Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 662 (28.11.1920)
- Date
- 1920-11-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 652 _ Mm. Sonntaff dl<r Lschecho-Llowaker .-und Jugoslawien mit - der '-chärssten Aufmerksanrkeit die Vorgänge in Ungarn verfolgen und die Begrüßung, welche das offizielle Organ der tschecho-slowakischen' Regierung unserem neuen Kabinett widmet, zeigt, -aß man irr unserer Umgebung diese Aufmerksamkeit nun auch auf Oesterreich ausdehnt. Es ist bis zur Stunde noch nicht festgestellt worden, ob Dr. W e i s. k i r ch n e r in Budapest das Burgenland gegen wirtschaftliche Konzessionen hat austauschen wollen. Es steht aber fest, daß er davon gesprochen hat, Grenzlorrekturen zu besprechen. Es kann sich dabei nur um deutsches Gebiet handeln und man ist von den Christlichsozialen gewohnt, daß sie von nationalem Empfinden, wenn es sich nicht gerade gegen Juden und Tschechen richtet?-, wenig wissen. Das Angebot Deutschwestungarns aber ist eine Verletzung des Friedensvertrages, und als solche geeignet, uns wieder eine Tadelnote der Entente zuzuziehen. Als Mitglied des Völkerbundes hat Oesterreich das Recht» seine Beschwerden vor den Vertretern der Nationen vorzubringen und mit ihnen in direkte^., Gedankenaustausch zu treten. Es haben aber auch, wie dies vor kurzem von Tittoni auseinündergesetzt wurde, die Minoritäten das Recht, vor dem Völkerbund zu erscheinen, wenn sie sich gekränkt glauben. Die Art, wie Oesterreich »eine jüdische Minorität behandelt, die Erschwerung des Aufenthalts und die mannigfachen Schikanierungen von Leuten, über deren Staatszugehörigkeit noch nicht entschieden ist, läßt sich nicht mit deP von Oesterreich beschworenen Friedensvertrag vereinbaren. Sie widerspricht aber auch dem Geiste, aus dem der Völkerbund entstanden ist. Sie ist eine fortwährende Beleidigung des elementarsten Rechtes der Menschen auf freie Bewegung und freie Arbeit und stellt das Nechtsempsinden überhaupt in Abrede. Auch die Vorgänge an unseren Hochschulen, wo man vom russischen Zarismus und vom Horthn-System die Methoden der Judenaustreibuirg über-. nommen hat, stehen in. grellstem Widerspruch zu dem Geist des Friedensvertrages und zur. Nechtsbasis des Völkerbundes, dessen Mitglied Oesterreich werden soll. Wenn Oesterreich cs mit feiner Zugehörigkeit zur Gesellschaff der Völker ernst meint, dann wird auch seine neue christlrchsoziale Regierung diese Verirrungen des nationalistischen Hasses 'abschwören müssen. Wenn sie dies nicht tut, setzt sie sich der Gefahr aus, vom Volkerbunü an ihre Pflichten erinnert zu werden. Die jüdische Bevölkerung wird alles tun, um Me Rechte zu wahren. Die Ausweisungen. . . Am 25. d. M. erschienen^ veint> Wßener-^LauheNh'auptmann Neu mann die Wiener Landtagsab geordneten S i r o t e k und K l ihn e s ch mit dem Ersuchen, der Landeshauptmann möge ihnen Mitteilen, ob er Tschechen/die redlichem Unterhalt nachgingen, aus Wien auszuweisen gedenke. Landeshauptmann Reumann erklärte, wie „Delnicbe Lisch" melden, di; Austveisung werde nur solche Ausländer treffen, w'/che 'die jetzigen Zeitverhältnisse zur Ausbeutung der Bett öl ker u n g mißbrauch'"«. Er sei keineswegs gewillt, jennr den Aufenthalt in Wien zu erschweren, d'«r sich in ehrlicher Weise fortbrächte n. Die Vertrr'eder tsch cho-slowak'schen Minderheit erwiderlen, daß se an dem guten Willen des'Wiener Landeshauptmannes nicht zweifelten, es gebe jedoch Beam s/die. wenn sie von Ausweisungen der Ausländer Arsen, rücksichtslos v'orgingen, und einige davon benutzen mit F^ude die Möglich! it. Tschechen zu strafen. Landeshauptmann' Reumann erklärte, es seien ihm schon einige Ausweisungsdckcete vorgelegt worden, durch die Arbeiter büßt. Insbesondere die Versammlungsszene ist von einer wirklich'unertraglichen Verlogenheit. Uns wenigstens ging es auf die Nerven, als wir eine Schwester, eine Mutter, eine Gattin, in volltönender. Literatensproche die Opfer des Molochs „Fabrik" beklagen hörten. Wie müßte dieser vierte Akt wirken, wenn der Autor Menschen von Fleisch und Blut, menschlich sprechen ließe! So aber kann sich während des ganzen bewegten Abends nicht Mitleid, nicht Ergriffenheit einstellen, trotz des Aufwandes an theatralischen Mitteln, die; Kaiser trefflich handhabt. * Im Deutschen Volkstheater blieb der Regisseur (Alfred B e r n a u) dem Autor nichts schuldig. Das Bild des ersten Aktes — die riesige Fabriksanlage im nächtlichen Vollbetrieb t*- ist eine Sehenswürdigkeit und für Höchstspannung war bestens gesorgt. In der. Versammlungsszene konnte sich Dernaus Vorliebe für Massenwirkung ausleben und auch der Schlußakt war trefflich gestellt. Minder glücklich hie Besetzung, der Hauptrollen. Wilhelm Klitsckj deklamierte. Diesem Milliardärssohn müßte der Darsteller Wesen heit aus, eigenem geben, sonst wird zu bald , ersichtlich, daß der Held des Stückes ein Netortenergebnis ist- Und Franz E v e r t h s Ingenieur war nicht ehern genug. Wie beste Figur des Abends (zugleich dieeindringlichste des Stückes) der Schreiber Aurel Nowotnys.. Sehr verdienstlich die Damen Dan egge r, Volckmar und Werner fotnie die Herren Altringen, B r a d y, Brau je Wetter, Goetz, Kammauf und Zoten ins. „Gas" wurde mit großem Beifall ausgenommen. Herr Direktor Bernau dankte im Nanren des Dichters und teilte mit. daß er il)m die gute Aufnahme seines Werkes telegraphisch nntteilen werde. Otto. Alle! es. WLenev Moegerrzeltmrg An unsere p. t. Abonnenten! Orsterreichisches Psstspsr^assenkonto 150.693. Tschecho-slorvakischeS Postspsrkrasfeukonto 59*351« Zahlstelle fftt Pole«: Wiene^ Lombardand EsLomvIebank, Krakan, Rtznek 12. Zahlstelle für Ingoslawie«: A8er KiZicky. bsuL. ein», Osiieir I., Gajev trg brsj Ir. Fahlste l! e für Rn mänien: Allgemeine Depositenbank, Filiale Ezernowitz. Am 1. Dezember beginnt ein neues Abonnement auf die ^Wiener Morgenzeitung". Wir ersuchen, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes Keine Unterbrechung emtrete. . Erlagscheine gehen unseren Abonnenten in diesen Tagen zu. Abonnemettjpreise: Für Wien fznm Adholen 'm dru Tiasikrn oder mit Postzusenduug) . Kr. 30.-- pro Monat Mll Poflzusmdung: Für die österreichische Provinz. Kr. 36,— „ ,, Für die Tschecho-Elorvakei . . . Kö. 13.— „ ,, Für Jugoslawien . i. ... . .Dinar 6.— „ ,» Für Polen....... poln. Mark» 36.— „ „ Für Numänieu ........ Lei 16.— „ „ Für Deutschland . . ... . . Mark 16.— „ », In Deutschland abonniert man die „Wiener Morgenzeitung" bei dem Zeitungsverlriebsbmeau H a m e w a s s e r, Berlin C 54, Bosenthalerstraße 43. Die Verwaltttna der „Miener Morgenzeitung". getroffen werden sollten, er prüfe aber, je'es derartige Dekret und. unterschreibe .nicht alles,, tvas ihm die Beamten vorlegen. > . .. . Die Bwbachtungen, welche die Tschechen k>ri einem großen Delle von Beamten, Hie. mit. den Ausweisungen und Wohnungsqnfordernngen hinsichtlich der in.Wien lebenden Tschechen gemacht haben, machen wir täglich und stündlich bezüglich dev in Wien wohnhaften ausländischen Juden. Diese Beamten kümmern sich in der Regel wenig oder gar. nicht darum, daß durch ihre Schikanen und systematischen Verfolgungen gerade die in ständigem produktiven Erwerb oper in fester Stellung befindlichen Juden .durch ihr politisch beeinflußtes VorgehenbetroffenMrdem W'r^nehmen .g-rrnz zur Kenntnis, daß,bem.HüMrmeMr M her Behandlung.und Regelung d ieser Frage, solche Jnt-sntionrn ernliegen. Er wird jedoch mit seiner Absicht nur dann durchdringen, wenn er auch die Exrkutivorgane, die ja eigentlich mit dem Publikum in .direkte Berührung kommen, in nachdrücklichster Meise wissen läßt, daß ihre Art,'di^se'Augelegenheiten zu e ledigen,.weder den Abs'chten der. maßgebenden Stellen entspricht noch len Ansehen. Wiens' im Ausland nutzt. Solange .der Burgermeister seinen Versicherungen nicht bei den Beamten Geltung verschafft, werden alle seine Zusagen nur problematischen Wert haben. Im übrigen.... hat .das Stastsamt. für Aeußeres über »-Einschreiten der westukraini scheu Vertretung eine Weisung an die. Poli'zeidirekiion (59972/14 vom 9. Oktober 1920) ergehen lassen, in welcher diese beauftragt w'rd, hinsichtlich der „Abrcisendmachung von Fremden" den jeweiligen Umständen und den Kriezsverhältnissen im Osten Rechnung zu tragen. Telegramme. « Ausnahme Sesteivrerchs in den VSMerbund. Genf, 27- No kmtkr. In der Unteikommiision des Völkerbnydes für die Ausnahme uemr Staat n ist im Grundsatz eine Einigung zur Aufnahme Oesterreichs in den Völkerbund erzielt worden. 9 . . . , Die Verhandlungen in Riga. Warschau, 27. November, klfun^pruch) ^Kurier Poranuh" ‘ erfährt aus R gcr> daß d-e russische Ach o r d n » n eine lange Liste von nichieriullten Bedingungen des Wasfcnstrllstandsabkvmmens und deS Borst'edenSvettraaeZ überreicht und erklärt habe, daß Rußland die benialich' der Zückerlickernngen'.auZ Wolhynien kinaeqLngnren Berpflichtunaen nicht einbatten werde, solange'Polen seinen eingegangenen Borpflichtungeu prcht nachgekommen sei. . - Warschau.-27. Novrmber. (Poln. Tcl.-Ag.) Die Finan.;- kommrssivn'der. Friedenskonferenz in Riga erörterte den polnischen Entwurf iür das .ArberlSprogiamm dieser. Komm'ision. Dir misisthen Delegierten verlangten die Der 1 a g u n g d e r E ro r te r u u g. um den polnischen Entwurf zu studieren. D.e Territorialkonnnisston rvirtz sich mit der detaillierten Festsetzung der Lurch dm PrÜlinnnarverrrag nur irn allgemeinen gezogenen Grenzen desastcu. Dir polruschen Telcg erten ertlmlen, daß sie die im PrälimrnarveUreg gezogene Lrnie striktebeachtcn wollen. Die jrnMche Kommission erörterte die A m ursti cs.ra g e. Die russischen Dclegiertm schlugen eine Amncst-e!ür die wegen Berbrechnis gegen den Staat verurteilten polnischen StaaiSangebörigen vor. Tie pvlni'che Delegation sprach sich dagegen aus, da dicö crne umeve Frage fei, Moskauer Frsntkerrchi. MsZ* *-iw, 37. Novemb-sr. (Frmkspruch.) Franll'Tricht vom 26. Novernhere Bei Mo-'vr und arn Pripi'tt 'rücken. W. November 192S 'Gttesl -HBHBMiE ZIGÄRETTE^PÄPIERE rmmü S Z8GARE1 MSEW Sfs Gberrreffen selbst g die böchsren Es»wartuag«a j] des Kaucher»,, « •••«■o«aaaoaacaacaaa3Be«ae« I wir, ohne mit dem Feinde Fühlung zu erreichen, rasch! vor. Im gestrigen Kampfe westlich von Elsk wurden «- 173 Gefangene gemacht und ein Geschütz erobert. - Eutentetruppen «ach Wilna. - Gens, 27. November. (Schweiz. Depeschenagentnr.) Der Völkerbunörat hat beschlossen, daß das Truppenkonti n g^e n t f ü r W r l n ä unter das Kommando des Obersten C h a r d i g n y gestellt werde. Das Truppenkontingent werde aus einer Kompagnie Belgier und je Zwei Kompagnien Engländer, .Spanier und Franzosen mit je einer. Maschinengewehrabteilung zusammengesetzt sein. Außerdem erwartet man noch die Mitwirkung Dänemarks,, Norwegens und Schwedens. Meinungsvsrschrede«h eiten innerhalb der polnischen Nationaldemo Krale».! WarschM, 27. November. (Privat.) „Moment" berichtet: Dw Senats frage hat unter den bäuerlichen- Deputierten, welche dem nationaldemokratischen Verband angehören, eine Spaltung hervorgerusen. Diese hatte zur Folg e, d aß bereits einer dieser Ab geordnetest- Herr W i t k o w s k i, aus dem Klub ausgetreten ist/ indem er erklärte, er könne nicht dem reaktionär e n , - Verfassungsprojekt, das der Klub vertrete, Zustimmen. < Mtkotvski hat sich der Piast-Parjei angeschlossen. Mau vermutet, daß noch andere Austritte folgen werden. . Für militärische Zwecke beschlagnahmte Synagogen. Prag, 27. November. (Tel.-Komp.) Die „Tribllira^ meldet aus Krakau, daß in der letzten Zeit^ die polnischen Behörden angeardnet haben, sämtliche Synagogen in Ostgalizien für militärische Zwecke zu beschlagnahmen. Die jüdischen Abgeordneten haben deswegen im Sejm an den Minister des Innern eine Interpellation gerichtet. v Polnische Sozialisten und Geistliche gegen die Anerkennung der jüdischen Religion. WarschÄU, 25. November. (Jüd. Korr.-Bur.) Gestern wurde die Berfassungsdebatte über die Artikel 115, 117 und 1.18 im Sejm fortgesetzt. Der jüdische De< putierte Hirschhor« .wies darauf hin, daß Artikel 118 die Existenz her jüdischen Religion nicht an^ erkennt, wodurch die jüdische Konfession äußerhalb dev' Staatsgrundgesetze verbleibt, während dieselbe Verfassung die anderen. Konfessionen anerkennt und -berenf Angelegenheiten gesetzlich regelt. Die Deputierten'. Färb stein irnd Hartglas brachten Hierauf einen Zusatz zu Artikel 118 ein, der auch die Äuerlennung, der jüdischen Religion durch ein.später zu schaffendes Gesetz vors'.eht. D er sozialistische Deputierte '' C z apinski bezeichnen die jüdischen Anträge als Klerikalismus. Czapinski erklärte, daß die polnischen Sozialisten nicht anfhören werden, auch den jüdischen Klerikalismus zu bekämpfen. Als letzter Redner sprach!^ der geistliche Deputierte Lutaslawski, der Zitate aus dem Talinud und die polnische Kriminalistik für die Behauptung zu Hilfe nimmt, daß die jüdische Ethik tief unter der christlichen steht. Er leitet schließlich aus < dieser Verleumdung die praktische Lehre ab, daß die. Regierung die jüdische Religion nicht anerkennen dürfe, da deren Bekenner schädliche Elemente de§ Staates seien. - Verhaftung eines Sinnfeürsr-Fnhrers. London» 27. November. (Funkspruch.) Det Smnfeiner°Führer G r i s f i t h. wurde verhaftet, weil er im Verdachte steht, den Mordtaten der letzten Tage nicht fernzustehen; für die Dauer der ' Priifung der bei ihm beschlagnahmten Papiere bleibt Grlsfith in Haft. Aebev 5 Millionen Tonnen Kohle' gefördevt. London, 27. November. (Ncüter.).DaS Zmtnnmenarbciten zwischen den MwwrMiesitzern und den Bergleuten hat anSgeocidimctc (Srßtbmffc gezeitigt. Die Kohlensöederung betrug in der 'vergangenen Woche ü b e c 5 M r! l e o n e n T o u n e n, ww emrn Wochenrcksrd für 1920 bedeutet. . Die Prager Kimflerrte werden streikek. Prag, 27. November. (Tel.-Komv.) Am. 7. Dezcrnber wich in P r a g^zlS Piotest gegen die Angesicllrcnkcuer ei« Streik der. G esch äffte und K a ull cut e einsetzen. Defraudant BiertempeL. Aus Berlin wi-.d gemeldet: In der denüchnnlionnlen reaktionären Studentenscha-l Berlins ist ein arger Skandal an8 gebrochen. Der Führer dickes ausschlaggebenden Gruppe, Herr Bürtemvel, BcriraucnSniann deS natioualistnchen voxjährigM ReborS Professor Eduard Maver nnd eurer der Mitmächer beim Kavp-Put'ch, har größere Beträge eineS StudenteuunlerstiitzungSfonbS unrnM'-irren und mußte nutz dem KvrpS auSges.chlosieu werden.