Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 661 (27.11.1920)
- Date
- 1920-11-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nt 661 Meir. Samstag KISTEN TELEPHON 44-2-39 aller Art liefern rasch: und billig m Wien,ll.,Praier8ira83e 56 Jj a. GINSBERG & co.t Telegramme. Der Wlkerbrmdkorrgreß. Für dte Aufyayme Oesterreichs. — Die Abrüstungsfrafle. Gen'. 26. November. (Schweiz. Dep.-Agent.) Zn der nachmittags unter Vorsts Brandings abgehaltenen Sitzung der Kommission für Abrüstung erinnerte Fock (Holland) daran, daß die holländische Negierung sowie das Parlament , einer Abrüstung durchaus günstig gegenüle stehen, jedoch unter der Be ingung, daß diese allgemein und gleichzeitig in der ganzen Wie. L durchgeführt werde. ' Der rumänische Bertreter Po p n l e s c n schlägt vor, die aufgestellte Forderung stach gegenseitige.' Mitteilung über die militärischen Kräfte nicht nur aus die dem Völkerbund an ge hörenden Staaten, sondern auch auf die außerhalb des Völkerbundes befindlichen Länder anszudehnen. B r a nt in g hob diu unbedingte Notwendigkeit her^ vor, binnen kurzem die Wünsche der Bevölkerungen aller Staaten zu befriedigen, die vom Völkerbund dir Herbeiführung eines'dauernde^ Friedens erwarten. Moskauer Frontbericht. Moskau, 26. November. (Funlsprnch.) Frontbericht vom 25. November: Im Gebiete von Mosyr verfolgen wir die Reste der Balachowicz-Rnterei und suchen stach den versprengten Trümmern der Armee. Nordstsstlich von Owcucz dauert die'Verfolgung des. Feindes an. Es wurden 440 Gefangene gemacht und 22 Ueberläufer ausgenommen. j An den übrigen Fronten herrscht Ruhe, y Amerika und Sowietrutzland. Paris, 26. November. Nach einer Meldung aus W'a shingtvn werde beim Zusammentritt des Senats ein Antrag der Republikaner eingebracht werden, Yz: die baldigste Wiederaufnahme der Handelsbeziehun^e.l mit Rußland verlangt, ohne die Sowjetregierung anzuerkennen. . Zionistenversol^ttngsn rn SowJüLrrrsiland. Loz^on, 25. November. (Jüd. Kort.-Bur.) - Israel Zangtvill erhielt «inen vertraulichen Bericht ' aus Sowjetrußland, demzufolge viele Zionisten,in den Gefängnissen schmachten und der Unterricht der hebräischen Sprache verboten ist. ‘.. 1 Die Wilnaer Frage. Kowno, 26. November. (Lit. Del.-Agent.) Der litauische Außenminister hat dem Vorsitzenden der Kontrollkommission des Völkerbundes ein Schreiben überreicht, worin sich die litauische Regierung bereit erklärt, den W a f f e n st i l l st a n d s v e r t r a g zwischen der; litauischen Armee und jener des Ge e als Zieltgowski zu unterzeichnen. Sie verlangt von der polnischen Regierung formelle Garantien dafür, daß Zieligawski die Anordnungen der polnischen Negierung befolge. Moskau gegen die polnische Besetzung Wilnas. Waeschu, 26. November/(Funkspruch.)A)'e russische Regierung hat Litauen verständigt, daß Rußland die Besetzung Wilnas durch Zi eligowski nicht zulr.ssen könne, weil sie im Widerspruche mit den in Riga vereinbarten Bestimmungen stehe. . Das englische Oberhaus für tzomerule. Lcndon, 26. November. (Tel-Komp.) Das Oberhaus hat die vierte Homerulebill für Irland-in zweiter -Lesung mit 164 gegen 75 Stimmen angenommen. Beniz?los im Exil. Rom, 26. November. (Fnnkspruch.) Denizelos hat gestern auf der Reise nach Nizza in Begleitung seiner Familie und einiger politischer . Freunds Nom passiert. * . Gegen die „Dr ssch". München, 26. November. (Korr.-Bur.) Wie die Blätter melden, weilt Ministerpräsident von Kahr in Berlin in Angelegenheit der Einwohuerfrage. Er hat bereits mit dem Minister des Atzußecn, dem Reichskanzler und dem Ncichswehrminister verhandelt. 2? hatte auch eine Zusammenkunft mit dem Vorsitzenden der interalliierten Kontrollkommission General N o l \ e t. München, 26. November. (Korr.°Bur.) Me aus Stuttgart gemeldet wird, haben die sozialistischen Parteien im württembergischen Landtag einen Antrag eingebracht, der die Entwaffnung der bayrischen Einwohnerwehren verlangt. Außerordentliche Streiksollmachten der deutschen Negierung. Berlin 26. November. Auf der Tagesordnung der heutige, Reichstagssitzung stand eine deuischnationale Interpellation, betreffend den Streik der Clc lri-ftälSarbeiter. In Beantwortung der Interpellation -erklärt NeichMin'.ster jür Inneres Koch, bk Regierung habe Wiener Morg«tzeLtu«g 27. November 1920 London, 25. November. (JÄ. Korr.-Bur.) Äie seinerzeit berichtet wurde/ unterbreitete das Joint Foreign Committee des Jrwish Board of Deputies und der Attglo Jewish Association dem Völkerbund eine Reihe von Vörschlagin, die den Schutz der jüdischen Min d erheiten bei denk zu errichtenden permanenten Gerichtshof für internationale Gerechtigkeit betreffen. In der Sitzung vom 28.Okto° ber beschäftigte sich der Volkervundrat mit den erwähnten Vorschlägen Und überwies sie nach Durchsührung einiger Ansbessernugep, die jedoch das Wesentliche der vom Joint Foreign Committee verfolgten Ziele nicht tangieren, einem SnbkoMttee zur Beratung und Berichterstattung. In bezng alif die vom Joint Föreigit Committee dem BölkcrbUndrät unterbreiteten Vorschläge, betreffend die Prozedur in dringenden Fällen, die sich aus einer Verletzung der Minoritätsverträge ergeben, bat der Völkerbnnt'rat den Bericht T i t t o n i s angenommen, der im wesentlichen die bezüglichen Vorschläge des Joint Foreign Committee enthält. Das Joint Foreign Committee hat beschlossen, seine KorrcspöMenz.'mit dem Völkerbund nach deren Abschluß ^u veröffentlichen. ' In seiner letzten Siüuna befchäsiiate sich das Joint Foreign Committee mit der Lage der Inden in Oftunds M i t t e l e u r o p a, die unter unaufhörlichen Versolgungen leiden. In bezng auf Polen upd Ungarn bei dem wilden Charakter des Streiks und wegen tsr schweren Folgen desselben für Krankenhäuser und ante 's öffentl'che Anstalten sich außerordentliche Vollmachten ausstellen lassen. Der EhrenbelerdiqÄnasprozes des Ministers Dr. Benesch Prag. 26. November. Vor dem Rokyeaner Gerichtshof fand Mittwoch und Donnerstag die Verhandlung in der Ehrenbeleidigungsklage Dr. Benesch' ge * t den Legicnsofsi'ier Cerensky statt, der den MiniDr in ei er Versammlung ber Legionäre der Korruption beschuldigt und ihm vorgeworfen hatte, daß er für Legionäre bestimmte Gelder für - sich behalten habe. Eine Reihe namhafter tsch chischer Persönlichkeiten, darunter Kanzler Schamal. SpnatöL Klofae, Genckral Girsä und andere widerlegten die Behauptung Cerenskys. Nachdem Brief des Präsidenten,.Masaryk' verlesen worden war, wurde der Forderung. des Anwaltes des Klägers auf Einberufung weiterer Z-:ügen stat^egeie i und die Verhandlung auf Unbestimmte Zeit vertagt. Unter den neu vorzuladenden Zeugen befinden sich Persönlich"-?'-rn aus Amerika sowie der Mher^ 'französische Minister Pichen. Prag, 38. Novcmbw. Währender ÄrrhandluilM im EiirenbeleldlgunsZprozeß dkS-Mm>stcrS des Äeußcrn B e n e sch gegen C e r e n s t.y, der -egen Dr. B.nrsch den Bouvurf erhoben. hatte, daß erm Paus flir" Legionär: bestimmte Gelder für sich behalten habe, wurde rin Schreiben des Präsidenten M a s a r H k verlesen, worm es heißt: Ich erinnere daran, daß Dr« Benesch sein eigenes Geld hatte. Er hat'zuerst aus eigenen Mitteln unierö Bewegung untrr<- fiiitzt und mir Neilcgeld gegeben. Dr. Benesch hat sich m Ww UcMcit im Anstande aus e penen M tt ln erhalten. Heber finanzielle Urneaelmäßigke teä im ZusanritlMhanpe mit der Tätigkeck des Dr. Benesch zu sprich:n, ist mehr als eine Grobheit. Skambuttski Kommt «ach Praq. Prag, 26. November. (Tel.-Komp.) Wie „Cz^as" meldet, trifft der bnlgari,'chs Min'.st?rpräsidenL Stämb u l i s k i in der kommenden Woche tu Prag ein. Slambuliski verbindet mit seiner Rnse, die bekanntlich politischen Charakter trägt, auch die Absicht, die Wirtschaftsverhältnisft der. tschecho-slvwakisch'en' Republik zu studieren. Ans der Rückrttse wird dev bulgarische Prem'«.- für einige Tage in Wien. Aufenthalt nehmen und mit maßgebenden politischen und wirtschaftlichen Faktoren in unverbindliche Besprechungen eintre.sn. Verhaftungen polnischer Staatsbürger im Tefchener Gebiet. Mähr. Ostrom, 26. Nov'?ri'.ber. (LiÄccho-llowMch-'s Pl«ß- Bur.) .u vcn Blät'eumldungcn über einen beabfirhngrrn Entall polnischer Tustpcn in daZ Tr'chencr Getitt sowie über die Berbaftung poinnäicr S'aarSdürger im tichekhi''cdcn' Teile Tcschms wird von amckicher Serie m tg keilt, daß sich diese Meldungen zum arößten Test aps Vumumugt» b uchen. Wahr ist, daß e.i n i fl e P er socken wegen de>3 V e r d a ch 1 e s. st ratbar e r p o l it i f ch e r H a n d i u n g e n verhaftet, teüweise jcdocl, beleits wieder sr«i;ielafien worden find. Soweck einzelne von ihnen sich stiwbare Handlunskn zuschulden kommen lreßen, wetdrn s^e vor.Gcr äck gestellt werdm. Du Bormcketsuchuntz ist noch nre?ck abgeschlossen. G^rich^s^etr^eb. Budapest, 26. November. (Ung. Tel.-Korr.-Bnr.) Heute begann vor dem Budapester Strafsenat die Derhandlrmg gegen den Vorstand der Oesterreichisch-ungari« schon Bank zur Zeit der, Proletarierdiktatur, Mar Farago, den Volkskommissar für Finanzen Julius Lcngyel und die Beamten Elemer Varyas und ' Kaspar Bor wegen des Verbrechens der Geldfälschuug, da sie 250'KroueN' und 25 Kronennoten nachgeahmt und zu deren Abstempelung als tschechoslowakische Banknoten t Marken äuge fertigt hatten. f * hat das Joint Foreign Committee eine entschiedene Aktivst beschlossen, die einen günstigen Ansgang verspricht. Die' Einzelheiten darüber werden im geeigneten Zeitpunktbekanntgegeben werden. Das englische Judentum, desieu verschiedene Orgaui-! sationen im Ioint Füreign Committee (Jüdt^ schxs Komitee für Auswärtiges) zusammengefatzt sind,! bemüht sich nach allen Krästen, das jüdische Problem boSÜ das internationale Forum des Völkerbundes zu, bringen.,, Did Bemühungen dieses Komitees brwoifen,neuerdings / hle ^otwendkgkeit einer alljüdischen, gemeinsamen Schntzöckganisätion, Wie wir sie in unserem Blatte : ge-i. fordert haben. Eiw ähnliche Fordetung ist übrigens beiden gestern gemeldeten Beratungen russisch-jüdischey Vertreter in Paris laut geworden. Ein Vertreter der englische« J«ds«heit -ei der Mikerbundverlammlung.; London, 25. November. (Jüd. Korr.-But.) Der Sekretär des Joint Foreign Committee. L n c i c n Wolf, wurde beauftragt, sich nach Genf zur Tagung der Bölkerbnudversammlung zu begeben, am die Interessen des Komitees vor dem Völkerbund zu vertreten. Mr. Wolf hat hierauf London am 23. N.»- i vember verlaßen. Tagesbericht. Die Wiener Bolizei und der Eigentumsschntz^ lieber dieses Theina sprach gestern Hofrat Dehnral von der Wiener PsiiZeidirektion lm Saale des Niederösterreichischen Gewerbevereins vor zahlreichem Publikum. Der Vortrag' wurde vom Polizeipräsidenten S ch o b e r eingeleitet. Hvfrat Dehmal führte aus, daß die Aufgabe dee^ -Polizei in erster Linie Schutz der Person und des Eigentums) , fei und baß sie über diesen Wirkungskreis nicht hinausgehem : dürfe, wolle sie nicht in die Fehler der Polizei des absolutistö-! . schen Staates verfallen. Die Erfüllung dieser Aufgabe ist) der Wiener Polizei durch die Verhältnisse, wie sie sich imj Kriege entwickelt haben, nahegelegt worden. Die Jugend ver« wahrlost, das Anwachfrn der schweren Kriminalität hat die, l ' Polizei vor die Aufgabe gestellt, der Kriminalität durch modern««. Organisation Herr zu werden.' Dies ist ihr auch im ganz^t^ ' und großen trotz des geschwächten Bestandes ihrer Organs (zur Zeit des Umsturzes fehlten von den i250 Konzepts^ . beamten ungefähr 60 und von mehr als 4006 Sicherheitsjwachmännern etwa 1200) gelungen. , \ , Hofrat D'ehmal gab eine Uebersicht über die Ärganisatrön < der Wiener Polizei znm Zwecke des Schutzes der Person und des' Eigentums.,. Bei jedem Kommissariat ist jetzt ein,. ' Sicherheitsreferent - bestellt,' der, die B e .k ä m p f u n g d e s, - Verb re che rtu MS im Bezirk zu leiten Und eine intensive Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsbureau zu ermöglichen, hat... Außerdem hat jedoch die Polizei im Sinne ihrer Aufif gaben die Pflicht) durch entsprechende Organisation des Dienstes!/ vorbeugend zu wirken und das Verbrechen ckach Möglichkeit, zu verhüten. Dazu ist vor allem die SicherheitSwachej da. Damit sie ihr Ziel erreichen könne, mußte vor allen^ nach dem Umsturz für ihre ausreichende Ergänzung gesorgt; werden, was auch gelungen fei. Es gibt jetzt ungefähr; 1800 Stadtschutzwachlente, die nach einem Projekt des Polizeipräsidenten dazu bestimmt sind,, die Ueberwachung der, Geschästslokale in den Hauptstraßen zu übernehmen. I In präventiver Hinsicht ist die Fürsorge für die, jugendlichen Verbrecher von besonderer Wichtigkeit:, und ein bedeutender Schritt wurde hier durch die Schasfungi des Wiener Jugendgerichtes und den Ausbau der Jugendgerichtshilfe gemacht, welche beide mit.dem Jugepd^ am t der Polizerd irektion zusammenarbeiten, jtm dessen: Wahlsprnch ,Mir wollen helfen, nicht strafen" in dis Taö umzusetzen. Zum Schlüsse wies der Vortragende daraus hin, wie tvichtig e§ sei, daß die Polizei in ihren Maßnahmen um Bett, Schutz des Eigentums vom Publikum unterstützt werde, porallem durch sorgsame Ueberwachung der Häuser im Innern,, durch eine Art Hauspolizei usw. Dieses Zusarnmenwirkeuvon Polizei und Publikum, verbunden mit der modernes Rüstung der Polizei für ihre Aufgaben im Schutze dev Person und des Eigentums sei notwendig, um die Schädigungen abzuwehren, welche durch das in. den kriegerischen' Verhält?-'' Nissen liegende Anwachsen des Verbrechertums hervorgerüfeck wurde. Dies wird wohl wieder abstanen, sobald nonckM wirtschaftliche Perhältuisse eingetrewn sind. \> Die interessant^ Ausführungen wurden Mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Ein Sensationsblatichen gegenHerbert.tzoover; Die abendliche Posaune des Herrn Sieghart, daZ- „Neue 8-Uhr-Bla't", hat unlängst von dem bevorstehew, den Verkauf der Albertina-Sammlung an ein amerik« nisches Syndikat gemeldet und behauptet,.daß der' Leidel der Amcrikaniichen Mnderhilssakt'.on, Herbert H v e «. än diesem Geschäft beteiligt sei. Herr Ho och er haj nach Kenntnisnahme dieser Verleumdung der hiesiges Amerikanischen K'.nderhilsllak.ion ein Schre'ben übevj rnittelt, in dem unter anderem gesagt wird: „Bitts ausdrücklich zu erklären, daß ich ke i n I n t e r e s s e atz irgendeiner Art von finanziellen Nnternehmung-en Oesterreich habe und daß M liechr. biH e:n