Misrachi-Organisation eine Gesell» - schüft mit einem Kapital von 250.000 Dollar für - Hauserbauin Palästina zu^ gründen hat. Die Sub»/ r skriptionen zu diesen Zwecken erreichen bereits eins Höhe von 1i/s Millionen Dollar. i , C rmiÄs Informationsreise nach Europa. Paris, 1. Dezember. (Korr.-Bur.) Der amerikanische Senator Mac Cormick erklärte dem Londoner Berichterstatter des „Matin" gegenüber, seine Reise nach Eucopa dürfe nicht als eine politische aufgefaßt werden. Er beabsichtige vielmehr durch eigenen Augenschein die bisher geleistete ungeheure Wiederaufbauarbeit in Frankreich'und Zentraleuropa kennen zu lernen. Sein Aufenthalt in Europa habe ferner das Studium der gegenwärtigen wirtschaftlichen Gesamtlage der alten Wett zum Zwecke. Er werde nächste Woche in Paris eintreffen und-sich sodann nach Genf begeben, von wo er eine Reise durch Deutschland. O e st e r r e i ch, Polen, die Tschecho-Slowakei und Italien unternehmen werde. ' Eisenbahuerstreik in Norwegen. Berk'«. 1. Dezember. Die „Deutsche Allgemeine . Zeitung^ mddet aus Christiania: Die Etabayner und die Führer der Landesorganisation haben in der letzten Nacht den Streik b-:schlossen. Vermittlungs-' versuche von privater Seide blieben erfolglos. T«r Streik beginnt heute früh. Gegen die „Orgesch". Derl'n 1. Dezember. D.'m „Lokalanzeiger" zufolge, sind im Zusammenhang mit dem Borgehen des Berliner - Polizeipräsidenten gegen die Zeitfrenvillis.« tformation-:n ähnliche Aktionen im ganzen Reich, eingelciie^ worden. So wurden bei len Slbstschutzorgariisation/n in Mecklenburg, bei dem Jttngdeutschen Orden in Hessen und bei anderen Vereinigungen Hausdurchsuchungen vorgenommen. Zieligowski assentiert. Warschau, 30. November. (Privat.) Das provisorische NegierungSkomitee von „Zentrallitauen" verordnet: Auf Gmrrd des Artikels 3 der provisorischen^ Berfas,'ungsbestimmungen über dis Militärdienstpfticht und des Dekretes des Oberkommandieren et vom 1. November 1920 werden in den Kreisen Wilna, Sweuzany, Osmiany und in den Gemeinden Troki, Landwarowa und Nudziska des Kreises Troki die in .den Jahren 1899 und 1900 geborenen Mänrier zum Militärdienst einberufen. Das Grenzschutzgesetz inFinnland angenommen Hels'ngforS 1. D zember. (Tel.-Komp.) Der finnische Reichstag genehmigte g.stern das Gesetz d:n^ Grenzschutz mit unbedeutenden Aenderun.zen. Vs annt-/ lich war die Ablehnung dieser Gesetzesvorlage vor zrr-i- Wochen die Ursache des Demissionsgesuches der Regierung. Berufung von zwei Deutschen ins Prager Ka inett. Pmg, 1. Dezember, (Privat.) Der hmt'g? „Cas" verzeichne: die Meldung, daß in da) Mi>'.ist,'r.uui zwei Deutsche berufen werden sollen. Die tschcch schon Agra ier verhehlen nicht ihre Absicht, in eine Jntercssenverbiudung mit den deutsch?» Ag ar'ern c'nzutreten, um ein Gegei:g?wicht der soziaipemolratisch'en Konzen.racion zu schassen.