Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 662 (28.11.1920)
- Date
- 1920-11-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«Seite 67 Wien. TormtaA •* —--rj*c C^niTrTltrnTT''Tr*ff^*™MT^r*™*^*-^l‘~r —-—( -1|-1 j- -- — nj|i«ir—turwfUfflwnrT—nr— /',, Tagesbericht. Unlauterer WettSetvsrd. Tensationsbedürfnis der „Arbsiter-Zeltuns* - Die neue Opposition der So-'aldemokratir grgen den christlichen Kurs arbeitet in ihrem Kampf echt öÜLdreichisch -weniger mit der Sachllchlrit als mit der AufpeiMung der Srnsationslu?^ Man muh sich nach frechen Schlagern mnsehrn, und waZ der schlägt es, wenn man dabei fröhlich drauilos-anti'em-.t? Seil neuester Zeit wirst man sich dort, bie Herrn RrnnerZ letzte Rede ' beweist, im Köntiollorm des chrrtzlichsos'alen Antisemitismus . aus. was mehr lohnend und bequem als sozialistisch ist. Gestern broütielte die Abendausgabe der „Arbeiter-Zeitung" mit einer. Zeichnung, die matatis wutsaäis auch den „Wiener Stimmen" ,'Ur Sbrs gereichen konnte. Der christliche Kurs deZ StaatZka» lers Mayr wnd in einem Bilde angezweiselt, das den vorgestngen Bresie*- empfang darsirllt und ein paar 2 ournal« sirnvsiagen k la „Kikmkr * zeigt, dir sich als Vertreter der Wiener „Iudenvreffe" präsentieren. Man weiß zur Genüge, wie wir zu dieser Presse und ihrem Judentum stehen, das gesinnungsüst penug ist. um sich aelegmll'ch auch in den Dienst der anlnenüli'ämr Reaktion ru Ham'e. und draußen ju stellen. Aber gerade daZ Indische an diesen Leuten zu betone« and ktw'kamrijri'ch zu entstellen, ist vom Standpunkt der «Arbeiter-Zeltulka", die ja auch ihren Austerlitz hat, eine offenkundige Frivolität, dir wie ein Wettrennen mit der Antiseinitt-n-. >res;e aussirht. . 14Ä Waggons Mehl beschlagnahmt. Die öffentliche Ausspeisung gefährdet. Gestern bat Gemrinderat Arof Frankel in semer. Eigenschaft als P'.ä'i-wnt ddr W-ener ösiertlichen Aus peffungs- BetriibSgesell'chatt dem Bürgermeister berichtet. Las; ungeiähr MO W a g g o n S M e h l. die von der Ausweitung als Winker- Vorrat im Lagerhaus der Stadt Wien sich befanden, vom BolksernahrnngZamt beschlagnalimtund iürdieBrotberritung verwendet wurden. Die ösientliche Aussprrsung wird in den von der Gemeinde Wien errichteten 23 großen Küchen gekühlt und von tausenden Personen täglich benützt. Für Heuer hat sich die vffenkliche AusPeuung für einen großen Ansturm vorbereitet und daher die erwähnte Mchlmenge angcmZtmelt. Von deren Benutzung.ist die Ausrechkcrhaltung der Ausspeisung abhängig. Drr Bürgerm erster w:rd im Smnr des von Gemerndcrat Professor Frankel gestellten $(«■» suchenS beim Volksernalirungsamte vorstellig werden und alle SchritteuMernebrucn, damit in kürzester Zeit die Rückgabe dieser Mehlruenge erfolgt. Sollte, d es wider Erwarten nicht erreicht Versen, so müßte dir Ans peueaknou eingestellt werden. Die SicherheLLsVerhLLtRisse Ln Oesterreich rmd Len SiegerstaaLerr. Aeutzeruregen des Polizeipräftdeuten S6rsber. Der von uns gestern gemeldete Vortrag des Hofrats Dehrn nl im Niederösterreichischen Gewerbeverein?wurde durch interessante Ausführungen des Polizeipräsidenten .Schober eingelertet, der cmSfü^rte: Äeiner Ansicht nach ist es die oberste Aufgabe einer Sicherheitsbehörde. durch unausgesetzte, ruhige Arbeit auf kriminalpolrzeiüchern und SichcrheitZgebiete das Vertrauen der Bevölkerung zu erwerben. Ihre Aufgabe ist es in erster'Lime, zu helfen, nicht zu strafen. Die Polizei mutz helfen dnkch A<rt und Tat. Mit der Tat auch durch die Unschädlichmachung jener Elemente, die sich als Schädlinge der Gesellschaft erweisen, das ist die Verbrecherwelt. Da? verständnisvolle Eingehen auf dis Bedürfnisse der Bevölkerung wird dadurch ermöglicht, daß eine verhältnismäßig große Anzahl von Angehörigen der Lntelligenzberuf'e im Polizeidienst tätig ist. Darin unterscheiden wir unS von der Polizei in anderen Städten. Wir haben 230 Juristen und 49 Aerzte, also rund 30V akademisch Gebildete im Stande. Ich verkenne allerdings nicht, daß wir das Jhfyl einer Polizeibehörde noch lange nicht erreicht haben. Die üoernrätzige Inanspruchnahme, namentlich in der letzten Zeit, die sich überstürzenden Ereignisse waren Hindernisse für die sachgemäße Durchführung der PeorganisationS- und Reform« bestredungsn. Meine Amtsführung ist in die a l l e r s chw erste Zeit gefallen, denn kurz nach meinem Amtsantritt hat Oesterreich der Zusammenbruch erreicht. Wirtschaftliche^und volltische Revolutionen mit allen ihren Folgeerscheinungen sind nicht der Boden für weittragende Reformen auf sicherhs'riLpolizeilichem Gebiete. Immerhin ist c§ gelungen, den Apparat inmitten des allgemeinen Verfalls aufrechtzuerhaltcn und Reformen, die Ael Fortschritte im Sicherheitsdienst bedeuten, durchzuführen oder vorzubereiten. Mir kommen zahlreiche Berichte über die Sicherbettsverhältnrfse in anderen Weltstädten zu. so namentlich m>9 Berlin, Paris London und New-Isi.rk, und da kann ich feststellen, fo sehr mit Recht über die Sicherheitsverhältni^e bei uns geklagt wird, daß es in dieser Be?' ziehung mit unserem zertrümmerten, am Boden Legenden Staate viel besser bestellt ist als in den Siegerftaaten. Bei uns sind alle großen Verbrechen «nifgedeckt worden. Wir "sind daran gewöhnt, immer alles m^ubietcn, und nicht, wie ich einmal in einer Schilderung des Auslandes gelesen habe, vor einer Mauer stehen geblieben, sondern bemüht, eine solche Mauer, wo immer sie sich entgegenficlli, zu durchbrechen. Und so hofse ich, daß eS'der angestrengten ^Tätiqkeit und dem ehrlichen Bestreben der Wiener Polrzeiibehörden gelingen wird, durch eine weitere Verbesserung der Ewstände in Wien die al.ehrwürdige Stadt wieder zu dem zu lachen, was sie war: die Perle Oesterreicb-S. der C-h rl"i r hiXpbq«, die schönste Sradt der Welk. (Stsir-nischer Beifall.) mtuet Morgenz-ttung .§3. swvnnbek ISÄf /Skr. 862 . .. .. *-rim ' - ].-■ . -n—i—tn—n-irn-i ■ , -f Mütcilnngen ans dem Publikum, lllimk MM? Dr. Slegnä Soge] , Wien . Ms» « empfehlen sich als Verlobte. «oo Ziii^Verlobung mein&S Freundes Herrn Josef Eltes mit Fräulein Rfcily Sichermann aus Ungarn gratuliert herzlichyt fosi H. L. Neubauer, Zur Vermählung des Fräulein Xenia Gottcsmanu mit Herrn Elias Teicher gratuliert herzlirhst 8CS3 Facailio Emil XichtensteiR, Graz. Möbel «. tanin grösster Auswahl. Unr gtdiegeöe 610 Erzeugnisse. . , J. SPIRA Wise, 6|i., Sleiiensferas. 1 e. 2 (Ecke Kerl Schweighofergosse). VI. Ü ARtÄHitPERSlRASSE 105. Qröesies, iöstaoiHerles Lasf« Wiens in Teppichen, Döcketi, Vorlitlsgeo, Uehtr warlen, Laafteppiehen, Stpm, Ooppeldeohen eie. EUligsto Prtäse. 6340 SILLANTEil. Perlen, Silber, Platina. UUren h-eulis und rer&auits 77S ETTEß Kotentmmslr, 33, Mariahllfcrfitr. SS Ser-Mtsr grösster Säufer Brillanten, Ferien,Uhren n. 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Es - gibt unter den Arrivierten urck> NichtarrLvierten dtzc Wiener JudenschafL nicht wenig:, die auf dem Standpunkt stehen, das Problem der jüdischen Gewerbeförderung ünhchdgS damit verbundene, .wril um-« föffettbere, der B:rnfsUVschichtung bekümmere sis nicht, da. sie schon längst ihre Entscheidung getroffen und mitten im Berufsleben stehen. ,^Zch.habe mei'ns r Beruf," das ist nngsfähr der Gedanken gang jener Egoisten, „und welcher Veschäftignng sich die jüdische Jugend zuwendet, das ist. mir so lange gleichgültig, solange nicht mein Sohn >or der Berufstvahl steht." In ihrer Kurzsichtig^ Feit erkeniten jene immer und grundsätzlich „Unbeteiligten" (deren wir in Wien mit seiner sprichwörtlichen^ Neigiu-tg zur Indolen; natürlich nicht, wenige zählen) nicht, daß hier in der Berufsgrupp'iernng eche der wichtigsten Msachen des Antisemitismus zu erblicken ist, dyß hier eigentlich das ganze Problem des Judenhasses, verwurzelt ist. Aws ist der erste, , der augenfälligst-!!; Grund .für den Haß deZ ungebllbeten Ariers gegen bsn Juden?'Der Jude scheint (hm als der . Wucherer.und Betrüger, dar aus dem unproduktiven Handel auf queme' Weise reichen Gewinn zieht, während, der Mastü.. der.schaffenden Arbeit um die Früchte seines FlsiM gebracht -wird. Fiele dieser Umftaich weg, die^Berchetzung wäre um eines ihrer wirksamsten Argumente '-gebracht.— mehr.als das: Et jedem Juden, der sich .vom Handel und den geistigen Berufen ab" und der -produkiiven Arbeit zuwendet, .ersteht uns. ein Pionier ^für das grsße Ziel, den Nafsenfrieden. ' . Es ist also eine Sache des gesa mten Judeni tums, b.ie. im Gewerbeförderungsamt vertreten wird, ur^d!-man rann. nur immer .von neuem darüber staunen,, wie wenig BWündnis. und wie wenig Jnteressr dis .Wiener pichen,chaft für diese ihre wichtigsten Reform^, -werke aufbringt. Geruhig überläßt man nicht nur biti ganze Arbeit, sondern obendrein auch noch die Gsld-^ Leschäfmr8,.'bre unendliche. Schwierigkeiien be"s'tet, dem Wewerbeförderungsamt des Nationalrrtes allein, das sich in allen .serne'n^ Maßnahmen und Plänen immf». härlich durch Geldmangel behindert sieht, unaufhörlich vom Untergang bedroht ist und eigentlich fast ausschließlich durch die En'schlossrnheit und Zielbrwüßtheit von ein paar Idealisten ansrechterhalten wird, die ansnahmöweise Heine haltlosen Schwärmer sind, sondern mit klarem Blick erkannt haben, um was eö hier geht. Aber wenn auck) die Wiener Juden im allgemeinen fac jüdischen Gewerheföchernna mit eiurr naitzLn Glrich?-