Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 659 (25.11.1920)
- Date
- 1920-11-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 659 Wien. Donnerstag Wiener MorgenzeiLung 26. November 1929 Seite 3 .. »>«»«> li UMIMHUM KISTEN " TELEPHON 44-2-39 aller Art liefern rasch und billig Wien, 11.,Praterstrasse 56 fi-GlNSBERGico. I darf feilte Störung im Genüsse der bürgerlichen, Rechts bilden und kein Hindernis für die Bekleidung eines öffentlichen Amtes sein." Grünbaum wies darauf hin, daß dieser Zusatz das Prinzip der Gleichberechtigung zu unterstreichen und zu befestigen strebe. Das seinicht überflüssig, da. in Polen noch die Traditionen'der Okkupationsnrüchte gegenüber den Juden nachwirken. Besonders stark sind diese Traditionen in Kongreßpolen in der. Beziehung zu den Bürgern nichtpolnischer Nationalität und nichtkatholischen Glaubens fühlbar und erinnern stark an die Verhältnisse, welche hier in den Zeiten der russischen Herrschaft geherrscht haben. Andererseits muß unterstrichen werden, daß im Gebiet von Posen, obwohl es dort keine Tradition bürgerlicher Ungleichheit gibt, die Stimmung der dortigen.O-effentlichkeit zu Beziehungen geführt hat, welchei stark an die preußische Herrschaft erinnern. Gerade deshalb muß das Prinzip der bürgerlichen Gleichheit so proklamiert -werden, daß kein Zweifel darüber bestehen darf, daß Nationalität und Religion kein Hindernis im: Genuß: der bürgerlichen Rechte bilden. Erft durch die vorge-' schlagen? klare Präzisierung würden albe willkürlichen Einschränkungen fallen. Daß solche bestehen, beweist am besten die Politik des polnischen-Kri»gsministeriums gegenüber den nichtpolnischen Nationalitäten und -die Antwort des Kriegsministers auf die jüdische Interpellation (von uns bereits gemeldet. D. Red.). .Redner befaßt sich eingehend mit den Erklärungen des Kriegsministers und weist darauf hin, daß dieser die Legende vom „jüdischen Verrat" in Siedlce und Biälystok noch immer gebraucht, obwohl sie durch offizielle Erklärungen der dortigen Bürgerschaft zerstört wurde.; Die Drohungen der „Ermachenden Ungarn" «md desAdonyerDetachements Die Budäpester Polizei hat ihre Erhebungen gegen die Brit-annia-Leute, wie aus Budapest berichtet wird, eingestellt. Es wurden wohl etwa eli Leute, lauter kleine, unbedeutende Menschen, der Staatsanwaltschaft überstellt, aber im großen ganzen hat die bisherige Voruntersuchung schon so viel Unangenehmes. und für manchen führenden Politiker Kompromittierendes ergeben, daß die Regierung förmlich erschrocken ist und die Nachforschungen eingestellt hat. Besondersunangenehm, wurde die Affäre, weil das große Publikum, die angekündigte Ordnungsmacherei ernftnahm und triefe in Leichtgläubigkeit so weit gingen, sich "bei der Polizei mit schwerwiegenden Anzeigen zu melden. Da mußte rechtzeitig gestoppt werden. Auch deshalb, weil bas in der Britannia-Affäre und durch die anderen Vorgänge der letzten Wochen besonders stark kompromittierte Adonher Detachement ganz einfach öffentlich erklärte, daß es sich „d itz De r ge w a l t i g u n ge n" nicht gefallen lasse und entschlossen sei, mit allen und jedem, der es angegriffen hat, beziehungsweise es in der Durchführung seines Programms zu hindern wagt, mit aller Energie abzurechnen. So gibt der Unterleutnant des Adonher Detachements Josef Kovacs im „Virradat" bekannt, daß einer der führenden Oberleutnants des Detachements demnächst in einem Buche die Ziele und die Tätigkeit des Adonher Detachements ausführlich bekanntgeben und Nachweisen wird,- daß unter den Mitgliedern des Detachements sich auch' führende Männer in hoher Stellung befanden. Kovacs beklagt es, daß während der letzten Untersuchungen führende Mitglieder des Detachements verleumdet worden seien und daß die Polizei gezwungen gewesen sei, die vorgeladenen Beschuldigten wieder zu entlassen und schließt: „Im übrigen werden wir, denen es gelungen ist, sich reinzuwaschen, gemeinsam Mittel und Wege suchen, um gegen unsere Verleumder Vorgehen zu können." i ' Deutlicher spricht die Drohung der „Erwachenden Ungarn". Mehrere Direktionsmitglicder des Verbandes sagen hierüber im „Az Ujsag": „Geradezu aufreizend ist es, daß der Verband der „Erwachenden Ungarn" laut dem letzten Ministerratsbeschluß gewissermaßen unter Kuratel gestillt werden soll. Wir sind die mächtigste Gesellschaft dieser Vereinigung des Landes. Sollte die Regierungsversügung nicht abgeändert werden, so wird die Direktion des Verbandes den Ereignissen freien Lauf lassen und lehnt jede Verantwortung für die künftigen Vorkommnisse a b." In einem Communiquö an die Blätter erklärt der Verband: Gegenüber den Maßnahmen der Regierung ist die Le'tung des Verbarrdes entschlossen, ihrem ursprünglichen Programm unter allein Umständen treu zu bleiben. Sollte es dem V rbande unmöglich sein, sein ursprüngliches P ogramm zur Geltung zu br ngen, so wird er daraus die Konsequenzen auf drr ganzen Linie ziehen. ' tzardings Programms Rach dem „Echo de Paris" führte H'arding in einer Rede aus, das Ideal, das er anstrebz, ein Amerika, das volles Vertrauen genieße und das, gestützt auf Hilfsquellen, die bisher kein Volk besessen habe, von einer freien Regierung ge>ii-rt werde. Innere Reformen, müßten Zunächst verwirklicht werden, damit Der.. " . , Die Frage der Abrüstung. — Einberufung einer internationalen Finanzkonferenz. Genf, 24. November. (Korr.-Bur.) In der gestrigen Nachmittagssihung der AbrüstungLkommission erklärte Leon Bourgeois, daß vor der Durchführung der Abrüstung die Entwaffnung Deutschlands durchgeführt und folgende vier Voraussetzungen erfüllt sein müssen: 1. «Vollständige Erfüllung des Friedensvertrages; 2. Organisation einer ständigen obligatorischen Kontrolle über alle Rüstungen; 3. Vorlage eines- Berichtes der besonderen Militärkommission; 4. Austausch aller die militärischen Rüstungen betreffenden Angaben seitens aller Mächte. Der schweizerische Delegierte Usteri erklärt, daß auch die Schweiz, so wie alle anderen Nationen, der schweren Rüstungslast müde und bereit sei, ihre ganze Kraft einzig den wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben zuzuwenden, sobald die allgemeine Lage dies erlaube. ’ Der' italienische ■> Delegierte Schanzer wies darauf hin, daß die Finanzen der Kriegführenden dringend eine Herabsetzung der Militärausgaben verlangen. Der englische Delegierte Fisher beantragte, die Diskussion vorläufig auf das Verbot der privaten Erzeugung von Waffen, die Prüfung einer Üebereinkunft iiber die Rüstungen und auf die Frage des Waffenhandels zu beschränken. Die vom Völkerbundrat eingesetzte Thphuskom- Mission, bestehend aus Dr. Nansen, Dr. P o t i e v i n und Dr. White, wurde vom Rat mit der Mission betraut, über die Typhusepidemie in Polen zu berichten. Der Altbundesrat Ador hat den Vorsitz der vom Volkerbundrat. eingesetzten provisorischen Wirtschafts- und Finanzkommission angenommen, die unter anderem ein Gutachten über die Opportunität der baldigen Einberufung einer zweiten internationalen Finanzkonferenz abzugeben hat. ' ' t Internationale Truppen na<$ Wilna. Genf, 24. November. Nach Anhörung der Delegierten Polens und Litauens hat der Völkerbundrat beschlossen, zur Sicherung eine unbeeinflußten Abstimmung im Gebiet von Wilna ein internationales Truppenkontingent von 1800 Mann dorthin zu. entsenden. Die Aufnahme Oesterreichs und Bulgariens in den DSllrerönnd. Genf, 24. November. (Schweizerische Depeschen« agentur.) Wie bereits gemeldet, erscheint die Aufnahme Oesterreichs und Bulgariens in den Völkerbund ziemlich gesichert. Besonders das Aufnahmsgesuch Oesterreichs wird allgemein sympathisch ausgenommen und ruft kaum einen ernstlichen Widerstand hervor. Dagegen macht sich gegen die Aufnahme Bulgariens von seiten seiner Nachbarn Serbien und Rumänien eine ziemlich erbitterte Opposition geltend. Diese Opposition sieht sich jedoch einer .starken Gruppe gegenüber, die, geleitet von dem Grundgedanken, daß der Völkerbund gegenüber den Volksmassen Ernst machen muß, mit dem Gedanken der Völkerversohnung für die Aufnahme Bulgariens emtritt, so daß die notwendige Dreiviertelmehrheit für die Aufnahme dieses Staates voraussichtlich zustande kommen wird.^ Die Unterkommission, die über die Aufnahme Bulgariens und Oesterreichs zu beraten hat, wird voraussichtlich morgen zu einem Beschluß gelangen. Die Bekämpfung der Epidemie im ^Ofteir. Genf. 24. November.. In der zweiten Kommission; erstattete der Direktor desin ernationalen Cs-undhrits-, Wesens in Paris Dr. Pottevin Bericht übcr die Thtzhus-i epidemie in Polen. Der Berichterstatter foris'tr den! .Völkerbund auf, zwecks Bekämpfung der Epidemie, dieim östlichen Europa große Verheerungen anrichte, sin-- zugreifen. Die dänische Regierung hat sich.bereit erklärt',! einen Teil der Lasten der, Bekämpfung der EpiöemiL auf sich zu nehmen. Frankreich als Protektor der ntiiteleuropaircden Reaktion. Ein Protest der französischen Sozialisten. Paris, 24. November. In der gestrigen Kammerdebatte. über die Wiederaufnahme der Beziehungen mit dem Vatikan, erklärte der sozialistische Deputierte Paul B o n c o u r u. a., die auswärtige Politik der Regierung bestehe darin,ün Oesterreich, Ungarn, Bayern und Polen die konservativen Elemente zu unterstützen, um sich ihrer wie einer Waffe zu bedienen und die demokratische Bewegung zu unterdrücken. Redner glaube, daß Frankreich durch diese Richtung seiner Außenpolitik die Hand zur Wiederherstel-- lung der M o n a r ch pe in Oesterreich biete. Auch in tt n g a r n b e g ü n st i g e die französische Politik die monarchische Restauration. das amerikanische Volk besser in der Lage sei, der Welt bei der Lösung der allgemeinen großen Problems behilflich zu sein. Die Wiederaufrichtung der Welt nach dem Kriege müsse unverzüglich in Angriff genommen werden. Die alte Ordnung der Dinge werde n's loiederkehren, denn andernfalls wären alle in der Vergante :" heit gebrachten Opfer vergeblich geweiea. Man müsse die Ueberreste des Sieges ne t von sich werfen und auf festen Grundlagen den Aufbau beginnen. Harding wandte sich sodann der Zukunft des amerikanischen Handels zu und verwies auf die Errungenschaften des amerikanischen Erfindungsgeistes sowie auf die Möglichkeiten. die der Ausbau des großen Systems der an.enkanischen Transportmittel biete. Angebliche Dunr-Dum-Geschosse in Asch. Das Preßbureau der tschecho-slowak'schen Gesandtschaft in Wien ist ermächtigt, zu erklären, daß die Nachricht eines hiesigen Blatts über Verwendung von "Dum-Dum-Grschcssen durch die Legionäre in Asch eine boshafte Erfindung ist. Manche Leute denken nicht daran einen- Artikel zu kaufen t Wenn Sie aber diesen Artikel in unserem Blatte anb eten. wecken Sie den Wunsch unserer Leser diesen Artikel zu kaufen oder gewinnen Käufer die sonst bei Ihrer Konkurrenz gekauft hatten «19 Redner frage sich, warum Frankreich das wieder-' Herstellen wolle, was der Krieg vernichtet habe. Datz französische Volk werde auf diese Art keineswegs seiw Ansehen und seine Macht in der Welt zu erhöhen vermögen. Man ermutige die Reaktion, die in Deutschland! die Erstarkung des Militarismus und damit der Wünsche nach Revanche zeitigen werde. Die Wahrheit sei, daß die Politik der Negierung darauf-hinauslause, die Arbeiter-! organisationen und die sozialistische Aktion zugunsten! der konservativen Elemente zu brechen. Diese Politik der Gegenrevolution werde heute ebenso in Rumänien wir, in Polen begünstigt. j Boneour schloß unter dem Beifall seiner Partei-' genosien, daß Frankreich in den Augen des Auslandes nie als gegenrevolutionäre Großmacht erscheinen dürfe. : r Inland. Der GZme'mderat als Landtag. Dr. Danneberg voraussichtlich Vorsitzender. Der Gemeinderat als Landtag hält morgen seine nächste Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stehen besondere Bestimmungen für die Geschäftsordnung des Wiener Landtages, die' Wahl d?s Vorsitzenden, sowie die Wahl der Vertreter dev Stadt Wien in den Bundesrat. j; Gemäß §; 12 der besonderen, Bestimmungen hqi fce«; v Wiener Landtag aus seiner Mitte drei Präsidentew zu wählen, denen der Titel erster, zweiter und dritter Präsident zukonunt. Der Bürgermeister und - die übrigen Mitglieder des Stadtsenats sind zu Vorsitzenden nicht wählbar. Der Bürgermeister kann also nicht Vorsitzender werden« Er ist als Landeshauptmann oberster Chef der Landesverwaltung. Der Landtag wird demnach aus seiner Mitte drei Vorsitzende wählen, und zwar entfallen nach dem Proporzsystein auf die Sozialdemokraten zwei, auf die Christlichsozialen ein Präsident. Die Sozialdemokraten schlagen als Präsidenten des Landtages den Gemeinderat Dr. Danne«. berg vor. . I Dre Stadt Wien hat auch nach dem Verfassungsgesetz 12 Mitglieder für den VunireSrat zu entsenden/ Hievon entfallen 8 auf die Sozialdemokraten und 4 auf ditz Christlichsozmlen. Von den Sozialdemokraten werden Bürgermeister Reumann, Vizebüraermeistcr Emmerling sowie die Stadträte Breitner und Speiser vorgeschlagen. Die anderen vier Mandate der sozialdemolratischen Partei werden Mitgliedern deö ehemaligen Landtages überlassen, die seinerzeit in Wien gewählt worden sind. Die christlichsozialen Kandidaten sind noch nicht nominiert worden. 17^32847