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Wiener Morgenzeitung · 1920-10-22 · Heft 627 (22.10.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 627 (22.10.1920)
Date
1920-10-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr 627 Dien. MMg , Wiener Morgenzerrung ,.22. vkuover jl920 Seite S Aionistisches LandeSkvmitee für Oesterreich ,VAVAVAVAVAVAV Sonntag den 24. Oktober, 10 Ahr vormittags Jüdische Massenversammlungen im Hotel Post, I. Postgasse 3, mb im Wiener ZtomSdienhans, lX. Rntzdorferstraße 4 bis 6 Tagesordnung: Her Ausgang der Wahlen Die Botschafterkonferenz gegen die jugoslawische Besetzung Kärntens. Paris, 21. Oktober. (Tel.-Kymp.) Die Botschafter-? « »i e r e n z hat in ihrer gestrigen Sitzung dir Antwort der südslawischen Regierung auf die letzte Note Aer Alliierten über den Zwischenfall in Kärnten geprüft. Sie hat n e u e S ch r i t t e in Aussicht genommen, die in Belgrad unternommen werden sollen, um eine vorbehaltlose Räumung der von den serbischen Truppen besetzten Gebiete?u erreichen. Die Konferenz, ist entschlossen, die RLumunp der durch die südslawischen Truppen besetzte Zone dmchzuführen. __________ Telegramme. Her Generalstreik der englischen Bergarbeiter. London, 21. Oktober. (Funkspruch.) In der gestrigen Parlamentssitzung hat der Führer der Bergarbeiter von Südwales, William B r a c e, mitgeteilt, daß die Bergarbeiter bie Forderung nach Sozialisierung des BergwerkbetiiebeS zmückziehen, und hat. hiefür weitgehendes Entgegenkommen der Grubenbesitzer i» der Frage der Lohnerhöhung verlangt. London» 21. Oktober. (Funkspruch.) „Daily NewS" erfahren, daß infolge der vom Cüdwalifer Bergarbriterfübrer Brace im Parlament gegebenen Anregung unverbindliche B e r h a » d, lunge« zurBeendigung des BrrgarbtstrrausstandeS bereits ausgenommen worden sind. London, 21. Oktober. (Reuter.) Als Folge deS BergmbeiterstrelkS werden große Aenderungen in de« Bekehr zwischen England und Frankreich angekündigt. Aus der Linie Southampton— St. Malo wird der Verkehr von heute an eingestellt. Der Völkerbuttdrat. London, 21. Oktober. (Funkspruch.) Der Völkerbundrat hat in seiner ersten Brüsseler Sitzung Entschlüsse über die Abwicklung der zu erledigenden Fragen gefaßt. „Petit Paris»«* erfährt, daß die Frage deS Statuts von Armenien, die Heimsendung der noch in Europa b-findlichen russischen Kriegsgefangrnen, die Bekämpfung der TtzphuSepidemir und der deutsche Protest wegen der Zuweisung von Eupe« und Malmedtz an Belgien auf der Tagesordnung stehen. Die irische Frage. London, 21>Oktober. (Reuter.) Bei Verhandlung der irischen Frag^ im Unterhaus verlangte Henderson namens der Arbeitspartei eine sofortige Untersuchung der Unterdrückung in Irland und die Einstellung der Politik des militärischen Terrors. Der Staatssekretär für Irland widerlegte die' ' gegen die englischen Truppen erhobenen Anklagen und sagte für die nächste Zukunft das Ende des Motzdregimes in Irland voraus. 1 Schließlich wurde der Antrag Henderson mit 346 hegen 79 Stimmen abgclehnt. Der Bürgermeister von Cork. London, 31'. Oktober. (Reuter.) Dein Bürgermeister von Cork wurde in bewußtlosem Zustande Fleischbrühe und Branntwein eingeflößt. Sobald er bas Bewußtsein wieder erlangte, verweigerte er jede Nahrungsaufnahme. Moskauer Kampfbericht. Moskau, 21'. Oktober. (Funkspruch.) Fvontbericht vom 20. Oktober: Südwestlich von Minsk besetzten wir eine Reihe von Ortschaften. In der PoWsie rücken wir an einer Front von 40 bis 60 Werst vor. Nordöstlich von N-owvgrad-Wolynsk griffen die Polen am 19. Oktober unsere Stellungen an. Bei Mogilew- Podolsk rücken die Petljura-Truppen vor. An der Südfront haben wir bei Bolschoj-Tokmak und Gulaj-Pöle einen bedeutenden Sieg errungen. Die Stadt Bolschoj- Tokmak wurde durch unser Gejchützfeuer in Brand geschossen. Zwei große Muni'tivnstransporte, fünf Flugzeuge, Tanks und Panzerkraftwagen wurden erbeutet. Die Wrangelschen Generale Bogatewik und Toftli n fielen. Die Zahl' der Gefangenen ist noch nicht Äb gültig festgestellt. Die Verhandlungen in Riga. Warschau, 21. Oktober. (W. P. G.) In Anwesenheit drü MinisterS S a p i e h a erstatteten gestern die Mitglieder her polnischen Frirdensdrlegatiön im Landtagsau-Hchuß für Aeußeres dm Bericht über die Verhandlungen inRiga. Die sich daran knüpfende Debatte stellte fest, daß von keiner Seite irgend ein prinzipieller Einspruch gegen die in Riga geschloffenen Verträge erhoben wird. Der RegrerungSentwurf über die Ratifizierung der Rigaer Verträge wird in einer der nächsten Sitzungen dem Landtag unterbreitet werden. — Gestern vormittags fand «me Sitzung deS Ministerrates statt, in der Dizrminister D » m b S k i über den Verlauf der Rigaer Konferenzen berichtete. Lieber in Sibirien als in Ungarn! Ein amerikanischer Bericht über die magyarische Hölle. Die in den letzten Tagen auS Amerika einlangenden ungarischen Blätter enthalten den Bericht, welchen der. von einer Informationsreise aus Ungarn nach New- Dark zurückgekehrte Hauptkassier des Amerkcan Relief Committee for Hungarian Sufferers (Amerikanisches Hilfskomitee für die ungarischen Notleidenden), Herr Rudolf O b l a t h, am 28. September erstattet hat. Herr Oblath berichtet unter andern: Der Terror in Ungarn ist furchtbar. Ich häbe drei Monate in Ungarn, hauptsächlich in Budapest, verbracht, aber auch andere Städte besucht. Während dieser Zeit habe ich bei verschiedenen Gelegenheiten mit eigenen Augen den Vandalismus des Weißen Terrors sehen können. Ich will nicht die Namen der vielen Hunderte von Persönlichkeiten anführen, mit denen ich über diese Zustände gesprochen^ habe, weil ich ihr Leben nicht in Gefahr bringen will. Ich erwähne jehoch die Namen von - Personen, die, wie ich auf das bestimmteste weiß, gepeinigt oder ermordet wurden. In Kisrzell bei Tapolcza wurden von vierzehn Familien die folgenden ermordet: Dreier, seine Frau und sein Sohn, Gartenzäun, Ährer Nathan Brei er,. Hermine Singer und ihr Sohn, Molnar und Moritz Singer. Im Militärspital Nr. 17 in Budapest, 1. Bezirk, Kende-utcza^12, liegt Hauptmann Veszthy, der sechs Jahre, in der Armee gedient hat und von den Weißen Terroristen schrecklich zugerichtet wurde. Samt-, liche Rippen wurden ihm zerbrochen. In dieser Angelegenheit lat das « Mitglied der italienischen Mission, Cerutti, die Recherchm gepflogen und die Bestrafung der Schuldigen i n Ans sicht gestellt. Ich selbst saß einmal mit den: Mitglied unseres Budapestcr Komitees Dr. Szekel'h vor dem Hunoaria-Hviel, als plötzlich ein großer Lärm erscholl: „Nieder mit den Juden! Alle müssen umgebracht werden!" Die Demonstranten drangen ins Hotel ein und fielen über den 76iährigen Hausaqeneu des E"zherzogs Jose?, namens Braun, her, einen vornehmen, ausgezeichneten Mann, dem in Gegenwart von Hunderten von Zuschauern der Schädel eingeschlagen wurde, so daß er sich buchstäblich im eigenen Blute badete. Die Verbrecher, Pie diese Tat begangen haben, wurden wohl in Haft genommen, jedoch nach einigen Tagen wieder straflos fr ei ge lassen. Ich war in Gesellschaft unseres Komiteemitgliedes Dr. Ernst" Deutsch anwesend, als der Weinhändler Nadler auf dem Deakplatz von einem Militärdetachement weggeschleppt wurde. Als sein Sohn dagegen protestierte, wurde auchermitgenvmmen. Ungefähr vier Tage später sah ich ihn wieder; sein Körper war voll mit Wunden, seine Augen furchtbar angeschwollen und auch sein Kops wi<H Verletzungen auf. Ein gewisser Kanitz, der erst vor kurzem vom. Militär kam. wo er den Krieg mitmachte, wurde in Gegenwart vieler hunderter Menschen mit Bajonetten erstochen und dann in den Teich geworfen. Ich könnte noch viele ähnliche Fälle aufzählen. Ich habe oft mit dem Vertreter der Vereinigten Staaten Grant Smith über diese Dinge konferiert, der mir s e l b st e r z ä h l t e, wie systematisch diese Morde durchgeführt werden. Ich war gerade in seinem Bureau, als ihm gemeldet wurde, daß Menschen lebendig begraben wurden, nachdem sie gezwungen worden waren, ihr eigenes Grab zu schaufeln. Ich forderte von ihm eine strenge Untersuchung des Falles und erklärte ihm gleichzeitig, daß ich diese Vorfälle dem „New Aork World" mitteilen werde. Ein Vertrauensmann unseres Vertreters, ein höherer Offizier, der mit den Recherchen betraut war, mußte am nächsten Tage all das bestätigen, was er tags vorher für unmöglich Hielt. Grant Smith ging am nächsten Tage zum Reichs- : Verweser Hort H y', um ihm den Fall mitzuteilen. ° Es wurde Militär- und eine Maschinengewehrabteilung in - jene Gegend "entsendet, um Ruhe zu schaffen. Die Detachements beantworteten dieses Eingreifen des Kriegs- Ministers mit ö f fe n blichen K u n d g e b.u n g% n, in welchen der Kriegsminister unter Drohungen gegen fein Leben rum Rücktritt aukgefordert wurde. Der Kriegs- - minister zog es vor, .seine^ Demission zu geben. Bemerkenswert ist, was Herr Oblath über die Behandlung der Heimkehrer berichtet: Mir wurde mitgeteilt, daß die a u s. d«« A.usla nde heimgebrachten Kriegsgefangenen auf einige Wochen in Konzentrationslager gebracht werden, um. sie auf ihr Verhältnis zum Bolschewismus zu prüfen. Äus diesen.Konzentrationslagern sind vieleIuden spurlos v er sch wund en; auch die aus 'Sibirien heimgebrachöen Kriegsgefangenen .werden, in Konzentrationslager gebracht und wenn unser Komitee nicht die Möglichkeit erhält,. diese Kriegsgefangenen bis zu,' dem Tage, an wekMm sie ihren Angehörigen übergeben werden, zu kontra meven, so-ist es besser, wenn das- Komitee seine Arbeit einstellt, weil die ckrmen Kriegsgefangenen * in Sibirien sicherer sind'als in den Konzentrationslagern Ungarns. - Den festlichen Empfang, der Herrn Oblath in Budapest bereitet w^urde, schildert er, wie folgt: Beidem mir zu-Ehren veranstalteten Empfang im Rat-' haus waren unter anderen anwesend, der antisemitische Führer Csillery in Vertretung der Regierung,. Stephan Friedrich, der Bürgermeister und - .seine Gattin, unser Komiteemitglied Dr, Ernst Deutsch re. Knapp vor dieser Festsitzung begegnete.ich meinem Neffru, der einige Zeit vorher nach S i o fo k verschleppt, zwei Wochen lang dort zurül^gehalten, blutig geschlagen und gegen Erlag eines gewissen Betrages wieder freigelassen worden war. Sie können sich nun denken, in welcher Stimmung ich mich, zu diesem festlichen Empfang, begeben hatte. Als mjr das Wotzt erteilt würde, diktierte es mir mein Gewissen, den Budapester Herren Worts - zu sagen, wie sie sie noch von niemandem gehört hatten. Ich schilderte ihnen, auf welche Weise, unser amervkanisches Hilfskomitee für Ungarn zustande gekommen ist. Ich las ihnen die Narpen aller unserer Funktionärs vor und stellte fest/daß alle durchwegs Juden sind. Ich hielt ihnen vor, daß 75 bis 80 Prozent der ber unserem Komitee eingeflossenen Spenden jüdisches Gew sind, aus welchenr wir magyarische mchtjüdische Kinder verpflegen. Ich sagte ihnen, daß zur selben Zeit, da wir unsere Zeit und unser Geld opferten, wir unsere Frauen und, unsere Kinder betteln schickten, damit die ungarischen Kinder nicht Hunger leiden, sie unsere in Ungarn lebenden Angehörigen verschleppt und blutig gepeitscht haben. Ich habe mit dem Finger auf sie hingewiesen und ihnen-zugerufen: Ihr seid ve r a n t^ wörtlich für die Mörder, weil ihr deren Führer seidt Ich erklärte ihnen schließlich, ^aß,t solange der iveiße Terror in Ungarn herrscht, unser Komitee s nicht einen Heller nach Ungarn schicken werde. Herr Oblath schloß seinen Bericht mit dem An* trage, daß das Hilfskomitee auch offiziell die ungarische Regierung und das ungarische Volk auf geeignetem Wege in Kenntnis setze, daß die Hilsstütigkrit des amerikanischen Komitees so lange aussetzen werde, als nicht die Gewißheit vorliegt, daß die unerhörten Verfolgungen ein Ende genommen haben. Ein Antrag des Herrn Dr. Horn auf sofortige Auflösung' des Hilfskomitees .wurde mit zehn gegen neun Stimmen abgelehnt und ein dreigliedriger. Ausschuß eingesetzt um über die weiteren Schritts Vorschläge zu erstatten. Pogromfurcht in der Bukowina. C-er«owiK» 20. Oktober. (Jrwish Corr. Bur.) Im Süden Bükowmas sind m den letztenTagrN Zeichen von sich vorbereitenden Jydenexzessen bemerkbar geworden. In Dorn a Kandreni »Nd in B atra Dvrnei find gewisse Kresse am Werke, um Judenau-jchreitungen nach dem Müller des vergangenen Jahres zv mf,micren. Die Curnowitzer Presse fordert daher die Regierung auf, die nötiarn Maßnahmen -u ergreifen, da die von de« Behörden versprochene Verstärkung der Gendarmcrieposten nach vorjährigen Erfahrungen kerne auSrerchendr Bürgschaft für Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit bietet. Lokomotivführerstreik in Rumänien. Bukarest, 2t. Ot oder. (Funkspruch.) Dre H e i z e r und Lokomotivführer, find wegm Lobworderungen in den A y - fi a n d getreten. DaS KrirgSminillerinm hat alle «och. Wehrpflichtigen unter den Ausständige« rinberufen und droht ber Nichtfolgrlrrstung mit kriegsrrchtlicher Verfolgung wegen Desertion. Die Sozialifierung in Deutschland. 21. Oktober. Das Kabinett hat nach Konntnisnahme der Vorschläge der Sosiali,ierungskvmmisjion beschlossen, einen Gesetzentwurf über die Sozialisier u n a auSzuarbeilen. Das Kabinett bat lick aber an bie Vorschläge der Kommission nicht gebunden, sondern sick lediglich darauf geeirigt, .sofort die Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes zu veranlassen. Innerhalb des Kabinetts kestehen sta r ke G e g e n s.ätze in der Sozialiiierungssrage. ' Die italienische sozialistische Parteileitung gegen einen Generalstreik. Florenz, 21, Oktober. (Stefanie Auf der Konferenz der, sozialistischen Parttlleitung wurde beschlossen, an die Massen einen Appell zu richten, worrn sie aufgefordert werden, von einem sofortigen Generalstrrrk abzufrhrn und sich für eine Aktion, die von der Parterleitung als notwendig erachtet, werden könnte bereitznhalten. Jüdische Hilfsaktion in Holland. Don unserem'holländischen Korrespondenten. In Amsterdam hat sichein Verein sämtlicher in -Holland anwesender osteuropäischer Juden konstituiert, der bereits über 359 Mstglieder zählt. Die erste Arbeit des Vereins war die am 16.d.M. gememschaftlich mit anderen bereits bestehenden Hilfsvereineu in,-- der. .arolleu D '.am.au tb ö u le ' ve rau stalle te

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