Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 659 (25.11.1920)
- Date
- 1920-11-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien. Donnerstag : ... '.»i — i . m »' -■——j—> ■'■' ■. * «>» Die neue KredkiermäKli^unq. Im Finanz- und BudqrkauSfchuß wurde gestern die von ' dess Regierung angesprochene neuer!i Le Kreditermächligung von 3,6 'Milliardch ohne Debatte gegen die Stimmen der sozialdemokratischen ÄusschußMitgl'eder genehmigt. Die Parteien behalten sich ihre Stellungnahme zü dem KreditötMächtigungSgesetz für dre Verhandlung tut Plenum des Nationalrates vor.' BundüSfinanzmiltister Dr. Grimm begründete die Notwendigkeit des neuen Kredits damit, daß der ursprünglich errechnet«: K u r S v e r l u st von 3.9 Milliarden durch die fort» schreitende Entwertung der Krone auf-12 Milliarden angewachsen, ein Betrag von etwa 3 Milliarden für dre Aufwendungen für die S t a a t s b e d i e N st e t e u erforderlich' ge» worden sei und die Kassenbestände auf etwa 409 Millionen Kronen zusammengeschmolzen seien. Die Vermehrung unseres Schutdenstairdes, erklärte der Munster, hat ihren Ausdruck in der Ausgabe der zweicinhalbprozentiqen Staatsschatzscheine , gefunden. Wir haben ungefähr acht Milliarden zweieinh ckhprozentiger, Staatsschatzscheine ausgegeben. Es entspricht daher die Erhöhung unserer Schulden einer Verschuldung von zwei Milliarden monatlich. Die Situation ist derart, daß wir nach der letzten Aufstellung die vor ungefähr drei Tagen gegeben wurde, samt der uriauüge-. nützten Kreditcrmächtigung und den Kaffenbeständen über ungefähr 700 Millionen verfügen können. Dies,! sind fast aus. schließlich für Zahlungen an die Getreideanstalt gebunden. Wasch' mir denPek; und mich' ihn nicht nah! Wie unseren Lesern noch erinnerlich ist, hat die treffliche Gemeinde St. Gallen rm sterermärkischen Alpenlaud im Juni 1920 den Beschluß gefaßt, daß nur Personen arischer Abkunft der Aufenthalt in der Gemeinde' bewilligt werde. Eine Beschwerde des Rechtsanwaltes Dr. Hermann Lüw gegen diesen''ungesetzlichen Beschluß'brachte folgende Antwort deS Bundesministeriums für Inneres und Unterricht zutage, die vom 13. November 1920 datiert ist: /.In Erledigung Ihrer an das Staatsamt für Innere? Und Unterricht gerichteten Beschwerde vom 16. Juli 1920 wird Euer Wohlgeboren eröffnet, daß die Bezirkshai.pt- Mannschaft in Liezen mit Dekret vom 20. September 1(120, Zahl 11.567, die Vollziehung deS in der Sitzung des Gemeinderales in St. Gallen am 26. Juni 1920 gefaßten . Beschlusses, insoweit gemäß demselben nur Personen arischer Abkunft der Aufenthalt in der Gemeinde bewilligt winde, nach § 90. Gemeindeordnung für Steiermark, untersagt bat." Die Gemeinde von St. Gallen wurde also zur Aufhebung ihres Beschlusses veranlaßt..Dies geschah wohlgemerkt am 20. September 1920, wo schon keine Sommerfrischler die Absicht haben konnten, die ehrenwerte Gemeinde St. Gallen mit ihrer nicktarischen-Anwesenheit zu behelligen. Wenn es sich um die Aufhebung ungesetzlicher Beschlüsse gegen NiÄtarier handelt, so hat eine hohe Regierung elien >Zech Und. wenn die biederen St. Gallener Ctadtvater nächstes Jahr zu Beginn der Saison, wieder den Beschluß fassen, keine Juden aufzunehmen, so wird ihnen eine weise Negierung genügend Zeit lassen, ihn während der ganzen Sommerfrischensaisan praktisch zu handhaben, um dann den Beschluß wieder aufzaheben, und so die Grundgesetze des Staates auf ihre Weise zu wahren. Man nennt das nach dem Sprichwort: »Lasch' mir den Pelz und mach' ihn nicht naß." Telegramme. » Drnichtung der Petljura-Truppen. ■ Moskau, 24. November. (Funkspruch.) Frontbcricht vom A3. November. An der Nordsront Ruhe. Westfront. Im Gebiete von Sluzk rücken wir an die neue Demarkationslinie vor. Im Gebiete von Mosyr wurden die Neste des Heeres Balachowiez' nordwestlich von Kalinkowitschi von unserer konzentrisch vorgehenden Reiterei umzingelt; ein hartnäckiger Kampf dauert an. Während der Verfolgung haben' wir mehrere Hundert Gefangene gemacht. In der Richtung Staro—Konstantinow rücken wir ohne Fühlung mit dem weichenden Gegner vor. Unsere Truppen haben durch einen kühnen Angriff die Nachhuttruppen der Petljura-Armee geschlagen'und die Stadt Wo loczysk besetzt. Es wurden 14 Geschütze, 350 Maschinengewehre, 3 Panzerzüge, 3 Leöensmitteltransporte, viele Lokomotiven und andere Trophäen erbeutet. Südlich von Woloczyfk wurde ein feindliches Flugzeug abgeschessen. Die Reste der Petljura-Tnrppen fliehen über die Grenze, wo sie von den Polen entwaffnet werden. Rn den übrigen Fronten Ruhe. Polnisch-litauische Kampfe. Kowno» 24. November. (Lit. Preßbur.) Auf dem linken Dilisa-User bcsch.s'en die polnischen Erlundungstruppen unsere Bortruppen. Sechs bis acht Eskadronen, die von der polnischen Armee abgetrennt waren, befinden sich in unserem Rücken und schädigen dir friedlichen Bewohner. Nach dem gestrigen Zusa.nmenjtoß mußten sie sich zurückziehrn und werden energisch verfolgt. Ententetrrrppen im Gebiete von Wr^na. Warschau, 23. November. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung") „East Expreß" meldet aus Genf: Die englische Regierung hat den Völkerbund verständigt, daß vier Bataillone Militär, bestehend aus englischen, belgischen, französischen und spanischen Trüppenablcilungen, in das Gebiet von'Wilna für die Zeit des Plebiszits entsendet werben. Den englischen Standpunkt bezüglich der Durchführung der V o l k s a b st i m m n n g in Wilna, die 'etzt dom Völkerbund beraten jucuoen soll, feu:uc.c[) *et t ::: ^Times."- Meldung aus Kowno: JiKuerrU Wiener Morgenzieitung MittcMgcn aus dem Publikum. AUSTEBDA1K Erster AVTWSRFE* grflMttr Käufer in Wien fOr Brillanten, Perlen, Juwelen ete, Juwelier Ra']inowitsch |., ■axtmlilanstraaso Hr.S > - Telephon-Itr. 8541 vls^vis der Oper (Kärtnerstrasae). C$ 4 II., Sttph&nlstrasse Nr. 3, mr Nr. 3. Iw ebenen Haue«. 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( 83 Telegrammadresse: Br einer Abbazia maschinell — priffiß Mwali) . — „i..— Billigste Preise 15- Leopold SteifiharJ Wien,!., Biberstr. 9 Telephon Nr. 4073/Vill uie tunrenae bcnneiöerr In Hassarbeiten bleibt II , Taborstrasse 50, Eingang;* Or. Stadtgutgasse '«..4 »u i,iimra »i -LMxarZjiJZx firn •an■,TU■. Der Verein ^ERBZ ISRAEL“ veranstaltet Montag, den 6. Dezember Uvl , in A: Kadrinanns grossem Festsaale, ' Prater 92 (neben Lustspkltheater) eine unter Mitwirkung folgender Kunstkräfte: Oberkintör Glblfchmann (Pazmaniten-Tempel) Piof. Pr. Willie! h Stein «Festrede) Rudolf Bänd er (Mitglied der Vo ksoper) Ober egisseur Egon Brecher (Theater in der Josefstadt) „ Jeschaiahu“ (Sänger aus Palästina) Frl. Rose Wägschal Mitglied der Volksoper) Chor des Pazmaniten-Tetnpels unter Leitung des Chordirigenten B. llirschmann Beginn: halb7Uhrabds. SaaletÖffnung: GUhrabds. Der Saal ist geheizt Entree: K 50.-. K 30.-, K 20.- Ein Teil des Reinerträgnisses Messt dem J. N. F. 2U Karten slid;u lieben: Buchhandlung R. Lftwil. I, Rotenturm- Zirkusp'.i“se 13, PaläsMn.i-Amt, I.. n^,«>l>i,m?rht 24, «Wirner borgenzeinmg»,!! ,Tn! orstrasse 1—3. Ve kaufsstc'lc de« I N.F , II Schmelz* gisse 7; De'tkafe'senge'Cliäft losef I'itgelmann. II .'^chiffamlsgasse 4. Theaterkartenhureau »Aida». II., Taborstrasse 1—3 Vere'n «LREZ ISRAEL, II., Smwerstr,i«se 1 (CaM Winkler) und bei aämtlkhen Vereinamitgliederii 8613 inan J..H1 nwjuua,«Mgiw.!t4w^^uuwtaHgjHBi.iww'»wwB trifft Vorbereitungen zu.der.für den 10. Jänner angefch'en Wahl einer Konstituante von. Zentral^-Litauen. Er glaubte, damit.vechnrn zu können, daß der Völkerbund gewillt wäre, die Ergebnisse dieser Wahlen als Willrnsausdruck der Bevölkerung anzusehen. Das ist jetzt auZ'geschlossen. Die Grundboranssetzungen eines wirklichen Plebiszits sind: Deseitigung der militärischen Kräfte, welche nicht aus Litauen stammen; Entwaffnung des Militärs; -d'e Demiss-'on des Wilnaer ' Direktoriums, das nur aus Polen besteht, und Ersetzung deiseibeu durch eine V^rwoliung. in welcher die Polen. Litauer, Juden und Weißrussen vettreten s'nd. W^le diese Vo'ran^se'Mngen des P ebiszits du ch.vsü.,r-'n, lieg in her.Hand des Völkerbundes."^ . . ' Der erste Schritt her Kommiss'on des Völkerbundes in bcr> Wi naer .Angelegenheit war die Aufsorberüng an beide S.reitteile, die Feindseligkeiten einzustellen. Ein Aufruf. Aieligowssiis an die Juden von Wilna. Warschau,.. 23. November. (Privat.) In Wilna, Lida und anderen Städten des von General Zieligowski' besetzten .Gebietes wurde, ein Aufruf an die jüdische Vevölke-ung veröffe'n licht, in welchem Zieligowski die jüd'sche Bevölkerung ausfordert, in seine Arniee ein'u re.'.en, um Zeiitral-Litauen zu schützen. Der Ausruf ist in jiddischer Sprache ad^esaßi und beginnt } mit den .Worten: „Jüdische Mitbürger!" (Derartige; Ausrufe erinnern stark an d"n b-rrüstni grinerdenen j Aiisrus i'tiio.a)oi,jrfj’: ,/rln mciuc lirbrn Iudru!") 25 November 1020 Mr. 659 Polnische Ab eordnete bei den Friedens- Verhandlungen^Qligä. Ä^arschian, 24. Akovember. (W. P. G.) „Kurjer Wadszawski" ntesdet: - Gestern chat Ministerpräfident WitoS eine Konferenz mit den Vertretern der Sejm- Partei ab gehalten in Angelegenheit der Frage, welche Abgeordneten zur Teilnahme an den Friedensverhandlungen nach Riga entsendet werden sollen. Es wurde beschlossen, die nachstehenden Abgeordneten zu delegieren: G rab ski, M ieszko w ski, Kiernik, Waszkiewiez, Wichlinski und Barlicki. Ministerpräsident Witos über Qiica. WarschM, 24. November. In der gestrigen Sitzung des Landtages gab. Ministerpräsident Witos namens der Negierung eine. Erklärung ab, in der es heißt, die polnische Negierung stehe nach wie vor auf dem Standpunkt der genauen Erfüllung der BodinAlngen des Präliminarfriedens sowie des Waffenstillstandschertrages. Die polnische Negierung könne aber nicht zugeben. daß die Driedensverhandlungen für andere Ziele verwendet würden. Die polnische Neuerung wird die B'sc^.'eunigung der Drrhandlungen in Riga und die Festsetzung des Termins des Abschlusses dieser Veehand-- lungen verlangen. DeSnie — fugofkaWifcher Antzenminrster. Belgrad, 83. November. (Südslaw. Preßbur.) Der Ministerrat naihm in seiner heutigen Sitzung die Demission des Ministers des Auswärtigen Trumbie an. Mit der Leitung des Ministeriums des Aeußern wurde Ministerpräsident Be s nie betraut. Der Dölkrerbnnd für die ungarischen Juden. Genf, 22. November. (Jüd. 8wrr.-Bür.) Wie zuverläfs'g verlautet, beschäftigt sich jetzt der Völkerbundrat mit der verzweifelt-m Lage der ungarischen Juden. Herr Co 1ban, Mitglied des Bureaus des Völkerbundrates, wurde mit der Untersuchung dieser Angelegenheit betraut. Der Prozeß gegen die ungarischen Volksbeauftragten. Budapest, 24. November. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die nahezu sünfmonatige Verhandlung des Prozesses gegen die botschewUischen Dolkskommissäre wurde heute beendet. Als letzter trug der Volkskommissar für Unterrichtswesen Alexander Szabadas seitre Verteidigung vor. Hierauf schloß der Präsident Stöcker die Verhandlung. Gleichzeitig erklärt« er, daß das Gericht in Anbetracht pes riesigen Materials eine längere. Frist benötigen werde, um.das Urteil , schrkst.ich abzusasstn. , .< Die erste Aionistjfche Delegiertenverfammlung ln Tran-sylvanren. Kkanfenbireg, 24 November. (Damian.) Unter gryßer Be.eiligung fand heute die Eröffnung der ersten zionistischen Konferenz der Juden Transsylvaniens, des Banats und der MarmaroS statt. Dr. Theodor Fischer begrüßte als.Präsident des Jüdischen Natronalverbandes den Vertreter der Negierung, Staatssekretär Bo oa> den Präfek.en, den Bürgermeister Und den Vertreter des'Säch fi schen Nationalrats. Der Kongreß entsandte eine Huldigungsdepesche an den König und Begrüßungen an Avereseu, die zionistischen Führer und Herbert Samuel. Im Namen der Negierung begrüßte Staatssekretär Boca die Tagung und cr-> klärie, Rumänien werde seine treuen Juden in ihrer Palästina Arbeit werktät g unterstützen. (Die zionistische Arbeit beschränkt sich.nicht auf Palästina, sondern diese Tätitzleit setzt ein national gestärktes und im Vollbesitz seiner Rechne stehendes Judentum voraus!) Für den Jüdischen NalionalsondS hielt Adolf Pollak (Haag), für die Londoner Leitung Julius Berger, im. Namen des österreichischen Nationalverüandes Doktor Sonnenschein Begrüßungsansprachen. Plebiszit irr der griechischen Thronfrage. Athen, 23. November. (Funkspruch.) Die Regierung hat, um die Rücktehr des Ktznigs Konstantlu zu beschleunigen, bcsch.'cs,'en, unwiderruslich das Plebiszit auf Grundlage der Wahllisten vorzunehmen. Die Negierung hat die Einberufung der Kammer auf den 6. Dezember verschoben, damit diese über die Frage entscheiden soll, ob ein Nefereudum über die Rückkehr des Königs Konstantin vocgrnommen werden soll oder nicht. Paris, 24. November. (Wo'sf.) Am Schlüsse der gestrigen Kammerjitzung verlangten die Abgeordneten Ch apPelai n und Aub.rie über die Ereignssse in Griechenland und deren Einwirkung auf die französische Politik interpellieren zu dürfen. Ministerpräsident L ey-g u es schlug vor, die BeraMng der beiden Interpellationen. auf Freitag den 3. Dezember festzusetzen. Er erklärte, Frankreich wolle sich in die inneren Angelegenheiten Griechenlands nicht einmischen, aber toeivt von einer Macht ein Herrscher auf den Thron berufen werde, der Mitschuldiger von FrakkreichS Feinden gewesen sei, so müsse man diese aus die Folgen ihres Schrittes aufmerksam machen. Der Vertrag von Sevres, "der'noch'nicht ratifiziert sei, ent" halte die Ueberwachungskont-rölle, die den Schutzmächten zuersannt werde. Die französische Regierung wolle, demgemäß mit der englischen Regierung gemeinsam Vorgehen. Der ZnternationÄle G^werdschaftskongretz «fegen die Reaktion. Lendo-n, 24. November. (Reuter.) Der. Internat iona/e Getuer11chastslongreß nahm einen'Antrag an, I worin dagegen Aleiluna üeno.mmcn wird, daß dar 71